Diese Kapitel widme ich Krissi und Katha. Sie sind wohl meine größten Fans und fragen mich immer nach Nachschub. Ohne die Beiden, würde ich viel seltener schreiben. Danke, ihr Süßen! :-*
Sooo, genug der Worte. Nun geht es aber weiter!
ALLE CHARAKTERE GEHÖREN STEPHENIE MEYER
Katerstimmung
Ein nervtötendes Geräusch erfüllte meine Sinne. Es verursachte schreckliche Schmerzen in meinem Kopf und weckte mich aus meinem wohltuenden Schlaf. Unwillig verzog ich das Gesicht. Ich war eindeutig noch nicht bereit aufzustehen. Ich wollte weiterschlafen und nicht zur Arbeit gehen. Doch das klingelnde Geräusch hörte einfach nicht auf und der Schlaf entglitt mir immer mehr. Das musste aufhören. Mit meinem Arm tastete ich suchend nach meinem Wecker, um ihn zum verstummen zu bringen. Ich fand ihn und schlug auf die Aus-Taste. Trotzdem hörte das Klingeln nicht auf. Wieder und wieder schlug ich auf meinen Wecker ein, aber ohne Erfolg. Da fiel mir ein, dass heute Sonntag war. Also konnte es nicht Wecker sein, der mich um den Verstand brachte.
Gequält stöhnend öffnete ich die Augen und schaute auf meinen Wecker. Es war halb zehn Uhr morgens. Eigentlich war ich keine Langschläferin, aber heute war das anders. Zumal das Klingeln unaufhörlich weiterging, blickte ich mich suchend nach der Geräuschquelle um und fand sie schließlich. Mein Handy, das auf meinem Schreibtisch lag, vibrierte und spielte meinen Klingelton. Wer sollte mich denn jetzt anrufen? Seufzend stand ich auf und schwankte leicht. Ein heller Schmerz durchzuckte meinen Kopf und brachte mich abermals zum Aufstöhnen. Mir die Schläfen reibend, ging ich auf mein blödes Handy zu und sah auf das Display. Es war Alice.
„Alice, warum rufst du denn so früh an, um Gottes Willen?", fragte ich sie gequält und merkte wie kratzig meine Stimme klang. Einen Moment war Stille, dann lachte Alice laut – zu laut – mit ihrer glockenklaren Lache in den Lautsprecher.
„Sei doch nicht so laut!", grummelte ich.
„Guten Morgen, Bella. Ich darf deiner Stimmung entnehmen, dass du einen Kater hast?", fragte sie vergnügt und weiterhin viel zu laut.
„Ja, Alice, ich habe einen Kater. Ich- Wie bin ich nach Hause gekommen?", fragte ich plötzlich alarmiert. Ich wusste es nicht. Das letzte woran ich mich erinnern konnte war, dass ich eine Menge von diesen leckeren, süßen Cocktails getrunken hatte. Ich wollte mich ablenken von Edward und habe mich deshalb auf etwas anderes konzentriert. Das Trinken! Ich konnte nicht sagen wie viele Cocktails ich zu mir genommen hatte, aber es mussten Einige gewesen sein.
Normalerweise trank ich keinen Alkohol. Jetzt wusste ich auch warum. Obwohl ich jetzt vielleicht keine solchen Kopfschmerzen gehabt hätte, wenn ich geübter im Trinken wäre. Aber auch das war reine Spekulation.
„Bella? Bist du noch da?", riss mich Alice aus den Gedanken.
„Ehm…ja, entschuldige. Was hast du gesagt?", fragte ich verwirrt nach.
„Ich habe dir gerade erklärt, wie du nach Hause gekommen bist. Aber egal. Das können wir auch später noch Besprechen", stellte sie fest. Moment mal. Später? Wir waren nicht verabredet, soviel ich wusste. Oder etwa doch?
„Was meinst du mit ‚später'?", hakte ich deshalb nach.
