2. Kapitel – Nicht nur ein Gefühl
„Paris, mh?", obwohl Kate in diesem Moment nicht in Tonys Richtung sah, wusste sie, dass ein Grinsen auf seinen Lippen lag. Das war typisch DiNozzo und schon allein der Tonfall seiner Stimmung verriet ihn. Es war eben das, was Tony immer tat. In solchen Situationen reagierte er fast übermenschlich schnell. Doch vermutlich dachte Tony bei Paris nicht an den Eifelturm oder andere Sehenswürdigkeiten, auch nicht an das Essen, da war Caitlin sich sicher. Tony DiNozzo hatte doch fast immer eine bestimmte Sache im Kopf und scheinbar verband er sogar mit der Stadt der Liebe diese eine Sache. Fast etwas verrückt. Frauen dachten bei Paris meistens an romantische Dinge. Ein gemeinsames Essen mit dem liebsten, einen Heiratsantrag auf dem Eifelturm oder Mode. Paris war eine Modestadt und für viele Dinge bekannt. Aber Anthony DiNozzo hatte natürlich wieder nur Sex im Kopf. Kate seufzte leise und erneut musste sie sich für ihre Gefühle verfluchen. Wie hatte das nur passieren können? Sich in einen Frauenheld zu verlieben war an sich schon schlimm, aber Tony war der Höhepunkt schlecht hin. Kate mochte Tony, aber sein Verhalten Frauen gegenüber sollte sie wirklich stutzig machen und das war ja auch von Anfang an so gewesen. Trotz allem hatte sie sich in ihn verliebt.
Falls das nicht eine kindische kleine Verliebtheit war, dann hatte sie wirklich ein Problem. Sich zu verlieben war ja eigentlich eine schöne und vor allem sehr normale Sache, aber manchmal machte die Liebe einem das Leben schwer und genauso war es bei Kate. Derzeit fand sie die Liebe gar nicht so toll und der Gedanke an Paris würde das auch nicht ändern. Kate warf einen kurzen Blick zu Tony und wie sie vermutet hatte, der Agent hatte ein freches Grinsen auf den Lippen. Und er sah so verdammt süß aus. Für einen Augenblick schweiften Kates Gedanken wieder in eine andere Richtung. So süß er aussehen mochte, es half alles nichts. Süßes musste nicht immer gut sein. Gift war ebenfalls süß und sehr tödlich. Also konnte sie sich auf solche Kleinigkeiten nicht verlassen. Nur weil Tony lächelte hieß das nicht, dass er sich irgendwie verändert hatte und Frauen auf einmal nicht mehr als Sexobjekte ansah. Das war totales Wunschdenken. Tony liebte Frauen…sehr viele Frauen. Wie könnte er sich da auf eine festlegen? Und selbst wenn, dann musste sie nicht Caitlin Todd heißen. „Tony! Du bist doch wirklich…mir fehlen die Worte.", sagte die Agentin und schüttelte den Kopf. Dieser Kerl war doch wirklich unmöglich. Er sah fast wie ein unschuldiger Engel aus, doch sobald man ihn besser kannte, hatte man dieses Bild nicht mehr vor Augen.
