„...hey, Potter.", James drehte sich herum und zog seine Augenbrauen herauf.

„Hey, Evans.", ärgerte er sie zurück. Sie grinste breit, woraufhin ich meine Augenbrauen auch herauf zog. Ich war immer noch nicht so ganz daran gewöhnt, dass sie und James sich jetzt gut verstanden.

Ihre Wangen röteten sich etwas, als sie vor uns stand. „Wie können wir dir helfen?", fragte ich sie, weil keiner der beiden etwas sagte. Sie räusperte sich.

„James, hast du Lust, heute mit mir zusammen nach Hogsmeade zu gehen?", fragte sie gerade heraus, ihre Augen auf einen Punkt weit weg von James fixiert. Der starrte sie fassungslos an.

„W – was?", fragte er nach. Der Volltrottel.

„Ach komm schon.", maulte sie ein bisschen und verschränkte ihre Arme. „Ob du mit mir zusammen nach Hogsmeade gehen willst. Ich frage dich nach einem Date.", ihr Kopf musste heiß sein, ich hätte zu gerne an ihrer Stirn gefühlt.

James warf mir einen betretenen Blick zu. Oh. Ach ja... „Mensch, Lily-", begann er, da trat sie bereits einen Schritt zurück. Mitleid überkam mich. „- ich würde total gerne mit dir nach Hogsmeade gehen, aber...", er räusperte sich verlegen. „Für heute bin ich leider schon verabredet.", gab er zu. Jetzt wurde die Arme knallrot und nickte rasch ein paar Mal.

„Oh – ja, klar, natürlich.", sagte sie. Tränen traten in ihre Augen. „Klar, wer würde schon alleine nach Hogsmeade gehen wollen?", fragte sie dann. Ich musterte sie. Tja, wer würde schon alleine nach Hogsmeade gehen wollen? Auf dem Weg der Schande, nachdem man jemanden gefragt hat und der keine Zeit mehr hatte? Armes Ding. „Also... Tja, dann viel Spaß bei deinem Date heute und...", sie holte tief und zittrig Luft. „Ich muss jetzt gehen.", stöhnte sie, dann drängelte sie sich an uns vorbei. James drehte sich sofort nach ihr um.

„Hey – hey, Lily, jetzt warte doch mal-", rief er ihr hinterher, aber sie schlug sich nur mit ihrer flachen Hand vor die Stirn und schüttelte ihren Kopf über sich selber vermutlich, während sie den Weg zum Turm zurück stürmte. „Mist, ich hätte sagen sollen, dass wir nächstes Mal gehen sollten.", maulte James.

„Ja, hättest du sagen sollen.", stimmte ich sofort zu. „Die Frage ist, was hat dich davon abgehalten?"

„Ach Mann, ich war so überrascht.", sagte er verärgert. „Sie hat mich aus gefragt, das ist doch...", er fuhr über sein Gesicht. „Mist, ich bin so bescheuert. Ich muss ihr hinterher...", sagte er. Ich hielt ihn an der Schulter fest.

„Da hinten, Maria.", ich deutete auf seine Verabredung.

„Und, was will ich mit ihr? Lily Evans hat mich gerade eben gefragt, ob ich mit ihr zusammen gehen will!", erinnerte er mich. Ich verdrehte meine Augen, als das endlich bei ihm ankam und seine Augen aufleuchteten. „Oh Merlin.", er fiel einen Schritt zurück. „Oh Merlin, Lily hat-"

„Hey, Jamie.", Maria hatte uns jetzt erreicht und strahlte ihn an.

„Hey, ich-", ich klopfte ihm auf die Schulter.

„Ich kümmere mich um die Sache und du gehst heute nach Hogsmeade.", er runzelte seine Stirn über diesen Kommentar, aber ich grinste nur. „Vertrau mir.", bat ich. Er schnaubte, sagte aber nichts mehr. „Maria, lass ihn dir nicht entwischen.", zwinkerte ich ihr zu und schob die beiden fort.

Als ich zurück in den Gemeinschaftsraum kam, da saß Lily ganz alleine auf der Couch vor dem Kamin. Ich setzte mich neben sie. „Geh weg.", murmelte sie in die andere Richtung.

„Hey, Evans, da du heute frei bist-", sie wurde knallrot.

„Kommst du, um mich auf zu ziehen?", fragte sie. „Um dich über mich lustig zu machen, weil ich ein Vollidiot bin und ihn nach einem Date gefragt habe, um von ihm abgewiesen zu werden, wie ich ihn immer abgewiesen habe? Das ist nicht unbedingt nötig, ich komme mir schon blöd genug vor.", erklärte sie mir direkt hinterher. Ihr Gesicht war knallrot und ihr Make-Up war verlaufen.