„Im Café! Wir treffen uns um elf Uhr im Café um zu frühstücken", erklärte sie belustigt.
„Muss das sein? Ich fühle mich wirklich nicht gut", jammerte ich.
„Ja, das muss sein! Du musst ohnehin etwas essen, damit es dir besser geht. Ein gutes Frühstück, ein guter Kaffee und das Leben sieht gleich wieder rosiger aus", entschied sie. „Ich kann dich auch abholen, wenn du willst?"
Ich seufzte gedehnt. „Also gut. Dann hol mich ab."
„Toll, ich bin dann in einer Stunde bei dir", jubelte sie wieder viel zu laut, sodass ich mir dann Telefon vom Ohr riss, damit mein Kopf nicht platzte.
„Okay, Alice. Bis später", sagte ich, ohne das Handy wieder an mein Ohr zu halten und legte auf.
Das Telefon wieder auf den Schreibtisch legend, schaute ich mich in meinem Schlafzimmer um. Der fünfeckige Raum hatte genau die richtige Größe. Mein Doppelbett aus hellem Holz mit den passenden Nachtischen, mein dazugehöriger zweitüriger Kleiderschrank und mein Schreibtisch passten gut hinein und ließen genügend Platz zum Erreichen der Möbel. Die zwei Fenster über dem Bett warfen auch auf den Schreibtisch genügend Licht, da dieser an der Gegenüberliegenden Wand stand. Dekoration war zwar nicht vorhanden, aber die brauchte ich auch nicht. Das Einzige, das man als Deko bezeichnen konnte, war eine Leinwand, die meine Mutter zum ‚Ausleben ihrer Kreativität' - wie sie es immer nannte - mit allen möglichen Farben bespritzt hatte.
Ich seufzte. Ich vermisste meine Mutter. Sie lebte in Jacksonville und ich in einem Vorort von New York City. Meinen Vater vermisste ich auch. Er lebte nach wie vor in Forks, einer kleinen Stadt im Staate Washington. In dem gleichen Haus, in dem ich geboren wurde und in dem ich mehrere Jahre meiner Jugend verbrachte hatte. Nach der Trennung meiner Eltern kurz nach meiner Geburt, war meine Mom mit mir nach Arizona gezogen. Ich war also schon viel herumgekommen in meinem Leben. Ich seufzte wiederholt. Manchmal wollte ich einfach nur nach Hause. Doch wo war zu Hause? Bei meiner Mom? Bei Charlie, meinem Dad? Ich gehörte zu beiden.
Ich schüttelte den Kopf, was mir wider ins Bewusstsein rief, dass ich verdammte Kopfschmerzen hatte. Egal, Schluss mit der Grübelei!
Ich öffnete meine Schlafzimmertür und trat auf den Flur. Ich ging vorbei an der Küche, die sich auf der rechten Seite befand und betrat mein Bad. Hinter mir verschloss ich die Tür, machte mir aber nicht die Mühe abzuschließen. Ich wohnte schließlich allein. Wer sollte da schon reinkommen?
Langsam zog ich mich aus und drehte die Dusche an, damit das Wasser schon mal heiß werden konnte. Ich drehte mich von der Dusche weg und blickte in den Spiegel, der über dem Waschbecken hing. Scheußlich! Das war das einzige Wort, das meinem momentanen Aussehen gerecht wurde. Tiefe Augenringe umrahmten meine spröde wirkenden Augen. Mein herzförmiges Gesicht wirkte fahl. Ich sah eher tot aus, als lebendig.
Mich vom Spiegel abwendend, stieg ich unter die Dusche und ließ mich von dem heißen Wasser entspannen. Das Wasser war fast so heiß, dass es mich verbrühte, doch mir war es egal. Meine angespannten Muskeln brauchten die Lockerung der Hitze. Ich streckte meine Arme aus, stützte meine Hände an den Wänden ab und ließ meinen Kopf frontal unter das Wasser tauchen. Nach einer gefühlten Ewigkeit hob ich meinen Kopf wieder um Atem zu holen, meine Haare einzushampoonieren und wieder auszuwaschen. Ich erledigte noch den Rest der Dusche und stellte dann das Wasser ab. Fröstelnd stieg ich aus der Kabine und griff nach einem Handtuch, um es mir um meinen Körper zu schlingen.
