Kapitel 1: Alles für meine Monster
Zufrieden blickte Elsa in den Spiegel vor sich und richtete sich die Haare. Das kleine Zwischenspiel mit Mr. Haddonfield hatte Elsa einen weiteren Monat hier in Jupiter verschafft und das auch noch Mietfrei. Es wäre ein Alptraum gewesen, jetzt schon wieder die Zelte zusammen zu packen und weiter zu ziehen, denn Elsa wusste nicht mehr wohin. Die Zeiten der Freak Shows waren vorüber und auch wenn Elsa es vor ihren Monstern nicht zugeben würde, sie wusste dass sie nur noch auf Zeit spielten. Kaum einer besuchte heutzutage noch eine gute klassische Freak Show, die Menschen blieben Zuhause und ließen sich von seichter Unterhaltung durch das Fernsehen beeindrucken.
‚Als bräuchte diese Welt noch mehr dumme Menschen.'
Im Moment sah es wirklich nicht gut für sie aus und es gab von Zeit zu Zeit Momente, da überlegte Elsa ihre Koffer zu packen und allein ihr Glück zu versuchen. Vielleicht wäre es besser, denn in vielen Fällen waren ihre Monster nichts weiter als Ballast. Doch kaum erblickte Elsa einen ihrer kleinen Lieblinge, verwarf sie diesen Gedanken wieder. Sie liebte ihre Monster, jedes Einzelne und sie würde alles für sie tun. Sie brauchten ihre Mutter, denn Elsa wusste, dass sie ohne sie nichts waren und niemals überleben würden.
Mit einen Blick auf die halbleere Flasche Schnaps, schenkte sie sich noch ein Glas ein. Haddonfield hatte offenbar einen guten Geschmack, nicht nur bei Frauen sondern auch bei Schnaps, fast eine halbe Flasche ihres Besten, hatte er allein ausgetrunken. Eine halbe Flasche Schnaps war ein geringer Preis für einen weiteren Monat Zeit. Elsa war mehr als zufrieden mit sich und zog mit einem verschlagenen Grinsen an ihrer Zigarette. Sie selbst fühlte sich wesentlich entspannter als am Morgen. Zwar war Haddonfield nicht gerade der perfekte Liebhaber aber für einen sexuell ausgehungerten Mann seines Alters war es wirklich nicht schlecht. Im Laufe der Jahre hatte Elsa einige Liebhaber, meist Männer für eine Nacht oder maximal zwei. Mehr wollte sie nicht, sie wollte niemals einen Mann so dicht an sich heran lassen, dass er ihre körperliche Einschränkung bemerken würde. Für Elsa war es stets die größte Angst, dass jemand die ganze Wahrheit über sie erfuhr. Bis heute, hatte nie ein Mann bemerkt, dass sie unterhalb der Knie keine Beine mehr hatte und das sollte auch so bleiben. Seit einiger Zeit, hatte Elsa eine kleine Affäre mit Paul und das sie ihn ausgesucht hatte, hatte einen guten Grund. Seine „Besonderheit" ließ nicht zu, dass er sie viel berühren konnte und somit, war er fast der perfekte Liebhaber für Elsa, aber auch nur fast.
Elsa stand auf und zog sich an, später würde sie ins Krankenhaus fahren und ihre neuste Attraktion abholen. Zwar hatten die Zwillinge noch nicht eingewilligt mit zukommen aber was sollte ihnen sonst anderes übrig bleiben? Ein Mädchen mit zwei Köpfen konnte ihre „Besonderheit" kaum verstecken und die Welt da draußen war grausam zu Menschen die anders waren. Schon oft hatte Elsa die verächtlichen Blicke bemerkt, wenn die Leute ihre Monster sahen. In dieser Welt gab es nur einen Platz für Menschen wie Pepper, Ethel, Suzi und alle anderen, eine Freak Show.
Nachdem Elsa sich fertig angezogen hatte, machte sie sich auf den Weg in das große Zelt um den anderen zu sagen, dass sie noch bleiben dürften. Elsa fühlte sich großartig, denn wieder einmal würde sie die große Heldin sein, die ihre Monster davor bewahrte mit Fackeln aus der Stadt gejagt zu werden. Schon immer war Elsa eine Frau, die die Aufmerksamkeit genoss und sie verdiente sie ja schließlich auch. Sie gab den Ausgestoßenen ein Zuhause und eine Familie, war Anerkennung dafür zu viel verlangt? Nein, Elsa verdient die Aufmerksamkeit. Als sie das große Zelt betrat, spürte sie sofort wie alle Blicke auf sie gerichtet waren.
