.

SSSSSSS

Jenseits von Hogwarts

SSSSSSS

Kapitel 2

Der Kriegsrat

SSSSSSS

Remus Lupin rutschte ungeduldig auf seinem Stuhl hin und her. „Wo Tonks bloß bleibt?"

Er, Minerva McGonagall, Alastor Moody, Kingsley Shacklebolt, Dädalus Diggle, Hestia Jones und Arthur, Bill und Charlie Weasley saßen um den großen Küchentisch des Hauses Am Grimmauldplatz 12 versammelt.

Minerva seufzte tief. „Remus, auch wenn du noch zehnmal fragst, bringt sie das nicht schneller her."

Der Werwolf verzog sein Gesicht zu einem schuldbewussten Grinsen. „Entschuldige, Minerva. Aber seit wir verlobt sind, mache ich mir irgendwie mehr Sorgen um sie. Sie hätte schon vor einer Stunde zurück sein sollen."

Minuten später schrillte die Türklingel. Ein ohrenbetäubendes Gezeter hob in der Eingangshalle an.

„Oh nein ..." Remus verdrehte die Augen. „Wir sollten uns wirklich dringend um die Entfernung dieses Portraits kümmern ..."

„Das hat Zeit. Im Moment gibt es wichtigere Dinge, mit denen wir uns auseinanderzusetzen haben", verkündete Minerva streng. Aber man sah deutlich, dass auch ihr das permanente Gekreisch von Sirius' Mutter auf die Nerven ging.

Die Tür zur Küche schwang auf. Herein trat Molly Weasley mit der zerzaust und zerknirscht aussehenden Nymphadora Tonks. Heute war ihr Haar zitronengelb, sie trug eine blaue Regenjacke und dazu pinke Jeans.

„Tut mir echt leid, Leute, aber ich bin einfach nicht früher von der Arbeit weggekommen."

Die junge Hexe gab Remus einen flüchtigen Kuss und ließ sich neben ihm auf einen Stuhl fallen.

„Da wir nun alle versammelt sind," begann Minerva, „erkläre ich hiermit das Ordenstreffen für eröffnet. Viele von uns konnten heute leider nicht kommen, weil ihre Aufträge sie von London fernhalten. Dies hier" – sie ließ ihren Blick bedeutungsvoll über die Runde schweifen – „ist ein sehr wichtiges Treffen. Wir werden einige schwierige Entscheidungen zu fällen haben. Der Orden des Phönix muss neu organisiert werden, jetzt, wo ..." Minerva zögerte einen Moment. „Jetzt, wo Albus Dumbledore tot ist."

Die Anwesenden wechselten betretene Blicke. Albus' Tod lag erst wenige Tage zurück. Minerva war ihm nicht nur als Direktorin von Hogwarts, sondern auch als Oberhaupt des Phönixordens nachgefolgt.

Eine wahrhaft schwierige Bürde ...

Minerva war sich nicht sicher, ob sie der Herausforderung gewachsen sein würde.

„Wir werden einige neue Mitglieder in den Orden aufnehmen. Wir brauchen dringend Verstärkung, und Albus hatte bereits vor Wochen vorgeschlagen, wen er geeignet fand. Ich habe hier eine Liste ..." Sie zog eine Rolle Pergament aus ihrem Umhang und öffnete sie. „Ich habe mir die Freiheit genommen, mit den hier genannten Zauberern in Kontakt zu treten oder sie durch Dritte kontaktieren zu lassen und angefragt, ob sie dem Orden beitreten wollen. Alle haben zugesagt. Es handelt sich um Fleur Delacour, Hermine Granger, Danny Pryde, Horace Slughorn und Fred, George und Ron Weasley. Des Weiteren hat Albus vorgeschlagen, in Anbetracht der schwierigen Situation und entgegen unserer Ordensstatuten Harry Potter ebenfalls aufzunehmen, obwohl er noch nicht volljährig ist – sofern er dies wünscht."

Bei Erwähnung ihres Sohnes Ron hatte Molly scharf die Luft eingesogen. Nun sah sie ihre alte Lehrerin vorwurfsvoll an.

