Ruhiger als ihm zumute war bedeckte er die schmalen Hüften und den Po mit Küssen, knabberte und leckte am Ansatz der Furche und berauschte sich an dem scharfen, salzigen Aroma seiner Haut, das sich mit seinem eigenen herberen zu einem individuellen, ungefilterten Duft nach Sex vermengte, den kein anderer je riechen würde. Wenn er ihn irgendwie konservieren könnte, wäre er der glücklichste Mensch auf Erden, falls er ihm irgendwann entsagen musste.
Die Vorstellung wühlte ihn auf und ließ ihn die Nasenflügel blähen.
Unruhig rutschte Chase herum, er hörte ihn auf einmal leise winseln. Ein Laut, unter den sich die Angst vor dem Unbekannten schlich, weil er ihn nicht mehr im Sichtfeld hatte. Es war eigenartig, doch vermutlich war es für ihn so, wie es jetzt war, das erste Mal, fremder als für ihn. Einen Beweis dafür, dass er sich tatsächlich an ihren Parisaufenthalt erinnerte, hatte er genauso wenig wie die Gewissheit, dass Chase ihn erkannte. Er hatte ihn noch kein einziges Mal beim Namen genannt. Umso mehr Grund gab es, behutsam vorzugehen, ihn langsam zu führen.
Er war so heiß und brodelnd und scharf auf ihn, dass er mit sich kämpfen musste, um nicht zu explodieren. Doch es ging nicht um ihn, nicht ausschließlich. Er musste Chase die Angst nehmen, wenn es unvergesslich sein sollte, wie er es geplant hatte.
Die fast feminin runde, gebräunte Schulter, die er umfasste, wandte sich fügsam in der Drehung, der der schlanke Körper folgte. Aber sein blinzelnder Blick fragte auf eine Art, die eine unerklärliche Melancholie in ihm hervorrief und ganz kurz seinen Enthusiasmus trübte. Möglicherweise war es ihm gar nicht recht, angesehen zu werden bei etwas, das nur zwischen Mann und Frau natürlich schien. Im Inneren war er immer noch der schüchterne, scheue Chorknabe. Aber auch das Missbrauchsopfer, das lange keine Nähe hatte ertragen können und Blickkontakt mied.
„Ich will Sie ansehen. Es Ihnen schön machen. Schöner als bisher", erklärte er, wobei seine Stimme beinahe versagte vor Ergriffenheit. Die Pupillen in den grünblauen Augen vergrößerten sich überrascht. „Sie sind wundervoll. Ich möchte sehen, was Sie fühlen. Sie dürfen mir schlimme Worte in Ihrem Outbackdialekt zuflüstern, dann werde ich superheiß."
Als ob er es nicht schon wäre und Chase seine Sprache noch hätte. Er konnte ihn nicht einmal mehr Bastard nennen, obwohl er einer war. Aber er hatte ihm dieses Angebot gemacht, damit er nicht glaubte, es handle sich um eine Schikane. Daran, dass er jedes Wort verstand, zweifelte er nicht mehr.
Anstatt zu antworten, legte Chase die Arme um ihn und dämpfte ein dunkles Lachen an seinem Hals. Offenbar verstand er doch nicht. Aber seine Hüften stießen in unzweifelhafter Absicht an seine, während er seine Beine mit seinem linken fesselte und ihn in den Rhythmus seines Beckens lenkte, der so überwältigend war, dass er meinte, auf natürliche Art eins mit ihm zu werden, ohne irgendetwas tun zu müssen. Es gab nichts, das ihm ein Verbot auferlegte, wenn er mit Chase zusammen war, weil der ihre besonderen Momente stets als Spiel betrachtete, aus dem mit der Zeit mehr wurde, sofern es sich ergab. Er wollte nicht erobert werden, sondern Vertrauen und Liebe erfahren und in vielfachem Maß zurückgeben.
Das Einzige, zu dem er imstande war in diesen Minuten des schwingenden Wogens, war ein Angriff auf seinen ihn unbeherrscht aufnehmenden Mund, der ihm seinen durch die Einschränkung der Hirnareale unkontrolliert laufenden Speichel schenkte und ihn damit schier ertränkte. Auch das brachte ihn um den Verstand, weil es originell und primitiv und unanständig war. Am liebsten hätte er ihm jeden überflüssigen Tropfen aus der weichen, wohlschmeckenden Schleimhaut geküsst.