Ich streichelte aufmunternd über ihren Arm. „Nein, Lily-Maus, ich komme, um zu fragen, ob du – nur für heute natürlich – mit mir Vorlieb nehmen würdest.", sie sah mich regungslos und unverständig an.

„Was?", fragte sie schließlich nach. Ich strich lächelnd eine letzte Träne aus ihrem Gesicht.

„Ich frage dich nach einem Date.", machte ich deutlicher. Sie seufzte.

„Ich bin nicht in Stimmung für deine blöden Spielchen.", ich seufzte jetzt auch. Sie war immer so stur...

„Sieh mal, ich weiß, wir sind nicht unbedingt die besten Freunde, aber ich möchte wirklich den heutigen Tag mit dir verbringen, okay? Du hast James aus gefragt und er konnte heute nicht, er wird auf dich zu kommen und dann kommt ihr wahrscheinlich eh zusammen – und dann hängen wir zusammen in der 'Magischen James Potter Freakshow' fest. ...da will ich lieber den heutigen Tag nutzen und dich ein bisschen besser kennen lernen.", sie wurde noch röter, falls das irgendwie möglich.

„W – was, wirklich?", fragte sie.

„Ja, wirklich.", ich stand auf und hielt ihr meine Hand entgegen. „Willst du also heute mit mir ausgehen?", fragte ich noch einmal.

„Du machst dich nicht über mich lustig? Sirius, ich schwöre bei Gott, ich hexe dich ins nächste Jahrhundert, wenn du dir gerade einen Streich mit mir erlaubst und am Ende des Tages die ganze Schule über mich lacht.", warnte sie mich. Ich lachte.

„Ich habe viel zu große Angst vor dir, Roter Zorn, als dass ich mir das erlauben würde – und James würde – puh, der würde mich glatt köpfen.", fügte ich hinzu.

„Roter Zorn?", hakte sie nach. Ich grinste charmant.

„Tja, ein kleiner Spitzenname von mir an dich.", ärgerte ich sie. Sie verschränkte ihre Arme.

„Also du möchtest, dass ich mit mir mit komme?", hakte sie nach. Ich nickte. „Was hast du mit mir vor?", ich grinste.

„Tja, so weit hatte ich noch nicht überlegt, aber mir wird schon – ah, sieh nur, mir ist schon etwas eingefallen.", meinte ich grinsend und stand auf. „Also – vertraust du mir?"

„Nein, kein Stück.", schnaubte sie. Ich lachte darüber, weil sie immerhin trotzdem aufstand. „Wohin gehen wir also?"

„Überraschung. Wir müssen bei der Küche vorbei..."


„Wieso-", ich unterbrach sie mit:

„Vorsicht, Stufe.", sie wäre beinahe gestolpert, aber ich hatte sie noch gefangen. „Und du darfst den Weg nicht sehen, weil James mich 'umbringt', wenn ich ihn dir zeige.", fügte ich hinzu.

„Wieso das denn?", fragte sie sofort.

„Uh...", machte ich. „Es ist irgendwie gefährlich.", gab ich dann zu. Sie schnaubte. „Ah, hier kommen jetzt eine ganze Menge Stufen, warte kurz, ich bringe den Picknickkorb herauf.", sie schnaubte.

„Das ist nicht dein Ernst.", maulte sie.

„Doch. Ich bin sofort wieder da.", versprach ich. „Nicht gucken.", sie nickte gelangweilt, da huschte ich herauf. Mit einem Schlenker meines Zauberstabs entpackte sich unser kleines Picknick und ich sprang die Treppen wieder herunter. „Alles klar, da bin ich wieder.", ich griff an ihre Oberarme und leitete die die Treppen herauf.

„Zweiunddreißig.", murmelte sie plötzlich.

„Wie war das?"

„Wenn ich fliehen muss, muss ich zweiunddreißig Treppenstufen herunter und dann die Treppe auf der linken Seite nehmen.", erwiderte sie. Ich lachte.

„Na, du hast ja Vorstellungen von einem Date mit mir.", ärgerte ich sie ein bisschen, da lachte sie auch sofort. „Sag mal – woher kommt der Gedankenwandel?", ich führte sie in das 'Schlafzimmer', weil dort der einzige weiche Untergrund, nämlich das Bett war.

„Welcher?", fragte sie.

„James. Du hast ihn um ein Date gebeten und ich möchte wissen, wieso.", erklärte ich ihr. Sie wurde rot.