„Aber Minerva! Du kannst Ron doch nicht in den Orden aufnehmen! Er ist noch ein Kind! Genau wie Hermine! Und Harry" –

„Äh ... Unser Sohn ist siebzehn, Molly, und in Anbetracht der Umstände" –

„Arthur, wie kannst du nur!", fuhr Molly ihren Mann an. „Bill und Charlie sind schon im Orden. Jetzt auch noch Fred und George. Wir müssen doch wenigstens unsere beiden Jüngsten beschützen!"

„Ich glaube nicht, dass Ron zurückbleiben will, wenn Harry und Hermine eintreten, was sie sicherlich tun werden", erwiderte Minerva. „Du wirst dem Jungen keinen Gefallen tun, wenn du es ihm verbietest – was du im Übrigen auch gar nicht kannst, denn, wie Arthur eben richtig anmerkte, Ron ist volljährig. Außerdem hat er mehr als einmal bewiesen, dass er Mut und Talent genug besitzt, sich dem Bösen in den Weg zu stellen."

Dann nahm Minervas Stimme einen weicheren Klang an. „Ich verstehe ja, dass du dir Sorgen um die Kinder machst, Molly. Aber, sieh mal, so stark, wie V-Voldemort geworden ist, wirst du sie nirgendwo vor ihm beschützen können. Im Orden lernen sie wenigstens, sich gegen ihn zu verteidigen. Natürlich werden wir besonders auf Ron und die anderen jungen Mitglieder achtgeben, und sie nach Möglichkeit von gefährlicheren Aufträgen fern halten."

Soweit das in diesen Zeiten möglich ist, setzte sie schuldbewusst in Gedanken hinzu.

Molly sagte nichts mehr, sah aber nach wie vor verärgert und besorgt aus.

Mit einem letzten Blick in ihre Richtung fuhr Minerva fort: „Die genannten Zauberer befinden sich bereits hier im Hauptquartier. Sie sind im Wohnzimmer, und ich würde vorschlagen, dass wir ebenfalls hinübergehen. Die Küche ist wohl zu klein für uns alle. Da wir uns in einer schwierigen Lage befinden und nur wenig Zeit haben, plädiere ich dafür, die Initiationszeremonie abzukürzen, die neuen Mitglieder relativ formlos in den Orden aufzunehmen und alles Weitere gemeinsam mit ihnen zu besprechen."

„Hast du ihre Zuverlässigkeit auch genau geprüft? Wir sollten besonders wachsam sein in diesen Zeiten!", knurrte Alastor.

„Nun", entgegnete Minerva gereizt, „ich denke, es sollte uns genügen, dass Albus sie für vertrauenswürdig hielt."

„Und was ist mit Snape?", hakte Alastor nach. „Dem hat Albus auch vertraut, und als er nicht wachsam genug war, hat der Dreckskerl ihn umgebracht!"

„Alastor!", rief Minerva empört.

„Was denn? Hat er doch, oder etwa nicht?"

Alastors magisches Auge hörte auf zu rotieren und heftete seinen Blick auf Minerva, als ob es ihre Gedanken lesen wollte. Es war ein ausgesprochen unangenehmes Gefühl.

Minerva schüttelte den Kopf. „Severus hat Albus getötet, ja. Er hat sich offenbar endgültig V-Voldemort angeschlossen, ja. Aber ich möchte trotzdem nicht, dass du ihn als Dreckskerl bezeichnest!"

Alastor sah aus, als ob er noch etwas erwidern wollte, doch Minervas warnender Blick belehrte ihn eines Besseren.

„Also?" Sie sah fragend in die Runde. „Seid ihr einverstanden mit meinem Vorschlag?"

Die anderen signalisierten ihre Zustimmung. Nur Alastor wiegte zweifelnd den Kopf. Minerva ignorierte ihn und erhob sich.

„Dann folgt mir."

SSSSSSS

Harry, Ron, Hermine und die Weasley-Zwillinge hatten sich gemeinsam auf das alte Sofa im Wohnzimmer des Black-Hauses gequetscht und diskutierten über die katastrophalen Ereignisse der letzten Tage.