Schließlich löste Chase zu seinem leisen Bedauern die Umarmung, aber es wurde fast besser, denn er gestattete ihm endlich, ihn zu erforschen, bot ihm das Wunder seines Körpers, und er keuchte erregt und voller Dankbarkeit auf, während er tiefer rutschte, mit Tast- und Geschmacksinn ihre Leidenschaftlichkeit aufeinander steigerte. Chase bewegte fahrig die Hüften, er konnte nicht still liegen und wimmerte leise. Als House die süße, glatte Brust hinunter zum Nabel schmeckte und gierig einatmete, schnappte er jäh nach Luft und stieß ihn kurz von sich, bevor er ihn wieder herzog und ein zitterndes Lächeln versuchte, das ihm völlig den Atem nahm.
Inzwischen pulsierte er unterhalb der Gürtellinie zum Zerreißen, aber er wollte sicher sein, dass es gut war für Chase, dass er ihm kein Unbehagen bereitete, wenn schon die Schmerzen unausweichlich waren, die er jedes Mal so tapfer ertrug.
Und dann fiel ihm siedendheiß ein, dass er das lindernde Gel im Badezimmerschrank vergessen hatte. Verdammt! Noch einmal wäre er nicht imstande, es zu holen, erst recht nicht im Moment. Er würde nicht mehr viel länger warten können, und auch Chase demonstrierte Anzeichen hochgradiger Erregung. Nun blieb ihm nichts anderes, als sein großspuriges Versprechen, es schön sein zu lassen, ohne Erleichterung für ihn einzuhalten. Hoffentlich gelang es ihm, er hatte noch nie so große Lust und einen so starken Druck empfunden, wenngleich er das jedes Mal glaubte, während und nachdem er ihn gehabt hatte.
Gezwungen ruhig, hungrig und doch verzückt umschmeichelte er Chase' Nabel, die schweißfeuchte, sich so zart anfühlende Haarlinie zum Schambereich, die ihm den Weg wies. Dort schmeckte er nach dem Zucker und Zimt seiner Schultern und dem Brustbein nach Curry und betäubend schwerem Wein; er war ein Festessen, das er mit allen Sinnen genoss, ohne sich daran je satt zu essen. Den Kopf zu heben, schien ein Ding der Unmöglichkeit. Er wollte ihn atmen und anfassen, ihn lieben bis er vor Erschöpfung auf seiner schwankenden Bauchdecke einschlief.
Langsam, um ihn nicht zu erschrecken, führte er die Hand unter das Becken, das Chase wieder unterstützend anhob, und weitete ihn behutsam, bis er keinerlei Zeichen von Beklemmung mehr in der sich allmählich entspannenden Miene las und spürte, dass es ihn erregte. Er war aufregend eng und gleichzeitig so einladend weich, bereit und fordernd, dass es ihm schwer fiel, Feingefühl zu sammeln, vor allem in seinem jetzigen Zustand.
Ich liebe dich. Es tut mir leid, dass du es nicht wie ich empfinden kannst. Ich bin vorsichtig, ganz bestimmt. Du musst mir sagen, wenn es dir unangenehm ist.
Schweiß lief ihm in Strömen übers Gesicht, doch er schob sich höher über die hinreißend konvulsivischen Bauchmuskeln, und Chase folgte automatisch dem, was sein Körper, aber nicht sein distanzierter Geist ergründete, während er Laute von sich gab, die in ihrer abgehackten Atemlosigkeit seine Befriedigung und den Höhepunkt ankündigten. Er kannte es gut. Hinhalten würde er ihn jetzt nicht mehr, zumal es ihn selbst wie eine Folter ankam, sich angesichts der fleischgewordenen Versuchung in seinen Laken bändigen zu müssen. Aber es war schön und spannend, mehr noch. Worte für das, was er fühlte, auf was er zusteuerte, mussten erst erfunden werden.
Über seine Schultern zog sich Chase höher, ließ dann die Beine an ihm herabsinken und umklammerte seinen Brustkorb in einer ungestümen Welle der Begeisterung, als er sich weiter vorwagte und behutsam in ihn stieß. Der Druck der ihn unschlingenden Gliedmaßen wurde dermaßen fest, dass er fürchtete, er bräche ihm sämtliche Knochen. Nichtsdestoweniger beschwingte es ihn, es steigerte seine Leidenschaft, das pulsierende Empfinden, das beinahe seinen Höhepunkt beeinflusste, als er in einer kurzen Entspannungsphase des Jüngeren ohne Vorwarnung tiefer in ihn drang.
