Hallo! Zuerst möchte ich mich bei euch für die positiven Reviews bedanken. So, nun also die Fortsetzung meiner Geschichte. Ich hoffe, sie gefällt euch. Viel Spaß!
Kapitel 2
Der Ritt schien Darcy notdürftig wieder etwas zu beruhigen. Er fühlte sich wieder soweit, der Impertinenz Miss Bingleys gegenüberzutreten. Natürlich würde ihm Bingley sicherlich einige Vorwürfe über sein schlechtes Verhalten gegenüber seiner Schwester machen. Er fühlte sich jedoch nicht schuldig. Was er jetzt tun musste, war Ruhe bewahren. Gegenüber Miss Bingley und … vor allem Miss Bennet. Heute würde er sie wieder sehen. Darcy musste bekennen, dass er sich freute, sie heute wiederzusehen. Ihre geistreichen Kommentare und ihr Charme ließen ihn schmunzeln. Er dachte an ihre Ankunft auf Netherfield, als sie sich nach ihrer kranken Schwester erkundigte. Er hatte selten so etwas Liebreizendes gesehen. Obwohl sie nicht ganz adrett gekleidet war und ihr Haar sich etwas aus dem Knoten an ihrem Hinterkopf gelöst hatte, konnte er kaum den Blick von ihr abwenden. Der Besuch war für heute Abend auf Longbourn angesetzt, so blieb ihm noch etwas Zeit, sich mental auf das Wiedersehen vorzubereiten.
Darcy war derart in Gedanken gewesen, dass er nicht bemerkt hatte, wie sich das Wetter inzwischen weiter verschlechtert hatte. Ein schweres Gewitter nahte. Und, oh nein, er hatte nicht auf den Weg geachtet. Er war viel zu weit von Netherfield entfernt, um der Wetterverschlechterung noch zu entgehen. Er fluchte, gab dem Pferd die Sporen und galoppierte mit halsbrecherischem Tempo durch den matschigen Boden. Der Wind peitschte ihm den Regen mit roher Gewalt ins Gesicht. Er verlangsamte seinen Rappen und sah sich um.
Da erblickte er eine schäbige Hütte, direkt am Waldrand. Die einzige Möglichkeit halbwegs vor dem schweren Gewitter geschützt zu sein. Er lenkte sein Pferd dorthin, sprang mit einem Satz aus dem Sattel und stellte sich unter den kleinen Dachvorbau. In diesem Moment zuckte ein schwerer Blitz. Der darauf folgende ohrenbetäubende Donner lies Darcys Pferd erschrecken. Er hatte keine Chance sein Pferd zu bändigen. Mit lautem Gewieher stellte es sich auf die Hinterhand und stürmte mit weit ausholendem Galopp in Richtung seines heimatlichen Stalles. Darcy fluchte erneut. Sobald sich das Wetter gebessert hatte, würde er wohl zu Fuß nach Netherfield zurückgehen müssen, obwohl es in diesem Augenblick wohl noch etwas dauern würde.
Der Regen verstärkte sich. Selbst unter dem Vorbau war er nicht mehr gegen die Nässe geschützt. Er versuchte, die Tür der Hütte zu öffnen. Sie schwang mit einem lauten Knarren auf. Wenigstens ist dies mir gnädig gestimmt, dachte er. Er trat ein und würziger Heugeruch schlug ihm entgegen. Darcy konnte den kleinen Heuberg erkennen, der sich lose in der Mitte des Raumes vor ihm erhob. Vermutlich wurde die Hütte als Rumpelkammer benutzt, denn es befanden sich noch Ackergeräte, eine kleine kaputte Kutsche und altes Kutschengeschirr darin. Er marschierte darauf zu und erkannte neben dem Haufen Heu mehrere kleine Schemel. Er nahm auf einem platz.
Er blickte sich um. Es würde ihm wohl nichts anderes übrig bleiben, als hier abzuwarten. Der Wind heulte um das Gebäude und lies das Gebälk knacken. Der Himmel schien alle Pforten geöffnet zu haben. Er blickte auf seine Taschenuhr. Es war bereits nach 6. Sollte sich das Wetter nicht bald bessern, was in der derzeitigen Situation den Anschein hatte, so würde er die Gesellschaft auf Longbourn versäumen, was ihn nun gar nicht erfreute. So würde er Elizabeth an diesem Tag wieder nicht sehen können. Doch war es nur allein sie, warum er noch länger in Netherfield weilte. Er hätte schon längst wieder zurück nach Pemberley reisen sollen, um seinen geschäftlichen Verpflichtungen nachzukommen. Jedoch war die Hochzeit von Bingley bereits in einer Woche. Es würde sich kaum lohnen, die Reise nach Hause anzutreten. Er war froh, sich in dieser Hinsicht ganz auf seinen Verwalter verlassen zu können. Er würde auch noch bis nach der Hochzeit ohne ihn zurechtkommen.
