Also gut, ich schicke gleich noch ein Chap hinterher! Aber nur, weil ich die nächsten zweieinhalb Wochen im Urlaub bin. Aber ich möchte bitte ganz viele reviews haben, wenn ich wieder zu Hause bin!

Kapitel 1

Zwei Jahre später auf den Tag genau spielte sich die gleiche Szene wieder ab. Das kleine Mädchen feierte seinen dritten Geburtstag und die Großeltern hatten wiederum alles für das Fest vorbereitet. Die Mutter des Kindes war ebenfalls schon zu Hause. Sie hatte die letzte Vorlesung des Tages ausfallen lassen, um rechtzeitig mit ihrer Tochter das Geburtstagsfest zu eröffnen und die Gäste zu begrüßen. Die Freunde und Freundinnen des Mädchens kamen aus dem gleichen Ort und wurden von ihren Müttern begleitet. Das kleine Mädchen war aufgeregt über den Trubel und freute sich über die vielen Geschenke. Sie wollte sich gleich darauf stürzen, aber ihre Mutter sagte sanft: „Nein, mein Schatz, zuerst wollen wir deine Freunde bewirten. Sie sind hungrig und durstig. Wenn sie satt sind, dann darfst du die vielen Geschenke auspacken, die sie dir mitgebracht haben."

Bianca nickte ernsthaft. Sie war ein intelligentes kleines Mädchen, das sehr viel Lerneifer zeigte und über die Fähigkeit, sich fast alles schnell merken zu können, verfügte. Sie hatte erstaunlich schnell sprechen gelernt – manchmal sehr zum Leidwesen ihrer Mutter und ihrer Großeltern, die sich ab und zu etwas weniger Wissbegierde gewünscht hätten. Aber andererseits war die Mutter des Mädchens ebenfalls sehr intelligent und hatte die meisten Prüfungen in Oxford mit Auszeichnung bestanden. Wenn die Zwischenexamen beendet waren, würden die beiden erst mal Urlaub machen – in Italien, hatte die Mama gesagt. Dort war es viel wärmer als hier, auch im Januar. Der Geburtstag des Kindes war am 9. Januar.

Danach würden die beiden für ein Jahr in ein großes Land über dem Meer gehen, wo ihre Mama noch mehr lernen würde. Doch dann würden sie wieder nach England zurückkehren und die Mama würde ihre Abschlussprüfungen machen. Und für Bianca wäre es dann auch bald soweit mit dem Schulbesuch.

Aber heute war nur eines wichtig: ihr Geburtstag und ihre Freunde, die ihr so viele Geschenke mitgebracht hatten. Bianca schielte verstohlen zu dem Berg von Päckchen und seufzte beglückt.

Doch bevor sich Biancas Traum von den Geschenken erfüllen konnte, war ein lautes Surren in der Luft zu hören und danach mehrere vernehmliche Geräusche, die sich wie „Plopps" anhörten. Und dann geschah etwas Unfassbares: Zugleich mit den „Plopps" tauchten Gestalten wie aus heiterem Himmel auf – Gestalten, die ganz und gar nicht in das friedliche Wohnzimmer passen wollten. Abgesehen davon, dass keiner wusste, woher sie so plötzlich kamen. Aber über Letzteres machte sich keiner Gedanken, denn beim Anblick der 5 Männer brach Panik aus. Die Kinder schrieen angstvoll und die Mütter, die sie eigentlich beruhigen sollten, kreischten entweder ebenfalls angstvoll oder waren zu keiner Bewegung fähig.

Was war geschehen? Die brünette junge Frau versuchte die Situation zu analysieren, so wie sie es in ihrem Studienfach der Mathematik gelernt hatte. Alles musste einen logischen Grund haben. So lehrte es die Wissenschaft. Aber diese Gestalten waren weder logisch noch in irgendeiner Form einer Gruppierung zuzuordnen. Blitzschnell schoss ihr der Gedanke an eine terroristische Vereinigung mit dem Ziel des Menschenraubs zur Erfüllung politischer Ziele durch den Kopf. Aber warum sollten politische Aktivisten ausrechnet ihre Erpressungsopfer in einem kleinen, langweiligen Dorf in der Provinz suchen?

Und warum waren die Männer so seltsam angezogen, mit schwarzen Umhängen und silbernen Masken wie in einem Mantel-und-Degen-Film aus Hollywood. Aber aus welchem Grund und ohne Vorankündigung sollte Hollywood hier drehen?

Und wieso tauchten die Männer so unvermittelt auf? Ihr fiel dazu die US-Serie ‚Raumschiff Enterprise' ein mit ihrem geflügelten Ausdruck: ‚Beam me up, Scottie.'

Aber das eine war Fiktion. Und das andere, das sich gerade in dem Wohnzimmer der Familie abspielte, war Realität! Oder träumte sie? Hatte sie einen Albtraum? Nein, ihre kleine Tochter rannte mit einem ängstlichen „Mami, Mami" auf sie zu und die junge Frau nahm sie sofort auf den Arm, um sie vor den Männern, die jetzt begonnen hatten, die Frauen und Kinder, die sich instinktiv aneinandergedrängt hatten, auseinander zu treiben, zu beschützen.

Offensichtlich suchten die Männer etwas oder genauer gesagt, jemanden. Und ganz offensichtlich hatten sie den auch bald gefunden. Zwei der Männer fischten aus dem Gewimmel von Frauen und Kindern ein Kind heraus, das erst vor kurzer Zeit mit seinen Eltern und seinem Kindermädchen hergezogen war. Es war ein kleiner Junge, ein Jahr älter als Bianca mit hellblonden Haaren und blauen Augen. Er hieß Ashley McGregor und sein Vater, so hieß es, war ein einflussreicher Politiker. Die Familie sei aufs Land gezogen, um vor dem Presserummel Ruhe zu finden.