Verblüfft und erlöst zugleich stöhnte Chase auf und erhaschte sein Haar, ließ ihn wieder los und wand sich unter ihm, bevor er rückwärts fassend nach irgendetwas suchte, das Kissen fand und es mit einem entzückten Aufheulen kraftvoll durch den Raum schleuderte.
Oh, es war großartig. Ekstatisch. Zügellos. Unbeschreiblich. Noch nie hatte er gleich zu Beginn einen derart lustvollen Schrei aus Chase' Kehle vernommen, ihn so hitzig erlebt. Abwechselnd fließend und hart umwarben ihn die beispiellos elastischen und glatten Muskeln, rissen ihn hinab in einen Strudel aus purem Begehren und Glückseligkeit. Nirgendwo anders wäre er gerade willkommener. Er konnte ihn in dem jungen, betörend hübschen Gesicht erspähen, seinen verlangenden, wollüstigen Schmerz, der trotzdem dermaßen herrlich und begierig über ihn kam, dass er sich nicht bremste, in den Bewegungen mitschwang, in die Chase ihn beanspruchend und unersättlich trieb und dabei keuchte und stöhnte, mehr aus Lust denn aus Qual, die er ihm trotz aller Erregung nicht ersparen konnte.
Sein Vorsatz, es ruhig und sanft zu gestalten, wurde von Chase mit einer Vehemenz verhindert, die ihm die Besinnung raubte und ihn sich völlig vergessen ließ. Er wusste nicht mehr, ob er die Rolle an ihn abgegeben hatte, wer von ihnen die führende Position übernahm.
Sich nach ihm ausstreckend wölbte Chase bebend den Rücken zu einem Hohlkreuz und rang darum, ihn nicht zu verlieren, als ob er damit rechnete. Kleine, verlangende Töne vibrierten in seinem Kehlkopf.
Geh nicht.
Wie könnte ich? Du musst nicht kämpfen. Ich bin da. Ich bin immer bei dir.
Da er einen temperamentvolleren, stetigen Takt anschlug, tat ihm House den Gefallen. Als er sich in eben jener Absicht vorbeugte, warf sich Chase ihm erneut ungeduldig und begeistert entgegen, ohne sich zurückzunehmen, ohne Bedenken, etwas falsch zu machen. Dynamisch rieben sich seine Beckenknochen an ihm, stimulierten ihn, und er stöhnte unter der Anstrengung, ihn gründlich zu spüren. In eine neue, ihn überspülende Welle der Ekstase eintauchend wälzte er sich mit Chase zur Seite, wo er ihm seinen Wunsch erfüllte, da es ihm nun möglich war, tiefer zu gehen, ihn energischer zu reizen. Um nichts in der Welt hätte er auf die Gefühlspalette verzichten wollen, die Chase ihm offenbarte, wenngleich er die Augen geschlossen hielt.
Tonlos die Lippen bewegend, entfuhr ihm schließlich ein tiefes Stöhnen, als er ihn dichter zu sich rücken ließ und an sich presste. Das bisherige Versäumnis, ihn während dem Sex selten angeschaut zu haben, klaffte tief, und er schwor sich, ihn in Zukunft immer beobachten zu wollen, wenn er ihm so nahe und so begehrenswert war. Das attraktive, durch den Wechsel von Schmerz und Lust bewegte Gesicht dicht vor seinem glänzte von Schweiß und gab eine Leidenschaft preis, die fast zu überirdisch schien, um das Recht zu beanspruchen, allein durch ihn verwirklicht worden zu sein.
Seine zarten, geraden Brauen hoben sich, während er laut ausatmend am ganzen Körper zitterte und seine kräftigen und doch so sensiblen Hände zu Fäusten ballte.
House küsste ihn beschwichtigend, voller Endorphine, die es ihm schwer machten, ihn zu treffen, und sein Mund schnappte nach ihm, saugte ihn ein und hüllte ihn in den aphrodisischen Wohlgeruch von reifen Früchten. Unter dem Kuss schlossen sich Chase' starke Beine um seine Mitte, wodurch er wieder enger wurde, ihn fest umringte. Als er begierig, beinahe rücksichtslos tiefer glitt, peitschte das gesunde Bein auf ihn ein, die Ferse grub sich tief in seinen Lendenwirbel, während er seine Fingernägel in House' Rücken bohrte und ihn zerkratzte. Der unvermittelt brennende Schmerz auf seiner Rückseite wurde von einer überschäumenden Liebkosung gemildert, mit der er ihn suchte, wie um ihn um Verzeihung zu bitten, die überhaupt nicht erforderlich war.
