Autor:

Amunet

Titel:

Lass mich nicht alleine

Story:

Draco trifft auf der Suche nach einer neuen Eroberung einen weinenden Harry. Wird er diese Chance nutzen und dem Gryffindor endlich den seelischen Gnadenstoß verpassen? Oder könnte es passieren, dass er plötzlich ganz anderen Gefühlen ausgeliefert ist?

Paaring:

Harry X Draco

Warnung:

Yaoi oder auch Slash (Liebe zwischen Jungs), Lemons (detaillierte Sexdarstellungen) und weil's von mir ist – 100 % OOC Gefahr

Disclaimer:

Keiner der Charaktere (sind ja bloß zwei ^^) gehört mir. Ich mag kein Geld mit der Story verdienen (als ob jemand für meinen Schund bezahlen würde ^^°) und alles war nur just for fun. *g*

Betaleser:

Betaversion 2014 von der fabelhaften, wundervollen und extrem fleißige SmokeySky


Lass mich nicht alleine

Kapitel 2

„Du bist der Junge, der sich genauso einsam fühlt wie ich."

Dieser Satz hängt mir schon seit Tagen nach. Natürlich hatte Harry damit recht, doch im gleichen Atemzug hat er mir ein „wir" versprochen. Aber es scheint, als wäre dieses „wir" nichts wert. Wir stehen noch immer auf verschiedenen Seiten, kommen aus verschiedenen Welten und ich merke es im Alltag nur zu deutlich.

Wir sehen uns in den Korridoren, schielen vorsichtig zueinander hin und gleich wieder weg, weil wir Angst davor haben, jemand könnte uns ansehen, was in dieser einen Nacht geschehen ist. Doch nicht nur das. Ich habe das Gefühl, Harry meidet mich. Als wäre ihm peinlich, was zwischen uns passiert ist. Schämen sollte ich mich auch. Doch merkwürdigerweise mache ich das nicht.

Als Slytherin und als Mann sollte ich mich schämen, dass ich mit einem anderen Mann, einem Gryffindor, geschlafen habe. Dass ich mir seinen Körper einverleibt und ihn mit meinen Lippen verwöhnt habe. Ein Privileg, das bisher nur Frauen zuteil wurde. Bei dem hektischen Rumfummeln mit Zabini war es nur zu Handkontakt gekommen. Da war kein Gefühl, keine Liebe im Spiel gewesen, sondern reine Neugier und das Bedürfnis nach körperlicher Befriedigung. Bei Harry war es anders.

Nie zuvor habe ich dieses innige Gefühl von tiefster Verbundenheit gespürt. Ein Wunder, dass es ausgerechnet bei meinem größten Rivalen geschehen ist. Wer hätte das je gedacht? Ich nicht. Bis zu dieser Nacht hatte ich keine Ahnung, dass ich mich sexuell zu Harry hingezogen fühle. Ja, dass mein Drang, in seiner Nähe zu sein, etwas anderes als Hass sein könnte. Doch es ist so. Und genauso erschreckend ist es, wie klar ich mir meiner Gefühle bin.

Müsste ich nicht emotional verwirrt sein? Schuld und Scham spüren? Harry noch mehr verachten, weil er mich zu einer „Schwuchtel" gemacht hat?

Mit ist, als wäre ich aus einem langen Schlaf erwacht. Als wäre meine Kindheit, meine Jugend mit einem Schlag verflogen und ich bin als erwachsener Mann aufgewacht. Selbst in meinem Kopf klinge ich zu reif, zu altklug, aber ich kann es nicht ändern.

Der Unterricht ist zu Ende und Snape entlässt uns aus den Kerkern. Ich sehe, wie Harry versucht, seine Tasche so schnell wie möglich zu packen. Er ist auf der Flucht. Doch dieses Mal nicht vor mir. Snape hat ihn die ganze Stunde immer und immer wieder vorgeführt und Harry Fragen gestellt, die außer Granger wohl niemand beantworten hätte beantworten können.

