Nach dem Essen hatten sie - zu Blaises heimlicher Freude und Dracos Grauen - eine Doppelstunde Pflanzenkunde mit den Gryffindors.

"Ach, Dray, freu dich doch", meinte der Dunkelhaarige und versetzte Draco einen freundschaftlichen Stoß, "jetzt kannst du wenigstens Zeit mit ihm verbringen."

"Oh ja, herrlich", gab Draco säuerlich zurück, "und mir angucken, wie alle um ihn herumschawenzeln und versuchen, seine Aufmerksamkeit zu erregen."

"Bis auf dich", erwiderte Blaise weise und klimperte mit den Augenlidern.

"Ja, bis auf mich", antwortete Draco düster, "ich habe seine Aufmerksamkeit sowieso schon, auch wenn nicht unbedingt in ihrer erstrebenswertesten Form."

Blaise lächelte nur und ging ihm voraus zum Gewächshaus. Draco seufzte leise und folgte ihm dann, seinen Freund für seine gute Laune verfluchend. Müssten ihm nicht von seiner Dauergrinserei die Wangen weh tun?

Als sie angekommen waren lehnte er sich mit mürrischem Gesicht an die gläserne Wand und tat sein möglichstes, die in geringem Abstand von ihm stehenden Gryffindors zu ignorieren und sich stattdessen viel mehr auf Professor Sprout zu konzentrieren, die in ihrem gewöhnlichen - für ihn völlig lächerlich wirkenden - Gärtnerinnen-Outfit gerade hereinkam und strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Ihm schwante Übles - wenn eine Lehrerin, noch dazu eine die aussah wie ein explodierter Staubwedel und die sicherlich kein erfülltes Sexualleben hatte - dermaßen gut gelaunt war, dann war sicherlich irgendetwas im Busch. Und bestimmt nichts, dass die Schüler - oder ihn - glücklich machen würde.

"Ich habe exzellente Neuigkeiten für Sie, meine Lieben", begann die etwas pummelige Hexe fröhlich, "wirklich, exzellente!"

Draco seufzte verhalten und registrierte nebenbei, dass es den meisten anderen ebenso ging. Anscheinend rochen auch sie die Lunte.

"Unserem Schulmeister ist aufgefallen..."

Draco stöhnte innerlich. Oi, wenn diesem alten Zausel wieder irgendeine dämliche Idee gekommen war, dann war das wirklich alles andere als exzellent!

"..., dass die Anfeindungen zwischen ihren beiden Häusen in diesem Jahr noch schlimmer sind als sonst, jawohl, noch schlimmer!" Sie warf sowohl Harry wie auch Draco einen pikierten Blick zu, woraufhin Draco nur trotzig die Arme vor der Brust verschränkte. Phh, Anfeindungen... wenn die wüssten...

"Daher sind wir mit ihren Hauslehrern übereingekommen, dass wir für sie ein gesondertes Programm starten." Sie fing wieder an zu strahlen. "Etwas, was in der gesamten Hogwarts-Zeit noch nicht vorgekommen ist... Völlig neu, extra für sie..." Draco rollte mit den Augen und rechnete damit, dass sie jeden Augenblick einen der Blumentöpfe als Schlagzeug umfunktionieren würde, um darauf einen dramatischen Trommelwirbel zu erzeugen, "... Paarunterricht!"

Sie sah sich beifallheischend um, aber da sie nur in verständnislose Gesichter sah fühlte sie sich wohl genötigt, noch ein wenig mehr zu erzählen.

"Paarunterricht", wiederholte sie, als würde die bloße erneute Nennung des Wortes das Licht der Erkenntnis in ihren Köpfen entzünden, "Paarunterricht!" Ein weiterer, auffordernder Blick, und als wieder keine Reaktion kam seufzte sie kellertief und hing an: "Das heißt, das von nun an in Paaren gearbeitet wird."

Draco warf Blaise einen müden Blick zu und flüsterte ihm leise zu: "Darauf wären wir auch sonst nie gekommen."

Professor Sprout bemerkte es trotzdem. Ihre Augen verengten sich kurz, dann fuhr sie eine Spur schärfer fort: "Gemischten Paaren. Und bevor Sie irgendetwas einwerfen, Mr. Malfoy, möchte ich noch hinzufügen: Aus unterschiedlichen Häusern, nicht zwingend unterschiedlichen Geschlechts."

Draco wurde etwas weiß um die Nase, und sie hing befriedigt an: "Wir haben auch schon aufgelistet, wer mit wem zusammen arbeitet, damit wir sofort beginnen können. Finden Sie sich nun bitte in Paaren zusammen!"