Fieberhaft drängten die Muskeln ihn seiner Idylle entgegen, der er weder ausweichen konnte noch wollte; geradezu fanatisch, wie zwei lang Getrennte fanden sie sich, und er taumelte unbeirrt seinem Ziel entgegen wie ein Verdurstender seiner Oase, geschützt in einem versteckten Gewölbe, das kein anderer je betreten durfte und das für ihn reserviert war.
Außer sich und scharf Luft holend riss Chase die Augen auf. Ekstase darin löschte die Anstrengung des unermüdlichen Körpereinsatzes aus, mit dem er ihn zu sich geholt hatte. Ihre Unbeherrschtheit, mit der sie dem Höhepunkt entgegenjagten, dröhnte in den Ohren, Chase' immer lauter werdende Freudenschreie schraken wahrscheinlich die allzeit hellhörigen Nachbarn aus den Federn und sorgten für Gerede, und trotzdem gebot er ihm keinen Einhalt, weil er faszinierend und sensationell war in seiner Wildheit, aufwühlender als alles, was er ihm bis dato geboten hatte. Nicht das Beste, nicht die Glanzleistung - denn es gab hoffentlich noch viele Male mit ihm - aber das mit Abstand verrückteste Erlebnis, das sie bislang geteilt hatten.
Der stürmische Ausbruch des Jüngeren überraschte ihn, obwohl er selbst nicht mehr klar denken konnte, geschweige denn sich in der Gewalt hatte und ein lautes Keuchen ausstieß, das eher wie ein euphorisches Brüllen klang, als er sich in ihn ergoss. Parallel dazu spannte Chase jede Faser seines Körpers, bäumte sich auf und schrie gellend und dennoch tief vor Befreiung und Behagen.
Hätte Chase sich nicht weiter an ihn geklammert und wäre damit nicht so ungeheuer präsent, hätte er sich auf einem psychedelischen Trip gemutmaßt. Sein Kätzchen war ein Tiger.
Versonnen lächelnd und schwer atmend strich er ihm die feuchten Strähnen zurück, während er sachte an seiner Nase und dem nach ihm verlangenden Mund leckte. Abrupt fließender Speichel fing sich an seinen Bartstoppeln. Mit beiden Händen, die noch leicht zuckten, rahmte Chase sein Gesicht ein, versuchte seine Zärtlichkeit zu vergelten. Seine Augen schillerten verräterisch, blickten unstet und trotzdem ein wenig stier, und House streifte jedes Lid voller Triumph und gleichzeitiger Sorge, stärker zitternd als Chase. Die Laken fühlten sich nass und dämpfig an, er versank mit Chase darin wie in einem Liebesnest und wollte es um keinen Preis der Welt mehr verlassen oder gegen die Presidental Suite eintauschen. Ihre hormonellen Absonderungen berauschten ihn mit einer Nachhaltigkeit, in der er gedanklich ihr Abenteuer noch einmal im Schnelldurchlauf durchlebte. Vergleichbares war ihm noch nie passiert.
„Chase ... ich heirate Sie morgen, Sie dürfen nicht ablehnen. Verlobt waren wir lange genug. Sie sind derjenige, den ich immer gesucht habe. Wenn Sie wollen, konvertiere ich. Sie müssen mir nur sagen, ob zum Katholizismus oder Judentum."
Er lachte ein wenig, bevor er plötzlich still zu weinen begann und sich auf die Seite drehte. Es war kein schamhaftes Weinen, auch keines, das von Schmerzen zeugte, sondern sein Versuch, die angestauten Emotionen zu unterdrücken und Dankbarkeit zu zeigen. Geflissentlich nahm House ihn wieder in die Arme, zog ihn auf seine Brust, um sich mit ihm zurücksinken zu lassen und kämmte sein Haar mit den Fingern. Vielleicht hatte er ihn zu sehr aufgeregt.
„ War ... Liebe ..." hauchte er in seinen Mund, woraufhin er ebenfalls ein Lachen ausstieß und ihn nochmals küsste. Er konnte nicht anders, es war wie ein Geheimzeichen, ein Signal, das der sinnliche Mund an ihn sandte.
„Verdammt noch mal, das war sie. Sie haben sie gut gemacht. Viel zu gut für einen alten Mann wie mich."