„Tja...", machte sie. „Er... Er ist ziemlich toll.", gab sie dann zu. „Und er hat sich irgendwie verändert. Er ist jetzt viel... Viel reifer.", ich grinste.

„Du weißt, dass er sich nur für dich geändert hat?", hakte ich nach, da seufzte sie.

„Na ja, ich hatte das gedacht, darum habe ich keine Sekunde darüber nach gedacht, was ich mache, wenn er 'Nein' sagt.", gab sie verlegen zu, dabei knetete sie ihre Hände. „Weißt du, nenne mich eingebildet, wenn du willst, aber ich dachte, er würde natürlich 'Ja' sagen.", ich grinste ein bisschen.

„Ich finde das gar nicht eingebildet, immerhin hat er dich schon ein paar Mal gefragt. Ich hätte an deiner Stelle auch keinen Plan B gehabt. Gut, ich habe sowieso nie einen Plan B.", meinte ich aufmunternd, woraufhin sie tatsächlich ein bisschen lachen musste. „Aber ich finde, dass du diesen kleinen Rückschlag verdient hattest.", machte ich mich jetzt doch ein kleines bisschen über sie lustig. Zum Glück verstand sie meinen gut gemeinten Spott und gluckste kurz.

„Vermutlich."

„Also, bist du bereit?", fragte ich und stellte mich hinter sie. Lily nickte, da nahm ich die Augenbinde von ihr. Es dauerte kurz, dann öffnete sie ihre Augen. Sie bewegte sich kaum, ihr Blick streifte das Picknick auf dem Bett nur kurz, dann fiel ihr Mund auf.

„Sind wir-", stotterte sie, dann drehte sie sich um ihre eigene Achse und warf einen Blick auf die schäbige zerkratzte Tür.

„Jap.", machte ich grinsend.

„Oh mein Gott.", sie huschte an mir vorbei, da hechtete ich ihr hinterher.

„Halt, warte-", tatsächlich wollte sie gerade das Zimmer verlassen und ich konnte sie gerade noch davon abhalten, auf die oberste Stufe zu treten (durch die sie dann durch gefallen wäre). „Warte, Lily, das ist gefährlich hier, okay, du darfst dich nicht zu schnell bewegen, du weißt nicht, so du aufpassen musst.", warnte ich sie. Sie hatte sich versteift, als ich meine Arme um ihren Bauch geschlungen hatte.

„Sirius?"

„Da, die Stufe, tipp sie mal mit deinem Fuß an.", sie tat, wie ich gesagte hatte und beobachtete mit riesigen Augen, wie ihr Fuß durch das Holz sank. „Hier ist alles voller Trittfallen, damit er nicht entkommt.", als sie ihren Fuß wieder hervor zog, da ließ ich sie erst los.

„Wir sind in der Heulenden Hütte.", flüsterte sie ehrfürchtig.

„Oder auch das 'Moony Inn' genannt.", grinste ich. Sie drehte sich zu mir um.

„Hier bringt man ihn hin?", fragte sie dann. Ich nickte schulterzuckend, da seufzte sie ein kleines bisschen. „Führst du mich herum?"

„Erst wird gegessen.", meinte ich, ehe ich sie wieder ins Schlafzimmer führte. „Hier im Raum sind keine Trittfallen, nur die Treppe herunter und im Eingangsbereich, darum habe ich dich eben ein bisschen herum geschubst.", entschuldigte ich mich noch, während ich mich auf das Bett fallen ließ. Sie zögerte. „Evans, ich werde dich nicht anfallen.", versprach ich.

„Du hattest bestimmt schon tausend Mädchen hier.", flüsterte sie.

„Du bist überhaupt das erste Mädchen, dass hier her kommen durfte.", erwiderte ich also rasch und beantwortete ihr die Frage, ob James auch schon viele Mädchen hier gehabt hatte. „Ich zeige es dir heute Abend, um James ein bisschen zu plagen, weißt du. Er wird es dir bestimmt auch zeigen wollen und sich über mich ärgern, wenn er erfährt, dass ich zuerst mit dir hier war.", gluckste ich. Sie kicherte und gesellte sich jetzt endlich neben mich. Ich schenkte uns Wein an und hielt mein Glas zum Anstoßen hoch. Sie zögerte wieder.

„Du denkst, er mag mich?"

„Ich 'weiß', dass er dich mag, Lily, mach dich nicht lächerlich.", meinte ich. „Ich wette, er gestaltet heute Nachmittag in seinem Kopf schon Hochzeitseinladungen und richtet in Godrics Hollow ein Kinderzimmer ein.", setzte ich hinzu, nur um zu sehen, wie sie rot wurde.