Dann passte schon eher der Teufel, obwohl das übertrieben war. Ein Engel, der gar nicht engelhaft war, passte schon eher. Tony sah seine Kollegin an und zwinkerte ihr zu. Wie sie das manchmal hasste. Nein, nicht manchmal. Sie hatte es immer gehasst und seit sie sich ihrer Gefühle klar geworden war, hasste sie es noch viel mehr. Nicht, das es ihr nicht schmeicheln würde. Das war nicht das Problem, sondern eher, das Tony damit unwissentlich ihre Gefühle verletzte und das tat noch sehr viel mehr weh, als eine Kugel. Tony verhielt sich wie immer, also konnte Kate es ihm nicht vorwerfen. Nur, weil sich ihre Gefühle verändert hatten, konnte sie Tony nicht die Schuld geben. Er hatte sich schon so verhalten, als sie ihn einfach nur als Kollegen gesehen hatte. Dieses Spiel zwischen ihnen hatte sich entwickelt, doch jetzt war es nicht mehr so lustig. Sobald echte Gefühle im Spiel waren, konnte so etwas schnell sehr schmerzhaft werden. Kate würde Tony allerdings auch nicht sagen, dass er damit aufhören sollte. Falls sie das machen würde, würde der Italiener weitere Fragen stellen, immerhin war es zwischen ihnen nie anders gewesen. „Ich bin was? Sexy? Gut aussehend? Brillant? Wundervoll? Oder liegt es an meiner Gesamtausstrahlung?", dabei lag auf Tonys Lippen sein übliches DiNozzo Grinsen.
„Nein! Ein Schwachkopf.", gab Kate gereizt von sich und wandte den Kopf von Tony ab. Ja, das hätte er gerne. Wenn sie ihn als Sexy oder Wundervoll bezeichnen würde. Die Profilerin sah Tony irgendwie auch so. Verliebte sahen die Welt durch eine Rosa Brille, allerdings war Kates Brille beschlagen und der Nebel um sie herum war sehr nervtötend. Am liebsten würde sie ihre Gefühle abstellen, doch so einfach war das mit der Liebe nicht. Wenn sie einmal da war, dann war sie da und ob diese Gefühle nun wundervoll oder eher schmerzhaft waren, interessierte die Liebe nicht. Es war schon ein Jammer. Gibbs würde ihre kleine Streiterei sowieso gleich beenden. Es war immer so. Gibbs sagte etwas, Tony bekam eine Kopfnuss und sie waren wieder ruhig – für die nächste halbe Stunde, wenn es gut ging. Kate hörte wie Tony irgendetwas vor sich hin murmelte und sie wollte gar nicht wissen, was er da sagte. Hier ging es nun um den Fall und nicht darum, wer der größere Schwachkopf war oder sich am besten Streiten konnte.
„Aufhören! Beide.", sagte Gibbs nun und warf seinen zwei Agents einen Blick zu, der beide Augenblicklich verstummen ließ. Ja, der einzige der sie wirklich aufhalten konnte war Gibbs. McGee würden sie in solch einem Moment einfach übergehen. Bei Abby würde das ganze schon etwas besser laufen. „Falls ihr es vergessen habt, aber wir haben hier einen Fall und ich glaube diese zwei verschwundenen Agents verdienen unsere Aufmerksamkeit. Wenn ihr keine Lust habt", Gibbs deutete kurz in Richtung des Fahrstuhls „dort geht es raus.", Kate biss sich kurz auf ihre Unterlippe und hörte brav zu. DiNozzo dagegen sah immer noch gut gelaunt aus, nickte jedoch brav zum Verständnis der Worte. „Wunderbar. Da ich nun eure Aufmerksamkeit wieder habe, können wir mit dem Fall weiter machen.", Caitlin, Tony und Tim sahen wieder auf den Bildschirm, doch in den Akten der beiden stand nichts mehr, was wirklich wichtig zu sein schien. Das Projekt Firefly wurde kein weiteres Mal erwähnt und so konnten die drei sich nur auf Gibbs Worte verlassen. Allerdings waren diese an sich schon sehr genau gewesen. So einfach würde das aber auch nicht sein. Es ging um eine Terrorzelle, die scheinbar kein Kinderspiel war und zwei Agents waren verschwunden. Und der NCIS musste im Moment auch von der schlimmsten Möglichkeit ausgehen. Die beiden waren entdeckt worden und getötet…
„Heißt das, dass wir nach Paris fliegen?", fragte Tony und abermals erschien ein Grinsen auf seinen Lippen. Kate gab nur einen genervten Laut von sich, verhielt sich ansonsten aber ruhig. Doch vermutlich lag Tony gar nicht so falsch. Die beiden waren ja laut Gibbs in Paris verschwunden und hier hatten sie keinen wirklichen Tatort. Trotzdem, sie würden vermutlich erst versuchen die Angelegenheit von hier so gut es ging zu klären und dann weitersehen. Mit Tony und dem Rest des Teams in Paris…das war schon ein eigenartiger Gedanke. Tony würde sich in der Stadt noch eigenartiger verhalten. Die Frauen dort würden es ihm bestimmt antun und das würde Kate nun einfach nicht ertragen. Ein hechelnder DiNozzo auf den Straßen von Paris. Erschreckend…das war fast schlimmer als jeder Alptraum, den sie bisher durchlebt hatte, oder alles, was sie in Sachen Liebe erlebt hatte. Kate sah zu Gibbs und wartete darauf, dass dieser sagte was sie machen würden.
