Kapitel 2
Let's play a game
Tara verkrümelte sich in das keine Dienstzimmer, griff nach ihrer Flasche und nahm erst mal einige Züge.
Am Anfang hätte sie ihn am liebsten im hohen Bogen raus geschmissen, und als er dann doch die Frechheit besessen hatte, seine Waffe auf Station bringen zu wollen, wäre sie ihm fast an den Hals gesprungen.
Als er jedoch in sie gerannt war, hatte sie sich gefühlt, als hätte ihr jemand einen kleinen Stromschlag verpasst, ihr Körper hatte sich wie elektrisiert angefühlt. Sie hatte ihn beobachtet, und ihre wahren Gedanken hinter einer spöttischen Maske versteckt, weil er nicht rechtzeitig zum stehen gekommen war. Und dass er sich überhaupt nicht bewegt hatte, sie sogar noch mit diesem frechen Grinsen angesehen hatte, hatte ihre Wut auf ihn irgendwie verpuffen lassen.
Der Kerl war dreist, ja, und sie war sich ziemlich sicher, dass er den Körperkontakt als Einschüchterung hatte nutzen wollen. Aber das funktionierte bei ihr eh nicht. Bei einem zwei Meter großen Drill Sergeant, der einen Wochenlang zu Kleinholz verarbeitete und einen dabei fast schon umfegte, lernte man sehr schnell, diese einschüchternde Art von Körperkontakt zu ertragen. Und der ständige Patientenkontakt trug auch dazu bei, Berührungen erst mal zu ignorieren.
Abgesehen davon hatte sich das, was sie so gespürt hatte, ziemlich interessant angefühlt. Er war durchtrainiert, aber nicht übertrieben muskulös. Noch ein Grund, warum sie sich nicht rasch zurück gezogen hatte.
Sie lehnte sich gegen die Wand und starrte an die Decke. Er hatte was, das musste sie ihm lassen, aber sie war sich sicher, dass er ein Arschloch vor dem Herren sein konnte, wenn er wollte.
Sie war wirklich gespannt, wie dieser Tag mit ihm hier auf Station weiter verlaufen würde.
Nachdem sie sich etwas beruhigt hatte, wanderte sie zum Stationsstützpunkt und schnappte sich ihre ganzen Unterlagen. Eilig übertrug sie die restlichen Werte, bevor sie es sich vor dem Monitor, der Mr. Forster zugeordnet war, bequem machte und die Videoüberwachung, die schon am Laufen war, vergrößerte.
Mr. CIA stand relativ am Rand der Kamera, sie konnte ihn nur zur Hälfte erkennen, und er schien zu schweigen. Was sicher daran lag, dass Mr. Forster endlich eingeschlafen war. Der Agent schien warten zu wollen, denn er zog sich einen Stuhl herbei, setzte sich und starte auf Mr. Forster. Tara grinste leicht. Da konnte er aber lange warten, doch das würde sie ihm jetzt noch nicht sagen.
Trent trommelte leise mit den Fingern auf der Lehne des Stuhls herum. Er war es gewohnt, viel Geduld aufbringen zu müssen in seinem Job. Eile und Ungeduld brachten selten die Ergebnisse, die sein Vorgesetzter von ihm sehen wollte, also übte er sich brav in Geduld, auch wenn er sich etwas ... überqualifiziert fühlte für diesen Job. Aber das war wahrscheinlich die Strafe dafür, dass er mal wieder ein Abkommen mit Gibbs getroffen hatte. Er zuckte innerlich die Schultern. So eine Strafe was verschmerzbar... vor allem, wenn so eine nette Dreingabe wie diese Krankenschwester dabei war, mit der er sich ein wenig die Zeit vertreiben konnte. Denn John Forster sah nicht so aus, als würde er bald wach werden wollen, also würde Trent hier noch eine Weile ausharren müssen.
Um halb sechs lehnte Tara sich gegen den Türrahmen und musterte ihn. Er saß seit heute Mittag schon hier rum und hatte sich nicht ein einziges Mal gezückt. "Na, Mr. CIA? Haben Sie Durst?"
Er sah mit einem etwas schiefen Grinsen zu ihr. "Wenn Sie so fragen, Lady... Ein Wasser wäre vielleicht gar nicht so verkehrt."
Sie winkte ihn mit ihrem Zeigefinger zu sich und er stand auf. Langsam schlenderte er auf sie zu und sie musterte ihn dabei mit verschränkten Armen. Als er vor ihr stand, drehte sie sich um und führte ihn am Stützpunkt vorbei zum großen Dienstraum, in dem die Getränkekisten standen. "Nehmen Sie sich eine Flasche." meinte sie und lief zu einem Schrank. Sie hörte, wie er eine der Glasflaschen aus der Kiste zog, während sie ein Glas aus dem Schrank holte. Als sie sich wieder umdrehte, stand er schon dicht hinter ihr, sah zu ihr runter und hielt die Hand auf.
Sie lehnte sich gegen den Schrank, während er trank. "Wie lange wollen Sie eigentlich noch da sitzen, und Mr. Forster beim Schlafen zusehen?"