Schnell öffnete ich die Tür und drehte mich in die Richtung meines Schlafzimmers, als ich wie wild anfing zu Schreien. Vor mir stand Alice und schaute mich breit grinsend an. Mit einer Hand mein Handtuch fester an mich ziehend und meine andere Hand auf mein Herz legend, starrte ich sie an. Mein Herz raste geradezu. Wie konnte Alice mich nur so erschrecken. Aber viel wichtiger war etwas anderes.
„Alice, wie zum Teufel kommst du in meine Wohnung?", verlangte ich zu wissen.
„Na ja, ich habe geklingelt, aber du hast nicht aufgemacht. Und dann ist mir eingefallen, dass ich von letzter Nacht noch deinen Schlüssel hatte und habe ihn benutzt", erklärte sie achselzuckend. Aha. Dann war es ja klar. Moment mal. Warum hatte sie meinen Schlüssel?
„Woher…", begann ich wurde aber unterbrochen.
„Bella, mach dich jetzt fertig. Ich erzähl dir alles später, wie versprochen", schob sie mich in mein Schlafzimmer. Ich hatte gerade die Tür geschlossen, als mein Blick auf mein Bett fiel. Dort lagen die Sachen, die Alice mir am ersten Tag unsere Bekanntschaft geschenkt hatte. Zusammen mit Unterwäsche. Sie war einfach an meinen Kleiderschrank gegangen. Ich fühlte leichten Ärger in mir aufkommen, rang ihn aber nieder. Der Ärger würde meinen Kopf nur noch mehr zum Rauchen bringen.
Seufzend ging ich auf das Bett zu und betrachtete die Unterwäsche, die Alice mir hingelegt hatte. Sie war aus schwarzer Spitze und die einzige einigermaßen erotische Unterwäsche, die ich besaß. Alice Cullen war einfach unverbesserlich.
Trotzdem zog ich die von ihr ausgewählten Sachen an, nachdem ich mich abgetrocknet hatte. Ich nahm mir die Freiheit meine eigenen Schuhe auszusuchen und entschied mich für meine weißen Lieblingsballerinas.
Dann lief ich zurück ins Bad, um meine Haare zu föhnen und mein Gesicht zu waschen. Als ich wieder aufblickte, stand Alice mit verschränken Armen in den Türrahmen gelehnt und lächelte mich an.
„Du siehst eindeutig schon besser aus, als vorhin", stellte sie freudig fest. Ich blickte in den Spiegel und musste erkennen, dass sie recht hatte. Meine Augenringe waren fast verschwunden und mein Gesicht hatte einen rosigen Teint. Ich trug etwas Lipgloss auf und kämmte noch einmal meine Haare, die heute relativ glatt, aber trotzdem ganz annehmbar waren.
Daraufhin drehte ich mich zu Alice um und lächelte sie an.
„Ich bin fertig. Meinetwegen können wir los", entschied ich und zusammen gingen wir in mein Wohnzimmer, wo meine Tasche noch von gestern Abend fertig gepackt lag. Ich ergriff sie und ging auf die Wohnungstür zu. Die Tür abschließend verließen wir mein Wohngebäude. Noch nie kamen mir Treppen so lang vor. Warum musste ich auch unbedingt eine Wohnung im dritten Stock mieten?
Schließlich schafften wir es doch unten anzukommen und ich stellte glückselig fest, dass Alice einen Parkplatz direkt vor der Tür bekommen hatte.
Wir stiegen in ihren grünen New Beatle ein und fuhren los.
Um zu schauen, ob ich noch genug Geld dabei hatte, öffnete ich meine Tasche. Ich wühlte ein wenig darin herum und entdeckte etwas, dass ich nicht kannte. Ein Lippenstift.
