Kapitel 2. Jahre der Unterdrückung

Zwei Stunden vergehen bis zum Eintreffen Professor McGonagalls. Die Gespräche die in dieser zeit entstanden sind, handelten ausschliesslich über das Näher kommen der Todesser. Sie geht durch die reihen und verteilt jedem Schüler einen persönlichen Stundenplan. Mit einer herrischen Geste ihrer Hände bringt sie die ganzen Schüler zum Schweigen.

„Bitte hört mir noch einen Augenblick zu. Der Schulleiter hat mich noch angewiesen euch mitzuteilen, dass jeder Schüler seiner Familie schreiben soll. Jeder ist in Hogwarts herzlich Willkommen. Es wird genug Platz erschaffen, dass alle eure Eltern hierher kommen können. Die Schüler mit Muggeleltern fordern wir dringlichst auf, dies zu tun, da ihre Eltern hier sicherer vor einem Angriff der Todesser sind als in ihren Häusern. So, nun zu den Stundenplänen. Sie werden ab Montag in Kraft treten, ich bitte sie alle pünktlich zu erscheinen. Den Rest der Woche haben sie frei, da es in nächster Zeit nicht mehr vorkommen wird. Ich werde beim Verlassen des Gemeinschaftsraumes noch die Liste mit den Schülern für den Animagusunterricht ans schwarze Brett hängen." Sie wendet sich von der Schülermenge ab und macht sich daran die Liste aufzuhängen.

„Ich wünsche allen noch einen schönen Abend und eine erholsame Woche." Wie bei einer Zeitbombe, die Schüler explodieren förmlich, als ihre Hauslehrerin den Raum verlassen hat. Alle reden durcheinander und rufen sich irgendetwas über den Köpfen der anderen zu. Zu dritt ziehen wir uns in eine etwas ruhigere Ecke des Raumes zurück und unterhalten uns etwas mehr über die neuen Stundenpläne.

„Hast du das schon gesehen Mine? Wir haben VIER Stunden am Stück Zaubertränke bei der elenden Fledermaus!!", quengelt Ron schon wieder los.

„Ron, es wird uns gewiss nützlich sein und uns einiges für die Entscheidungsschlacht lehren.", entgegnest du in deinem lehrreichen Ton.

„Hey ihr beide, kommt mit, schauen wir uns mal die Liste am schwarzen Brett an", ich sehen den Streit schon kommen und versuche euch wenigstens abzulenken. Ich erhebe mich aus meinem Sessel und bahne mir einen Weg durch die Schüler. Ohne mich umzusehen weiss ich, dass ihr mir folgt, denn ihr macht es nicht leise, nein, ihr keift euch, so dass es die ganze Halle mit anhören kann. Vor einer grossen Traube mache ich halt und warte bis ihr endlich aufgeschlossen habt. Ron, der ja der grösste von uns ist, stellt sich auf seine Zehen um uns die Namen auf der Liste vorzulesen. „Hey Harry! Glückwunsch du stehst auf der Liste und warte mal, ja Hermine du auch", so beendet er die Vorlesung. Ein enttäuschter Ausdruck macht sich auf seinem Gesicht breit.

„Komm schon Ron, sei nicht beleidigt. Wir werden dir jeden Abend eine Sonderstunde geben, nicht Harry?" Doch statt zu antworten wechsle ich abrupt das Thema:

„Seht euch das mal an Leute. Ich werde den gesamten Donnerstag unterrichten. Alle Altersstufen werden anwesend sein. Alle Schüler Hogwarts. OH MEIN GOTT! Ihr habt ja alle gleichzeitig bei mir Unterricht!"

„Weißt du denn schon, was du uns beibringen willst Harry?", fragst du mit in neugierigem Ton, „du musst dir wirklich gut überlegen wie du den Unterricht gestalten willst."

„Ja Hermine, ich weiss schon ziemlich genau, was ich euch als erstes beibringen werde", antworte ich freudig auf deine Frage. Doch deinen erwartenden Blick erwidere ich nur mit einem weiteren, der so viel wie, das wirst du schon noch sehen bedeutet. Eine unangenehme Stille breitet sich aus, da niemand etwas zu sagen hat. „Los, lasst uns doch in die Eulerei gehen und unsere Briefe schreiben." Ein stummes Nicken von euch zeigt mir, dass ihr mit dem Vorschlag einverstanden seid. Wieder drängen wir uns einen Weg durch die Menge, nun aber zum Portraitloch. Den Weg zur Eulerei legen wir alle in Gedanken versunken zurück, denn jeder überlegt sich, was er seiner Familie nur schreiben soll. Jeder nimmt sich ein Pergament, nachdem wir im Turm angekommen sind und beginnt damit einen Brief zu formulieren.