„Ich frage mich, was wohl aus dem miesen Schleimer Malfoy geworden ist", bemerkte Ron gehässig. „Ich hoffe, Du-weißt-schon-wer wird ihn am Cruciatus-Fluch krepieren lassen!"

„Vergiss Snape nicht!", fiel Fred ein.

„Du sagst es! Der Cruciatus ist noch viel zu harmlos für Professor Ich-hab-mein-Haar-in-der-Friteuse-gewaschen Snape", unterstützte George seinen Zwillingsbruder.

Hermine sah sie stirnrunzelnd an. Das Unbehagen war ihr vom Gesicht abzulesen. Sie hatte bis zuletzt nicht glauben wollen, dass Snape für Voldemort arbeitete.

Nach einigem Zögern sagte sie: „Ich kann immer noch nicht glauben, dass Dumbledore sich in Snape getäuscht hat. Ich meine ... Er kannte ihn seit der ersten Klasse. Snape hat sechzehn Jahre in Hogwarts unterrichtet. Dumbledore hätte ihm sein Leben anvertraut ..."

Nicht noch einmal ...

„Ja, genau!", erwiderte Harry erregt. „Er hat Snape sein Leben anvertraut, und jetzt ist er tot. Hermine, ich war dabei! Ich habe gesehen, wie Snape Dumbledore mit einem Avada Kedavra getötet hat! Was, bitte, willst du noch für Beweise?!"

Hermine sah Harry betreten an. „Ich weiß, es spricht alles gegen ihn, eindeutig. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass etwas in dieser Geschichte nicht zusammenpasst."

„Ach Hermine, nun hör schon auf!", rief Ron ärgerlich. „Snape hat Harrys Eltern verraten! Er hat Professor Dumbledore getötet! Er war die ganze Zeit ein Doppelagent, ein Spion von Du-weißt-schon-wem!" Er war rot vor Zorn.

„Na ja, wahrscheinlich hast du Recht ...", lenkte Hermine ein. „Vielleicht will ich es einfach nicht wahr haben. Es ist zu ... zu schrecklich."

Düster schweigend sahen sie sich an.

Nach einer Weile warf Harry einen Blick zu den anderen angehenden Ordensmitgliedern hinüber. Fleur Delacour redete lebhaft gestikulierend auf den irgendwie betäubt wirkenden Danny Pryde ein. Danny sah noch ziemlich jung aus, Anfang zwanzig vielleicht, war groß und schlaksig, hatte kurzes, krauses braunes Haar und ungewöhnlich grüne Augen. Fred und George hatten erzählt, dass er in Slytherin gewesen war, was ihn Harry irgendwie unsympathisch machte – obwohl Danny eigentlich ganz nett wirkte.

Harry konnte es sich nicht verkneifen, immer wieder zu Fleur und Danny hinüberzuschielen, und so ging es auch allen anderen männlichen Personen im Raum. Fleur hatte ein Viertel Veelablut in den Adern und wirkte ausgesprochen anziehend auf das andere Geschlecht.

Etwas abseits von den jungen Leuten saß Horace Slughorn in einem Sessel und drehte eine unangezündete Pfeife in den Händen. Harry hatte den Eindruck, dass der Lehrer für Zaubertränke nicht wirklich hier sein wollte.

Die Tür ging auf und Professor McGonagall trat ein, gefolgt von den anderen Ordensmitgliedern.

„Remus! Tonks!", rief Harry erfreut aus.

Seit ihrer Ankunft am Grimmauldplatz hatten sie außer Mr und Mrs Weasley sowie Kingsley Shacklebolt noch kein anderes Ordensmitglied zu Gesicht bekommen.

Als sie an diesem Abend nach Dumbledores Beerdigung den Bahnhof von London erreicht hatten, waren Ron, Harry und Hermine von Mr und Mrs Weasley in Empfang genommen worden. Die beiden hatten zwar ebenfalls der Trauerzeremonie beigewohnt, waren danach jedoch eilig nach London appariert, wo das Ordenshauptquartier Am Grimmauldplatz 12 reinstalliert werden sollte.

