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Still und heimlich war Donna durch Alexandria gehuscht. Am Zaun war sie einige Minuten prüfend entlanggelaufen und hatte schließlich eine Stelle gefunden über die sie problemlos klettern konnte. Natürlich hatte sie sich für den Ernstfall noch zwei Pistolen und etwas Munition aus dem Waffenlager gemopst.

Sie war beinahe oben am Zaun angekommen, als sie die verwunderte Stimme von Carl hinter sich hörte: „Donna?" Ihr wurde ganz heiß und sie fühlte sich ertappt, als sie ihn hörte. Donna überlegte kurz ihn zu ignorieren und weiter zu klettern, doch als sie seine zweite Frage hörte und dass er bereits unter ihr stand, konnte sie es nicht mehr tun. „Was hast du vor?", wollte er neugierig, aber auch etwas in Sorge von ihr wissen.

Mühsam kletterte Donna wieder runter, stand nun direkt vor dem Jungen und sagte ehrlich zu ihm: „Ich geh raus. Glenn suchen." Das Entsetzen stand Ricks Sohn sofort ins Gesicht geschrieben, weshalb er den Kopf leicht schüttelte und sie mahnte: „Du darfst nicht raus. Deanna verbietet es und außerdem ist er-"

Nein!", fauchte Donna ihn harsch an was ihr im nächsten jedoch auch schon wieder leidtat. Etwas wütend sah sie dennoch drein und kämpfte erneut mit den Tränen. Sie schüttelte energisch den Kopf und sagte mit bebender Stimme: „Glenn ist nicht tot. Ich gab mich lange genug diesem Glauben hin, doch bevor ich nicht den Beweis dafür habe, weigere ich mich das weiterhin zu glauben."

Unzufrieden verzog Carl das Gesicht, nickte jedoch bedauernd auf ihre Worte hin. Ohne dass er gefragt hatte begann Donna ihm ihr Herz auszuschütten, da sie sich in Erklärungsnot fühlte: „Seitdem er nicht wiederkam, fühle ich mich leer, verzweifelt und innerlich tot. Diese Suche gibt mir wenigstens einen neuen Sinn im Leben und wenn ich doch herausfinde, dass er tot ist. Nun…"

Wortlos hatte Carl ihr zugehört, sie angesehen und aussprechen gelassen. Ein langes und unangenehmes Schweigen trat zwischen die Beiden, während der Wind leise in den Bäumen raschelte und die Vögel lieblich zwitscherten. Tief und frustriert über ihre Aussage atmete Carl aus, nickte langsam und meinte zu ihr: „Ich kann dich eh nicht aufhalten. Aber ich könnte es den anderen sagen." Bei diesen Worten zuckte er mit den Schultern, legte den Kopf schief und sah ernst in ihr Gesicht.

Matt lächelnd klopfte Donna ihm die Schulter, wandte sich ab und sagte nur lieb zu ihm: „Behalt es für dich, Carl." Anschließend begann sie wieder über den Zaun zu klettern und ließ sich dabei wortlos von Carl beobachteten.

Ob er es wirklich für sich behielt oder nicht, war Donna ehrlich gesagt egal gewesen. Sie hatte das auch nur gesagt, damit sie irgendetwas erwidern konnte. Ihr Entschluss stand fest und dieser war unwiderruflich. Sicher hätte sie sich gern von all den lieben Menschen verabschiedet, doch sie wusste, dass Rick und die anderen sie nicht ohne Begleitung oder einen Plan hätte gehen lassen. Um jeden Preis wollte Donna verhindern, dass sich noch jemand anderes auf diesen Weg machte. In ihren Augen reichte es, wenn sie sich dieser Gefahr aussetzte. Es war mit Sicherheit, in den Augen vieler, töricht genug, dass sie überhaupt auf die Idee kam nach ihm zu suchen. Doch Carl gegenüber hatte sie bereits die perfekten Worte gefunden, die ihre Situation beschrieben.

Donna war ohne Glenn innerlich tot, also warum hätte sie weiterleben sollen, wenn sich herausstellte, dass er nicht mehr bei ihr war? Das Einzige was sie sich gerade lebendig fühlen ließ war die Möglichkeit, dass er noch lebte und ihre Suche nach ihm.

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