Ein Gefühl zu schweben, langsam kehrten ihre Sinne zurück, sie fühlte sich, als wäre sie von einem Laster überfahren worden. Ein Dröhnen erfüllte ihren Kopf, Arme und Beine schmerzten, doch das Zentrum ihres Schmerzes schien sich in ihrem Gesicht zu befinden. Unter großen Anstrengungen schlug sie ihre Augen auf, das linke Auge schien ihr nicht ganz gehorchen zu wollen, es fühlte sich geschwollen an. Der Raum war schlicht und schmucklos, außer einem Bett, einem Nachttisch, einer Kommode mit einer Waschschüssel und einem Stuhl befand sich nichts in diesem kleinen Raum. Nach gefühlt einer Ewigkeit, schaffte sie es sich aufzusetzen und die Beine über den Rand des Bettes zu schwingen. Die Beine fühlten sich schwach und instabil an, entgegen ihrer Befürchtung hielten ihre Beine sie und sie schaffte es zur Waschschüssel zu tapsen. Händeweise spritzte sie sich das warme Wasser ins Gesicht, es schien noch nicht lange hier zu stehen. Angestrengt versuchte sie ihr Spiegelbild im Wasser zu erkennen, doch die verschwommenen Schemen könnten auch einen anderen Menschen zeigen.
Die Tür öffnete sich hinter ihrem Rücken, das Geräusch ließ sie zusammenzucken und erstarren. Langsam drehte sie sich um, da stand nur ein Mann in der Tür, ganz normal und zivilisiert, erleichtert atmete sie auf und entspannte sich.
„Ich soll dich zu Mister Verger bringen, wenn du mir bitte folgen möchtest?" ohne ihre Antwort abzuwarten ging er voraus. Der Weg führte sie durch ein opulentes Haus, mit großen, breiten Treppen aus weißem Marmor, alles war protzig. Durch eine Tür aus dunklem Tropenholz wurde sie in einen Raum geschoben, in dessen Mitte ein Bett mit diversen medizinischen Apparaturen stand.
Eine Hand aus dem Bett machte eine Geste, dass sie näher kommen soll. „Komm näher, was stehst du da hinten noch rum?" Jemand drückte sie sanft in die Mitte des Raumes.
Ein Mann, der aussah, als fehlte seinem Gesicht die Haut, musterte sie interssiert aus einem Berg von Kissen. „Mädchen, wer hat dich denn so zugerichtet?" Unbewusst fuhr ihre Hand zu ihrem schmerzenden linken Auge, unter ihren Fingern fühlte sich ihr Gesicht warm und dick an.
„Margot! Komm und bring dieses Mädchen in Ordnung! In einer Stunde erwarte ich euch beide zurück. Wir haben eine wichtige Video-Konferenz!"
Eine Frau trat leise aus einem Schatten hervor.
„Wenn du mir bitte folgen würdest!"
Wieder liefen sie durch das weitläufige Haus und betraten eins der vielen Zimmer und die Frau deutete auf einen Stuhl vor einem Schminktisch. Bei einem Blick in den Spiegel erschrak sie zutiefst, ein dunkelviolettes Veilchen zierte ihr linkes Auge, es zog sich runter bis zur Wange.
„Iss erst mal etwas, ich lege dir ein paar frische Sachen zum Anziehen raus und dann schminken wir diesen hässlichen Bluterguss über!" Ein schwaches Lächeln erhellte das strenge Gesicht von Margot.
Auf dem Schminktisch stand ein Tablett mit Brot, Butter, Käse, Salat und etwas zum Trinken. Wie auf ein geheimes Zeichen begann ihr Magen zu knurren und sie griff beherzt zu.
Nachdem sie alles vertilgt hatte, lagen schon einige Sachen und ein paar Handtücher für sie bereit. Unter der Dusche zermarterte sie sich den Kopf, warum sie hier war und was das alles soll. In der frischen Kleidung fühlte sie sich fast, wie ein neuer Mensch. Margot machte sich an die Arbeit und leistete fast übermenschliches mit ihren Schminkpinseln.
"Warum können Sie das so gut?" fragte sie die traurig dreinschauende Frau. Lesie antwortete Margot: "Mein Bruder war schon immer ein Arschloch, dass es liebte andere zu schikanieren und wer eignete sich das besser, als die eigene Schwester? Ich wollte nicht vor den anderen Kindern als Opfer darstehen und so habe ich mir selber beigebracht Verletzungen mit Make Up zu retouchieren."
Als sie nach knapp einer Stunde wieder in dem Saal mit dem Bett in der Mitte stand, war eine Kamera und ein großer Flachbildschirm aufgebaut worden. Ein Techniker arbeitete angestrengt an einem Computer, nach wenigen Minuten erschien ein Bild auf dem großen Bildschirm.