Ich muss mit Harry reden und mir kommt da eine Idee. Geschickt manövriere ich mich an den anderen Schülern, durch die Tische vorbei und in dem Augenblick, da Harry aufspringt, stoße ich ihn wie versehentlich, so dass seine Tasche auf den Boden fällt und der ganze Inhalt sich verstreut. Sein Tintenfass ist in tausend Scherben zerbrochen. Die Tinte verbreitet sich überall auf dem Boden. Entsetzt blickt Harry mich an. In seinen Augen steht Schreck und Wut zugleich geschrieben. Er will etwas sagen, aber Snape kommt ihm zuvor.

„Potter, machen Sie die Sauerei weg. In 10 Minuten kommt die nächste Klasse." Snape sagt nichts weiter dazu, sondern gleitet wie eine überdimensionale Fledermaus an uns vorbei, nicht jedoch, ohne Ron und Hermine aus dem Raum zu jagen. Die Tür fällt quietschend ins Schloss. Ich sehe mich um, wir sind alleine.

„Du und ich", beginne ich, „wir müssen reden."

„Über was sollten wir denn reden?", fragt Harry ausweichend, während er seine Sachen zusammen kramt und ich kann nicht verhindern, dass Zorn in mir aufsteigt.

„Du weißt genau, warum."

„Wir sollten das Ganze einfach vergessen. Es war ein Fehler."

„Ein Fehler", wiederhole ich aus der Fassung gebracht. „Es war deine Schuld." Nicht, dass ich irgendjemandem daran die Schuld geben könnte. Aber wie lehrte Vater es mich – Angriff ist die beste Verteidigung.

„Es tut mir leid", stammelt Harry. „Es wird nie mehr passieren und jetzt, bitte, lass es uns vergessen."

„Und wenn ich das gar nicht will?"'

„Es ist aber besser so."

„Für dich oder für mich?"

„Für uns beide."

Gerade möchte ich etwas erwidern, als die Tür wieder geöffnet wird. Ich schlucke meinen Kommentar hinunter und zische ihm ein Wut geladenes: „Das Thema ist noch nicht erledigt" zu, bevor ich aus dem Raum gehe. In meinem Inneren ist jetzt ein Klotz, der kurz davor ist, vor Wut zu platzen und doch fühle ich da auch einen dumpfen Schmerz. Harry hat mich verletzt.

Obwohl ich mich kaum konzentrieren kann, bemühe ich mich, die nächsten Stunden bis zum Abendessen meine Hausaufgaben zu machen. Vater möchte mein Taschengeld kürzen, wenn meine Schulnoten sich dieses Jahr nicht deutlich verbessern. Auf Ärger zu Hause habe ich gar keine Lust. Wenn Vater eine seiner Predigten auf mich nieder rieseln lässt, wird Mutter schweigen und erst, wenn wir alleine sind, wird sie mich in den Arm nehmen und mich trösten. Nicht alles, was glänzt, ist Gold und wie man es dreht und wendet, so viel Wert wir Malfoys auf Gold und Ansehen geben, letzten Endes sind wir auch nur eine normale Zaubererfamilie. Etwas, das kein einziger von uns jemals öffentlich zugeben würde.

30 Minuten später habe ich es geschafft. Nach einem Schlusspunkt lege ich die Feder zur Seite, streue noch etwas Sand über das Pergament und rolle es dann vorsichtig zusammen. Snape wird damit zufrieden sein. Ich jedenfalls bin es. Mein Magen macht sich bemerkbar und dann erst sehe ich auf die große Uhr über dem Kamin. Das Abendessen hat bereits vor einer Viertelstunde begonnen. Ich muss mich sputen. Hungrig eile ich durch die Gänge, lasse Wandgemälde für Wandgemälde an mir vorbei ziehen. Bis ich in der großen Halle ankomme, bin ich außer Puste. Doch ich habe Glück, das Essen ist noch im vollen Gange. Schnell suche ich meinen Platz zwischen Crabbe und Goyle auf. Beide haben den Mund zum Bersten gefüllt, so dass sie mich nicht fragen können, wo ich war. Nach dem ersten gut gefüllten Teller schaue ich auf und entdecke Harry.

Er sieht müde und ausgelaugt aus. Die Gabel in seiner Hand stochert lustlos im Essen herum. Weasley, Granger und ein paar andere Gryffindors unterhalten sich angeregt. Harry beteiligt sich offenbar aber nur, wenn er direkt angesprochen wird.