„Wem gehört der denn?", fragte ich verwirrt. Alice war mir einen schnellen Seitenblick zu und begann zu lachen.
„Das ist meiner. Du hast ihn mir gestern Abend geklaut. Ich wollte mir gerade neuen Lippenstift auftragen, als du ihn mir entrissen hast und meintest, dass er dir viel besser stehen würde. Dann hast du ihn eingesteckt und dich kichernd geweigert ihn mir zurückzugeben", erklärte sie nonchalant. Was?! Oh Gott, hoffentlich hatte das sonst niemand mitbekommen. Aber diese Hoffnung machte sie sofort zu Nichte.
„Jasper und Edward haben sich auch köstlich amüsiert. Nur ich war leicht angesäuert. Ich wollte ihn schließlich gerade benutzen."
„Tut mir leid", sagte ich beschämt. Ich legte ihn in eine Ablage im Cockpit des Autos und starrte aus dem Fenster. Ich war betrunken wirklich peinlich.
„Alice", sagte ich zögernd, „was ist gestern noch passiert?"
„Na ja, du hast ziemlich viel getrunken und warst dann sehr – sagen wir mal – angeheitert. Dafür aber ziemlich still. Jasper und ich sind dann wieder tanzen gegangen und Edward hat sich bereit erklärt auf dich aufzupassen. Als wir zurückkamen, warst du immer noch still und Edward meinte, dass du die ganze Zeit nichts gesagt hättest. Dann holte ich meinen Lippenstift raus und den Rest dieser Geschichte kennst du ja. Wir blieben dann noch eine Stunde oder so und dann wollten wir nach Hause. Wir standen alle auf, aber du bist nach vorne gekippt und Edward hat sich aufgefangen. Da du offensichtlich nicht mehr gehen konntest, hat Edward dich getragen. Mit dem Taxi haben wir dann erst Jasper nach Hause gebracht, da er noch arbeiten muss. Als nächstes sind wir zu dir gefahren. Zusammen haben wir dich nach Oben gebracht. Dann hab ich dich ausgezogen und dich ins Bett gesteckt und wir sind selbst heimgefahren", erzählte sie mir ganz locker den vergangenen Abend nach. Ich schluckte. Edward hatte mich so gesehen. Mich getragen, meine Wohnung gesehen,…
„Alice, sag mir bitte, dass er nicht dabei war, als du mich ausgezogen hast", sagte ich flehend. Ich war nur in Unterwäsche aufgewacht. Sie verstand sofort, wen ich meinte, und schnalzte ungehalten mit der Zunge.
„Für wie dumm hältst du mich denn? Natürlich nicht. Edward hat im Wohnzimmer gewartet", sagte sie kopfschüttelnd. Ich seufzte befreit. Gott sei Dank.
„Danke, Alice. Für alles!", sagte ich aufrichtig, als sie den Wagen parkte.
„Hey, du warst wirklich lustig", lachte sie. „Als ich dich auszog, hast du so etwas gekichert wie: ‚Ich lass mich eigentlich nicht von Menschen ausziehen, die mir nicht wenigstens einen Drink ausgegeben haben'. Und ich habe dich gefragt, ob ich Edward holen sollte, da er ja schließlich alle deine Cocktails bezahlt hat." Sie lachte. Oh herrje. Ich würde Alice in den nächsten Tagen etwas Geld geben müssen, damit sie es ihrem Bruder geben konnte. Es ging schließlich nicht, dass er das alles bezahlte. Gut, dass ich ihn nicht wieder sehen würde, dachte ich, als wir ausstiegen und auf das Café zugingen, dass Alice ansteuerte.