„Nein, DiNozzo. Wir fliegen nicht nach Paris.", erklärte Gibbs und Kate stieß erleichtert die Luft aus. Darüber war sie nun einfach nur froh. Ein paar Tage mit Tony in Paris, schienen unerträglich zu sein. „Nicht? Das ist…schade.", hörte Kate und konnte die Enttäuschung in Tonys Stimme hören. Sie verstand das nicht wirklich. Immerhin gab es dort nichts was wirklich anders war. Gut, die Kultur und die Mode, doch ansonsten bestand ja fast kein Unterschied.
„Wir fliegen nicht nach Paris – nur Kate und du.", ergänzte Gibbs und während Tony sich vor lauter Grinsen fast überschlug, fand Kate keine Worte. Sie musste sich verhört haben. Das hatte sie sogar ganz bestimmt getan. Gibbs hatte nicht gerade gesagt, das Tony und sie nach Paris fliegen würden!? Oh Gott, das war noch viel schlimmer als sie bisher angenommen hatte. Wie in Trance strich sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und versuchte wieder zu sich zu kommen, aber es wollte ihr einfach nicht so recht gelingen. Das war sehr viel schlimmer, eindeutig. Tony und sie allein in Paris…was hatte Kate nur angestellt? Das musste die Strafe, für was auch immer sein.
„Gibbs? Sag bitte, dass das ein Witz ist?", versuchte Kate und sah ihren Boss hoffnungsvoll an, doch dieser schüttelte den Kopf. Okay, es war also kein Witz und ein Traum war es auch nicht. Kate konnte Traum und Realität voneinander unterscheiden und normal endeten ihre Träume genau jetzt. Doch sie wachte nicht auf und krabbelte aus dem Bett, sondern blieb einfach an Ort und Stelle. Paris war eine schöne Stadt und auch wenn sie dort nur ermitteln würden, würde Kate den Aufenthalt bestimmt genießen. Aber allein mit DiNozzo? Das konnte einfach nicht gut gehen. Entweder sie würde ihn im Affekt erschlagen oder der Agent würde herausfinden, wie sie zu ihm stand. Kate lehnte sich gegen einen Schreibtisch und sah genervt zu Tony, dessen Laune gerade ruckartig in den Himmel gestiegen war.
„Kate und ich? Das ist ja spitze! Hast du das gehört, Katie?", fragte er und grinste seine Kollegin fast unverschämt an. Tony fand den Gedanken daran mit Kate nach Paris zu fliegen ganz offensichtlich toll. Mehr als nur toll, jedoch dachte er nicht an die Ermittlungen oder sonst etwas. Kate rollte mit den Augen und versuchte ihn nicht weiter zu beachten. „Wir fliegen in die Stadt der Liebe…Amore…Bekommen wir ein großes Doppelbett?", bei seiner letzten Frage zog sich seine Augenbraue nach oben und er sah Kate an. Bei diesem Satz ging sie auf Tony zu, beugte sich nach oben und hauchte ihm ein paar kleine Worte ins Ohr. „Denk nicht mal dran, DiNozzo.", und nur eine Sekunde später spürte er wie Kate ihren Ellenbogen unsanft in seine Seite stieß.
