Uuuund da ist schon Kapitel Zwei. Hach ja. Ich bin ja neu hier auf . Und ich liebe diese User-Statistiken jetzt schon. So weiß man wenigstens mal, wie viele Leute das Geschreibe hier lesen... auch ohne Reviews. Wuhu! XD
...PS: Ich freu mich trotzdem über welche ;D
2
Wenige Minuten später war Albus Dumbledore erleichtert verschwunden und hatte ein kleines Mädchen, einen großen Koffer und einen Sessel zurück gelassen, der sich ein paar mal wand und drehte, bevor er wieder als geradegebogener, silberner Löffel auf dem Tisch lag. Letzteres betrachtete Rosemary Snape ziemlich missmutig und kletterte dann unter einiger Mühe auf den großen Stühl, direkt Sirius gegenüber. Der alte Zauberer, der sie her gebracht hatte, war mit einem Auftrag für sie gegangen. Er hatte sie großzügig dazu befugt, alle weiteren Fragen zu ihrer Person höchstselbst zu beantworten. Nun saß sie hier und niemand schien sich zu trauen, mit der Fragerunde zu beginnen. Molly Weasley wuselte bereits wieder durch den Raum und versuchte heraus zu bekommen, was sie ihrem neuen Gast anbieten könnte. Nach einigem Hin und Her bat Rosemary dann höflich um einen Kräutertee mit Honig, den die mütterlich dreinlächelnde Dame ihr geradezu erleichtert zubereitet hatte. Die rötlichen Hände des Mädchens wärmten sich Minuten später an der dampfenden, tiefen Teetasse.
Schließlich meldete sich diejenige zu Wort, die immer gern unaufgefordert sprach. Hermine beugte sich ein wenig nach vorn, die Unterarme hatte sie fest auf dem Tisch verschränkt. Die Jüngere blickte zu ihr auf und legte unschuldig fragend den Kopf schief.
„Also bist du Snapes... also ich meine Severus'... also... Professor Snapes Tochter?", und in ihrer Stimme lag der zögerliche Unglaube, den die gesamte Tischrunde teilte. Rosemary hatte gerade noch einen Schluck Tee genommen und schüttelte, ein bisschen belustigt wirkend, ihre vollen Backen.
„Aber was dann?", brach Harry Potter in die Unterhaltung, sodass sie hinunter schluckte.
„Ist er ein Onkel? Oder einfach ein Freund deiner Eltern? Dein Pate vielleicht?"
Bei der letzten Bemerkung seinerseits streifte Harry kurz Sirius' leuchtender Blick.
'Stolz wie Oscar, würden die Muggel sagen', dachte sich Remus.
„Nichts davon. Er hat meine Eltern ermordet."
„Bitte WAS?" Die ruhige, freundliche Miene war schneller von Tatzes Gesicht gewichen, als er hätte 'Hundekuchen' sagen können. Dem berühmten Harry-Ron-Hermine-Trio klappten lediglich die Münder in Richtung Tischkante, das Ehepaar Weasley sah sich verständnislos und erschrocken an, die übrigen Sprosse der Familie begutachteten Rosemary mittlerweile wie ein seltenes Zootier. Remus fühlte sich dabei auf eine grausame Art an sich selbst erinnert, hustete deshalb auffällig laut, rieb mit den Fingern über seine leere Kakaotasse und blickte das Mädchen wach an. Mit Mühe formte er ein entschuldigendes Lächeln auf seinem Gesicht, während das seines besten Freundes bereits vor Zorn zu glühen begann. Seine großen, prankenhaften Hände fuhren mit einem lauten Knall auf die Tischplatte nieder und kurz glaubte Remus, etwas splittern zu sehen. Daher beeilte er sich nun, etwas zu sagen:
„Also Rosemary, du wirst verstehen... dass uns das alle schon ein wenig verwirrt, ich meine..."
Doch das Mädchen trank ihre Tasse leer und winkte so gütig und weise ab wie eine 100jährige Hexe. Ein kleinwenig erinnerte sie gerade an Albus Dumbledore höchstselbst.
„Das ist nicht weiter wild, ich habe ihm verziehen... ehrlich."
Dann wischte sie sich kindlich mit ihrem Schlafanzugärmel den Mund ab, dabei gezielt darauf achtend, dass nichts den großen schwarzen Umhang, den sie darüber trug, benetzte. Einige Sekunden später blickte sie auf und schaute in nach wie vor so verwirrte Gesichter, dass sie leise seufzend weiter ausholte. Sie sprach nicht gern darüber, aber für ein Kind ihres Alters tat sie es erstaunlich gefasst:
„Ist alles eine längere Geschichte... also... naja. Als ich so Sieben war,", kurz schaute sie in die Runde, dann hielt sie sich lieber wieder an Remus' Zuhörergesicht, „Also vor ungefähr fünf Jahren, war ich mit meinen Eltern in einem kleinen Cottage an einer Cornishen Bucht, um dort die Oktoberwoche um meinen Geburtstag herum zu verbringen. Es war eigentlich ein ziemlich toller Urlaub. Wir waren Beeren und Pilze sammeln im Wald, Drachensteigen am Strand... und für einen Tag hat Edmond...", wieder sah die kleine Erzählerin in die Runde und erklärte: „...also mein Vater sogar einen Schlitten und zehn Huskys gemietet. Keine Ahnung wo. Aber damit konnte ich sogar Hundeschlitten im Schlicksand ausprobieren..."