Er zuckte mit den Schultern. "Bist er wach wird."
Tara grinste leicht. "Dann sollten Sie sich aber darauf einrichten, die Nacht hier zu verbringen. Vor morgen wird er nicht zu sich kommen."
Er hob eine Augenbraue "Morgen?"
"Nicht früher."
Er stellte das Glas und die Flasche auf dem Tisch ab, bevor er sich wieder direkt vor sie stellte, noch dichter als vorher, er berührte sie schon fast mit seinem Oberkörper. "Und das sagen Sie mir nach fünf Stunden?" Sein Blick war ziemlich durchdringend, seine Stimme dunkler als vorher und Tara musste ein leichtes Schaudern unterdrücken.
"Sie haben nicht gefragt."erwiderte sie gelassener, als sie sich fühlte. In ihrem Nacken kribbelte es leicht, als wollten sich die Haare zu Berge stellen. Der Kerl hatte eine wahnsinnige Ausstrahlung, die mehr in ihr auslöste, als sie es heute Mittag für möglich gehalten hätte. Sie hielt seinem Blick entschlossen stand, gespannt, was als nächstes passieren würde. Ein ganz leichtes Schmunzeln schlich sich auf ihre Lippen, als er sie von oben herab ziemlich genau musterte und sein Blick dabei über ihr ganzes Gesicht wanderte.
Im ersten Moment war er sauer. Aber dann kapierte er, dass sie ihn reizen wollte. Sie wollte spielen? Gut, das konnte sie haben.
Er beugte sich nach vorne, stützte sich rechts und links von ihr am Schrank ab und knurrte ihr ins Ohr "Morgen dann... schlafen Sie gut, Lady..."
Ihr Duft stieg ihm in die Nase und er schloss für eine Sekunde genießerisch die Augen. Sie roch nach Minze und Zitrusfrüchten, eine angenehme Kombination. Vorsichtig hob er eine Hand und zwirbelte eine ihrer kurzen Strähnen zwischen seinen Fingern. Dabei sah er ihr ziemlich interessiert in die Augen, und was er sah, gefiel ihm. Sie war nicht geschockt, nur etwas erstaunt. Dass er so direkt auf ihr Spiel einging, damit hatte sie dann wohl doch nicht gerechnet. Ablehnung suchte er aber vergebens und er grinste zufrieden.
Schließlich stieß er sich ruckartig ab, drehte sich um und schlenderte aus dem Raum.
Er musste sich ein Auflachen verkneifen, als ihm trocken hinterher rief "Wehe, Sie parken Ihren Finger wieder auf der Klingel."
"Bye, Lady." meinte er amüsiert, bevor er durch die Tür ging.
Zügig verschwand er in der Umkleide und durchlief die Prozedur des Umkleidens nun in umgekehrter Reihenfolge. Als er endlich auf dem Flur stand, gestatte er sich ein leises Lachen. Das würde noch spannend werden.
Tara atmete mehrmals tief durch. Das war... heiß gewesen, anders konnte sie es nicht beschreiben."Hui." murmelte sie und musste dann lachen.
Andrew, Taras Stellvertreter, die die ganze Zeit über einigen Unterlagen in der hintersten Ecke des Raumes gesessen und die Aktion zwischen den Beiden interessiert verfolgt hatte, räusperte sich. "Also... das hatte ja irgendwie was Knisterndes."
Tara zuckte zusammen, sie hatte ihn überhaupt nicht bemerkt. Aber sie nickte. "Da hast du wohl recht." Mit wenigen Schritten war sie bei ihm und ließ sich auf den Stuhl neben ihm sinken.
Andrew musterte sie. "Wer war das überhaupt?"
"Ein CIA Agent... jetzt wo du fragst, ich weiß nicht mal seinen Namen." meinte Tara amüsiert.
Andrew lehnte sich etwas zurück. "Er schient deinen ja auch nicht zu kennen. CIA. Was will ein CIA Agent hier?"
"Hast du das noch nicht mitbekommen? Ach ne... du hast ja Nachtschicht. Wir haben in der 18 nen Forensischen. Und den wollte er befragen." erklärte Tara.
Andrew seufzte und sah sie dann ernst an. "Ein CIA Agent... Was wird das, wenn es fertig ist?"
Sie zuckte nur mit den Schultern. "Das weiß ich noch nicht. Mal sehen, wie weit das geht. Spaß machts auf jeden Fall jetzt schon." Sie grinste Andrew breit an.
"Verbrenn dich nur nicht, mit den Typen ist eigentlich nicht gut Kirschen essen." meinte der mit einem leichten Anflug von Sorge.
Aber Tara winkte nur ab. "Ein Spiel... ich glaube nicht, dass da mehr draus wird als Flirterei. Sobald er hat, was er will, verschwindet er eh auf Nimmerwiedersehen."
"Die Frage ist nur: Was will er denn genau?" frage Andrew kryptisch und beugte sich wieder über seine Unterlagen.
Tara lehnte sich zurück. Das war ne verdammt gute Frage. Und sie würde sich eine Antwort darauf holen.