„Ja", stimmte er rührend kindlich zu. „Mmm ..."
Etwas ungeschickt machte er Anstalten, von ihm herunterzukrabbeln, aber er hinderte ihn daran, indem er seine Taille umfasste und leicht das Kreuzbein und das sich willig gegen ihn drückende Gesäß bis unter die Pobacken knetete, wo er den zarten, kaum fühlbaren Flaum gegen den Verlauf strich.
Chase seufzte und schloss wohlig ermattet von ihrem unvergleichlichen Rendezvous die Augen, doch er dachte nicht daran, einzuschlafen. Vermutlich ging es ihm wie House, und er war über sich selbst verblüfft. Dass er mit Mädchen und Cameron so herrlich ungezähmt durch die Laken tollte, konnte House sich nicht vorstellen. Es hätte ihn sogar ein bisschen eifersüchtig gemacht.
Seine schimmernde Nacktheit, die feuchten Schenkel und sein erschöpftes, entspanntes Gesicht waren zum Anbeißen, wie ein Garten voller Wohlgerüche und köstlichen Früchten. So lange wie möglich wollte er in ihren Genuss kommen, ihn streicheln und anfassen, und Chase ließ ihn gewähren. Ohne Berührungsängste räkelte er sich auf ihm, schob die Hände unter seine Schulterblätter, wo er sie verschränkte und gähnte, bevor er das spitze Kinn auf seinem Brustbein ruhen ließ und ihn verklärt durch schwere Lider anschaute wie ein satter, zufriedener Kater. In aufwallendem Wohlwollen wühlte er das zuvor sorgsam zurückgekämmte Haar gegen den Strich in seine Stirn, was ihn noch jungenhafter erscheinen ließ. So jung, dass ihn fast Gewissensbisse plagten. Bis auf wenige Ausnahmen in seiner Erscheinung sah er noch so aus wie am Tag seines Bewerbungsgespräches vor etwa vier Jahren. Und doch hatte er sich verändert. Unmerklich, selbst für House.
Schwärmerisch zog er ihn näher zu sich, bis sich ihre Nasen berührten, packte ihn an den Hüften und legte die Hand dann unter den Po. Flaumig zart wie ein Pfirsich war er. Chase gab ein glucksendes, amüsiertes Lachen von sich, während er genussvoll ein Bein hochzog und sich wieder höher arbeitete.
„Mmm ..." Lippen und Zähne stießen fordernd an seinen Mund, seine Zunge zwang ihn weiter auf, doch er musste ihm mitteilen, was ihn beschäftigte. Vielleicht würde das eine oder andere Wort auf fruchtbaren Boden fallen.
„Ich will Sie immer. Wenn ich Sie ansehe, möchte ich lachen und weinen und Sie auf der Stelle haben. Keiner hat mich so geliebt wie Sie das tun. Ich glaube, dass ich viel zuviel Glück habe mit Ihnen. Ich habe es herausgefordert, und Sie haben dafür bezahlt", sagte er rauh, ließ die vollen, samtigen Lippen sich mit seinen vereinigen. Schlagartig, wie um seine romantische Ader zu betonen, fühlte er Tränen hochschießen, die er rasch fortblinzelte.
Er würde nicht immer gut genug sein für ihn, und in ein paar Jahren, wenn er physisch nicht mehr in der Lage war, für ihn zu sorgen, bot sich als einzige Alternative ein Sanatorium. Und der Abschied von ihm wäre umso schmerzhafter. Cameron war eine Närrin, dass sie ihn hatte gehen lassen, sein Potential einzig auf das Körperliche reduziert hatte, das, wie er zugeben musste, all seine einschlägigen Erfahrungen in den Schatten stellte. Obwohl die Trennung von ihr im Nachhinein besser für alle Beteiligten gewesen war, am allerbesten für ihn.
Versunken in den Anblick seiner Mundpartie, völlig abgekapselt von seinen pessimistischen Gedanken, die er ihm nicht mitteilte und nach denen er nicht fragte, spielte Chase mit ihm, beknabberte innig Kinn und Kiefer. Den Speichel wischte er nicht ab. Er war wie eine Trophäe für das lustvolle Spiel, die er ihm überreichte, und das rührte ihn wieder zu Tränen. Sanft erwiderte er seine Zuneigungsbekundungen und fuhr fort.