Kurz schien sie in seligen Erinnerungen zu schwelgen, dann räusperte sie sich jedoch und schüttelte, wie um sich wach zu rufen, leicht den Kopf, während Molly ihr lächelnd Tee nachgoss und jeder an den kindlichen Lippen hing.
„In der Nacht zu meinem siebten Geburtstag jedenfalls hatten wir ein Lagerfeuer gemacht, Stockbrot angesetzt und wollten, wenn es nach mir ging bis in den Morgen, unterm Sternenhimmel sitzen und uns Geschichten erzählen. … Also... meine Mum hat meistens die Geschichten erzählt, weil sie es am besten konnte, denke ich... Aber kurz nach Mitternacht, als meine Eltern gerade ein Ständchen gesungen hatten und von irgendwoher einen Kuchen hervor gezaubert hatten, kam es."
In diesem Moment hätte man im Esszimmer der Familie Black eine Stecknadel auf den Boden aufschlagen hören können, doch Gottseidank fiel niemandem eine aus der Hand.
„Ein Monster hat uns überwältigt. Ein riesiger, blutrünstiger Wolf."
Und Remus erstarrte. Eine ungute Vorahnung beschlich ihn und ein flaues Gefühl in seiner Magengegend zog alles Blut an wie ein großer Magnet. Er konnte fühlen, wie sein Gesicht fahl wurde und spannte die plötzlich trockenen, rissigen Lippen so fest über seinen Zähnen an, dass sie schmerzten.
„Wir waren alle starr vor Schreck, aber der Wolf war kein normales Tier. Er hat mich direkt angegriffen. Weder Mum noch Dad konnten etwas tun. Er hat beide mit einem Biss durch den Hals erledigt."
Betretenes Schweigen war der Spannung gewichen. Harry Potters Augen schimmerten traurig. Nur jemand, dem ähnliches passiert war konnte nachfühlen wie es war, seine Eltern an etwas so düsteres, grausames zu verlieren wie den Tod.
Doch das Mädchen wirkte noch immer erstaunlich gefasst. Bedrückt, jedoch weniger traumatisiert, als man es vielleicht bei einem solchen Schicksal erwarten sollte, fuhr sie fort:
„Ich weiß noch, wie Greyback über mir gestanden hat und wie ich dachte, ich muss sterben. Dann rief jemand seinen Namen und eine Zauberformel. Im Nu war er gefesselt.", ein wenig ruckartig stellte sie ihre Tasse auf den Tisch, auf den auch Sirius' Hände noch immer fest gepresst waren.
„Dann hat Severus gesehen, dass er für meine Eltern nichts mehr tun konnte. Es war einfach zu viel Blut, zu wenig... Kraft. Er hat ihnen mit zwei Flüchen in den Tod geholfen. Ich war dafür zu stark."
Das Mädchen schien gerade gleichzeitig kleines Kind und junge Frau und weise Alte zu sein.
„Er war mit einer Gruppe von Ex-Todessern unterwegs gewesen. Wohl, um wichtige Informationen über die geplante Wiederauferstehung von Voldemort zu bekommen.", unmerklich zuckte der Großteil der Gesellschaft beim ohne Weiteres ausgesprochenen Namen von Du-weißt-schon-wem. Rosemary schien das zu bemerken.
„Also, vom Dunklen Lord. Entschuldigung. … Naja, jedenfalls hat er sich irgendeine Ausrede einfallen lassen, um sich vor Greyback zu verteidigen, nachdem dieser aus seiner Ohnmacht aufgewacht war. Er hatte ihm auch erzählt, ich wäre in der Zeit über alle Berge gewesen, während er sich um seine Verletzungen gekümmert habe.", ein wenig ratlos zuckte sie die Schultern. Sie schien diese Umstände niemals weiter hinterfragt zu haben, war womöglich auch einfach viel zu dankbar dafür, um in diesen Wunden herumzubohren.
Wunden.
Remus zog die Brauen zusammen.
War es möglich...?