Abrupt wurde er aus seinen Gedanken gerissen. Was war das? Ihm war, als hätte er ein Geräusch gehört. Er lauschte. Nein, vermutlich hatte er sich getäuscht. Doch unerwartet wurde heftig die Tür aufgestoßen und eine Gestalt stürzte herein. Die Person atmete heftig. Ein Blitz erhellte den Raum. Er erkannte, dass es sich um eine Frau handelte, doch da sie ihm den Rücken zukehrte, konnte er ihr Gesicht nicht erkennen. Sie trug ein helles Kleid, das klatschnass an ihr herunterhing. Und dazu eine curryfarbene Jacke. Curryfarben? War es denn möglich? Er sprang auf, als ihn die Gewissheit mit einem Schlag traf. Die Gestalt war niemand anderes als Miss Elizabeth Bennet.
Darcy musterte sie einige Augenblicke, bevor er ihr zu verstehen gab, dass sie nicht allein war. Er hüstelte. Elizabeth drehte sich erschrocken um. „Mr. Darcy! … Haben Sie mich erschreckt! Was machen Sie denn hier?„ Er verbeugte sich leicht. „Ich bitte vielmals um Entschuldigung. Ich wollte Sie nicht ängstigen. Das schlechte Wetter hat mich gezwungenermaßen hierher geführt.„ „Natürlich! Eine überaus geistlose Frage von mir.„, erwiderte sie verlegen. Er betrachtete sie. Oh, wie sie diesen Blick liebte.
Elizabeth errötete bei diesem Gedanken. Sie wandte sich ab. „So wie sich das Wetter verhält, werden wir wohl noch eine Weile hier ausharren müssen.„, ergriff er nach kurzer Zeit wieder das Wort. „Es ist hier zwar nicht so bequem wie in Netherfield oder Longbourn, aber bitte setzen Sie sich. Sie sind ja ganz außer Atem.„ Lizzy blickte ihn einen Moment an, lächelte und ging zu einem der Schemel, den ihr Mr Darcy neben den seinen platziert hatte. Sie bedankte sich bei ihm und setzte sich. Er selbst nahm neben ihr platz. „Verzeihen Sie meine Unaufmerksamkeit. Sie sind ja völlig durchnässt. Bitte, nehmen Sie meine Jacke!„ „Nein! Bitte, das ist wirklich nicht nötig!„ „Ich bestehe darauf. Sie werden sich sonst erkälten.„ Er stand auf, zog sich die Jacke aus und legte sie über ihre Schultern. „Haben Sie vielen Dank, Mr Darcy.„
Er nahm wieder auf dem Schemel platz. Schweigen. „Ihrer Familie geht es doch hoffentlich gut?„, fragte er, nur damit etwas gesagt wurde. „Ich danke Ihnen, alle sind wohlauf.„ „Aha.„ Erneutes Schweigen.
Die Situation erinnerte sie sehr an seinen Besuch, den er ihr bei den Collins gemacht hatte. Damals hatte der Großteil seines Besuches auch aus Stille bestanden.
„Ich hoffe, Ihrer Schwester geht es auch gut?„, ergriff sie nun das Wort. „Ja, sie erfreut sich bester Gesundheit.„ „Verweilt Sie denn zurzeit auf Pemberley?„ „Nein, sie hält sich in London bei einer Verwandten auf. Sie wird aber in ein paar Tagen zur Hochzeit von Bingley und Ihrer Schwester auf Netherfield eintreffen. Und … sie freut sich besonders, Sie wiederzusehen, Miss Bennet, wie sie mir durch einen Brief mitteilte.„ Elizabeth lächelte und warf ihm einen verstohlenen Blick zu. „Ich freue mich ebenso, sie wiederzusehen. Sie ist eine so nette, freundliche junge Dame. Ich habe sie richtig lieb gewonnen, obwohl wir uns nur zweimal begegnet sind.„ „Das freut mich sehr, Miss Bennet.„ Elizabeth hielt den Blick gesenkt. Sie spürte, wie er sie anblickte. Sie wagte nicht, ihn anzusehen. Dazu war sie ihm gegenüber zu verlegen, seitdem sie ihre wahren Gefühle, die sie für ihn empfand, kannte.