Wir betraten das kleine Café, das eigentlich gar nicht so klein war. Es wirkte sehr gemütlich. Pflanzen überall, eine einladende cremefarbene Wandfarbe, wengefarbene Tische, Stühle und Bänke mit cremefarbenen Ledersitzpolstern. Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass diese Inneneinrichtung die Handschrift von Alice trug. Ich tat diese Überlegung als Einbildung ab und folgte Alice zu einem Tisch für vier Personen an einem Fenster. Wir setzten uns beide auf die Bank und zogen unsere Jacken aus.
Ein freundlich lächelnder Kellner kam an unseren Tisch.
„Guten Morgen, Alice", grüßte er freundlich. Er kannte Alice?
„Guten Morgen, Joe. Wo ist denn dein Chef?", fragte sie ihn.
„Er ist hinten. In seinem Büro", erklärte er.
„Bist du so gut und schickst ihn zu uns?", bat sie Joe. „Bella, willst du schon etwas trinken?"
„Ja, ich nehme einen Milchkaffee", erklärte ich.
„Gut, zwei Milchkaffee", schickt sie ihn auf seine Mission. Wir unterhielten uns kurz und dann stellte Joe, der Kellner, unsere zwei Milchkaffee vor uns ab.
„Der Boss kommt gleich", sagte er und zwinkerte Alice zu.
„Danke, Joe", flötete sie. Ich wollte gerade Fragen, wer denn der Besitzer dieses Cafés war, als Edward auf uns zuging. Das konnte doch nicht wahr sein!
„Guten Morgen, Schwesterherz. Guten Morgen, Dancing Queen. Wie geht es dir?", sagte er grinsend. Ich nahm an, dass er mit ‚Dancing Queen' mich meinte und errötete.
„Guten Morgen. Es geht mir ganz gut", log ich murmelnd. „Erzähl es schon. Was hat Alice ausgelassen?" Es fiel mir jetzt leichter klar zu denken. Jetzt wo er mich in dem Zustand gesehen hatte, konnte zwischen uns ohnehin nichts mehr sein. Nicht, dass ich vorher daran geglaubt hatte, aber Hoffnung war nicht rational und so hatte ich doch irgendwie… na ja, gehofft eben.
„Hmm… was hat sie denn erzählt?", fragte er zurück.
„Na ja, dass ich ziemlich ruhig war die ganze Zeit, ich zur diebischen Elster wurde und ich nicht mehr selbst laufen konnte", zählte ich auf, wobei ich beim letzten Teil noch röter wurde. Gott, ich dachte, dass ich diese Angewohnheit überwunden hätte. Er grinste.
„Das war ja schon das Meiste. Sie hat nur vergessen dir zu sagen, dass du dich selbst zur unangefochtenen Dancing Queen ernannt hast und dann auf dem Tisch tanzen wolltest, wovon wir dich gerade noch abbringen konnten. Obwohl es, wenn ich es mir so recht überlege, wahrscheinlich nicht einmal geklappt hätte. So wackelig wie du auf den Beinen warst", sagte er grinsend, aber so als wäre das Alles das Normalste auf der Welt.
„Wow, das ist.. peinlich", gab ich zu. Was Alkohol nicht alles anrichten konnte. Das passte alles überhaupt nicht zu mir. Ich war eher der ruhige Typ.
„Ach was! Das ist uns allen schon mal passiert", sagte er beschwichtigend.
„Genau", stimmte auch Alice zu. „Wenn wir mal allein sind, muss ich dir unbedingt die Geschichte erzählen, als Edward zum ersten Mal betrunken war."
„Klar, Alice, aber ich fange mit deinem ersten Rausch an", neckte er zurück. Man merkte sofort, dass die beiden eine starke Verbindung hatten. Sie waren nicht nur Geschwister, sondern auch Freunde.
Joe kam zurück an den Tisch.
„Wollt ihr auch etwas essen?", fragte er.
„Ja, ich nehme French Toast", entschied Alice sofort.
„Was willst du, Bella?", fragte Edward mich und reichte mir eine der kleinen Karten, die auf dem Tisch in einer Halterung standen. Ich nahm sie ihm ab und blätterte schnell zu der Seite auf der ‚Frühstück' als Überschrift stand. Ich bestellte der Einfachheit halber das erste, das ich sah.