Ron, mein Schatz!" Mrs Weasley schloss ihren widerstrebenden Sohn in die Arme. „Hermine, schön, dich zu sehen!" Sie drückte der jungen Frau einen schmatzenden Kuss auf die Wange und wandte sich dann Harry zu. „Harry, mein Lieber!" Auch er musste lächelnd eine mütterliche Umarmung über sich ergehen lassen.

Mr Weasley klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. „Wir haben eine Überraschung für dich, Harry. Und für euch zwei natürlich auch", fügte er an Ron und Hermine gewandt hinzu. „Fürs Erste, Harry, musst du nicht zurück zu den Dursleys. Wir gehen direkt ins Hauptquartier des Ordens. Heute Abend ist ein wichtiges Treffen angesetzt. Die Dursleys sind schon informiert, dass du diese Ferien nur kurz zu Besuch kommen wirst. Um dir die Wahrheit zu sagen, mein Junge," – Mr Weasley sah Harry betrübt an – „schienen sie mir fast erfreut zu sein."

Harry grinste schwach. Trotz der allgegenwärtigen Trauer um Dumbledore heiterte ihn der Gedanke an nahezu dursleyfreie Sommerferien erheblich auf. Er konnte sich die erleichterten Gesichter von Tante Petunia, Onkel Vernon und Cousin Dudley nur zu gut vorstellen. Sicher dankten sie der gütigen Vorsehung dafür, dass sie von der Plage befreit worden waren, Harry diese Sommerferien länger bei sich aufzunehmen.

Deine Eltern haben wir natürlich ebenfalls informiert, Hermine. Na ja, natürlich konnten wir ihnen nicht die Wahrheit sagen, also haben wir das Letefon benutzt und ihnen erzählt, dass wir dich und Harry für drei Tage zu uns eingeladen haben, um Bills und Fleurs Hochzeit zu feiern. Was wir in einigen Tagen ja auch tun werden. – Dieses Treffen" – Arthur Weasley sah sich rasch nach seiner Frau um, die in einiger Entfernung gerade Ginny umarmte und abküsste, seufzte erleichtert und tauschte einen verschwörerischen Blick mit Ron – „wird ein ganz besonderes für euch werden. Ihr werdet nämlich daran teilnehmen. Als neue Mitglieder."

Zunächst war Harry sprachlos gewesen. Endlich, endlich schienen die Erwachsenen sie ernst zu nehmen. Und jetzt saßen er, Ron und Hermine seit einer halben Stunde im Wohnzimmer des Black-Hauses und erwarteten ihre Aufnahme in den Phönixorden.

„Hallo Harry!", rief Remus mit einem breiten Lächeln. „Ron, Hermine ..." Er winkte den beiden zu.

„Hi." Tonks grinste sie an.

Slughorn schien die meisten Ordensmitglieder zu kennen. Harry sprang auf, um Moody, Diggle und die anderen zu begrüßen. So hob erst einmal ein allgemeines Händeschütteln und Schulterklopfen an. Bill und Fleur umarmten und küssten sich, als ob sie tagelang getrennt gewesen wären. Danny Pryde stand als einziger abseits des Trubels und wirkte etwas verunsichert.

Nach einigen Minuten klatschte Professor McGonagall in die Hände und rief mit erhobener Stimme über das allgemeine Gemurmel hinweg: „So, schön, das reicht. Wenn ihr euch jetzt bitte alle setzen würdet ..."

Sie klingt, als ob sie eine Klasse übermütiger Schüler zur Ordnung rufen würde, dachte Harry amüsiert.

McGonagall schwenkte ihren Zauberstab. Eine Reihe von Stühlen erschienen, die sich ihren Weg durch die Menge bahnten und sich in einem Kreis anordneten. Dabei gingen sie nicht zimperlich vor. Remus bekam einen heftigen Stoß gegen sein Schienenbein, als er einem Stuhl nicht schnell genug ausweichen konnte, weil er gerade mit Tonks beschäftigt war. Vorwurfsvoll sah er Professor McGonagall an, die jedoch nur beide Augenbrauen hob und auf den ihm am nächsten stehenden Stuhl wies. Mit einem Seufzen setzte er sich. Nach und nach ließen sich auch die anderen nieder.