Darcy konnte ihre Unsicherheit förmlich spüren. Doch konnte er einen weiteren Versuch wagen? Er hatte bemerkt, dass sich ihre Gefühle gegenüber ihm verändert hatten. Wo sie früher auf fast jedes Gesprächsthema die passende Antwort gefunden hatte, so war sie jetzt regelrecht schüchtern. Nein, er musste handeln. Sofort! Er konnte seine Empfindungen, seine Liebe für sie nicht länger unterdrücken. Aber wie? Oder sollte er doch noch warten? Er dachte an den misslungenen ersten Antrag. Nein! Von nun an gibt es kein zurück!
„Miss Bennet.„, sagte er sanft. Er sah ihre Hände, die krampfhaft in ihrem Schoß lagen. Er rückte näher und nahm sie ihn die seinen. Sie blickte überrascht in sein Gesicht. Nun war der Augenblick gekommen, sich ihr zu offenbaren.
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„Wo bleibt denn Lizzy schon wieder? Sie wird zu unserem Dinner noch zu spät kommen. Es ist gleich sieben. Mr Bingley und Mr Darcy sind sicher schon auf dem Weg zu uns. Und sicherlich besucht uns auch Miss Bingley!„ Mrs Bennet stöhnte auf. „Mama, ich bin sicher, sie wird gleich wieder zurückkehren. Sicherlich hat sie sich nur irgendwo untergestellt, wenn man bedenkt, wie heftig der Wolkenbruch war.„, erwiderte Jane. „Ach was! In letzter Zeit hat man nur Ärger mit ihr! Warum musste sie auch bei diesem Wetter spazieren gehen! Nein, diese Spaziergänge! Was werden nur unsere Gäste denken! Sie ist wie eine Wilde! Oh, meine Nerven!„ Jane seufzte. Sie kannte die Übertreibungen ihrer Mutter nur zu gut. „Stehen die Rosen, die ich als Tischschmuck ausgewählt habe, schon auf dem Tisch?„ Mrs Bennet rauschte ins Esszimmer. „Nein! Um alles muss man sich selbst kümmern! Hill! Hill!„ Sie sauste aus dem Zimmer. um der Haushälterin letzte Anweisung zu erteilen. Jane blieb im Zimmer zurück.
Sie ging auf das Fenster. Lange würde es nicht mehr dauern. Bald war sie Mrs Bingley. Und was sie am meisten freute, war, dass es eine Liebesheirat war. Keine arrangierte Ehe, in der kein Respekt und vor allem keine Liebe herrschte. Sie war froh, dass sich ihr Wunsch erfüllt hatte. Und auch mit seinen Schwestern hatte sie es nach ihrer Ansicht gut getroffen. Dennoch hatte ihr Lizzy den Rat gegeben, sich vor ihnen in Acht zu nehmen, besonders vor Caroline Bingley. Sie sei hinterhältig, falsch und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Jane jedoch glaubte fest daran, dass sie ihr eine gute Freundin werden würde. Sie sah stets immer das gute im Menschen. Sie lächelte. Sie dachte an das wunderschöne Brautkleid, das in ihrem Schrank hing. Sie konnte den großen Tag kaum mehr erwarten. Sie blickte aus dem Fenster.
Eine Kutsche, vor die vier Pferde gespannt waren, kam langsam auf das Haus zu. „Jane! Mr Bingley kommt! Mary! Kitty! Wo bleibt ihr nur! Mr Bennet!„ Wie immer versetzte Mrs Bennet das ganze Haus in Aufregung. „Mrs Bennet, warum nur diese Eile. In dieser Zeit, die die Kutsche noch bis zur Ankunft benötigt hätte, hätte ich bereits Homers „Odyssee„ zu Ende gelesen, anstatt mich immer noch am Anfang des Buches aufzuhalten.„, konnte sich Mr Bennet nicht versagen.