Aber sie enttäuschte mich, sie errötete nicht, sondern lächelte nur. „Denkst du?"

„Ja.", machte ich seufzend. „Es ist dir also ernst, ja?"

„Ja.", sagte sie fest. „Ich wohne jetzt seit vier Monaten beinahe mit ihm zusammen-"

„Ach so?", fragte ich rasch.

„Ja. Ich meine... Ich meine, wir verbringen so viel Zeit zusammen in unserem Studienzimmer, richtig? Wir teilen uns ein Badezimmer...", sie kräuselte ihre Nase ein bisschen, so, als fände sie diesen Gedanken irgendwie abstoßend, aber gleichzeitig auch amüsant und irgendwie gut.

Ich kannte dieses 'Nasenkräuseln'. Selbstverständlich war es James zuerst aufgefallen. Er hatte es mir in allen Einzelheiten beschrieben und versucht nach zu machen, um mich davon zu überzeugen, wie entzückend es war. Tatsächlich hatte ich es aber auch schon einmal gesehen, etwa vor drei Wochen, als James ihr vorgeschlagen hatte, dass er mit ihr zusammen in die Bibliothek kommen könnte, damit sie nicht zuerst in den Schlafsaal musste, weil er dann ihre Bücher tragen würde. Zuerst hatte es so ausgesehen, als würde sie 'Nein' sagen, aber dann hatte sie gelächelt und zugestimmt.

Und mir war da dann tatsächlich aufgefallen, dass das 'Nasenkräuseln' süß war, aber um James zu ärgern hatte ich das nicht zugegeben. „Und... Und ich meine, wir sind... Tja, letztlich sind wir auf der Couch im Studienzimmer eingeschlafen.", plötzlich wurden ihre Augen ganz verklärt. „Und als wir morgens aufgewacht sind... Weißt du, ich bin noch nie neben einem Mann aufgewacht, Sirius, ich wusste urplötzlich, dass ich 'ihn' will.", erklärte sie.

„Ist ja süß.", murmelte ich trocken, da seufzte sie. „Wieso hast du ihn nicht direkt da gefragt?", sie wurde rot.

„Er wurde plötzlich ganz verlegen und ist abgehauen.", Morgenlatte... „Und da hat mich ein bisschen der Mut verlassen.", ich nickte verstehend.

„James also.", meinte ich.

„James also.", bestätigte sie sofort und nahm einen Schluck Wein. „Ich habe noch nie gefühlt, was ich jetzt für ihn empfinde. Nicht so. Es ist einfach urplötzlich – ich meine, von einem Schlag auf den anderen war es glasklar, dass es 'James' sein soll. ...es ist ein bisschen beängstigend.", gestand sie.

„Also mir macht es auf jeden Fall Angst, wenn du jetzt mit ihm zusammen kommst. ...er ist die einzige Familie, die ich habe und du und ich, wir sind nicht unbedingt beste Freunde.", ich zuckte mit meinen Schultern.

„Ich nehme ihn dir nicht weg.", sagte sie sofort. „Aber ich gebe mir Mühe, zu euch zu gehören, wenn ihr mich lasst...", einen Moment überlegte sie. „Ich finde, 'Roter Zorn' ist nicht wirklich angebracht. Ich bin nicht zornig.", meinte sie plötzlich.

„Ach?", fragte ich nach. „Ich finde, du wirkst zornig.", sie seufzte.

„Es hat auch eine Weile gedauert, bis James den Unterschied verstanden hat. Ich bin nicht 'zornig', ich bin einfach nur anders als ihr. Für mich ist das alles nicht selbstverständlich. Ich würde Magie 'niemals' aus Spaß benutzen. Oder... Tja, um andere zu quälen.", ich stöhnte innerlich, bemühte mich aber, sie nicht wissen zu lassen, dass ich dieses Thema schwierig fand.

„Aber-"

„Nein, Sirius.", unterbrach sie mich ernst. „Ich bin einfach 'anders' als ihr. Magie zu benutzen ist... Ist etwas besonderes für mich. Ich bin die einzige in meiner Familie, die es kann. Ich will nicht missbrauchen, was ich habe. Ihr habt einfach eine andere Einstellung dazu, weil ihr sie als selbstverständlich anseht.", erklärte sie.

