Kapitel2

Das darf doch nicht wahr sein! Ich glaub es einfach nicht!' Lawliet öffnete die Tür zu seinem riesigen Schlafzimmer. Zitternd huschten seine Hände in die Hosentasche, wo sich sein Handy befand. Kurzwahl 5 wurde betätigt, Watari hob ab.
„Ja, Sir?"
„Watari, ich bin wieder im Haus. Könnten Sie mir bitte drei Erdbeer-Sahne-Törtchen und einen Kaffee mit Zucker bringen? Dankeschön."
Er klappte es zu und warf es aufs Bett. ‚Toll...einfach toll. ‚Was wenn er es wirklich war? Was sollte dieser Satz…"Mit dem Tod gespielt und verloren"…' Ein Klopfen an der Tür unterbrach seine Gedanken. „Kommen Sie herein, Watari." Watari drückte die Türklinke hinunter und trat ein. Hinter ihm zog er einen Speisewagen mit den bestellten Speisen mit. Zusätzlich zu den Törtchen und dem Kaffee waren noch eine Tube mit Schokosoße, Würfelzucker und Schlagsahne auf dem Tablett. Ein Lächeln formte sich auf L's Lippen. „Ich danke Ihnen, Watari." Der ältere Herr nickte und begab sich zum Ausgang.
„Watari?" Er drehte sich um und erblickte einen 22-jährigen Mann, der ängstlich einen Zuckerwürfel nach den anderen in den Kaffee fallen ließ.
„Ja, L?"
„Erinnern Sie sich an Rue Ryuzaki?"
„Nur flüchtig, Sir."
„Danke, Sie können gehen."

Für einen Moment saß L nur da, Knie zur Brust gezogen und ruhte die Hände darauf. Beim Anblick der Törtchen vergaß er fast, was im Park geschehen war. Fast.
Die Schokosoße floss von der Spitze einer Erdbeere, hinunter auf die Sahne um langsam an den Seiten dünne, braune Linien zu hinterlassen. Zwischen Zeigefinger und Daumen hielt er die Gabel fest und schnitt mit den Gabelzacken in sein Lieblingsessen ein.

„Er hat über den Tod geredet, als sei es eine Person gewesen. Eine Gestalt, besser gesagt. Todesgestalten? Todesengel? Nein, Tod und Engel passen nicht zusammen, oder? Ein verlorenes Spiel…ist da auf eine Wette hinzuweisen? Die Wette und der Tod… Der Teufel? Nein, zu religiös. Sagen wir, es war wirklich so etwas göttliches.. oder teuflisches, wie immer man's auch sieht.. Todesgott?"

Es traf ihn wie ein Schlag. Er ließ die Gabel auf den Tisch fallen und begann im Internet über Todesgötter zu recherchieren. „Shinigami..." Viele Legenden existierten über diese Wesen. Sie sollten die Seelen der Toten in deren Welt führen. Manche behaupteten jedoch, sie töteten Menschen. Aber Legenden halfen ihm da nicht weiter. Er musste diesen verdammten Rue (..oder Beyond…) selbst fragen!

Der nächste Versuch. Er gab „Beyond Birthday" in die Suchmaschine ein. Keine Ergebnisse. L seufzte hörbar. Das letzte Stück Torte verschwand in seinem Mund. „Was soll ich jetzt schon tun? Ich kann nur hoffen ihn irgendwann wiederzutreffen. Bis dahin habe ich wichtigeres zu tun."

Lawliet bearbeitete einige andere Fälle und löste drei weitere Serienmorde. Der Gedanke an Beyond lungerte ständig in den hintersten Ecken in seinem Kopf. Ein Spaziergang, der eigentlich entspannend wirken sollte, endete in einem Treffen mit einem Verrücktgewordenen. Fabelhaft, nicht?

Nachdem er die fünfte Tasse Kaffee getrunken hatte (total überzuckert natürlich), legte er sie ab und begab sich in sein Schlafzimmer. Ja, er schläft. Unglaublich, nicht wahr? Auch wenn es nie im Leben mehr als 3 Stunden waren…

Doch als er die Nachttischlampe ausschalten wollte, bemerkte er einen Zettel darunter. Behutsam zog er das Stück Papier heraus und betrachtete es. Es stand etwas darin geschrieben. In roter…Farbe? Schon bei den ersten Worten bekam er eine Gänsehaut. „Oh Gott, nein…"

Der Brief war nicht in roter Farbe geschrieben. Es hatte einen metallischen Geruch. Blut. Mit jedem Wort beschleunigte sich sein Atem.