„Ich nehme die Blaubeerpancakes", sagte ich und lächelte Joe flüchtig an. Dieser wandte sich an seinen Chef. „Willst du auch etwas?"
„Ja, einen Kaffee", bestellte Edward und dann zog Joe von Dannen. Ich nahm ein paar Schlucke von meinem Milchkaffee und stellte die Tasse dann wieder ab. Gott, tat das gut. Alice hatte recht gehabt. Der Kaffee bewirkte Wunder.
Alice und Edward unterhielten sich ein wenige während wir auf das Essen warteten. Ich war größtenteils geistig abwesend und versuchte meine Kopfschmerzen zu vertreiben, was nicht wirklich klappte.
Als das Essen dann kam, war ich wirklich begeistert. Die Pancakes waren wirklich gut und auch Alice' French Toast sah sehr lecker aus. Wir aßen in Stille und Edward leistete uns die ganze Zeit über Gesellschaft. Als ich fast fertig war, trat Joe wieder an den Tisch.
„Edward", sprach er seinen Boss an, „Helene hat gerade angerufen. Sie ist krank und kann nicht zur Arbeit kommen." Der Angesprochen seufzte.
„Was ist mit Erin?", fragte er hoffnungsvoll.
„Sie ist über das Wochenende zu ihrer Familie gefahren und kommt erst irgendwann heute Abend zurück", wiegelte Joe ab.
„Na wunderbar. Wir schaffen es heute nicht allein. Sonntags ist es doch immer am Vollsten. Alice…", begann er, doch Alice verzog das Gesicht.
„Ich würde dir ja helfen, aber Jasper und ich fahren später noch zu seinen Eltern. Seine Schwester hat Geburtstag. Tut mir leid", erklärte sie ihm.
„Ich könnte einspringen", hörte ich mich selbst sagen. Moment mal. Hatte ich das gerade wirklich gesagt? Musste ich wohl, den alle drei Augenpaare richteten sich erstaunt auf mich. Ich verdrehte die Augen.
„Kellnern ist ja nun wirklich nicht so schwer. Und außerdem habe ich während des Colleges kurz in einem Café gejobbt. Aber wenn ihr mir das nicht zutraut…", sagte ich verdrießlich. Ich musste das schließlich nicht tun. Das war mein freier Tag.
„Nein, nein. Das wäre toll. Es ist… nur so: Es ist doch… Sonntag und w- wir kennen uns eigentlich gar nicht. Warum solltest du das für mich tun?", fragte Edward stotternd. Ich lächelte leicht. Ich konnte nicht dagegen ankämpfen. Er war so süß.
„Erstens, ist deine Schwester meine Freundin und deshalb helfe ich dir gerne und zweitens, hast du mir gestern auch geholfen", sagte ich achselzuckend. „Und die Drinks von gestern werde ich dir natürlich bezahlen. Tut mir leid, dass ich mich von dir habe aushalten lassen."
„Nicht nötig. Ich habe die anderen auch mehrmals eingeladen", wies er meinen Aussage zurück.
„Na gut, aber dann muss ich dir heute helfen dürfen oder willst du etwas, dass ich ein schlechtes Gewissen habe?", fragte ich und zwinkerte ihm zu. Er grinste.
„Abgemacht."
Kurz darauf verließ Alice uns und ich ließ mir von Edward eine kurze Einweisung geben. Danach zeigte mir Joe die Karte und erklärte mir alles Wichtige dazu, während Edward mir ein T-Shirt mit dem Logo des Cafés heraussuchte. Er hatte mir zwar versichert, dass ich das nicht tragen musste, aber ich hatte ihm erklärte, dass es so besser war. Schließlich sollte ich die Bedingung übernehmen, damit ich nicht auch noch den Umgang mit den Gerätschaften wie der Espressomaschine lernen musste. Gerade als Joe fertig war, kam Edward wieder nach Vorne und reichte mir das Shirt.