„Was ich sagen will-... Gott, ich bin nicht gut darin - ich weiß nicht, ob ich richtig bin für Sie. Natürlich will ich Sie behalten, aber vielleicht tue ich Ihnen weh. Ich bin nicht einfach, manchmal unberechenbar (vor einem geistig regen Chase hätte er das nie eingestanden) und nur auf meinen Vorteil aus. Sie sind meiner, aber wer weiß, wie lange noch. Sie können mir nicht einmal sagen, ob es gut war, was wir getan haben, gerade eben (aber er konnte es sehen. Es war gut gewesen, sogar sehr gut). Ich muss Sie vielleicht fortschicken, ehe ich Sie verletze, ohne dass ich es will oder bemerke. Bevor es soweit kommt, müssen wir eine Lösung finden."
„Lie-be", sagte Chase bekräftigend, stolz auf das neue Wort, das einigermaßen flüssig über die Lippen kam, und küsste ihm die erneut aufsteigenden Tränen fort, an denen er würgte; er konnte sie einfach nicht stoppen, und es war ihm auf einmal gleichgültig, dass Chase ihn so sehen musste. Die aufwühlende Nähe seines Australiers, seine Verwandlung und das eben Erlebte, auf das er nicht mehr zu hoffen gewagt hatte, forderten ihren Tribut.
Seufzend schlang House die Arme um ihn und barg das Gesicht an seiner Schulterbeuge, wo er sich zu einem melodramatischen Bekenntnis hinreißen ließ, das ihm unter normalen Umständen peinlich gewesen wäre. Allein, mit Chase gab es weder Peinlichkeit noch Schamgefühl. Vor ihm hätte er bedenkenlos all seine Geheimnisse gelüftet, wenn er sie hätte wissen wollen.
„Ich liebe Sie, nicht nur in meinem Bett oder in Paris oder sonst irgendwo, obwohl Sie in dem Bezug das Beste sind, was ich je erlebt habe. Aber es hat nicht so angefangen, Chase. Was wir uns geben konnten, ist viel mehr als das. Ich möchte Sie nicht hergeben. Sie sind mein Gefühl, und wir haben uns gut ergänzt. Aber vielleicht ist es besser für mich, ohne Gefühl zu sein, so wie früher, bevor wir uns näher gekommen sind. Sie machen mich verwundbar, und das ist etwas, das ich mir nicht leisten kann, nicht mehr. Sie hatten mich im Griff, als Sie noch gesund waren, aber jetzt weiß ich nicht mehr, wie ich mit Ihnen umgehen kann oder soll. Was Sie mögen oder was Sie ängstigt. Ich glaube, an einem Ort, wo man Fälle wie Ihren kennt, sich darauf spezialisiert, wäre besser für Sie gesorgt. Es wäre vernünftig und in Ihrem eigenen Interesse. Verstehen Sie das?"
Fern von jeglicher Regung starrte er durch ihn hindurch, stellte sein sinnliches Geplänkel ein. Das desillusionierende Ende wurde dem Abend nicht gerecht, nachdem sie soviel Spaß miteinander gehabt hatten. Besser, er hätte der Erschöpfung nachgegeben und wäre mit Chase in den Armen eingeschlafen statt nüchtern philosophisch zu werden und ihnen beiden somit einen Dämpfer zu verpassen.
Er hätte sich die Zunge abbeißen mögen angesichts Chase' geistiger Flucht, nachdem er die ganze Zeit so herrlich da gewesen war. Unweigerlich folgte der physische Rückzug, doch House hielt seine Handgelenke fest. Chase grunzte protestierend und riss an seinen Brusthaaren, grub die Finger wütend ins Fleisch. Diesmal tat es weh, und er atmete zischend aus, um nicht aufzujaulen. Stattdessen nahm er sein Gesicht zwischen die Hände und verlangte absolute Konzentration. Als er glaubte, ihn einigermaßen auf sich forciert zu haben, sprach er weiter. Es war ihm wichtig, und er sollte es verstehen.
„Es ist nicht um meinetwillen. Sie sind keine Last für mich, das werden Sie nie sein. Aber wenn ich Ihnen wehtue, würde ich mir das nie verzeihen. Wenn ich eine Maßnahme ergreife, die Ihnen nicht gefällt, dann nur aus Sorge um Sie. Ich möchte, dass Sie das begreifen."
„Mmm." Es klang trotzig, oder doch eher traurig. Resigniert. Dennoch blieb er bei ihm, die ganze Nacht, in der er kein Auge zutat. Irgendwann schmiegte Chase sich an ihn, die Arme fest um ihn geschlungen.