„Ich weiß sehr wohl, dass du mich wiedersehen willst, Lawliet.
Du hast Fragen an mich, richtig? Mamuki-Bezirk, ße, 03:00 Uhr, 28. Oktober.
Deine einzige Chance.
Beyond."

Zehn Minuten später lief L durch die Straßen. Lawliet ging zu Fuß, er wollte kein Aufsehen erregen. 2:45. Fünfzehn Minuten noch. Nächtlicher Oktoberwind blies ihm ins Gesicht. Er musste hingehen, so eine Chance verpasste er nicht. Fragen, viele hunderte Fragen dröhnten in seinem Kopf. Als er bei der 4. Straße abbog, war es 2:55 Uhr. Eine streunende Katze miaute. L beschleunigte seine Schritte, stoppte aber abrupt vor der ße. „Geh endlich. Du darfst nicht zu spät kommen. Du musst ihn sehen."

In nichts außer Jeans und weißem Sweatshirt wartete er schon bestimmt zehn Minuten auf Beyond. Mit jeder vergangenen Minute stieg seine Nervosität ein kleines bisschen.

„Hallo, Lawliet." Ein kalter Schauder lief ihm über den Rücken. Er hasste diese Stimme. Er hasste seinen Anblick. Schwarzes Sweatshirt und schwarze Jeans, dieselben schwarzen Haare, dasselbe Gesicht und Figur. Eine eins zu eins Kopie von Lawliet, nur etwas jünger. Doch was Beyond stark von Lawliet unterschied, waren die Augen. Damals waren auch diese genau gleich, aber bei ihrer Wiederbegegnung schimmerten sie rot, rubinrot.

„Ich habe Fragen." Lawliet behielt ein strenges Pokerface, während sich ein höllisches Grinsen auf Beyonds Lippen bildete. „Ich höre?" Er kam L verdammt nah, zu nah für seinen Geschmack.

„Deine Aussage ‚Mit dem Tod gespielt und verloren' gibt mir zu denken. Ich habe eine wage Vermutung, dass es sich hierbei um einen personifizierten Tod handelt. Liege ich falsch?" Sein Gegenüber in schwarz musste lachen.
„Wie von dem weltbesten Detektiv zu erwarten… Du hast vollkommen recht, Lawli." Beyond trat einen Stück näher.
„Ich habe mit Shinigamis gesprochen. Du hast doch sicher von den Legenden über die Todesgötter gehört oder? Ich kann dir versichern, sie sind alle wahr, Lawliet."

Nun hatte er sein Selbstbewusstsein wiedererlangt und stiess Beyond von ihm weg. „Was redest du da, Rue? Staendig laberst du vom Tod und darueber, dass dieser verdammte Rue schon laenst nichtmehr am Leben ist, wenn du doch verdammt nochmal vor mir stehst!" Lawliet wollte Antworten. Klare, logische Antworten und kein wirres Gerede. Augenblicklich spuerte er die toetlichen Blicke, die Beyond ihm zuwarf. Trotzallem blieb Beyonds Stimme unheimlich ruhig. „Ach, du glaubst mir nicht?" Das teuflische Grinsen machte Lawliet nervoes, dieser liess es sich aber nicht anmerken. „Fuer mich ist es nicht mehr als Schwachsinn den du von dir gibst, Rue." Wut erfuellte die Luft zwischen ihnen, mehr von Beyond als von dem Detektiven. Besagter vermied abermals den Augenkontakt mit dem Verrueckten, als vermutete er, er wuerde zu Stein verwandelt werden. Diesen Gedanken verwarf er aber schnell. Rue war nicht Medusa, reiss dich zusammen, L.

„Schwachsinn meinst du?" L glaubte Beyonds Augen rot aufleuchten zu sehen. Im naechsten Moment stand dieser vor ihm und hielt sein Gesicht fest. Den Blickkontakt zwischen ihnen fixiert, hisste Beyond aergerlich. „ Siehst du das, Lawliet? Du siehst diese Augen, nicht? Rot. Die Farbe des Bluts, die Farbe des Todes. Und sie sind schwarz, wenn sie unentdeckt bleiben sollen." Mit jedem Wort weiteten sich Ls grosse, schwarze Augen, waehrend ein immer staerker werdendes Rot Beyonds Augen erfuellten..