„So. Da wir nun endlich alle sitzen", sagte McGonagall streng, „können wir ja mit der Versammlung fortfahren. Ich denke, wir fangen mit einer Vorstellungsrunde an," – Tonks, die direkt neben McGonagall saß, öffnete den Mund, vermutlich, um zu einer ausgiebigen Erzählung über ihr Leben, ihre Hobbys und ihre Lieblingsfarben anzusetzen – „die ich der Einfachheit halber für euch übernehmen werde." Tonks klappte ihren Mund enttäuscht wieder zu.

„Da mich ja alle kennen, fange ich mit Nymphadora Tonks hier neben mir an."

Tonks stöhnte bei der Erwähnung ihres verhassten Vornamens.

„Sie arbeitet als Aurorin für das Zaubereiministerium. Tonks ist ein Metamorphmagus und mit ihren gestaltwandlerischen Fähigkeiten äußerst nützlich für uns ..."

Harry ließ seine Gedanken schweifen und horchte erst wieder auf, als Danny Prydes Name fiel.

„Mr Pryde ist, wie die meisten von uns, ein ehemaliger Hogwarts-Schüler. Inzwischen ist er ein talentierter junger Heiler, der uns im Ernstfall sicher eine große Hilfe sein wird."

Danny war ein wenig rot geworden und sah angestrengt auf seine Schuhspitzen hinab.

McGonagall wirkte erleichtert, als sie endlich den Letzten der Runde, Dädalus Diggle, vorgestellt hatte.

„Ich möchte nun alle angehenden Mitglieder bitten, aufzustehen und sich in die Mitte des Kreises zu stellen. Die anderen bitte außenrum verteilen. Sehr schön. Nox!"

Mit einem Schlag wurde es stockdunkel. Dann begann ein feuriger Punkt über ihren Köpfen zu leuchten, der langsam größer wurde und schließlich die Gestalt eines prächtigen Vogels mit rotgoldenem Gefieder annahm.

„Fawkes!", sagte Harry leise.

Ein unendlich schöner und zugleich wehmütiger Gesang erklang, der auf seltsame Weise das Herz berührte und Harry schaudern machte.

Doch dann regte sich Unbehagen in ihm. Etwas schien mit dem Vogel nicht zu stimmen. Sein Gesang klang seltsam hohl.

Aber da erhob sich die Stimme McGonagalls, und Harry wandte seine Aufmerksamkeit ihren Worten zu.

„Der Orden des Phönix ist der Orden des Lichts. Hiermit verpflichtet ihr euch, für das Licht und gegen das Dunkel zu kämpfen. Der Orden wird euch schützen und unterstützen, und ihr werdet im Gegenzug V-Voldemort und alle seine Diener bekämpfen. Die Mitgliedschaft besteht auf Lebenszeit, und ihr könnt uns nicht aus eurem Willen heraus verlassen. Nur der gesamte Orden kann über den Ausschluss eines Mitglieds entscheiden. Jedes Mitglied ist dem Ordensoberhaupt zu Gehorsam verpflichtet. Seid ihr bereit, für den Phönixorden zu kämpfen und dabei auch euer Leben und das Leben anderer nicht zu schonen, wenn es sich als nötig erweisen sollte?"

„Ich bin es," hörte Harry sich selbst und die anderen sagen.

„Dann seid ihr hiermit aufgenommen in den Orden des Phönix!"

Fawkes' Gesang wurde leiser und leiser. Mit ihm verblasste auch der Vogel selbst, bis er schließlich ganz verstummte und verschwand.

Lumos!", befahl Professor McGonagall, und es wurde wieder hell im Raum.

Sie setzten sich erneut in den Kreis, noch etwas benommen vom Gesang des Phönix', und McGonagall fuhr in ihren Erläuterungen fort.

„Leider war das nicht der echte Fawkes, Harry", sagte sie bedauernd, „sondern nur ein magisches Abbild von ihm. Der wirkliche Fawkes hat uns mit Dumbledores Tod für immer verlassen, fürchte ich." Sie lächelte traurig.