Tony schnappte nach Luft und sah Kate schmollend an. „Du weißt nicht was du dir da entgehen lässt…", murmelte er und Caitlin ging vorsichtshalber einige Meter von Tony weg. Ein Doppelbett…ja, das war eben typisch Tony. Sie hatte es gewusst. Und so würde es die ganze Zeit weiter gehen. Die Agentin bekam von Jethro Gibbs etwas in die Hand gedrückt und als Kate sich dieses etwas ansah, erkannte sie einen Computerchip. „Bring dieses Ding zu Abby…sie soll nachsehen was drauf ist.", erklärte er und Kate nickte.
„Computerchip, Boss.", verbesserte McGee seinen Chef und deutete mit dem Kopf in Kates Richtung. Kate warf Tony noch einen bösen Blick zu und ging zum Aufzug. Sie drückte den Knopf nach unten und seufzte dann. Oh ja, das würde ja wirklich wunderbar werden. Mit Tony in Paris…etwas Schlimmeres konnte sie sich im Moment gar nicht vorstellen. Die Türen des Fahrstuhls öffneten sich und die braunhaarige stieg ein und wenig später verließ sie ihn wieder. Diesmal befand sie sich aber im Labor und nicht im Großraumbüro. Hier sah alles wie immer aus. Caitlin ging ein paar Schritte und erkannte Abby, die auf ihrem Stuhl saß und irgendetwas in ihrem Computer eingab. Gerade als Kate den Raum betrat, drehte die Forensikerin sich um und strahlte ihre Freundin an.
„Kate!", rief sie, sprang auf und umarmte diese kurzerhand. Ein lächeln erschien auf den Lippen der Agentin und sie erwiderte die herzliche Begrüßung von Abigail. Die beiden waren im Laufe der Zeit gute Freundinnen geworden und damals hätte Kate das gar nicht für möglich gehalten. Eine Goth, die solch einen Beruf ausübt…es war schon seltsam, doch schon nach wenigen Wochen hatte sie verstanden, warum Abby hier von so gut wie allen gemocht wurde. Die junge Frau war unglaublich freundlich und herzlich, zudem aktiv und scheinbar immer bestens gelaunt. Ja, ihre gute Laune konnte wirklich anstecken. Kate dachte im Moment nicht einmal an Tony oder Paris, sondern genoss einfach nur hier bei Abby zu sein.
„Also, wobei kann ich dir helfen oder habt ihr da oben keine Arbeit?", fragte die Goth und blickte Kate fragend an. Richtig! Sie war ja heruntergekommen, weil Gibbs ihr diesen Chip für Abby gegeben hatte. Kate hielt ihr den Chip entgegen und schüttelte dann den Kopf. „Mit den besten Grüßen von Gibbs. Du sollst herausfinden was da drauf ist.", sagte Kate und lächelte. Doch sie war nicht nur deswegen hier. Die Agentin hatte sich gestern ja vorgenommen mit Abby zu sprechen. Wenn sie diese Gefühle noch ein paar Wochen in sich hineinfressen würde, dann würde sie bestimmt verrückt werden und Tony etwas antun. Die zweite Gefahr bestand zwar des Öfteren, aber man konnte ja nicht vorsichtig genug sein. Kate schnappte sich den zweiten Stuhl in der Nähe und setzte sich neben Abby.