„Hier. Du kannst dich in meinem Büro umziehen, wenn du willst", sagte er und führte mich zur eben genannter ‚Umkleide', als ich zustimmend nickte. Er ließ mich in dem Raum allein und ich zog erst mein eigenes schwarzes Shirt aus und dann das schwarze T-Shirt an. Es hatten den kleinen Aufdruck ‚CCafé' auf Höhe der Brust. Als ich fertig war trat in zurück in den Gastraum und stellte mich an den Tresen.
„Steht dir gut", sagte Edward schmunzelnd.
„Ja, dieses Logo ist unglaublich dekorativ", sagte ich lachend.
„Genau", stimmte er zu und legte dann ein Kellnerportemonnaie vor mir auf den Tresen.
Und mit dieser Geste begann mein heutiger Arbeitstag. Es war stressig, anstrengend und nervenaufreibend, aber da ich Kunden gewohnt war, war es nur halb so schlimm. Außerdem machte es mir wirklich Spaß. Joe war wirklich nett und lustig und auch Edward und ich verstanden uns gut. Wir lachten, redeten ungezwungen und neckten uns. Natürlich vergaßen wir dabei die Arbeit nicht. Es lief alles gut.
Gegen Abend wurde es leerer und Edward und ich ließen uns an einem Tisch auf die Stühle fallen.
„Wow, das war anstrengend", sagte ich erschöpft. „Ist es hier immer so voll?"
„Nein, nur sonntags. Aber bei deinem Verkaufsgeschick haben wir heute viel mehr verkauft als sonst", sagte Edward lächelnd. Ich seufzte.
„Wieso sagt mir nur jeder, dass ich ein gutes Verkaufsgeschick habe?! Das hier ist ein Café. Da wollen die Menschen etwas essen und trinken. Und in den Bücherladen kommen auch nur Leute, die ein Buch kaufen wollen", grummelte ich. Ich hasste es, wenn mir die Menschen Talente andichteten, die ich einfach nicht hatte.
Edward schaute leicht verblüfft, fing sich dann aber wieder.
„Wie auch immer. Danke, dass du mir geholfen hast", sagte er lächelnd.
„Kein Problem. Ich steckte ja gestern auch in der Klemme. Bist du sicher, dass ich dir das Geld nicht zurückzahlen soll?", hakte ich noch einmal nach. Er schüttelte grinsend den Kopf.
„Nein, es wäre doch mehr als geschmacklos von mir das Geld von meiner Zukünftigen zurückzufordern", lachte er.
„Was?!", fragte ich erschrocken.
„Oh, na ja, du hast mir gestern mehrere Heiratsanträge gemacht", versuchte er ernst zu sagen, doch er konnte das Lachen immer noch nicht unterdrücken. Verdammt. Ich hatte mich ja wirklich auf jede erdenkliche Art vor ihm erniedrigt. Ich hatte ihm also doch gezeigt, dass ich ihn attraktiv und toll fand.
Bevor ich etwas erwidern konnte, kam Joe an den Tisch.
„Edward, Helene will mit dir reden. Sie ist am Telefon", erzählte der Kellner.
„Okay, ich bin gleich wieder da", versicherte Edward mir und ging davon. Ich liebte Helene. Sie gab mir die Zeit meine Gedanken neu zu ordnen. Okay, ich hatte ihm meine Emotionen ihm gegenüber klar zum Ausdruck gebracht. Aber ich hatte heute schon einiges wettmachen können. Ich ging jetzt normal mit ihm um. Zumindest einigermaßen. Ich musste ihm nur irgendwie beweisen, dass ich gestern nur eine angetrunkene Idiotin war. Nichts weiter.
Jemand räusperte sich neben mir. Ich blickte auf und sah in das Gesicht eines jungen Mannes. Er hatte blondes Haar und sah eigentlich ziemlich gut aus. Verglichen mit Edward war er… na ja, ein Gnom oder so etwas.
