Disclaimer: Harry Potter und die darin vorkommenden Charaktere gehören Evandar und mir in keiner Weise. Alle originalen Charaktere gehören Evandar.

TN: Danke an Rayaki, fürs drüberlesen :3

Edit am 06.04.2013


Serpens Armarum

By Evandar

Kapitel 2

Die Abmachung

Der Rest des Jahres verging schnell und leise. Der Vorfall in der Kammer hatte eine Woche vor den Sommerferien stattgefunden und Harry war entschlossen die Gesellschaft seiner Freunde zu genießen, bevor er zu den Dursleys zurückgeschifft wurde.

Seine Freunde – und tatsächlich auch einige Leute, die er zuvor wohl noch nie getroffen hatte – schienen andere Pläne zu haben. Sie alle wollten wissen, was in der Kammer passiert war, wie er den Basilisken getötet hatte, wie er ohne einen Kratzer überlebt hatte und so weiter. Einige, im Besonderen Hermine, wollten, dass Harry ihnen die Kammer zeigte. Sie fanden, es wäre ‚großartig' die Chance zu bekommen, die Kammer des Schreckens zu betreten, nun, da der Basilisk tot war. Harry in jedem Fall lehnte ab. Er wollte mit niemandem teilen, was dort unten geschehen war, nun, da er es dem Schulleiter erzählt hatte. Aus irgendeinem Grund fühlte es sich sehr persönlich an. Ron, auf der anderen Seite, war mehr als nur froh, die – sehr übertriebene – Geschichte mit seinem Publikum zu teilen. Die anderen saugten es auf, schauten aber nach Bestätigung suchend zu Harry.

Das Einzige, was Harry erzählte, war, wie Fawkes ihn "geheilt" hatte. Harry versteckte die immer noch vorhandene Wunde, wo ihn der Basiliskenzahn am Arm verletzt hatte. Er hatte eines von Dudleys alten T-Shirts zerrissen, um einen Verband daraus zu machen und war achtsam immer lange Ärmel zu tragen. Es gab keinen Weg, wie er den Biss von allein hätte überleben sollen, zumindest ohne eine schnelle Behandlung mit Phönixtränen und das letzte, was er wollte, war zu verbreiten, dass Harry Potter, der Junge der lebte, schon wieder etwas überlebt hatte, was er nicht hätte sollen. Also verschwieg er die Verletzung und erzählte niemandem von den merkwürdigen Farben, die sein Sichtfeld füllten und auch nicht von den hin und wieder auftretenden Zuckungen seines Körpers.

Er wusste nicht genau, was diese Dinge bedeuteten. Sie störten ihn nicht wirklich; er konnte den Schmerz von den Verkrampfungen ausblenden und die seltsamen Farben waren einfach zu ignorieren – er konnte sowieso an ihnen vorbeischauen, irgendwie. Aber auch wenn sie ihn nicht störten, wollte er wissen, warum sie erschienen waren.

Bedauerlicherweise brachten die Nachforschungen, die er in der Schulbibliothek durchführte, überhaupt nichts. Laut den Büchern über Basilisken, die er fand, hatte niemand je einen Basiliskenbiss überlebt, es sei denn, sie hatten einen Phönix parat gehabt. Noch bedauerlicher war, dass, jedes Mal wenn er versuchte etwas über sie herauszufinden, Hermine ihre Nase hineinsteckte. Er respektierte ihren Intellekt und ihre Fähigkeit Nachforschungen zu betreiben; er wusste, dass sie intelligenter war als er und das sie eine große Hilfe wäre herauszufinden, was er wissen wollte, aber er konnte es nicht erlauben. Aus demselben Grund aus dem er sie, oder irgendwen, nicht in die Kammer hinunter nehmen wollte, wollte er sie nicht in seine Nachforschungen mit einbeziehen. Es war zu privat; zu persönlich und ihre herrische Art und ihre Angewohnheit ihre Nase in seine Angelegenheiten hineinzustecken, gingen ihm auf die Nerven. Er wusste, dass sie nur versuchte zu helfen, aber er wollte es nicht.

Auf diese Weise verbrachte Harry die letzten Tage seines zweiten Schuljahres damit, die meiste Zeit auf dem Schulgelände mit seinen Freunden aus Gryffindor zu faulenzen. Er genoss die Möglichkeit in Frieden in der Sonne ausgestreckt zu liegen. Sogar die Slytherins schienen damit zufrieden zu sein, sie in Ruhe zu lassen.

Die Zeit den Hogwarts Express zu besteigen und in die Muggle Welt zurückzukehren, kam nach Harrys Meinung viel zu schnell. Der Gedanke, zur Nummer vier, Ligusterweg zurückzukehren, füllte ihn mit Unbehagen und sorgte dafür, dass sein Frühstück wie Blei in seinem Magen lag. Würden sie ihn so behandeln wie vorigen Sommer? Würden sie seinen Koffer wegsperren und Hedwig in ihrem Käfig einschließen? Er wäre nicht überrascht.