Er sah es kommen, er roch es, er spürte es in jeder Faser seines Körpers - Blaise hätte wohl gesagt, er hatte es im Urin. Er wusste, wer sein Partner war, noch bevor er einen Blick auf die Liste warf - sogar noch bevor irgendjemand anders einen Blick auf die Liste geworfen hatte. Und trotzdem hätte er Neville Longbottom, der es dann herausposaunte, am liebsten gegen die Wand geworfen. "Oh Gott", fiepste er erschüttert, "Malfoy und Harry!"

"Oi", hörte er Hermine leise murmeln, "ich hätte Dumbledore für schlauer gehalten!"

Draco schloss ergeben die Augen und drehte seinen Kopf millimeterweise in die Richtung, in der der Goldjunge stand. "Guck nicht so belämmert", flüsterte ihm Blaise ins Ohr, während er sich an ihm vorbeidrängte um seinen eigenen Partner ausfindig zu machen, "mach lieber das Beste draus!"

Das Beste! Das war ja lachhaft! Als ob an der ganzen verfahrenen Situation irgendetwas Gutes dran wäre! "Na schön, Potter", knurrte er grimmig, "dann schauen wir mal, was die Partnerarbeit so bringt."

Potter schien das zu allem Ärger auch noch irgendwie amüsant zu finden und lächelte verschmitzt. Seine Augen leuchteten auf und Draco musste um seinen gewohnten, verachtenden Gesichtsaudruck kämpfen - am liebsten hätte er schmachtend den Kopf schief gelegt und lieb gelächelt. So aber runzelte er seine Stirn und schenkte Potter einem seiner jahrelang hart antrainierten Eisblicke, den dieser jedoch nur mit einem Grinsen quittierte. "Ach Malfoy", meinte er, "zieh nicht so ein Gesicht, so schlimm bin ich nun auch nicht!"

"Das kann man aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten", erwiderte Draco bissig und ging ohne ein weiteres Wort zu ihrem Tisch, auf dem ein immens häßlicher Blumentopf stand, der mit verblassenden floralen Mustern bemalt war.

"In den Töpfen vor euch ist ein Samenkorn eingebettet", erläuterte die kleine Hexe und wackelte um ihr Pult herum, "es wächst und gedeiht zu einer kleinen Elfe, allerdings nur unter einer Bedingung: Beide Partner müssen einen Blutstropfen in den Topf geben. Die Elfe bekommt dann Charakterzüge von beiden Magiern, sowohl gute wie auch schlechte. Ihr werdet dadurch aneinander geschweißt! Nun, nehmt also die Nadeln und pikst euch in den Finger! Die Elfe braucht einige Minuten bis zu ihrem Entstehen!"

Potter nahm sich, ganz Lehrerliebling, sofort die Nadel und tat wie ihm geheißen. Draco betrachtete fasziniert, wie ein dünner roter Blutstropfen an Harrys Fingerkuppe entlanglief und schließlich in den Topf tropfte. Am liebsten hätte er das Blut von dem Finger geleckt, allerdings wäre das wohl ein bißchen mehr als unangenehm aufgefallen und so zügelte er sich. "Was denn, Malfoy", durchschnitt da eine Stimme seine Gedanken, "so faszinierend, dass ich blute?"

Er blinzelte ein paar Mal um sich wieder in der realen Welt zurückzufinden. Zum Glück brauchte sein Unterbewusstsein nicht so lange und er antwortete wie von selbst: "Das ist es tatsächlich. Man sollte doch meinem, dem Jungen-der-lebt flösse pures Gold durch die Adern, aber nein, nichts Außergewöhnliches. Wie immer."

Harrys Gesicht verzog sich und er fragte genervt: "Halt einmal die Klappe und pieks dich endlich mit der dummen Nadel, ok? Dann ist das hier schneller rum und ich hab dich nicht länger am Hals."

Dracos Inneres brannte und seine Augen verschlossen sich wie stets, graue Sturmwolken, die nichts gutes verhießen. "Ich hab nicht vor, wegen so einer dummen Elfe mein reines Blut mit deinem zu vermischen, Potter! Außerdem steh ich nicht so auf Nadelstiche!"

"Das ist mir herzlich egal, Malfoy!" giftete Harry zurück, "ich bemitleide die Elfe auch schon, die eine Mischung aus uns ergeben soll, aber so ist das nun mal! Jetzt stell dich nicht so an, die anderen sind alle schon fertig!"

Tatsächlich war schon an allen anderen Blumentöpfen Blut geflossen und aus einigen spross sogar eine merkwürdig aussehende, überproportionierte Blüte, die an einem lächerlich kleinen Stengel saß. Draco knurrte noch einmal, wie es sein Slytherin-Stolz verlangte, schnappte sich dann die Nadel aus Harrys Hand und stoch sich geziert in den Finger. Sofort quoll ein kleiner Tropfen hervor, der nach einigem Schütteln an der gleichen Stelle wie Harrys Blut in der Erde versank.