An Familie Dursley

Auch wenn wir uns nicht immer gut verstehen, bitte ich euch hierher nach Hogwarts zu kommen. Lord Voldemort, der Mörder meiner Eltern, ist auf dem Vormarsch. Er wird jede Familie von Halbblütern oder Muggelgeborenen töten, wenn sie ihm im Weg stehen. Darum bitte ich euch, kommt nach Hogwarts. Hier seid ihr sicherer als im Ligusterweg. Ihr werdet nicht die einzigen sein, denn es werden alle Schüler gebeten, die Eltern nach Hogwarts zu holen. Ich bitte euch, mir bescheid zu geben, wenn ihr kommen wollt. Gebt Hedwig einfach einen Brief mit, sie wird bei euch auf eine Antwort warten. Wenn ihr euch entscheidet nach Hogwarts zu kommen, gebe ich euch jetzt eine Beschreibung, was ihr machen müsst. Ihr wisst ja, dass ich immer auf Kings Cross abfahre und ankomme. Begebt euch zu der Absperrung zwischen Gleis neun und zehn. Schreitet einfach durch die Mauer, sie ist nur eine Art Illusion, die unerwünschte Leute fernhält. Von Hagrid, ihr werdet euch wahrscheinlich noch an ihn erinnern, er hat mir in meinem ersten Jahr den Brief überreicht, werdet ihr abgeholt und mit pferdelosen Kutschen zum Schloss gebracht, dort werde ich und der Schulleiter euch empfangen. Beeilt euch mit der Entscheidung, denn mit jedem tag der vergeht, ist die Chance eines Angriff auf den Ligusterweg grösser.

Harry James Potter

Ich rolle den Brief zusammen, nachdem ich ihn mir noch einige Male durchgelesen habe und binde ihn am Bein Hedwigs.

„Bitte bring diesen Brief in den Ligusterweg zu den Dursleys und warte dort auf eine Antwort." Als Bestätigung zwickst du mir sanft in den Finger.

„Gut." Ich trage sie zum Fenster und lasse sie in den Sonnenuntergang fliegen. Noch lange schaue ich ihr nach und mache mir Gedanken über die Antwort, die ich bekommen werde, wenn überhaupt. Ich drehe mich wieder um und erblicke sogleich euch zwei, wie ihr zu mir blickt.

„Können wir Harry?", fragst du mich mit deiner sanften Stimme.

„Ja, lasst uns in den Gemeinschaftsraum zurückkehren." Dieser Plan wird aber sogleich vereitelt, nachdem wir die letzte Stufe der Eulerei betreten haben.

„Potter! Granger! Weasley! Sie folgen mir jetzt sofort in Dumbledors Büro!" „Professor, wieso müssen wir den zum Schulleiter?", fragst du Snape verwundert.

„Das werdet ihr schon sehen!", gibt er giftig zurück. In Schweigen gehüllt folgen wir dem Tränkemeister zum Büro des Direktors. Nachdem Snape dem Wasserspeier das Passwort genannt hat, steigen wir die Wendeltreppe hinauf. Wir klopfen an die schwere Tür und warten, bis wir das Herein vernehmen. Ron öffnet die Tür und wir betreten ein uns wohlbekanntes Büro. Der Schulleiter sitzt an seinem Schreibtisch und nickt uns freundlich zur Begrüssung zu. Vor seinem Schreibtisch stehen vier sehr bequem aussehende Ohrensessel.

„Vielen Dank Severus, du kannst nun gehen", unterbricht Dumbledore die Stille, die seit unserem Eintreffen entstanden ist. Ohne auch nur eine Antwort zu murmeln verlässt Snape das Büro und lässt uns kleine Gruppe alleine.

„Setzt euch doch meine Lieben." Wir treten ein Stück näher, bleiben aber wieder abrupt stehen, als wir eine weitere Person in einem der Sessel ausmachen.

„Malfoy!?! Was machst du denn hier?", dieser Satz kommt fast Zeitgleich über unsere Lippen. Geschockt aber auch misstrauisch sehe ich ihn mir mal genauer an.

„Er würde ihnen gerne etwas mitteilen", antwortet Dumbledore für den Angesprochenen.

„Und was sollte das sein?", fragt Ron argwöhnisch.