Die Goth-Lady sah sich den Chip kurz an, legte ihn neben sich auf den Tisch und dann sah sie wieder zu ihrer Freundin. Dass etwas nicht stimmte, verstand sie schnell. „Oh Danke. Gibbs hatte keine Ahnung was das war, oder?", fragte sie und grinste etwas. Dann verschwand das Grinsen und sie legte den Kopf schief. Für ein paar Sekunden lang schien sie zu versuchen Kates Gedanken zu lesen, aber scheiterte daran und lächelte dann. „Was ist los? Du hast doch was auf dem Herzen, oder?", meinte sie und gab Kate einen kleinen Stoß auf den Arm. „Sag es Abby. Ich weiß, dass du das machen willst. Und helfen tut es bestimmt auch.", versicherte Abby und sah Kate aufmunternd an.
Kate nickte, als Abby meinte, dass Gibbs keine Ahnung gehabt hatte, was das eigentlich war. Das wurde ziemlich schnell unwichtig, als Abby ihre Freundin so durchdringend ansah. Abby war jemand, der von den Gefühlen anderer viel verstand und dann auch sehr einfühlsam und genau das brauchte Kate nun. Eine beste Freundin mit der sie reden konnte und ihr einfach alles sagen, was auf ihrem Herzen lag und das war nicht gerade wenig. „Oh Abby…ja, stimmt schon. Ich hab was auf dem Herzen.", meinte Kate und zuckte mit den Schultern. Wo sollte sie nur anfangen? Damit, das sie nicht wusste was sie an der Beziehung zu Mark halten sollte oder eher da, das sie sich in Tony verliebt hatte? Oder auch bei dem neusten Thema. Der Auftrag, der sie allein mit Tony nach Paris führen würde. Warum musste die Liebe nur so gemein sein. Im Moment kam es der Agentin so vor. Abby nickte nur und wartete darauf, dass Kate ihr endlich ihr Herz ausschütten würde.
„Das Problem ist die Liebe.", flüsterte Kate und seufzte. Ja, die Liebe erschien ihr im Moment sehr grausam zu sein. Abby wusste, dass Kate mit Mark zusammen war und dass dieses eine bestimmte Wort zwischen ihnen bisher noch nicht gefallen war. Doch ihre beste Freundin hatte keine Ahnung von Tony. Und das würde sich nun endlich ändern. Eine beste Freundin war ja nicht nur dann für einen da, wenn man es sich gerade wünschte, oder nur dann, wenn es einem recht war. Normal war sie immer für einen da und half einem über Kummer hinweg. „Die Liebe? Hat das was mit Mark zu tun?", fragte Abby. In gewisser Weise hatte sie ja damit Recht. Nein, nicht nur in gewisser. Das ganze hatte ja sogar sehr viel mit Mark zu tun.
„Bingo!", sagte Kate und seufzte. „Das Problem ist eher…na ja, es liegt wo anders. Mark ist toll, er ist wirklich, wirklich toll und ich mag ihn, aber…ich liebe ihn einfach nicht und ich denke ich werde mich so schnell nicht in ihn verlieben.", gestand Kate und blickte Abby an. Sie hoffte, dass diese sie auch verstehen würde. Mark war ja wirklich ein toller Kerl, nur leider nicht für Kate. Und das war eines der Probleme. Das größere waren die Gefühle für Tony und in wenigen Minuten würde auch Abby davon wissen. Der Gedanke allein war eine enorme Erleichterung. „Und da ist noch etwas…", sagte sie leise und biss sich auf die Unterlippe.
Abby rutsche mit ihrem Stuhl näher zu Kate und legte ihr dann einen Arm um die Schulter. „Das du dich nicht in ihn verlieben kannst ist doch kein Verbrechen, Kate.", meinte diese und lächelte. Dann sollte es eben nicht sein, aber scheinbar hatte die Agentin noch etwas auf dem Herzen und vermutlich war das auch bei der Mark Sache wichtig. Wenn Kate einmal solch einen Blick drauf hatte und sich scheinbar so schlecht fühlte, dann ging es bestimmt um etwas Wichtiges. „Noch etwas? Du weißt doch, dass du mir alles sagen kannst. Was auch immer es ist. Ich behalt es für mich. Indianerehrenwort!", versprach Abby und drückte Kate einen Moment lang.