Ich bin neugierig. Zu gerne möchte ich wissen, was mit ihm los ist. Wobei ich den boshaften Gedanken in mir habe, dass es an mir liegen könnte. Vielleicht zermartert er sich das Gehirn darüber, was meine Drohung alles impliziert. Oder aber, und dieser Gedanke erheitert mich, er sieht ein, dass er einen Fehler gemacht hat.

Plötzlich, als hätte er meinen Blick bemerkt, sieht er auf. Direkt in mein Gesicht. Er wird knallrot und bekommt Panik. Hektisch lässt er alles stehen und liegen und rennt aus der Halle. Ich brauche nur eine Sekunde länger, bis ich reagiere und ihm hinterher eile.

Als ich Harry erwische, befinden wir uns auf dem Schlossgelände, in der Nähe der Peitschenden Weide. Harry steht gebeugt da, heftig nach Luft schnappend. Auch ich bin erschöpft, doch nicht genug, um nicht die letzten Meter zwischen uns zu überbrücken und Harry am Arm zu fassen. Er sieht mich an. Durchdringend, fast mörderisch. Seine grünen Augen sind so stechend, dass ich es mich schaudert.

„Hau ab!", ist alles, was er herausbekommt. Ich selbst schüttle nur den Kopf. Schüler Gelächter dringt zu uns vor und ich ziehe ihn noch ein Stück weiter weg. Wir befinden uns nun hinter einer kleinen Anhöhe, die von dichtem Gestrüpp bewachsen ist. Hier wird uns niemand sehen.

„Potter, wir sollten wirklich reden."

„Ich will nicht!"

„Warum sträubst du dich so?" Eine von Peinlichkeit herrührende Röte überzieht Harrys ganzen Kopf, unwillkürlich ziehe ich eine Braue hoch. Es macht Klick in meinem Schädel. „Hast du etwa Angst, ich könnte dich wieder verführen?" Auch ohne Zustimmung von ihm erkenne ich, dass ich Recht mit meiner Vermutung habe. Er sieht so schuldbewusst aus. Ungeahnte Möglichkeiten schwirren in meinen Gedanken herum. Plötzlich habe ich Lust, ihn zu küssen. Offenbar sieht er es mir an, denn seine Augen weiten sich, aber ich wäre kein Malfoy, wenn ich darauf Rücksicht nehmen würde. Ein schneller, abrupter Griff und er liegt in meinen Armen. Ein weiterer schneller Angriff, nur dieses Mal mit meinem Mund, und ich küsse ihn.

Dieser Kuss ist anders. Wild, leidenschaftlich und Harry verweigert sich nur eine Millisekunde, dann erwidert er meinen Kuss ebenso heftig, wie er begonnen hat. Was wir hier machen ist kein Vergleich zu der Zärtlichkeit der ersten gemeinsamen Nacht. Seine Lippen sind rot geschwollen, als ich mich von ihm löse, seine Augen entzückend verklärt.

„Fehler", krächzt er heiser. „Das hier ist falsch."

„Ich weiß", antworte ich ihm, „aber es fühlt sich so richtig an", und küsse ihn erneut.

Harry zu küssen ist wundervoll und ich genieße es bis zu dem Moment, an dem mir der Atem ausgeht. Wir blicken uns tief in die Augen und ich erkenne, dass Harry endgültig kapituliert hat. Mein Herz macht einen Hopser.

„Wir sollten gehen. Nicht, dass uns noch jemand sieht."

Gerade möchte ich ein: „Wäre das Schlimm?" raunen, als mir bewusst wird, wie Recht Harry hat. Ein solcher Skandal könnte mir riesigen Ärger einbringen. An die Bestrafung, die ich von meinem Vater bekommen würde, möchte ich nicht denken. Wie sollte ich meinem Vater auch erklären, weshalb ich neuerdings einen anderen Jungen küsse? Ich weiß es doch selbst nicht. Diese Empfindungen sind so neu, so ungewohnt und irgendwie doch so richtig. Und selbst im entferntesten Fall, dass Vater mich wegen meiner aktuellen homosexuellen Tendenzen nicht enterben würde, wie sollte ich ihm das mit Potter erklären?