Dann richtete sie sich noch stärker auf und fuhr mit energischer Stimme fort: „Kommen wir zu den aktuellen Aufgaben. Für die minderjährigen Zauberer unter uns" – sie schenkte Harry ein flüchtiges Lächeln – „wird es sicher eine freudige Überraschung sein, dass das Zaubereiministerium die ‚Vorschriften zur vernunftgemäßen Beschränkung der Zauberei Minderjähriger' in Reaktion auf Albus' Tod deutlich gelockert hat. Insbesondere zur Selbstverteidigung ist der Gebrauch von Magie bis auf Widerruf auch ihnen gestattet, und selbst für größere Zauber wurde die Altersgrenze um ein Jahr, auf sechzehn, gesenkt. Das heißt, Mr Potter, dass Sie künftig zum Beispiel auch apparieren dürfen, ohne eine Vorladung ins Ministerium zu bekommen. Voraussetzung ist allerdings, dass selbstverständlich nicht in Gegenwart von Muggeln gezaubert werden darf."

Das waren gute Neuigkeiten. Harry wechselte einen Blick mit Ron und Hermine. Es juckte ihn in den Fingern, nach Ende des Ordenstreffens sofort den ein oder anderen Zauber auszuprobieren, einfach nur, weil er es jetzt durfte.

„So viel dazu", sagte McGonagall. „Jetzt zu wichtigeren Dingen. Derzeit ist nur etwa die Hälfte unserer Mitglieder hier versammelt. Die anderen sind in ganz Großbritannien und teils auch in Europa mit verschiedenen Aufträgen unterwegs. Aber nicht alle, die wir heute in unserem Kreis vermissen, werden wir wiedersehen. Ihr alle wisst, dass wir einen großen Verlust zu beklagen haben: Albus Dumbledore."

Für einen Moment wurde es ganz still im Wohnzimmer der Blacks. Nur das Prasseln des Kaminfeuers war zu hören, sowie ein leises Schniefen, als Hestia Jones sich verstohlen eine Träne aus dem Auge wischte.

Harry spürte wieder die würgende Trauer in sich aufsteigen.

„Das ist allerdings nicht unser einziger Verlust. Der zweite ist Severus Snape."

Ein zorniges Murmeln erhob sich. McGonagall wartete, bis es sich etwas gelegt hatte, ehe sie weitersprach.

„Severus' Verrat ist in höchstem Grade schmerzlich für uns alle. Viele von uns kannten ihn seit Jahren, und auch wenn er ein schwieriger Mensch war, mit dem man nicht leicht Freundschaft schließen konnte, so war er doch ein äußerst wichtiges Mitglied des Ordens und ein geschätzter Kollege und Lehrer in Hogwarts."

Fred und George schnaubten verächtlich. McGonagall warf ihnen einen strafenden Blick zu.

„Wir haben alles in unserer Macht stehende getan, um die durch diesen Verrat entstandenen Gefahren zu minimieren, Lecks zu schließen und Brüche zu kitten. Wir wollen versuchen, den Schaden möglichst gering zu halten."

„Die Arbeit des Ordens ist selbstverständlich auch nach Albus' Tod weitergegangen, und wir haben in den letzten Tagen einige wichtige Ergebnisse erzielt. Unter anderem habe ich beschlossen, in Anbetracht der bedrohlichen Lage in Zukunft enger mit dem Zaubereiministerium, insbesondere mit den Auroren, zusammenzuarbeiten."

Harry tauschte beunruhigte Blicke mit Ron und Hermine. Auf das Ministerium war er gar nicht gut zu sprechen.

Und Dumbledore hätte diese neue Allianz sicher auch nicht gefallen, dachte er ärgerlich.

Doch der folgende Satz McGonagalls wischte all seine grimmigen Gedanken beiseite.

„Die bedeutendste Entdeckung seit unserem letzten Treffen ist folgende: Es scheint, als ob wir V-Voldemorts Hauptquartier ausfindig gemacht hätten."

SSSSSSS