fr-smilla: In der Regel sind meien Kapitel auch recht kurz. Ich bemühe mich aber um längere. Einverstanden? Dieses hier ist nämlich schon ein zusammengesetztes aus zwei. ;-)


Hinweis zu der FF und somit verbundenen Kapiteln:

Die Gedankengänge der Personen werde ich kursiv darstellen, Rückblenden dick gedruckt. Der Rest, bleibt normal.

Die richtige Reihenfolge der Weisheitsaffen ist mir entfallen. Nehmt es bitte so hin.


3 WOCHEN ZUVOR

Sie fühlte sich normal. Zumindest als das, was man in ihrem Falle normal nennen konnte.
Am heutigen Tag war das aber auch kein Wunder. Es war Halloween und so hatte sie nichts zu befürchten. Keiner würde ihren äußerlichen Schein auch nur eines Blickes würdigen – sie hatte die Größe eines durchschnittlichen Kindes im Ende des Wachstumsstadiums und trug eine schwarze Stoffkutte von Kopf bis Fuß. Das einzige was noch zu sehen wäre, würde man sie beachten, wären ihre Augen.

Warum konnte nicht jeden Tag Halloween sein? Für eine Stadt wie Las Vegas sollte es doch kein Problem sein oder doch? Schließlich liefen hier eine Menge Leute herum die – für sich selbst und die meisten anderen gar nicht bewusst – eine Art Kostüm trugen.

Doch es blieb ihr nur dieser eine Tag, an dem sie unbeschwert durch die Stadt zwischen den ganzen Menschen hindurch gehen konnte. So musste sie nicht wie üblich sich im Hintergrund aufhalten und die Gassen und Schleichwege der Stadt nutzen, nur um keine Angst zu haben das ihr jemand ohne weiteres Prügel anbot oder aus lauter Furcht vor ihr sogar die Polizei rief.

Wie das eben so war, ist und wohl auch immer sein wird. Was der Mensch nicht kennt, das fürchtet er.

Doch was konnte sie für ihr aussehen? Sie hatte es sich mit Sicherheit nicht freiwillig ausgesucht! Sie hatte auch hier die Hoffnung aufgegeben. Nicht einmal die ganzen Ärzte, Fachspeziallisten und wie sie sich nicht alle bezeichneten, hatte sie im Laufe ihres bisherigen Lebens aufgesucht um auch nur einen Hinweis darauf zu erhalten unter was für einer merkwürdigen Krankheit sie litt. Nichts. Keiner von ihnen wusste eine Antwort. Mit dem Laufe der Zeit hatte sie sich damit abgefunden. Die Gedanken in die Richtung schweifen zu lassen ob sie ein Wunder oder einfach nur eine Laune der Natur sei, waren eh viel interessanter.
In ihren Gedanken an die Vergangenheit verloren war sie vor einem kleinem Buchladen stehen geblieben, aus dem ein lautes Kichern einer kleinen Gruppe aus Jungen und Mädchen, sie wieder in die Gegenwart zurück holte.
„Habt ihr gesehen, wie der alte Mann geschaut hat, als Sammy für ´Saures das alte Buch beinahe fallen ließ?", fragte der Vampir.
„Ja! Und dann erst das gestotterte Wort von ihm! Wie war das noch gleich? Hihi", sagte der Zauberer feststellend.
„Nein, das war...mpfpf...!", fiel die gerade Schokoriegel essende Mumie ihren Freunden ins Wort. Lauthals lachten sie los und gingen vergnügt ihres Weges ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden was wenige Minuten zuvor nicht alles passieren hätte können...wie damals.

Es viel ihr jedenfalls nicht gerade leicht, nicht in den alten hart bekämpften Gemütszustand von früher zu verfallen. Drum brauchte sie nicht lange für die Entscheidung schnellst möglichst ihren Weg am Strip weiter zu führen, um den alten und neuen Glanz der Zeit an den großen Kasinos und kleineren Geschäften zu betrachten. Schließlich hatte sie auch nur noch ein paar Stunden, bis die Sonne wieder aufgehen würde.