Schweigend starrten die beiden ungleichen Schüler dann den Erdhaufen an, aus dem allmählich eine ähnliche Blume wie aus den anderen Töpfen zu wachsen begann. Ihre Blüte leuchtete - wie Draco gesagt hätte - slytheringrün (jeder Gryffindor hätte wohl eher gesagt, es sei Harrys Augenfarbe), fast kein Unterschied zum Stengel, nur dass es ein wenig dunkler und intensiver war.

Hinter sich hörte er schon ein entzücktes "Hui!" von Lavendar Brown und Pansy Parkinson, und als er sich synchron mit Harry zu der Geräuschquelle umdrehte bemerkte er eine kleine, dicke Elfe mit braunen Haaren und riesigen Brüsten, die ihr das Fliegen fast unmöglich machten. Sie lächelte dümmlich und schmiss mit Elfenstaub um sich, während sie aus vollem Hals "Footballs's coming home" krähte - ein durch und durch niederschmetternder Anblick, und Draco begann dumpf dafür zu beten, dass die Elfe von ihm und Harry am besten nie aus ihrer Blüte herauskröche, damit niemand seine Nachteile so offenbart bekam - vor allem nicht Potter.

Er schluckte und wandte den Kopf den anderen jüngst entschlüpften Feen zu - und verzog angewidert das Gesicht. Der Elf, den Goyle und Longbottom zusammengestellt hatten, war derartig häßlich, dass er ohne seine Flügel sicherlich als kleiner häßlicher Gnom durchgegangen wäre. Er war übergewichtig, mit Plattfüßen, Segelohren und lichtem Haar und grinste blöde.

Draco lächelte leicht - naja, wenigstens würde ihr Elf nicht häßlich werden. Er selbst war - nach einhelliger Meinung der weiblichen Schülerschaft - vermutlich der bestaussehenste Zauberer der Schule, auch wenn Blaise das natürlich niemals zugeben würde. Und Harry - nun, Harry war etwas besonderes.

Wie von selbst warf er dem Dunkelhaarigen einen Blick aus den Augenwinkeln zu. Feine, scharfgeschnittene Gesichtszüge und dazu diese außergewöhnlichen Augen... Und auch wenn, wie der Nadelstich bewiesen hatte, kein Gold durch seinen Körper floß, so schimmerte Harrys Haut doch leicht bronzefarben, verführerisch...

Er schüttelte energisch den Kopf und blickte angestrengt zu Blaise und - wie er nach einigen Schrecksekunden bemerkte - Hermine Granger herüber, deren Elfe ebenfalls schon aus ihrer Blüte geschlüpft war. Sie hatte langes, sanft gewelltes pechschwarzes Haar, braune Augen und ein überaus Blaise-typisches Grinsen. Eine ziemlich niedliche Elfe, wie sich Draco eingestehen muste, die sich sofort vor Blaises Gesicht postierte, ihre zierlichen Fäuste schwang und überdramatisch Shakespeare zu zitieren begann.

Dann regte sich etwas in ihrer Blüte.

Dracos Hand wanderte automatisch zu Potter und stupste ihn leicht in die Seite. "Hey", flüsterte er fasziniert, "guck mal."

Harry drehte sich ebenfalls um - er hatte zuvor den kleinen, rotblonden Elf bewundert, den Ron mit Nott geschaffen hatte - und starrte dann den Elf an, der dort mit überschlagenen Beinen in ihrer Blüte saß.

Er lächelte höflich, entfaltete seine schillernden Flügel und sagte: "Hallo. Ich bin Darrel, genannt Darry."

Das Sonnenlicht spiegelte sich in seinen türkisblauen Augen und glänzte auf seinem dunkelbraunen Haar. Er erhob sich in die Lüfte, flog probeweise einmal durchs Klassenzimmer, woraufhin ihn bewundernde Blicke und entzückte "Oh, so ein hübscher Elf!"-Rufe verfolgten und hielt schließlich neben Blaise' und Hermines Elfe an. "Hallo, Schönheit", begrüßte er sie mit einem verführerischen Lächeln, woraufhin sie sogar ihr Shakespeare-Sonett vergaß und leise zu kichern begann.

Harry stöhnte leise und warf Draco einen kurzen Blick zu. "Das hat er mit Sicherheit von dir."

XXX

So, wie ihr sicherlich gemerkt habt - nicht "Geschenk ohne Absender" aus Dracos Sicht. Kommt vielleicht später nach... Waren übrigens mehr dagegen als dafür! Deshalb - erstmal was Neues :D

Dank, Dank und nochmals Dank an: Severina35, wobbeltierchen, SweetVanilla, Zoraya Windwalker, Viviann, oAmyBlacko, daughter-of-deep-night, Soulfish, Jolinar89 und Anne Carter!