Viel Spaß!

Kapitel 1

Mit zügigen Schritten lief John Clare durch die Straßen Londons. Überall herrschte reges Treiben und der Geruch von diversen Speisen mischte sich mit dem Abgasen der Fabriken rund um London. Seit dem Aufkommen der neuen Maschinen war die Luft innerhalb der Stadt immer schlecht. „Vermutlich erkranken die Menschen daher immer mehr an diesem zum Tode führenden Husten...", dachte John grimmig. Unbeirrt führte ihn sein Weg zu Londons Untergrund, in dem die Cholerakranken Zuflucht suchten und was für ihn einem Zuhause am nächsten kam. Abseits des großen Hauptganges, in dem die Nonnen und andere freiwillige Helfer Suppe an die Kranken verteilten, hatte John Clare eine Niesche für für sich. In dieser lagerten seine einzigen Wertgegenstände: Bücher. Die Poesie war sein Rückzugsort aus der Realität, ein Ort in dem selbst der Tod als ein Freund begrüßt und Andersartige wie er aktzeptiert wurden. Seine Bücher lagerte er in einer alten Holzkiste, die ursprünglich zum Transport von Wein hergestellt wurde. Angst vor Diebstahl hatte er nicht, denn selbst die Menschen hier unten meideten und fürchteten ihn. Das Monster. Während seines Heimweges verdüsterten sich John Clares Gedanken zusehends. Selbst hier unten war er der Abschaum unter dem Abschaum.

Er hatte in kurzer Zeit so viel Leid erfahren, dass es ihn schier übermannte. Die Trauer um den Verlust von Miss Ives und seines Sohnes mischte sich mit der Wut, die der Anblick all dieses Elends um ihn herum auslöste. Alles zusammen ergab eine äußerst giftige Mischung und es war nur eine Frage der Zeit, bis sich diese negative Aura entladen würde.

Als er in den kleinen Seitengang zu seiner Niesche bog blieb er abrupt stehen.

In dem dämmrigen Licht des Ganges konnte er deutlich eine Gestalt wahrnehmen, die scheinbar über die Kiste mit Habseligkeiten gebeugt war. Ein leises Rascheln verriet, dass eben jene Kiste durchsucht wurde.

John Clare konnte nicht erkennen, wer die Gestalt war, noch ob sie männlichen oder weiblichen Geschlechts angehörte. In diesem Moment waren diese Informationen für ihn jedoch zweitrangig. Er hatte zu viel für einen Tag erlebt, als dass er nun auch noch einen Diebstahl zulassen würde. In diesem Moment sah er rot. Er würde den Menschen einen wirklichen Grund geben ihn zu fürchten!

Mit wutverzerrtem Gesicht und geballten Fäusten rannte er auf den Eindringling zu.

Dieser hatte lediglich noch Zeit sich umzudrehen, als ihn auch schon eine riesige Faust an der Schläfe traf und alles schwarz wurde...