Kate lächelte und nickte. Ja, sie wusste, das Abby solche Sachen nie weitersagen würde. „Tony.", sagte sie kurz und knapp und schloss dann die Augen. Das Abby nun fast von ihrem Stuhl fiel und wirklich verwundert aussah, bemerkte Kate nicht. Vielleicht lag es auch eher daran, dass Abby im Moment den Zusammenhang noch nicht wirklich verstand. „Tony? Was hat Tony damit zu tun, Kate?", wollte diese wissen und sah ihre Freundin an. Caitlin öffnete ihre Augen wieder und sah ihre beste Freundin lächelnd an. Es war schon nicht einfach, aber es tat unglaublich gut, dass sie das nun endlich jemandem anvertrauen konnte.
„Ich kann mich nicht in Mark verlieben, dafür aber in", hier brach Kate ab und presste die Lippen aufeinander. Zwar hatte die Agentin ihren Satz nicht vollendet, trotzdem schien Abby genau jetzt verstanden zu haben, was eigentlich Kates Problem war. Die Forensikerin sah Kate verwundert an und dabei wurden ihre Augen groß – sehr groß sogar. „…aber in Tony?", fragte sie und ihre Stimme klang eigenartig hoch. Ja, Abby schien das Problem verstanden zu haben und Kate fiel ein ganzer Steinbruch vom Herzen. „Ja, so verrückt sich das auch anhört, aber es stimmt. Ich bin mit einem wunderbaren Mann zusammen, der mich sehr gerne hat und einfach toll ist und was passiert? Ich verliebe mich natürlich in Tony.", sagte sie und dabei klang sie verärgert. Ja, Kate war auf sich selbst wütend.
„Oh Kate…", gab Abby von sich und nahm ihre beste Freundin wieder in den Arm. Dass sich Kate in Tony verliebt hatte, hatte Abby überrascht. Vielleicht auch nur ein kleinwenig. Irgendwie hatte sie damit gerechnet, dass diese Sticheleien zwischen den beiden nicht nur zum Spaß da waren. Für Kate schienen ihre Gefühle aber kein Segen zu sein und auch das verstand die Goth sehr gut. Tony war nicht gerade Monogam, er war der Typ Mann, der versuchte jeder Frau unter den Rock zu sehen und meistens endete es doch nicht gut, wenn eine Frau sich in solch einen verliebte. Aber ändern konnte man es auch nicht, wenn es erst einmal so war. Ja, die Liebe konnte man nicht lenken. Sie fuhr von alleine und nun schien sie einen gewaltigen Crash auf der Autobahn gehabt zu haben. Und Kate hatte im Wagen gesessen, in den die Liebe gerast war. So schnell konnte das eben manchmal gehen. „Du hast dich also wirklich in Tony verliebt? Bist du dir da sicher? Vielleicht…bist du ja nur verwirrt. Du hast in den letzten Wochen viel durchgemacht!", meinte Abby und versuchte damit zu retten, was nicht mehr zu retten war.
Kate lachte kurz auf und schüttelte dann den Kopf. Das war sehr süß von Abby, aber nach etlichen Wochen hatte Kate verstanden, dass sie sich wirklich in Tony verliebt hatte und dass es kein Hirngespinst war. So sehr sie sich das auch gewünscht hätte, diese Gefühle waren echt und sie taten auch genauso weh. „Nein, Abby. Ich bin nicht verwirrt. Ich hab diese Gefühle für ihn ja nicht erst seit gestern. Das geht schon Wochen so.", meinte sie nun und zuckte mit den Schultern. „Ich hab's bisher nur keinem gesagt, nicht einmal dir, wie du siehst.", ergänzte Kate und seufzte auf. Sie musste nun nur damit leben und ein Weilchen würde sie auch noch versuchen mit Mark zusammen zu sein. In der Hoffnung, dass sie sich eines Tages doch noch in ihn verlieben würde und DiNozzo einfach vergessen könnte. Es gab zwar nur eine Minimale Chance, aber das war doch besser als nichts?