„Du solltest dich ein bisschen entspannen, Lily.", belehrte ich sie ein bisschen. „Du hast diese Magie in dir, du missbrauchst sie auch, wenn du dich 'nie' mit ihr amüsierst. Ich meine... Hast du jemals deine Kleider Walzer miteinander tanzen lassen?", sie schüttelte ihren Kopf. „Hast du schon einmal eine Feder in eine Flöte verwandelt, die Tinte statt Musik hervorbringt?", sie verdrehte ihre Augen.

„Das war nicht lustig, Emily musste ihre ganzen Hausaufgaben neu machen, das hat sie fast die ganze Nacht gekostet und sie hat die ganze Zeit geheult.", maulte sie ein bisschen.

„Nun, ich gebe zu, der Streich war nicht für sie geplant, aber es war ein bisschen lustig. Und wir haben ihr geholfen.", verteidigte ich uns. „Komm schon, Lily, Magie darf dich auch amüsieren.", sie schnaubte nur.

„Ich finde es nicht amüsant, andere Leute zu quälen.", sagte sie eisern. Ich seufzte jetzt laut. Fein, wenn sie also wollte...

„Lily, was ist das mit Snape und dir?", hakte ich nach. Sie seufzte ebenfalls.

„Tut mir Leid, dass ich davon angefangen habe, ich will eigentlich gar nicht darüber reden.", meinte sie verlegen.

„Nun, ich will es aber wissen.", gab ich zurück. „Bitte erzähle es mir. Wieso hast du ihn in Schutz genommen.", sie räusperte sich.

„Tja...", flüsterte sie, dann überlegte sie lange. „Wir sind zusammen aufgewachsen.", ach so? „In der gleichen Nachbarschaft. Darum wusste ich, bevor ich den Brief bekam, dass ich eine Hexe bin.", erklärte sie mir.

„Aber... Aber er hat dich – er hat das böse Wort benutzt.", maulte ich ein bisschen. Sie trank einen Schluck Wein.

„Ich wusste schon länger, dass ich ihn verloren hatte.", sagte sie betreten. „Er hatte seine blöden Slytherin-Freunde und wir mussten uns immer heimlich sehen. Ich war sein kleines, schmutziges Geheimnis, von dem niemand etwas wissen wollte.", stöhnte sie frustriert. Ich musterte sie.

„Warst du verliebt in ihn?", fragte ich nur. Sie nickte langsam. „Und er in dich?", wieder nickte sie. Eine groteske Vorstellung. „Habt ihr... Du weißt schon?"

„Oh mein Gott, Sirius!", rief sie aus. „Darüber werde ich nicht mit dir sprechen!", ich zog meine Augenbrauen herauf. „Ich – oh Mann, sieh mich nicht so an.", also ja. Abgesehen davon, dass ich es mega-eklig fand, mir den alten Snievellus dabei vor zu stellen, wie er Sex hatte, fand ich es auch gleichzeitig sehr interessant, dass er es ausgerechnet mit Lily getan hatte.

„Ich nehme an, das war dein erstes Mal?", fragte ich dreist weiter, woraufhin sie rot wurde und nickte. „Aber – warte, eben hast du gesagt, du bist noch nie neben einem Mann aufgewacht.", erinnerte ich mich nun. Sie seufzte.

„Und das war die Wahrheit. Ich meine, wo hätten wir schlafen sollen?", fragte sie mich, dann verzog sie das Gesicht. Urplötzlich tat es mir Leid, dass ich das Thema angesprochen hatte, denn ihr stiegen Tränen in die Augen. Oh, ihr Weinglas war schon leer... „W – wir waren eben verliebt ineinander und wenn wir uns getroffen haben, dann eh immer nur in irgendwelchen Abstellkammern.", flüsterte sie bedrückt.

„Lily-"

„Und dann haben wir geknutscht und ehe wir uns versahen war es eben passiert, so zu sagen eine schnelle, billige Nummer im Besenschrank...", sie fuhr über ihr rotes Gesicht. „Und dann mussten wir wieder in unsere Türme, weil wir am nächsten Tag ZAG's hatten.", ups, denkbar ungünstiger Zeitpunkt für uns, uns wie Idioten auf zu führen. Sie räusperte sich ganz verlegen, da seufzte ich leise.

„Es tut mir Leid.", entschuldigte ich mich letztendlich. „Ich – wir hatten keine Ahnung."

„Ihr habt ihn nicht gezwungen, das Wort zu benutzen.", erklärte sie mir schließlich. „Ich nehme es euch nicht mehr übel. Ich wusste schon länger, dass sein Hass auf alle Muggel zu stark wurde. Und sein Drang, nicht mit James auf einer Seite zu kämpfen.", sie zuckte mit ihren Schultern und stellte das Glas weg.