Seine miesepetrige Laune wurde offensichtlich von seinen Freunden bemerkt, da sich Hermine während des Frühstücks über den Tisch lehnte und ihn vorsichtig am Arm berührte. „Es wird schon gut gehen, Harry", sagte sie. „Ich weiß, dass der letzte Sommer hart für dich war, aber du musst nur deinen Kopf bedeckt und dein Temperament im Zaum halten."

Harry biss die Zähne zusammen. „Es war nicht meine Schuld, weißt du", murrte er. „Es ist ja nicht so, als hätte ich Dobby darum gebeten, vorbeizukommen und eine Dinnerparty zu ruinieren."

„Ja", schaltete Ron sich ein. „Und es ist ja nicht so, als ob es eine normale Bestrafung wäre, jemanden wegzuschließen und hungern zu lassen, Hermine."

Hermine biss sich auf die Lippe. „Ich weiß", sagte sie. „Aber Dumbledore würde Harry nicht zurückschicken, wenn sie ihn wirklich hassen würden. Ich meine, es ist ja nicht so, als ob sie ihm wehtun würden oder so etwas, nicht wahr?"

Harry entschloss sich den Umstand, dass er den Großteil seiner Kindheit in einem Schrank eingesperrt verbracht hatte, oder all die Prügeleien, die er nach zufälligen Ausbrüchen seiner Magie erhalten hatte, nicht zu erwähnen. Hermines Vertrauen in Autoritäten, insbesondere Dumbledores, war nicht zu erschüttern.

„Ja", murrte er. „Genau."

Sie schnaubte. „Auf jeden Fall solltest du dein Bestes tun jeglicher Konfrontation aus dem Weg zu gehen, Harry", meinte sie. „Ich sag ja nicht, dass es alles deine Schuld ist, aber den Kopf einzuziehen und mit dem Strom zu schwimmen wird dir deine Verwandten vom Hals halten."

„Ich weiß, Hermine", brachte Harry hervor. „Ich bin mit ihnen aufgewachsen, erinnerst du dich?"

Hermine lächelte ihn nur an. „Ich weiß, Harry, aber manchmal bist du ein wenig dickköpfig."

Harry ignorierte sie und lenkte seine Aufmerksamkeit wieder zurück auf sein Rührei, welches er die letzten zwanzig Minuten auf seinem Teller herumgeschoben hatte. Eine andere Sache, die sich seit der Kammer verändert hatte, war Harrys Appetit. Er fühlte sich überhaupt nicht hungrig. Die Dursleys würde sein mangelndes Hungergefühl bestimmt freuen.

Die Zugfahrt an sich war ziemlich ruhig. Ron fragte Harry, ob er mal wieder vorbeikommen würde und sie spielten ein paar Runden Snape explodiert, während Hermine las. Malfoy machte seinen üblichen Besuch in ihrem Abteil, damit er noch in letzter Minute vor Beginn der Ferien ein paar höhnische Grinser und spöttische Kommentare anbringen konnte.

Nachdem Malfoy gegangen war, schleifte Harry Ron in seinen Sitz zurück und warf seinem Freund einen warnenden Blick zu. Rons Gesicht und Ohren waren roter als seine Haare und es sah so aus, als würde sich Hermine für eine Schimpftriade warmlaufen.

„Ich schwöre ich kriege ihn nächstes Jahr dran", grummelte Ron. „Ich bekomme einen neuen Zauberstab und wenn ich Malfoy das nächste Mal sehe, werde ich ihn so sehr verhexen, dass es selbst seine Vorfahren fühlen werden."

„Ron!" begann Hermine. „Ich glaube wirklich nicht, dass …"

„Ich weiß nicht, Kumpel", unterbrach Harry. „Das ist es doch, was er möchte, nicht wahr. Dass du deine Geduld verlierst, meine ich."

„Kann schon sein", gab Ron zu. „Aber ich würde mich echt klasse fühlen."

Harry lachte. „Denk mal drüber nach. Wenn du ihn nur einmal ignorieren würdest, wäre er sicher genervt. Ich meine, Angeber wie Malfoy lieben Aufmerksamkeit, also würde es ihn echt anpissen, ihm keine zu geben."

Ron schien darüber nach zu denken. Harry fuhr fort. „Wenn du versuchen würdest dein Temperament über den Sommer zu kontrollieren", sagte er. „Dann würde es, wenn der September kommt, leichter sein so zu tun, als ob er nicht existiert."

Rons grinste. Er nickte. „Richtig", sagte er. „Aber … ich könnte die Zwillinge doch immer noch dazu anstiften ihn aus Rache Streiche zu spielen, oder?"

Harry nickte. „Sicher, mach sogar mit. Nur lass dich nicht erwischen."