„oh verstehe…", murmelte Abby und sah Kate wieder aufmunternd an. Sie wünschte, dass sie nun mehr für ihre Freundin tun könnte, doch mehr als Trost und eine Schulter zum Ausweinen konnte sie ihr nicht bieten. Es handelte sich dabei ja nicht um ein Problem, das sie mit einem Klick ihrer Maus ändern konnte, sondern es ging um echte Gefühle. „Und nun rate, welche zwei seiner Agents Gibbs nach Paris schickt, um dort herauszufinden, wo die zwei verschwundenen Agents geblieben sind.", sagte Kate und sah Abby mit einem merkwürdigen Lächeln an. Diese verstand sofort, was Kate damit sagen wollte. „Gibbs schickt Tony und dich nach Paris? Allein?", stellte sie eine Theorie auf und Kate nickte nur.
„Oh je…er hat natürlich keine Ahnung was er dir da antut, aber vermutlich würde es ihn auch wenig kümmern. Regel 12…", sagte Abby und zuckte kurz mit ihren Schultern. Regel 12. Diese Regel war Kates kleinstes Problem. Wenn es nach ihr ginge, dann würde sie diese strikt einhalten, aber ihre Gefühlswelt machte ihr schon irgendwie einen Strich durch die Rechnung. Kate dachte nicht daran, dass zwischen Tony und ihr in Paris etwas passieren würde, schon allein weil ein Verhältnis zwischen Kollegen nicht gut war, doch dann mit DiNozzo? Das würde einfach nur schrecklich werden. Vermutlich würde die Sache an sich gar nicht schrecklich werden, aber nachher bestimmt. Kate liebte ihn und er…Tony hatte keine Ahnung davon und was er damit anrichten würde. Das Problem waren ihre Gefühle. Sie wurde von ihnen gelenkt und wenn die beiden in Paris alleine waren und sich auf dem falschen Fuß erwischten…Regel 12 war schneller gebrochen als sie Stopp sagen konnte!
„Die ist nicht das Problem, Abby. Ich habe nicht vor mich in Paris in Tonys Arme zu werfen und alle meine Prinzipien zu vergessen, nur weil wir in der Stadt der Liebe sind…wirklich nicht. Selbst wenn, nachher würde es mir doch nur schlechter gehen. Tony ahnt ja nicht einmal was von meinen Gefühlen. Er verhält sich einfach wie immer, aber ich werfe ihm das auch nicht vor.", sprach die Agentin und lächelte Abbs an. „Ich schätze Mal Gibbs lässt nicht mit sich reden?", auf Kates Nicken hin tat Abby es ihr gleich. „Hey, du wirst das schon überstehen…wie schlimm kann es schon werden? Ihr seid wegen der Arbeit dort und nicht um euch zu vergnügen. Vermutlich musst du das Tony nur noch klar machen.", sagte Abby.