„Woher kommt der Hass auf alle Muggel bei ihm?", fragte ich. Ich wusste, dass er kein Reinblut war, 'Snape' war kein Zauberername.

„Sein Vater ist ein Muggel. Seine Mutter eine Hexe und das hat sie ihrem Mann nie gesagt. Erst, als sie begriff, dass Severus es auch hat. Und als sie es ihm gestand, da wurde er ganz wütend. Danach war die Ehe gelaufen, es gab nur noch Streit und Tränen. ...sein Vater wurde gewalttätig.", erzählte sie seufzend. „Er hat viel Zeit bei meiner Familie verbracht. Mit Dad den Rasen gemäht und so..."

Ich räusperte mich. „Weiß James irgendetwas davon?", fragte ich langsam. Sie wurde rot.

„Er war nicht gerade begeistert.", sagte sie. „Aber ja, ich habe ihm alles erzählt. Mehr als dir.", sie ließ ihren Oberkörper jetzt auf das Bett fallen und fuhr über ihr Gesicht. Ich legte mich neben sie. „Du, Sirius?"

„Mh?", machte ich.

„Ich... Ich bin jetzt nicht mehr in Severus verliebt. Es ist nicht mehr nur, dass ich nicht weiter diesen verlorenen Kampf kämpfen will. Ich bin nicht mehr in ihn verliebt. Er... Er hat mir weh getan, aber ich bin darüber hinweg.", flüsterte sie. Ich legte meinen Kopf seitlich, um sie eingehen zu studieren. Sie sah ganz entspannt aus, ihre Augen waren geschlossen, ihr Atem ging ruhig. Sie weinte nicht.

„Okay.", machte ich nur.

„Ich bin in James verliebt. Ich will ihn, keinen anderen. Je mehr Zeit ich mit ihm verbringe, umso deutlicher wird mir, dass ich ihm Unrecht getan habe. Er ist nicht grausam.", ich schluckte.

„Du redest von mir.", flüsterte ich. „Er hat es dir erzählt..."

„Nicht alles.", gab sie zu. „Aber einen Teil. Und mir ist jetzt klar, dass er einer von den Guten ist. Und Severus nicht.", sie zuckte mit ihren Schultern. „Vielleicht wäre alles anders, wenn Severus einer von den Guten wäre, aber das ist er nicht. James schon. Und ich liebe das Gute in ihm mehr als alles andere auf dieser Welt.", sie lächelte leise, da musste ich auch lächeln.

„Ja, er ist super. Du wirst nicht bereuen, ihn zu wählen.", meinte ich rasch. „Der Beste von allen, Lily. Er würde 'alles' tun, um dich – oder auch einen von uns – zu retten, einfach alles. Er ist wirklich klasse.", sie öffnete ihre Augen jetzt wieder und drehte sich zur Seite, sodass wir direkt nebeneinander legen und uns ansahen.

„Ich kann beinahe nicht glauben, dass ich seine barmherzige Seite nie gesehen habe. ...ich wette, selbst wenn Severus käme und ihn bräuchte, würde er ihm immer helfen.", ich verzog mein Gesicht ein bisschen.

„Weißt du, er hat ihm das Leben gerettet.", erzählte ich etwas kleinlaut. „Ende des letzten Schuljahres... Es war meine Schuld, wirklich.", jetzt sah sie mich durchdringend an.

„Was?", fragte sie nach.

„Snape hat uns schon immer nach gestellt, um uns bei irgendwelchen Aktionen zu ärgern oder uns zu verpetzen. Und als ich ihn wieder beim spionieren erwischte, da – da habe ich ihm verraten, wie er hier hin kommt.", es war nur noch ein verlegenes Flüstern. Sie starrte mich an. „Und James hat davon Wind bekommen und ist ihm hinterher gerannt. Er hat Snape das Leben gerettet."

„Wie konntest du nur?", fragte sie sofort aufgebracht.

„Uh... Ich weiß nicht mehr.", sagte ich.

„Du – wie konntest du Remus nur verraten? Du hast ihn in Gefahr gebracht!", warf sie mir vor. Ich ließ mich auf den Rücken fallen.

„Ich weiß.", sagte ich. „Ich weiß, Lily, ich habe mich total daneben benommen! Wenn James nicht gewesen wäre, dann wäre Severus tot und Remus' Leben wäre völlig zerstört und Dumbledore wäre in Schwierigkeiten und... Mann, ich weiß doch auch nicht, wieso ich das gemacht habe!", stotterte ich ein bisschen. Wie immer, wenn es um dieses Thema ging, fing mein Magen an zu schmerzen und ich wurde ganz rot und verlegen. Eine bescheuerte Version von 'Sirius' so zu sagen.

