Kapitel 2
Als Marlon wieder aufwachte, waren seine Kopfschmerzen verschwunden. Doch musste er feststellen, dass sein Eindruck von einer kalten, feuchten Zelle nicht nur ein bloßes Hirngespinst gewesen war. Ganz im Gegenteil, war es nicht nur kalt und feucht, sondern auch noch fast vollkommen dunkel an diesem Ort. Nur der Tatsache dass er Nachts schon immer besser als alle anderen die er kannte hatte sehen können, verdankte der Siebzehnjährige es nun, das er überhaupt etwas erkennen konnte.
Bis auf ein wenig Stroh war buchstäblich nichts sonst in der Zelle und das Gefühl eisiger Kälte das er seit seinem aufwachen hatte, schien nicht nur von den kalten, grauen Mauern um ihn herum zu kommen, sondern auch von ihm selbst. Tief in seinem Inneren fühlte er eine Kälte, eine Hoffnungslosigkeit, die ihn sich wünschen ließ, doch lieber nicht mehr aufgewacht zu sein.
Zitternd zog Marlon seine Knie an die Brust und schlang seine Arme um seine Beine, so dass er so eng wie möglich zusammengekauert dasaß. Die Wände wollte er lieber nicht berühren, wollte er dieser Kälte, dieser Trostlosigkeit doch nicht noch näher kommen, als unbedingt notwendig war.
Wieviel Zeit verstrich wusste der junge Mann nicht zu sagen. Doch auch jede noch so lang andauernde Ewigkeit hat irgendwann ein Ende und Marlons kam für diesen vollkommen unerwartet und ganz anders, als er es sich hätte vorstellen können. Aber vielleicht waren die bleichen Frauenhände die nach ihm griffen und das blonde Haar, das sein Gesicht kitzelte, ebenso wie die von Sorge und Furcht geprägte Stimme auch nur ein weiterer Traum. Denn ewas anderes blieb ihm hier an diesem aller Hoffnung beraubten Ort ohnehin nicht. Doch wenn es ein Traum war, dann einer der realistischsten, die er jemals gehabt hatte. Weiche Arme zogen seinen von Kälte und Fieber geschwächten Körper nach oben, an die Brust einer Frau, die ihm immer wieder das verschwitzte Haar aus dem vom Fieber glühendem Gesicht streichelte. Eine Frau die eine Stimme hatte, so klar und rein und voll von Kummer, das es Marlon das Herz eng werden ließ und in ihm den Wunsch weckte, einfach alles tun zu wollen, das das Leid dieser schönen Frau linderte.
Sanft wie perlend kühles Wasser drang die Stimme an sein Ohr. Flüsternd … bittend …flehend … voll von Verzweiflung und etwas, das Marlon bei alldem Anderen nicht verstehen konnte.
Freude.
Zuneigung …
Liebe …
Die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind.
Ja … jetzt war sich Marlon sicher, das es nur ein weiterer Traum war. Ein Alptraum. Denn solche Gefühle, solche Liebe hatte er in seinem bisherigen Leben nie erhalten und hatte die Hoffnung auch schon längst begraben, ihr jemals anteilig zu werden.
Nein … nicht er, der nur Stunden nach seiner Geburt vor einer Kirche, deren größte Attraktion ein verwinkelter, düsterer Friedhof war, ausgesetzt und in einem Heim aufgewachsen war.
Nein. Marlon war niemals jemand gewesen, der Mutterliebe erfahren hatte und dennoch … jetzt davon zu träumen. So realistisch … es schmerzte. Mehr als er es sich jemals selbst gegenüber hatte eingestehen wollen und die Tatsache das sie ihm auch noch ein Wiegenlied sang … es konnte nichts anderes als ein Traum sein. Einer aus dem er nicht wieder erwachen wollte. Auch wenn nicht alle Traumfetzen so angenehm waren, wie die letzten.
Eine kleine grüne Schlange die über nackte Haut kroch …
Rote Augen die auf ihn herab starrten …
Schwarz vermummte Gestalten die plötzlich auseinanderwichen …
Der klagende Schrei einer Mutter nach ihrem geraubten Kind …
Und dann … gerade als er sich dazu entschieden hatte zu bleiben, dann wurde sie ihm entrissen.
„Neiiiiiiin!"
Zwei Gesichtslose Fratzen lösten sich von ihm, als die zwei paar Arme die ihn gehalten hatten, fest … und einige Schritte über dem Boden schwebend, von ihm ab und ihn schließlich einfach fallen ließen.
Die Kälte die ihn eben noch bis ins Mark hinein hatte erstarren lassen, wich langsam von ihm. Zog sich zurück und ließ ihn vor Fieber brennend zurück, während Rufe wie: „Hast du das gesehen?" … „So etwas gab es noch nie .." . „Der Gerechtigkeit wurde genüge getan" Und: „Die Dementoren hätten sich ruhig mehr Zeit lassen können!" An sein Ohr drangen. Ihn umschwirrten und dann wieder leiser wurden, als er als bestünde er aus nichts weiter als aus Luft, zu schweben begann und fortgebracht wurde.
Fort von der geifernden Masse derjenigen, die den Tod des-Jungen-der-Harry-Potter-getötet-hatte, hatten mit ansehen wollten.
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TBC
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