„Elsa, gut das Sie kommen. Ma Petite sagte, dass dieser Haddonfield uns hier nicht länger haben will. Müssen wir wirklich schon wieder weg?" Eve stand auf und hielt Ma Petite in den Armen. Es war ein unglaublicher Kontrast, wenn die 2 Meter große Frau die nur 63 Zentimeter große Ma Petite in den Armen hielt. Gerade als Elsa antworten wollte, gesellte sich Jimmy mit einer finsteren Miene dazu. Der junge Mann sagte kein Wort und stellte sich abseits der Gruppe hin und beobachtete Elsa. Sie lächelte stolz und schien wirklich zufrieden zu sein, was Jimmy noch mehr ärgerte.
Elsa warf nur einen kurzen Blick auf Jimmy und sah dann wieder zu den anderen.
„Oh Ma Petite du kleines Plappermaul." Elsa warf der kleinen Frau einen tadelnden Blick zu und musste dennoch lächeln. Ma Petite war ein ganz besonderer Schatz für Elsa und sie könnte diesen Engel niemals böse sein „Es stimmt, Mr. Haddonfield wollte das wir gehen aber ich habe mich lange mit ihm unterhalten und konnte ihn überreden uns noch einen weiteren Monat zu geben. Bis dahin habe ich eine neue Attraktion und die Leute werden Schlange stehen um sie zu sehen. Ihr seht also, euer Fräulein Elsa hat alles unter Kontrolle."
Fast gleichzeitig seufzten alle erleichtert auf und besonders Eve, denn jeder Umzug bedeutete für sie die meiste Arbeit.
„Elsa, Sie sind unglaublich." Ethel ging mit einen großen Lächeln im Gesicht auf die Frau zu, die sie liebte wie eine Schwester „Wie haben Sie das nur wieder geschafft?"
Alle blickten erleichtert und bewundernd zu Elsa, die es wieder in vollen Zügen genoss die große Heldin zu sein. Nur Jimmy blieb still in seiner Ecke stehen und schüttelte leicht den Kopf. Ja, wie hatte sie das nur wieder geschafft? Die Antwort auf diese Frage war denkbar einfach. Das Zauberwort war Sex.
„Oh meine Lieben, ihr wisst doch das ich immer alles regeln kann. Ich bin immer für euch da, mit Leib und Seele."
Fast hätte Jimmy über diese Aussage laut losgelacht, er ging einige Schritte auf Elsa zu und klatschte in die Hände „Dann müssen wir Ihnen wohl danken Elsa, dass Sie immer mit LEIB und Seele für uns da sind." Während er sprach, betonte er das Wort Leib besonders, was ihm viele fragende Blicke einbrachte, besonders von seiner Mutter. Er spürte wie sein Temperament in ihm zu kochen begann und wer wollte jetzt vor allen keine Szene machen, denn er hatte ja nicht einmal das Recht dazu. Er winkte nur ab und verließ ohne ein weiteres Wort das Zelt.
Irritiert über seine Aussage und wütend über den Mangel an Dankbarkeit sah ihm Elsa nach.
„Was war das denn bitte?" fragte Suzi und blickte zu Ethel.
Seufzend schüttelte die Bärtige Frau den Kopf und spielte das Thema herunter „Der Junge arbeitet an einer neuen Nummer und ist sicherlich nur übermüdet." Doch Ethel kannte den Grund für Jimmys Ausbruch und es ließ ihr keine Ruhe. Schon seit einer ganzen Weile sah sie, wie ihr Jimmy Elsa anblickte und es gefiel ihr nicht. Sie liebte Elsa aber sie wusste auch, wie sie sein konnte. Elsa Mars war keine Frau für ihren Sohn! Sie würde Jimmy seine dumme Schwärmerei schon ausreden können. Ethel musste mit ihren Sohn ein ernstes Wörtchen reden und das so schnell wie möglich. Wieder sah sie zu Elsa und zwang sich zu einem Lächeln „Ich finde, das ist doch ein Anlass für eine kleine Feier. Elsa, was halten Sie davon wenn ich Ihnen ihren Lieblingskuchen backe?"
Elsa überlegte kurz und nickte dann „Warum nicht, bald werden wir nicht mehr viel Zeit zum feiern haben, wenn jeden Abend die Vorstellung ausverkauft ist."
Alle, besonders Ma Petite und Pepper klatschten fröhlich in die Hände und Ethel sah ihre Chance das Zelt zu verlassen. Bevor sie mit dem backen beginnen wollte, musste sie zuerst noch ein Hühnchen rupfen.