„Ich war währenddessen jedenfalls schon gut versteckt in seinem Haus in Spinner's End, abgefüllt mit ein paar Tränken, die mich wohl daran gehindert haben...", sie schien ein Wort zu suchen,
„Durchzudrehen?", half Ronald Weasley empathisch wie immer nach. Hermine stieß ihn schmerzhaft in die Seite, doch Rosemary lächelte ihm ein wenig schief zu und nickte. Nach einigen Momenten des Schweigens fasste Remus sich ein Herz, und stellte seine Frage:
„Greyback... er hat dich damals verletzt, nicht? Er hat dich irgendwo erwischt."
Der Kopf des Mädchens schoss in seine Augenhöhe. Sie schluckte ein wenig. Offenbar hatte auch sie in ihrem kurzen Leben schon mit einiger Ablehnung deswegen zu kämpfen gehabt. Doch sie zögerte nicht, schob ihren Umhang und den Schlafanzug an der linken Schulter etwas hinab und zeigte kurz die Narbe. Zwei gleichgroße, fast kreisförmige, wulstige Bissabdrücke oberhalb des Schlüsselbeins.
„Ja, leider... Ähm, aber ich werde ihnen nicht zur Last fallen, wirklich! Ich kann den Wolfsbann brauen und ähm-"
„Du kannst WAS?", nun waren Sirius und Remus gleichzeitig aufgesprungen und starrten sie ungläubig an.
Rosemary nickte zur Bestätigung fast ängstlich, zog sich wieder komplett an und zeigte dann auf den Koffer, der noch auf der Türschwelle zum Flur stand: „Ich habe alles dabei, wirklich."
Rasch war Molly Weasley bei ihr und legte ihr sachte eine Hand auf die bis eben noch entblößte Schulter: „Liebes, auch wenn du das nicht kannst, ist das nicht schlimm."
„Kann ich aber!", gab sie mit einer Mischung aus Trotz und grimmiger Entschlossenheit zurück, die unweigerlich stark an Severus Snape erinnerte. Unumwunden wandte sie sich wieder an ihren bisherigen direkten Gesprächspartner: „Wenn du möchtest, kann ich auch für zwei brauen, Remus Lupin."
Verwundert sank der Angesprochene in seinen Stuhl zurück. Das waren eindeutig zu viele Überraschungen und Informationen für einen Abend. Ihm drehte sich schon ein wenig der Kopf und mindestens Sirius und Harry schien es da ganz ähnlich zu gehen.
„Du weißt, wer er ist?", brachte Hermine dennoch eine Frage zu Stande. Ihr Wissensdrang schien von keiner Müdigkeit unterdrückbar zu sein. Rosemary nickte nachgiebig.
„Naja, ich habe fünf Jahre bei Severus gelebt. Und weil ich ein Geheimnis war, war er der einzige, mit dem ich gesprochen habe. Ich weiß nicht, wie gesprächig er so in eurer Gegenwart ist," ein vielseitiges Schnauben beantwortete ihre Frage und sie musste ein bisschen lachen, „Aber mir hat er, glaube ich, einfach alles über euch erzählt. Ihr seid der Phönixorden. Ich erkenne jeden von euch, ohne dass ihr euch mir vorgestellt habt."
Das musste sacken.
Severus Snape hatte ihnen allen die Vorstellung also längst vorweg genommen. Das konnte ja heiter werden. Sirius beschloss, schon einmal einzugreifen: „Nur zur Sicherheit, Rosemary. Also... Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schniefelus so viel über mich erzählt hat. Sonst wärst du nicht so freundlich zu mir gewesen und hättest mir sogar die Hand gegeben. UND Danke gesagt."
Zur Überraschung aller musste das Mädchen leise lachen, auch wenn ihr dabei ebenso leicht ein Gähnen über die Lippen rutschte.
„Nach einer Weile kann man bei Severus Objektives und Subjektives ganz gut auseinander halten. Man muss ihn nur ein bisschen kennen lernen... Ich möchte ja nicht unhöflich sein, aber ehrlich gesagt würde ich die Vorstellrunde lieber auf morgen vertagen, wenn das möglich ist?", sie sah die fremden und doch bekannten Gesichter alle der Reihe nach an. Ihre Augen waren kleiner geworden und Arthur und Molly Weasley lächelten so elterlich, als wollten sie sie direkt adoptieren. Da im Moment jedes Zimmer des Hauses entweder mit Gästen besetzt oder nicht besucherfähig war, beschlossen Sirius und Remus kurzerhand, dass sie vorerst in ihrem Zimmer übernachten sollte. Die beiden würden sich die altehrwürdigen Sofas im Kaminzimmer ein wenig bequem hexen. Ginny und Hermine erklärten sich schnell bereit, die neue Jüngste dorthin zu begleiten und so war sie nach wenigen Sekunden, wie ein unwirklicher Geist, abgetaucht ins Reich der Träume und ließ einen verwirrten Phönixorden zurück, dessen Verstreuung in verschiedene Ecken des Anwesens nicht mehr lange auf sich warten ließ.