Sie schlenderte in ihrem eigenem Trott vor sich hin, bis sie zu einem Kasino kam, mit dem sie gewiss keinen tollen Moment verband. Nein, nicht durch Verlust von Geld. Für das Spielen war sie noch viel zu Jung. Der Grund, war im Gegensatz ganz einfach.
Es gehörte einem der reichsten Männer der Stadt. Nein, nicht Sam Brown. Wenn man diese Beiden vergleichen würde, würde Mr. Brown wie ein Engel da stehen. Dieser dagegen, war ein fieser Charakter. Fies, war dagegen noch viel zu harmlos ausgedrückt. Er hatte in allen großen, und auch manchen kleinen, Projekten der Stadt seine Finger im Spiel. Selbst, wenn er laut Gesetz, eine Straftat vollbracht hatte, konnte die Polizei ihm nie etwas nachweisen. Oder seine teuren Anwälte waren so gerissen – zusammen mit viel Glück – das er noch nie einen Polizeiwagen von innen gesehen hatte. Und erst ja nicht mit Kleinvieh seine Finger schmutzig machen – das war seine Devise. Das wusste auch jeder in der Stadt, denn die Zeitungen hatten es oft genug geschrieben. Dennoch, war es keine Abschreckung. Und so traf jeder, der sich mit dem so genannten Kleinvieh, auf ihn ein ließ auf seine Gorillas!
Ah, da kamen sie auch schon. Ding und Dong. Jeder 5-jährige hatte mehr Grips als die Beiden zusammen. Jeder von ihnen hatte links und rechts von sich einen Gast am Arm gepackt und begleiteten diese, auf ihre freundliche Art und Weise nach draußen. Mit anderen Worten: sie warfen sie im hohen Bogen vor die Tür. Ausnahmsweise – so hatte sie den Eindruck – war es sogar eine berechtigte Aktion. So betrunken wie die Leute zu sein schienen, war es auch kein Wunder. Sie krochen eher den Weg auf allen vieren zum Taxi, als aufrecht gehen zu können.

Was für ein trauriger Anblick, oder nicht? Ach, warum deshalb Sorgen machen? Es waren noch alles ziemlich junge Leute. Sie würden es verkraften.

Nein, ihre Sorgen lagen ganz wo anders. Und wie sie sehen konnte, kam diese „Sorge", nur wenige Meter vor ihr aus der Menschenmasse hervor und ging auf direktem Wege auf das Kasino zu, ohne sie auch nur bemerkt zu haben.

Aber was machte er hier? Hatten sie es nicht vereinbart, das er es niemals wagen würde hier auf zu tauchen? Doch! Er hatte ihr sein Wort gegeben. Und das nicht nur mündlich, auch auf Papier.

Panik kam in ihr auf.

Was sollte sie nur tun? Ihn aufhalten! Aber wie!

Es ließe sich auch nicht vermeiden, dass auch sie, so auf die zwei Gorillas stoßen würde. Währe es damals doch erst gar nicht so weit gekommen...


RÜCKBLENDE
Er war spät dran. Dabei hatten sie doch alle zusammen feste Zeiten vereinbart. Und nun dies. Sie hatte jetzt, wo Mrs. Kallagen nicht mehr lebte, die Verantwortung für die drei übernommen. Anfangs verständlicherweise wider willig. Sie war schließlich die Jüngste und wurde ohne Vorwarnung in das Erwachsenenleben geworfen. Damals hatte sie es der alten Dame jeweils versprochen. Hoch und heilig. Auch auf sie zu achten und sich best möglichst um alles zu kümmern. Einfach, ihr bestes geben. Doch war das genug?
Die drei. Sie waren wie die drei Weisheitsaffen. So hatte sie sie von Anfang an gesehen.
Einer stumm, das war Malwin. Auch wenn er nichts sagen konnte – seine Mimik sagte alles.
Tammo, der zweite, blind. Er war wie eine Fledermaus, nur ohne Schall, denn Tammo besaß die Fähigkeit sich in den ihm unbekannten Gegenden sofort zu Recht zu finden. Ohne fremde Hilfe oder irgendwelche Hilfsmittel.
Und zuletzt, Pius. Taub. Was ihn nicht hinderte. Er hatte im Laufe der Jahre einfach ein Gespür dafür entwickelt wenn um ihn herum etwas aus seiner ´Normalität glitt.

