Liebe ReviewerInnen, ihr seid wunderbar, und ich liebe euch.
Gewöhnlich würde ich personalisiert antworten, gerade klaut mir leider mein Prüfungsstreß die Zeit dafür – nächstes Mal, ja?
Viel Spaß bei Nr. 2 - Raona
----------------------------------------------
Severus Snape eilt als einer der letzten die Treppe hinauf, läuft die Galerie entlang und schlängelt sich durch den Türspalt des Hintereingangs in den großen Salon. Der dunkle Lord ist ihm nicht zuvorgekommen. Er atmet auf. Da sieht er, wie angekündigt, Ginny Weasley, die im hinteren Teil des Zimmers sitzt. Die Lippen zusammengepreßt fragt er sich, was die Todesser mit diesem Kind wollen. Und sie?
Durch die Menge strebt er zum Platz neben Narcissa Malfoy, bleich mit Ringen unter den Augen, allein, wo sie sie früher von Mann und Sohn begleitet wurde. Sie lächelt ihn dankbar an, als er zu ihr auf das Zweisitzersofa gleitet.
Von hier aus ist die Weasley besser zu sehen. Er mustert sie kritisch. Sie hält sich nicht übel, muß er zugeben, aber niemand wird ihr glauben. Man muß kein versierter Legilimens sein, um sich denken zu können, daß die Kleine keinen Grund hat, hierher zu kommen, außer falsch verstandener Loyalität zu ihren Leuten, denen sie einen neuen Spion liefern will.
Nun, er wird nicht derjenige sein, der sie ans Messer liefert. Sie wird es sicher ganz ohne Hilfe schaffen.
-------------
Man wartet noch eine Weile. Bis vor kurzer Zeit hätte der Meister sich nicht auf einer solchen Art von Veranstaltung sehen lassen; er hätte wohl schwarze Umhänge, Masken und nächtliche Friedhöfe bevorzugt. Jetzt, so kurz vor der endgültigen erneuten Machtübernahme, gibt es dafür keinen Grund mehr. Die Furcht ist auch so überall zugegen, ohne ihre traditionellen Hilfsmittel, und ER ist stark genug, noch im hellsten Licht zu beeindrucken.
----------------
Erst, als die Spannung im Raum ins Unerträgliche angewachsen ist, betritt der Erwartete die Bildfläche.
Snape kennt ihn seit vielen Jahren, aber er hat sich noch immer nicht an sein Auftreten gewöhnt: Das absolute Selbstvertrauen, hinter dem Unsterblichkeit und unerreichte Fähigkeiten liegen müssen. Die Kälte, die ihn wie einen Dementor überallhin begleitet. Am schockierendsten jedes Mal seine völlige Unmenschlichkeit, die man nach den Treffen aus seinem Geist verbannt und durch die bedrohliche Aura eines mächtigen Mannes ersetzt.
Lord Voldemort ist kein Mann.
Aller Augen richten sich gebannt auf ihn, als er erscheint, nehmen alles an ihm in sich auf, die rotglühenden Monsteraugen, die papierne Haut, Krallenhände. Die seltsamen Schlitze, die er anstatt einer Nase hat, niemand weiß, warum. Eine schwere Purpurrobe, unnatürlich im nichtvorhandenen Wind flatternd.
Snape zuckt zusammen, als Narcissas spitze Fingernägel sich schmerzhaft in seinen Arm bohren. Aus dem Augenwinkel erkennt er das Weiß in ihren entsetzt aufgerissenen Augen. Angst. Die kennt er nur zu gut, aber sie ist tödlich und muß verbannt werden. Unaufällig schiebt er mit der Rechten die Hand der Frau beiseite.
Der Meister spricht, seine Stimme ein flüsterndes Krächzen, das dennoch in jede Ecke des Salons zu dringen vermag.
„Meine treuen Todesser." Rauher, sanfter Ton. „Ich freue mich, hier zu sein, in einem Haus, das ich auch vor zwanzig Jahren gern besuchte. Das Haus meiner ergebenen Diener."
MacNair in seinem Stuhl neben der Tür verkneift sich ein erleichtert-geschmeicheltes Lächeln.
„Und der Anlaß ist ein angenehmer. Lob. Eure Arbeit stellt mich zufrieden, jedenfalls die Arbeit der meisten." Eine einzige fließende Bewegung, mit der er seinen Zauberstab ausstreckt, und lautlos, beiläufig einen grünen Blitz durch den Raum flitzen läßt. Patrice Zabini, hübsch, vielversprechend, Anfang zwanzig, fällt in sich zusammen und rollt von seinem Sessel. „Manche zweifeln meine Pläne an." fährt der Dunkle Lord fort, als wäre nichts geschehen, während ein ersticktes Raunen durch die Menge fährt. „Die unter euch, die klug sind, wissen, daß meine Pläne das Beste für uns alle sind. Und daß ich eure Gedanken sehr wohl kenne."
Snape hat seine Beobachtungsgabe über Jahre trainiert und nimmt im letzten Satz die winzige Modulation der Tonart wahr, eine Drohung, die vorgesehen ist, sich in das Unbewußte der Anwesenden zu schleichen. Bei ihm hat das schon vor langer Zeit funktioniert, und er müßte sich selbst einen Narren schelten, würde er glauben, er könnte sich der kalkulierten Wirkung entziehen. Ja, Angst vor dem Tod, und ja, Angst vor dem Nach-außen-kehren dessen, was privat und verborgen sein sollte. Wer sich dafür schämt, ist jung und weiß von nichts.