Ja, wie schlimm konnte es wirklich werden? Tony und Kate verstanden sich gut, wenn sie sich nicht gerade in den Haaren lagen und stritten. Derzeit hatte Kate aber so ihre Probleme damit und das sie dann allein mit ihm nach Paris fliegen würde, erleichterte gar nichts. Am liebsten würde sie McGee als Anstandswauwau mitnehmen, doch laut Gibbs würden nur Tony und sie das Vergnügen haben. „Oh ja, ich kann mir nichts schwereres vorstellen, als ihm klar zu machen, dass wir nur wegen der Arbeit dort sind. Seine erst Frage war, ob wir ein Doppelbett bekommen.", antwortete Kate und in ihrer Stimme schwang etwas Sarkasmus mit. Leicht würde es nicht werden, aber sie war stark und würde diese Situation meistern. Langsam stand Kate auf. Sie war schon eine ganze Weile bei Abby und Gibbs hielt bestimmt nichts davon, dass sie während der Arbeit einen Kaffeeklatsch abhielten. „Ich muss dann wieder hoch…vermutlich hab ich Gibbs eh schon verärgert.", meinte Kate und lächelte Abby an. Nun ging es ihr schon viel besser. „Danke.",
„Jederzeit wieder und wenn Tony dich ärgert, sperren wir ihn einfach in meinem Sarg ein.", sagte Abby und zwinkerte Kate zu. Die Agentin umarmte Abby noch einmal und verschwand im Fahrstuhl. Kurz darauf betrat Kate das Großraumbüro und ging auf ihren Schreibtisch zu. Als Kate sich hinsetzte, erwachte Tony aus seinem Sekundenschlaf und sah seine Kollegin verschlafen an. „Auch schon wieder da? Was habt ihr da unten gemacht? Euch die Zehennägel lackiert oder ein Wundermittel gegen irgendeine Krankheit erfunden?", zog Tony sie auf und Kate warf ihm nur einen giftigen Blick zu. Kate entschloss sich dafür, dass sie Tony für die nächsten Minuten nicht weiter beachten würde. Stattdessen warf sie einen Blick zu Gibbs Schreibtisch, erkannte aber, dass dieser nicht dort war. Nach circa 3 Minuten war Tonys Gerede kaum mehr auszuhalten. „Tony? Tony!", schrie Kate und warf einen Stift zu ihm hinüber. Dieser traf ihm am Kopf und DiNozzo verstummte tatsächlich.
„Autsch! Das tat weh Kate!", beschwerte sich Tony und rieb sich die Stelle, an der er von dem Bleistift getroffen worden war. Einen Moment lang sah er wirklich unschuldig aus, doch nur 10 Sekunden später machte er wieder den typischen DiNozzo. „Hast du deine Tage? Eigentlich ist das doch erst in zwei Wochen soweit…", stellte er mit einem Blick auf den Kalender fest und Kate stöhnte genervt auf. Tony war eindeutig der beste Fall für „wir können nicht ohne Männer leben, aber auch nicht mit ihnen". Dass er sogar ihren Zyklus kannte, hatte Kate schon beim ersten Mal, als er dies erwähnt hatte, erschreckend gefunden. Mehr als das sogar…
„DiNozzo!", fauchte Kate und sah sich auf ihrem Schreibtisch um. Nichts davon schien es verdient zu haben, in Tonys Richtung zu fliegen. Nicht einmal dem armen Radiergummi wollte sie solch eine Qual zumuten. „Wir haben unsere Zehennägel nicht lackiert und ein Wundermittel haben wir auch nicht erfunden.", sagte die Agentin und funkelte Tony immer noch äußerst sauer an. Und dann wusste sie, was Tony richtig ärgern würde. Siegessicher faltete Kate ihre Hände ineinander, überschlug die Beine und sah Tony eine Minute lang an. Ruhig und etwas beunruhigend…"Wir haben über dich geredet.", hauchte sie und grinste den Senior Agent an. Diese Antwort schlug ein wie eine Bombe. Mit einem Mal saß Tony aufrecht und sah Kate interessiert an. Fast so, als hätte sich ihr Oberteil gerade in Luft aufgelöst.
Der schien es nicht wirklich glauben zu wollen. „Ihr habt…über mich geredet, Katie? Wirklich?", er strahlte sie an, doch dann verschwand dieses strahlen auf einmal aus seinem Gesicht. „Moment…mit geredet, meinst du da, geredet, oder gelästert?", fragte der Agent und Kate zuckte mit den Schultern. Oh das würde Tony vermutlich nie erfahren. Nicht in diesem Leben...
„Das wirst du vermutlich nie erfahren DiNozzo.", sagte Kate und war sehr zufrieden mit sich selbst.