An dem Abend saß sie mit Malwin und Pius in der Küche. Die Haustür knallte zu. Tammo war endlich zu Hause. Nach viereinhalb Stunden!

Wusste er nicht, was sie sich für Sorgen machen würden?

Sein Weg führte ihn vom Hauseingang direkt in die Küche. Dort schnurstracks zum Kühlschrank, aus dem er sich den Orangensaft nahm. Es kam nicht einmal eine Entschuldigung oder schlechte Ausrede für seine Verspätung.
Als Tammo sich ein Glas eingoss, spürte er wie sie ihn von ihrem Platz am Tisch aus anstarrte. Malwin und Pius schienen ebenfalls eine dieser ´schlechten Schwingungen zu spüren, denn sie verließen ohne weitere Beachtung ihres Bruders den Raum. Mit verschränkten Armen stellte sie sich in die Tür, um seine Fluchtmöglichkeit vorerst zu versperren. Und wartete. Mindestens fünf Minuten. Keiner machte einen Mucks. Die einzigen Geräusche die man vernehmen konnte, waren das Ticken der Küchenuhr und das leichte Summen des Kühlschranks.
Nachdem er das Glas fast geleert hatte, knallte Tammo es - mehr oder weniger – auf den Tresen und seufzte lautstark.
„Was willst du hören?", ohne sich dabei zu ihr umzudrehen. Keine Antwort. Keine Bewegung, die auch nur ein Ton von sich gegeben hätte. Er wusste, sie war von ihm enttäuscht.
„Meg...", versuchte er gerade einen schlichtenden Satz zu beginnen, als er seine Antwort erhielt. Ein Stuhl wurde zu Boden geworfen.

So kommunizierte Meg eben, wenn sie wütend, enttäuscht oder verletzt war. Sie sagte nie etwas. Meg war aber nicht stumm. Sie war es nur irgendwann Leid, etwas zu sagen, was nicht beachtet wurde oder von anderen Menschen überhört wurde. Das dachte sie früher jedenfalls. Bis sie feststellte, dass die Leute sie nicht beachteten. Dies änderte sich, als sie vor einigen Jahren auf Mrs. Kallagen und die Jungs stieß. Diese vier waren anders. Sie hatten Meg nicht wie eine Außenstehende behandelt, die man übersah oder sich bei ihr ansteckte, würde man ihr zu nahe kommen. Nein, sie wurde wie ein Mensch behandelt.

Tammo kannte jedenfalls die Leier. Jedes mal, wenn er sie oder einer der anderen verärgert hatte, ging etwas zu Bruch soweit dies Möglich war. Es war auch nicht das erste Mal.
Gelangweilt drehte er sich zu ihr um, machte seinen Weg an ihr vorbei und war auch schon fast aus der Tür, wenn er nicht auf einmal etwas Nasses seinen Rücken hinunter rinnen gespürt hätte. Meg hatte sich schleunigst das Glas geschnappt und den Rest Orangensaft auf ihn ausgekippt. Nun stand sie hinter ihm. Sichtlich erschrocken über sich selbst, wich sie ein paar Schritte zurück. Das Glas hielt sie dabei immer noch in der Hand.
Seine Selbstfassung möglichst in Schach haltend, murmelte Tammo:
„Ich gehe mein Hemd wechseln..."
RÜCKBLENDE ENDE


Tbc...?