Ron setzte sich mit einem verträumten Gesichtsausdruck in seinen Sitz zurück. Hermine strafte Harry mit einem missbilligenden Blick, der ihn bemerkte und mit den Schultern zuckte. Ron reagierte besser auf Zuspruch als auf missbilligende Belehrungen und auf diese Weise würde er sich zumindest aus Problemen herraushalten.

Hermine würde das nicht so sehen. Harry war der Meinung, dass eine nicht mit ihm sprechende Hermine marginal besser war, als ein Ron, der in mehr Auseinandersetzungen mit Malfoy geriet.

Onkel Vernon sah genauso aus wie immer; sein rundes Gesicht fett und hassverzehrt; sein buschiger Schnurrbart zitternd vor Wut. Er stand in deutlichem Abstand zu den Weasleys, die er offensichtlich vom letzten Jahr wiedererkannte und sah Harry finster an, als er seinen Blick auf ihn richtete.

Harry hingegen ignorierte ihn komplett, bis er Rons Familie begrüßt und sich für sein Weihnachtsgeschenk bedankt hatte. Dann drehte er sich um, straffte seine Schultern und ging zu seinem Onkel.

„Du hast lange gebraucht, Junge", grummelte Vernon in der Sekunde, in der Harry in Hörweite war.

„Entschuldigung, Onkel Vernon", sagte Harry sofort.

Vernon schnaubte und ging los. „Heb deine Füße, Junge", schnappte er. „Wir haben es eilig. Müssen das Haus für Marge herrichten."

Harrys Blut gefror in seinen Adern. Seine Tante Marge – nicht seine echte Tante, sondern Vernons Schwester – war in jeglicher Hinsicht genauso bösartig wie ihr Bruder. Sie war eine große, runde Frau mit einem Schnurrbart fast so groß wie Onkel Vernons. Sie verbrachte ihre Zeit mit der Zucht von Doggen und liebte abscheuliche Wollanzüge über alles. So wie die meisten Dursleys betete sie den Boden an, auf dem Dudley watschelte und behandelte Harry wie Dreck.

„Ta – Tante Marge kommt?" fragte Harry, während er anfing zu joggen, um zu seinem Onkel aufzuschließen. „Um zu bleiben?"

„Natürlich, du dummer Junge", höhnte Vernon. „Sie hat unseren Dudley nicht mehr gesehen, seit er acht war, und hat den Jungen vermisst." Sein rundes Gesicht verzog sich zu einer Grimasse. „Natürlich bringt sie ihren verflixten Hund auch mit."

Harry schauderte. Er hatte schlechte Erinnerungen an Ripper – Tante Marges Lieblingshund. Das letzte Mal, als sie zu Besuch gewesen war, war Harry aus Versehen auf seine Pfote getreten und wurde von ihm auf einen Baum gejagt. Tante Marge hatte Ripper bis nach Sonnenuntergang nicht zurückgepfiffen.

Und Hermine dachte er würde absichtlich Streit suchen …

„Uhm, Onkel Vernon", fing Harry an. „Ich habe nachgedacht. Tante Marge mag mich nicht wirklich und ich wäre sowieso nur im Weg, also … wenn ich meine Aufgaben und so erledigt habe, bevor sie ankommt, dann könnte ich doch vielleicht gehen und woanders bleiben, solange sie zu Besuch ist. Da ist diese Schenke in London, die Räume vermietet – und zwar von meinen Leuten – also könnte ich dort vielleicht bleiben und aus dem Weg sein."

Vernon summte, als sein verkniffener Gesichtsausdruck nachdenklich wurde. Harry wusste, dass er seinem Onkel einen guten Deal anbot: Die meiste Zeit der Ferien ohne Harrys verhasster Anwesenheit und die schwierigen und langweiligen Hausarbeiten erledigt. Und niemand, nicht einmal Vernon, konnte verleugnen, um wie viel glücklicher Marge sein würde, wenn Harry während ihres Besuches nicht da sein würde.

„In Ordnung, Junge", meinte Vernon, als er Harry dabei zu sah, wie er damit kämpfte seinen Koffer in den Kofferraum zu laden. „Du hast deinen Deal. Du erledigst deine Pflichten und benimmst dich für zehn Tage bis Marge eintrifft und ich fahre dich zu dieser dämlichen Schenke. Wo liegt die?"

„Charing Cross Road, Onkel Vernon", antwortete Harry. „Vielen Dank, Sir."

Vernon schnaubte. „Bedank dich nicht, Junge", sagte er fies. „Ich tu dir keinen Gefallen. Wir sind alle viel glücklicher, wenn du nicht da bist und wenn wir nach Hause kommen, wirst du so hart wie möglich arbeiten, verstanden? Und ich bezahle nichts für deinen kleinen Urlaubsausflug. Du kannst das Geld dafür woanders finden."

„Ja Onkel Vernon", zirpte Harry.

Geldtechnisch hatte er kein Problem. Und er hatte sich gerade einen Sommer voller Freiheit gesichert. Jetzt war alles, was er tun musste, seinen Teil der Abmachung einzuhalten.