„Treffen wir uns heute Nacht?", frage ich stattdessen und Harry denkt kurz nach.

„Ja. Mitternacht im Astronomieturm?"

Schon die pure Vorstellung, mit ihm unter klarem Sternenhimmel schlafen zu können, ist erregend. Seine grünen Augen würden bestimmt einen faszinierenden Glanz im reflektierenden Sternenlicht bekommen.

„Ja", nicke ich zustimmend und dann lasse ich Harry ziehen. Lange sehe ich ihm nach, während er zum Schloss zurückeilt, ohne sich auch nur einmal nach mir umzusehen. Ich bin aufgewühlt, doch glücklich. Unser Geheimnis wird weiterbestehen und ich hoffe, dass Harry bei unserem Treffen heute Nacht auch an Sex gedacht hat.

ooOOOoo

Die wenigen Stunden bis Mitternacht haben sich gezogen wie der klebrige Saft eines Kautschukbaumes. Jetzt endlich ist aber es aber soweit und ich gehe die Treppen zum Astronomieturm hoch. Ich öffne die Tür und sehe Harry, der schon an der Brüstung steht und den Blick in die Ferne gerichtet hat. BumBum BumBum. Das Herz schlägt mir fest und aufgeregt gegen die Brust.

„Hi, Harry", hauche ich, als ich vor ihm stehe. Ich hoffe, er denkt, dass meine schwache Stimme von der körperlichen Anstrengung kommt. Es wäre mir unangenehm, wenn er wüsste, dass alleine seine Nähe mich so zittrig werden lässt.

„Hi, Draco", haucht er ebenso zurück und plötzlich stehen wir beide da, vom Scheitel bis zur Sohle rot und verlegen und wissen nicht, was wir sagen sollen. Wo ist die Erotik vom Abend hin? Ist es, weil wir wissen, dass wir gleich miteinander schlafen werden?

Ich sehe den berühmten Gryffindormut in ihm aufleuchten und schon ist er es, der mich küsst. Es ist wundervoll, seine Lippen, seine Zunge wieder zur spüren. Wir gleiten zu Boden und nur kurz registriere ich, dass ein weicher Mantel auf dem ansonsten kalten Steinboden liegt. Bis wir eine angenehme Position finden, dauert es und kurz müssen wir zwischen unseren Küssen lachen. Mir ist, als hätte ich die Realität verlassen. Dies hier ist wie ein Traum. Ein wunderschöner und unglaublicher Traum. Ich rolle mich über Harry und löse mich von ihm. Mein Bein liegt zwischen seinem. Der intime Kontakt unserer Körper lässt lustvolle Wellen durch meinen Körper wandern. Ich küsse mich zu seinem empfindlichen Hals entlang. Sauge an der zarten Haut und Harry stöhnt. Animiert davon werde ich etwas leidenschaftlicher, doch dann ist da ein lautes Quietschen.

Erschrocken sehen wir beide auf.

„Mr. Potter! Mr. Malfoy! Was zum Teufel tun Sie hier?" Wie von der Tarantel gestochen stehen wir auf. Bringen ertappt Abstand zwischen uns, während wir gezwungen sind, weiterhin Professor McGonagalls Vortrag zu lauschen. „Außerhalb der Betten, mitten in der Nacht. Es hätte wer weiß was passieren können. Und diese Ungeheuerlichkeit, sich auch noch zu prügeln! Ich hätte gedacht, aus diesem kindischen Alter wären sie längst hinaus!"

Harry und ich schauen uns kurz an. Offenbar hat Professor McGonagall etwas missverstanden, aber wir widersprechen nicht. Wäre blöd, wenn wir das tun würden.

„Sie wissen schon, dass das Strafarbeit für Sie bedeutet. Freitagabend melden Sie sich bei Mr. Filch. Er wird Ihnen dann sagen, was Sie tun müssen und jetzt mitkommen."

Gehorsam und mit Bildern einer unschönen Erinnerung im Kopf, führt uns Professor McGonagall zum Gryffindorturm, wo sie erst Harry abliefert, bevor sie mich, immer noch schimpfend, in den Slytherin-Kerker bringt.


Fortsetzung folgt…