„Die anderen waren bestimmt sauer auf dich.", sagte sie nur.

„Mega.", darauf zog sie ihre Augenbrauen herauf. „James hat über eine Woche nicht mit mir geredet, Remus war... Tja, er war wirklich mehr enttäuscht von mir. Ich habe uns verraten.", flüsterte ich verlegen. „Und ich musste mich bei Snape entschuldigen.", fügte ich noch hinzu, woraufhin sie seufzte.

„Und das ist wahrscheinlich deine größte Strafe gewesen.", maulte sie ein bisschen.

„Kein Grund, sarkastisch zu werden, ich habe meine Lektion wirklich gelernt.", erklärte ich nun.

„Ich war nicht sarkastisch, ich glaube wirklich, dass die Entschuldigung bei Snape ein einschneidendes Erlebnis für dich gewesen ist.", erwiderte sie. Ich nickte letztendlich zustimmend. Jetzt drehte sie sich auf den Bauch und sah mich von der Seite an. „Ich würde niemals zwischen euch kommen wollen.", versprach sie mir.

„Ach so?"

„Niemals. Wenn du mal hören würdest, wie James über dich spricht, wenn du nicht da bist, dann wüsstest du, dass ich das auch gar nicht könnte.", meinte sie. Ich zog meine Augenbrauen herauf.

„Was sagt er über mich, wenn ich nicht da bin?", hakte ich nach.

„Nachdem wir zusammen geschlafen hatten und ich mir vor nahm, ihn nach einem Date zu fragen, haben wir uns sehr viel unterhalten, weißt du. Und immer wenn das Thema 'Sirius' auf kam...", sie wurde etwas rot. „Du weißt schon, wir sind eben nicht so gut miteinander befreundet.", flüsterte sie. Ich grinste.

„Schon okay, du hast über mich gemeckert...", meinte ich, da verdrehte sie ihre Augen, nickte aber.

„Und er hat dann immer gesagt, wenn ich dich nur ein bisschen besser kennen würde, dann würde ich erkennen, dass du zwar eine harte Schale hast, aber auch einen weichen Kern. Und dann hat er mir endlose Listen von super-guten Eigenschaften an dir auf gezählt...", sie griff nach einer Traube und steckte sie sich in den Mund.

„Und was für super-gute Eigenschaften würde er dir erzählt haben?", fragte ich noch genauer nach. Sie lachte ein bisschen, während sie fertig kaute und räusperte sich dann.

„Also, anscheinend bist du der beste Freund, den man sich wünschen kann, sehr loyal, sehr vertrauenswürdig, sehr pflichtbewusst und aufopferungsbereit.", ich wurde knallrot. Sie zu fragen war eine blöde Idee gewesen, ich wollte lieber nicht wissen, was James so Gutes über mich zu erzählen hatte. „Dann bist du wohl sehr klug und sehr talentiert und sehr amüsant, wenn man deine Art von Humor versteht.", ich schnaubte.

„Schwarzer Humor."

„Schwarz wie deine Seele.", kicherte sie. „Er hat gesagt, dein Humor ist 'schwarz wie seine Seele'.", ich schnaubte wieder. „Er hatte noch tausend andere Sachen, aber da ich ihm eh nicht geglaubt habe, habe ich irgendwann nicht mehr zugehört. Aber die Liste hat immer damit geendet, dass du eben einer von den Guten bist und dass dich das liebenswert macht. Du bist sein Bruder, hat er gesagt.", ich sah jetzt von ihr weg gegen die Decke.

„Er ist mein Bruder.", stimmte ich zu, dabei dachte ich kurz an Regulus, verwarf den Gedanken aber wieder, weil James mir erst gezeigt hatte, was Brüderschaft bedeutete.

„Ich glaube, einer seiner Punkte war, dass deine Haare immer gut aussehen.", grinste sie jetzt. Ich schnaubte.

„Ja, ja, er ist ein bisschen neidisch.", erklärte ich ihr.

„Den Eindruck hatte ich auch."

„Habt ihr beide euch geküsst?", hakte ich jetzt nach.

„Ach komm, davon hätte er dir sicherlich erzählt.", ich schüttelte meinen Kopf. „Nicht?"