„Ich will mich bei euch dreien entschuldigen. Erst vor drei Wochen habe ich es geschafft dem Imperiusfluch meines Vaters vollständig abzuwehren. Seit ich fünf Jahre alt bin, unterdrückt mich mein Vater mit dem Imperius. Zu dieser Zeit, habe ich mich endgültig entschlossen, dass ich mich niemals den Todessern anschliessen werde. Zu viele Morde und Foltern musste ich mir ansehen, so dass ich mich entschloss, all diese Untaten meines Vaters, mit der Unterstützung zum Fall des Lords, auszugleichen. Doch er hat mein haben schon früh erkannt, ich war einfach noch zu klein, um so etwas lange für mich zu behalten, da hat er mich vornan unter einen Dauerimperius gesetzt. Schon nach kurzer Zeit habe ich es aufgegeben mich dagegen zu wehren und habe mich in meinen Gedanken zurückgezogen, um so wenig wie möglich von den schrecklichen Taten mitzuerleben. Aber als dann das fünfte Jahr angebrochen ist und du dich mit deinen Freunden gegen den dunklen Lord behauptet hast, ist der Mut wieder zurückgekehrt. Die ganzen Sommerferien und auch die ersten paar Schultage war der Versuch aber zwecklos. Doch wie durch ein Wunder, habe ich es für wenige Sekunden geschafft den Imperius abzuschütteln. Dies gab mir den Willen weiterzumachen und so habe ich es vor etwa drei Wochen geschafft, den Fluch vollkommen zu durchbrechen. Und nun will ich mich bei euch für alles entschuldigen, was ich euch in all den Jahren gesagt oder angetan habe. Hermine, mir tut es wirklich schrecklich Leid, dass ich dich immer als Schlammblut bezeichnet habe. Früher waren mir die Abstammung der Hexen und Zauberer vollkommen egal, das war wahrscheinlich noch ein Grund, dass mich mein Vater mit dem Imperiusfluch belegt hat. Ron und Harry, ich bedaure es auch zutiefst, dass ich eure Familien beleidigt habe. Es tut mir schrecklich Leid. Und auch, dass ich euch immer solche Schwierigkeiten bereitet habe. Ich hoffe, ihr könnt mir verzeihen, was ich schlechtes getan habe", klärt uns Malfoy mit trauriger und demütiger Stimme auf. Einige Tränen rinnen ihm über das Gesicht und fallen zu Boden, wo sie in Millionen kleine Splitter zerspringen. Ein Schmerz durchzieht meinen Körper, er scheint direkt aus meinem Herzen zu kommen. Tief schaue ich ihm in die Augen. Sie sind etwas trüb von den Tränen, aber doch auch klar. Ich blicke zu dir und Ron, suche nach Regungen in euren Gesichtern. In Rons ist eindeutig Wut und Zweifel zu erkennen, doch in deinem, da sehe ich Verständnis, Mitgefühl und Trauer. So wie ich, scheinst auch du ihm verziehen zu haben. Draco wendet seinen Blick wieder auf uns und beginnt nochmals zu sprechen:

„Ich hoffe sehr, dass ihr mir verzeihen könnt und ich mich euch im Kampf gegen den dunklen Lord anschliessen darf." Nochmals blicke ich ihm tief in die Augen, um festzustellen, ob er nicht wieder eine seiner Masken aufgesetzt hat. Doch sogleich erkenne ich, dass er nie eine solche Maske besitzt hat. All diese Züge seines Gesichts, die mir so bekannt sind, Wut, Hass, Verachtung und Schadenfreude, sie waren nur ein Trugbild, die durch den Imperiuszauber entstanden sind. Stumm wende ich mich euch beiden zu. Ich warte auf eure Meinung, doch ich ernte nur ein Nicken, dass dein Einverständnis signalisiert und ein zögernder Blick von Ron, der sich seiner Sache nicht 100 sicher ist. Mit einer freundschaftlichen Geste reichst du Draco die Hand. Zögernd aber glücklich nimmt er sie an.

„Jeder, der uns im Kampf gegen Voldemort helfen will, ist herzlich unter meinen Freunden aufgenommen", erkläre ich freundlich, aber auch ernst.

„Es freut mich Mister Malfoy, sie von nun an hier unter uns zu begrüssen", meldet sich Dumbledore wieder, mit einem Lächeln auf den Lippen zu Wort, „aber sie sollten sich jetzt alle wieder auf den Weg in ihre Gemeinschaftsräume begeben." Zu viert verabschieden wir uns von unserem Schulleiter und wünschen ihm noch eine gute Nacht. Bis zur Gabelung, des Gryffindor- und des Slytheringemeinschaftsraumes, löchern wir Draco mit Fragen, da sein früheres Auftreten, nicht sein eigenes war. Wir verabschieden uns von ihm, nicht aber, ohne ein Treffen mit ihm, am nächsten Tag zu vereinbaren. Die nächsten Tage vergingen ohne grosse Vorkommnisse. Wir haben uns einige Male mit Draco getroffen und meine erste Unterrichtsstunde vorbereitet. Spätestens zwei Tage, nachdem ihr eure Briefe losgeschickt habt, erhieltet ihr auch schon eure Antwort. Erst nach sechs Tagen ist Hedwig zurückgekommen. Doch statt einer Absage, schrieben die Dursleys, dass sie gerne herkommen würden. Im Brief steht, dass sie am Donnerstag um 12 Uhr die Tore des Schlosses passieren werden.