„Hallo, ich bin Mike. Darf ich mich einen Augenblick setzten?", fragte er nervös.
„Sicher. Ich bin Bella", sagte ich leicht verwirrt.
„Bist du neu hier? Es ist das erste Mal, dass ich dich hier kellnern sehe", wollte er schon selbstbewusster wissen und lächelte mich leicht an.
„Diese Aktion war eher einmalig. Eine der Kellnerinnen ist krank geworden und es gab keinen Ersatz. Also bin ich eingesprungen", erklärte ich meine heutige Anwesenheit.
„Schade, wenn du öfter hier wärst, würde ich sicherlich auch häufiger herkommen", sagte er mit einem breiten Lächeln, das sicherlich sexy sein sollte. Flirtete dieser Mann etwas mit mir? Es wirkte so. Mir kam eine Idee. Ich konnte Edward beweisen, dass ich nicht auf ihn stand, wenn ich vor ihm mit Mike flirtete. Eigentlich fand ich so etwas wirklich kindisch, aber besondere Zeiten erforderten besondere Maßnahmen.
Ich nahm eine Strähne meines Haares und strich sie zärtlich hinter das Ohr.
„Hmm, vielleicht überlege ich mir das mit dem Job hier dann ja noch mal", sagte ich und lächelte ihn an. Ich war mir ziemlich sicher, dass es bei mir genauso dämlich aussah wie bei ihm. Aber es schien zu funktionieren. Wir redeten wenige Minuten miteinander. Als ich sah, dass Edward auf dem Weg zu uns war, schaltete ich einen Gang hoch. Wie war nur noch sein Name? Ach ja, Mike.
„Mike, was hältst du davon, wenn wir mal ausgehen?", fragte ich mit einer Stimme, von der ich hoffte, dass sie sexy klang.
„Ehrlich?", fragte er perplex. Ich hob eine Augenbraue und sah ihn abwartend an. „Ja, ehrlich."
„Ja, das wäre toll. Wie wäre es mit heute?", fragte er ermutigt. In dem Moment trat Edward zurück an den Tisch und bekam so meine Antwort mit.
„Du hast es ja ganz schön eilig", lachte ich. „Okay, heute klingt gut. Gib mir deine Handynummer und ich ruf dich an, wenn ich hier fertig bin."
Mike kramte einen Stift aus seiner Hosentasche und schrieb seine Nummer auf eine Serviette. Dann reichte er sie mir. Plötzlich bemerkte er, dass Edward neben dem Tisch stand und mich offen anstarrte.
„Jetzt sag mir bitte nicht, dass das dein Freund ist", sagte Mike ängstlich und deutete auf Edward.
„Nein, ist er nicht", sagte ich. Das lief alles fantastisch. Mal davon abgesehen, dass ich jetzt mit Mike ausgehen musste. „Ich ruf dich später an."
Damit stand Mike endgültig auf und verließ das Café. Edward setzte sich auf den freigewordenen Stuhl und musterte mich.
„Warum gehst du mit ihm aus?", fragte er verwirrt.
„Na ja, er sah doch sehr nett aus", sagte ich achselzuckend. Edward schüttelte amüsiert den Kopf.
„Ich finde eher, dass er aussah wie ein Langweiler", erklärte er mir. Und da hatte er mich. Klar, sah Mike aus wie ein Langweiler. Er war sicherlich auch einer. Aber Typen wie er waren eben die Einzigen, die mich ansprachen.
Traurig stand ich auf. „Ich geh mich umziehen. Ich muss jetzt los, wenn ich heute noch zu meinem Date will", sagte ich und lief los, ohne abzuwarten, ob Edward noch etwas sagen wollte.
Wenn ihr wollt, kommt im Laufe der nächste Woche das dritte Kapitel. Dort wird es das Date mit Mike geben und noch ein paar Interaktionen zwischen Edward und Bella. =D
Seid gespannt...
LG