Die Familie versammelte sich auf dem Vorplatz, um die Gäste gebührend zu empfangen. Der Wagen hielt an, ein Diener öffnete die Wagentüre und Mr Bingley stieg aus. „Mr Bingley! Wie ich mich freue, Sie hier auf Longbourn begrüßen zu dürfen.„, setzte Mrs Bennet an. Mr Bingley verbeugte sich galant. „Das Vergnügen ist ganz meinerseits, Mrs Bennet. Mr Bennet, ich freue mich sehr, Sie wiederzusehen.„ Und natürlich fiel die Begrüßung für Mary und Kitty nicht weniger herzlich aus. Jane begrüßte er mit einem Handkuss und mit liebevollen Worten.
„Sind Sie denn heute ganz allein zu uns gekommen? Ich dachte, Sie wären in Begleitung von Miss Bingley und Mr Darcy.„, platzte Mrs Bennet in die Unterhaltung der beiden Verliebten. „Es tut mir leid, Sie enttäuschen zu müssen. Meine Schwester fühlt sich nicht sehr wohl. Sie lässt Sie bitten, sie zu entschuldigen. Und Darcy … nun ja … er ist leider verhindert.„ „Oh, das tut mir aber leid. Ich hoffe, ihrer Schwester geht es bald wieder besser.„ Das Fernbleiben von Mr Darcy wurde von Mrs Bennet übergangen.
Charles Bingley lächelte gequält. Er verschwieg, dass Caroline Bingley keinesfalls erpicht darauf war, einen Abend unter Leuten zu verbringen, die unter ihrem hohen Rang standen, besonders, was Mrs Bennet betraf. Mit Müh und Not akzeptierte sie Jane als die Frau an ihres Bruders Seite. Und was Darcy betraf, so war dieser von seinem Ausritt noch nicht zurückgekehrt. Hätte er davon erfahren, dass Darcys Pferd herrenlos nach Netherfield galoppiert war, so hätte er sich sofort auf die Suche nach ihm begeben. In der jetzigen Situation nahm er an, dass er sich durch die unfreundliche Behauptung Carolines abreagieren musste. Er hatte schon vor einiger Zeit vage geahnt, dass ihm Elizabeth nicht gleichgültig war. So hatte er für das Verhalten seines Freundes vollstes Verständnis.
Die Gesellschaft begab sich zu Tisch. „Ich sehe, dass Ihre Familie ebenfalls nicht vollständig ist.„ „Nein, meine Schwester ist leider nicht zugegen. Sie wollte einen Spaziergang machen. Und da es doch dieses schreckliche Gewitter gab, wird sie sich irgendwo untergestellt haben.„, sagte Jane. „Nun ja, Mr Bingley. Leider lässt sich unsere Lizzy nicht davon abbringen. Ich war ja diesen Märschen nie wohlgesinnt gegenübergestellt. Aber sie hat in dieser Sache ihren eigenen Kopf.„, fügte Mrs Bennet hinzu. „Sollten wir sie nicht suchen gehen? Nicht, dass Miss Bennet am Ende noch etwas zugestoßen ist.„ „Machen Sie sich keine Sorgen. Elizabeth ist oft stundenlang unterwegs. Wir sind das schon gewöhnt.„
Mr Bingley lächelte bei diesen Worten leicht. Er konnte die Sorglosigkeit von Elizabeths Mutter nicht ganz verstehen. Und auch Jane machte sich Sorgen um ihre Schwester, was auch ihrem Verlobten nicht entging. Das Unwetter war wirklich sehr heftig gewesen. Sie versuchte ruhig zu bleiben. Sicher würde sie jeden Moment zur Tür hereinkommen.
Die Sorge um Elizabeth wurde für einen Moment vergessen, als das Mahl serviert wurde. Als Vorspeise wurde Kürbissuppe serviert, wobei diese durch den Hauptgang, es gab Rehbraten mit Gemüse, geschmacklich noch überboten wurde. Als Nachspeise wurde Kirschsoufflee gereicht. Mr Bingley hielt sich mit seinen Komplimenten nicht zurück. Er versicherte Mrs Bennet mehrmals, schon lange nicht mehr so wunderbar gespeist zu haben.
Das Wetter hatte sich wieder etwas gebessert. Sogar die Sonne war noch einmal zum Vorschein gekommen, die sich bereits langsam dem Horizont näherte. Jane und Mr Bingley entschlossen sich deshalb zu einem kurzen Spaziergang im Garten, wobei das Paar auch vor den etwas nervigen Fragen von Mrs Bennet an Mr Bingley flüchtete.
Als die beiden bei der steinernen Sitzgruppe unter der Weide angelangt waren stand plötzlich Elizabeth vor ihnen.
Fortsetzung folgt …