Die Eltern des Kindes waren jedoch beide abwesend – sie hatten wichtige Termine wahrzunehmen, hatte das Kindermädchen ehrfürchtig versichert. Der kleine Ashley war eine stilles Kind, ein wenig trauriges Kind, das wohl schon ahnte, wie bedeutend seine Eltern waren und dass er nur im Hintergrund eine Rolle spielte. Aber am heutigen Tag schien er die – ungewollte – Hauptrolle zu spielen.

Nachdem die Männer Ashley in ihren Fängen hatten, sprach einer davon zum ersten Mal seit ihrem Eintreffen – ein riesenhafter Kerl, der allein schon die ganze Gesellschaft in die Flucht geschlagen hätte, wenn sie die Möglichkeit zur Flucht gehabt hätten. Dies wurde aber von zwei Männern verhindert, die sofort die Ausgänge des Zimmers bewachten. Sie hatten allerdings weder Schusswaffen noch Messer oder ähnliches. Vielmehr schienen ihre Waffen aus merkwürdigen Stäben zu bestehen, die aussahen wie der Zeigestock eines Lehrers. Allerdings schienen diese Stöcke aus Holz zu sein.

Der Riese sagte: „Wir haben unsere Aufgabe erfüllt und es war leichter als wir dachten. McGregor scheint sich seiner Tarnung wirklich sehr sicher zu sein." Er lachte dröhnend, so dass die anderen – außer den Eindringlingen – erschrocken zusammen zuckten. „Verschwinden wir!"

„Nicht so hastig", ließ sich eine andere Stimme vernehmen. Der Sprecher war deutlich kleiner und hatte weißblondes Haar. Der Stimme nach handelte es sich um einen jungen Mann. „Ich weiß nicht, wo ihr eure Augen habt, aber ich zumindest habe das Schlammblut erkannt, in dessen Haus wir uns befinden", sagte der junge Mann in einem schnarrenden, unangenehmen Tonfall. „Das Schlammblut…", krächzte heiser ein weiterer Eindringling. Dieser war zwar nicht so groß wie der erste, der gesprochen hatte, aber er war vielleicht noch Furcht einflößender.

Er war schmutzig und hatte eine gelbgraue, ungepflegte Mähne. Von ihm ging ein undefinierbarer Gestank aus. Dreck und …Blut? Er fuhr fort: „Das Schlammblut, mit dem du auf der Schule warst? Das dich spüren ließ, dass du ein kleiner Wichtigtuer warst? Das dich sogar geohrfeigt hat?" Der Mann lachte heiser. Der junge Mann machte eine Bewegung, als ob er auf ihn losgehen wollte, besann sich aber dann.

„Ganz genau um dieses Schlammblut handelt es sich", knirschte der junge Mann. Und wie du weißt, habe ich noch eine Rechnung mit ihr offen. Wir nehmen sie ebenfalls mit – sie und ihr Balg!"

„Aber du kennst die Befehle des Lords!", mahnte der Riese. Seine Stimme klang besorgt. „Wir sollen nur den Jungen zu ihm bringen, sonst niemanden. Und es soll kein unnötiges Aufsehen erregt werden." „Ja, genau", ließ sich der Heisere wieder vernehmen. Wir schnappen uns den Jungen, machen die Übrigen platt und verschwinden." Er leckte sich dabei genüsslich die Lefzen, wie es der jungen Frau vorkam.

„Nein!". Die schnarrende Stimme des jungen Mannes verfügte plötzlich über ungeahnte Autorität. „Ich bin vom Dunklen Lord beauftragt, diese Mission zu leiten und deshalb wirst auch du meinen Befehlen gehorchen, Greyback! Wir nehmen den Jungen, das Schlammblut und ihre Tochter und verschwinden."

Der Mann, der Greyback genannt wurde, widersprach nicht mehr. Aus seinen blutunterlaufenen, gelben Augen schoss er dem jungen Mann einen giftigen Blick zu, folgte dann aber dem Beispiel der anderen Männer und versetzte die Anwesenden mit seiner Waffe in einen Schlaf oder eine Ohnmacht.

Alles war so schnell gegangen, dass die Familie und die Gäste noch vor Angst erstarrt waren und gar nicht reagieren konnten, bis alles vorbei war. Wahrscheinlich war dies das Beste für die Anwesenden, die damit wohl ihr Leben und ihre Gesundheit bewahrten. Einzig der Hausherr hatte sich zu Anfang den Eindringlichen in den Weg gestellt und wollte aus dem Zimmer, um Hilfe zu holen. Dieses Vorhaben wurde mit einem Schlag aus der unbekannten Waffe verhindert. Der Hausherr sank blutüberströmt zu Boden. Seine Frau, die ihm helfen wollte, wurde ebenfalls außer Gefecht gesetzt.

Ihre Tochter nahm diese Ereignisse nur am Rande wahr. Durch die Gefangennahme des Jungen und die eigene, unmittelbare Bedrohung war sie zu sehr abgelenkt, um sich um ihre Eltern kümmern zu können. Sie war außer sich vor Besorgnis und Angst. Der junge Mann kannte sie offenbar. Woher kannte er sie? Wer war er? Wohin brachte er sie? Diese Gedanken schossen pfeilschnell durch ihren Kopf und bevor sie irgendetwas dazu äußern konnte, wurden sie und ihre Tochter von dem Riesen gepackt und in einem Wirbel von Luft und Staub und Wind davongetragen.