„Was dich angeht ist er wie ein verschlossenes Buch geworden. Früher hat er mir immer alles erzählt, sogar manchmal mehr als ich wollte. 'Hast du gesehen, wie hübsch Lily heute war? Sie hatte ihre Haare geflochten, es sah ganz entzückend aus... Ich wünschte, ich hätte es ihr sagen können, aber du weißt ja, dass sie mich hasst und ich traue mich nicht mehr, nett zu ihr zu sein...', blah, blah, in einer Tour.", sie kicherte jetzt, sah aber dabei ganz verlegen aus.

„Tja.", machte sie nur.

„Aber mittlerweile... Ich meine, seit ihr beide so viel Zeit miteinander verbringt lässt er deinen Namen immer in Nebensätzen fallen. Etwa wie 'Der neue Sauberwisch sieht total gut aus, er ist aus dunklem Holz und hat eine etwas verbesserte Form, Lily fand das auch.'.", da lachte sie laut auf.

„Jetzt hör aber auf.", verlangte sie.

„Nein, nein, ich meine das doch ernst, Lily-Maus.", lachte ich. „Oder 'Ich habe meine Zaubertrankhausaufgaben schon mit Lily fertig gemacht.' oder 'Nein, ich lass meine Haare einfach so, Lily hat gesagt, es ist gar nicht so schlimm.'", machte ich mich ein bisschen lustig. „Aber eben nur vereinzelt. Als müsste er jetzt nicht mehr von dir träumen, weil sich sein Wunsch erfüllt hat und du eben jetzt Zeit mit ihm verbringst.", da lächelte sie plötzlich, richtete sich auf uns küsste mich auf die Wange.

Ich sah sie wohl schockiert an, denn ihr Lächeln verwandelte sich in ein Grinsen, aber sie sagte nichts. Verlegen räusperte ich mich. „Komm ich führe dich herum.", schlug ich vor.


Als wir zurück kamen, da saßen die anderen schon zusammen am Kamin. James hatte es schon ein paar Mal über den Spiegel versucht, aber – uh – das war mir total egal gewesen, ich fand es hier und da toll ihn zu plagen. „Hey.", grinste ich, als Lily und ich uns auf die Couch fallen ließen. James sah zuerst sie an (daran würde ich mich wohl gewöhnen müssen), dann warf er einen misstrauischen Blick zu mir.

„Wo wart ihr?", fragte er eingeschnappt.

Lily sah sich um, dann beugte sie sich zu den Jungs vor. Oh, ich hätte es ihnen lieber selber sagen wollen. „Sirius und ich hatten ein Date.", grinste sie breit. James warf einen eher tödlichen Blick zu mir. „Wir sind zusammen in der heulenden Hütte gewesen, er hat mir alles gezeigt, wir haben etwas gegessen und stundenlang geredet.", strahlte sie.

„Ist das so?", knurrte James säuerlich, da grinste ich ihn breit an. Mann, einfach nur, um ihn zu ärgern...

„Na ja, er war der Meinung, dass du mich wohl auch um ein Date bitten würdest und darum sollten wir uns ein bisschen anfreunden.", erklärte sie. Er hob seine Augenbrauen an, als sie ihn hoffnungsvoll ansah.

„Er hatte schon immer verquere Ansichten.", maulte er. Ich verdrehte meine Augen.

„Krone, wenn du auf den richtigen Moment wartest, die Lily-Maus um ein Date zu bitten: Du versaust ihn gerade.", informierte ich ihn, woraufhin Lily ein bisschen lachte.

„Kein Ding, ich warte auch gerne.", aber James, der Volltrottel, warf einen abschätzenden Blick auf mich. Ich zuckte mit meinen Schultern und deutete mit meinem Kinn auf sie, dann zwinkerte ich ihm zu. Seine Augen verengten sich nachdenklich, während er überlegte, wie er es am besten formulieren sollte.

Hier und da überraschte er mich tatsächlich immer noch. Er lächelte plötzlich, streichelte durch ihre Haare und drückte einen Kuss auf ihre Lippen. Sie sah etwa so überrascht aus wie ich, da legte er seinen Arm um ihre Schultern und lehnte sich mit ihr gemeinsam auf die Couch zurück. „Gut, dass ihr euch verstanden habt.", stellte er fest. „Was wollen wir nächstes Hogsmeadewochenende also machen?", sie räusperte sich.

„Uh – uhm, tja...", stotterte sie. Er küsste ihre Schläfe, daraufhin wurde sie ganz rot und legte ihren Kopf gegen seine Schulter. Ich setzte mich auf die Couchlehne und stellte meine Füße direkt neben Lily, die vor lauter Freude auf ihre Unterlippe biss.

So für mich dachte ich dann, dass die beiden ein hübsches Pärchen waren...