Mit weichen, selbstbewußten Schritten nähert sich der Lord den Vordersten seiner Zuhörer, sein Blick aber durchschneidet die Masse der bekannten Gesichter und heftet sich, was niemand erwartet hat, auf das eine neue. Dann, furchteinflößender als alles andere, verzieht er den Mund zu etwas, das ein Lächeln genannt werden kann.
Als er wieder zu sprechen beginnt, ist seine Stimme einen Ton tiefer und noch eine Spur samtener geworden.
„Welch erfreulicher Tag, Ginevra." Die Meute stockt, ihr fehlt der Atem. Snape hält die Luft an. „Welch erfreuliches Ereignis, daß du endlich zu uns gefunden hast. Zu mir."
Gelähmte Stille breitet sich über den Salon. Die Luft ist dick wie Rauch.
Die kleine, blasse Rothaarige in einer der hinteren Ecken erhebt sich langsam und starrt wie hypnotisiert zu dem mächtigen Magier, ähnlich wie die anderen, seine Anhänger. Irgendetwas scheint zwischen den beiden Augenpaaren zu passieren, eine Idee, die Snape als unmöglich abschreiben würde, hätte er nicht aufgehört, Dinge für unmöglich zu halten. Schließlich, lange nachdem für die Zuschauer die Schmerzgrenze überschritten worden ist, sagt sie etwas. Trotz der Stille kann man sie kaum verstehen, so leise redet sie, aber an ihren Lippen ist ablesbar, daß sie nur ein Wort gesagt hat.
„So heiße ich nicht mehr, Kind." antwortet der Dunkle Lord. „Das müßtest du doch wissen." Er klingt freundlich.
„Ich weiß." Nun hört man sie, ihre Stimme zittert nur wenig. „Ich bin auch froh, hier zu sein, Mylord."
„Komm her." Natürlich duldet er keinen Widerspruch. Ginny Weasley bewegt sich durch die Sitzenden, die für sie zur Seite rücken, zu ihm. Er, der mächtigste Magier der modernen Zeit, streckt eine Krallenhand aus und streicht dem Mädchen über die Wange, an der ein Kratzer leicht zu bluten beginnt.
Völlig abrupt wendet er sich wieder den Übrigen zu. „Wie ihr seht, meine Getreuen, ist eine alte Freundin von mir endlich zu uns gekommen, um den Platz einzunehmen, der ihr gebührt. Feiert also. Aber vergeßt nicht, daß es auch noch einen Krieg zu führen gibt. Meine Offiziere erwarte ich bald, wenn ich das Zeichen gebe. Seid treu. Laßt mich nie warten."
Ohne Geräusch, stattdessen mit Nebelschwaden, verschwindet er.
------------------------
Während die Stimmung sich löst und einige sich wagemutig erheben, bleibt Severus auf seinem Platz und beobachtet aus den Augenwinkeln das Mädchen. Die anderen neigen dazu, einen Bogen um sie zu machen. Als sie endlich im Strom der Gäste aus dem Zimmer strebt, erhebt er sich fließend und geht ihr nach.
Im Treppenhaus, kaum je von einem der regulären Gäste benutzt und so grau wie verlassen, tritt er ihr in den Weg und faßt den Ärmel ihres Umhangs.
„Was willst du hier? Haben sie dich geschickt?" Im Versuch, sich loszureißen, dreht sie sich, hält dann aber inne, um ihm wie eine Erwachsene ins Gesicht zu sehen.
„Mich hat niemand geschickt. Ich hätte schon längst kommen sollen."
Durch zusammengekniffene Augenlider mustert er sie und bemüht sich, zu erkunden, was hinter der eingeübten Fassade liegt. Er ist sich nicht sicher, was sie bewegt, Angst allein aber ist es nicht.
„Du wirst von der Wolfsmeute hier zerrissen werden, sobald er seine Gunst von dir abgewendet hat, Kleine. Geh zurück und spiel mit Scherzartikeln im neuen Hauptquartier eures großartigen Ordens. Nur ein wohlgemeinter Rat."
Sein Geist stimmt sich auf ihre Frequenz ein und er beginnt, ihre Gedanken zu hören, um ihr bleiches kleines Gesicht ein Flüstern, das er aus der Luft pflücken kann.
Sie fährt sich mit den Fingern durchs Haar.
„Glauben Sie etwa, daß ich Ihnen traue?" Sie will es, aber sie ist klug, klüger als er gedacht hat, und gibt ihrem Wunsch nicht nach. Er lächelt freudlos.
„Das kommt auf die Seite an, auf der du wirklich stehst."
Ohne ihn eines letzten Blickes zu würdigen, entzieht sie ihm ihren Arm, dreht sich und läuft in jugendlichen Sprüngen die Treppe hinunter. Er hat alles gesehen, aber wenig hat ihn befriedigt. Sie weiß selbst nicht, wieso sie hier ist, so ist das also. Leidenschaft, verletzter Stolz, Neugier und der Glaube, alles zu ihren Gunsten wenden zu können.
Dummes Mädchen, denkt er, während er den Funken unterdrückt, den ihre Wildheit in ihm geweckt hat, und in dem er sein jüngeres Ich erkennen kann. Verdammte alte Loyalität. Er wird ein Auge auf sie haben müssen.
Auf Schleichwegen abseits des Dienstbotentrakts wandert er zurück zum Hauptgebäude.
