Nuit: LOL Gut, das mit Alvariel hat schon was Ellonur-mäßiges. Allerdings hab ich den Verdacht, dass Alvariel ganz im Gegensatz zu Erestors Gehilfen sehr gut weiß, was sie da tut. ;)
Freut mich, dass Du auch an dieser Geschichte Interesse hast. Eigentlich hatte ich das nie geplant, aber mit der Zeit haben die Charaktere in meinem Kopf einen immer größeren Platz eingenommen und ihr Eigenleben entwickelt. Zumindest in der Zeit, in der ich damals diese ganzen Stories geschrieben hab.
Siobhan: Freut mich, dass Du auch hier verfolgst. Und das Alvariel Spaß macht. ;)
„Du hast so lange für Bruchtals Frieden gekämpft und jetzt willst Du einfach alles stehen und liegen lassen?" Der Zweifel in Elronds Stimme war bei Weitem mehr als ein dezenter Unterton, doch Glorfindel ließ sich davon nicht beeindrucken.
„Ich habe 600 Jahre lang meine persönlichen Gefühle zurückgestellt, um die Aufgabe zu erfüllen, die mir die Valar zugedacht haben. Ich finde, ich habe genug geopfert." Die Stimme des blonden Kriegers duldete keinen Widerspruch. Nicht einmal den des großen Elrond von Bruchtal.
Und der hob auch sofort beschwichtigend die Hände. „Ich weiß Dein Opfer sehr wohl zu schätzen, mein Freund, aber Du kannst es mir nicht vorwerfen, dass ich zuerst an Bruchtal denke."
„Das tue ich auch nicht. Aber genauso wenig kannst Du mir wohl verdenken, dass ich diese Sache endlich ins Reine bringen will. Es sind nicht nur meine Gefühle, die von dieser Entscheidung betroffen sind. Ich habe Nimriel 600 Jahre lang das ausbaden lassen, was die Valar mir auferlegt haben, weil ich keinen anderen Ausweg gefunden habe." Selten hatte man Elronds Heerführer so ernst gesehen, doch bei diesem Thema schien er keinen Spaß mehr zu verstehen.
Bruchtals Herr nickte schließlich langsam und streckte dann seinen rechten Arm aus, den Glorfindel auch sofort ergriff. Die beiden Elben umarmten sich kurz. „Ich werde die Valar bitten, ihre schützenden Hände über Dich zu halten und wünsche Dir eine gefahrlose Reise. Ich hoffe, dass Du die Anfurten rechtzeitig erreichst."
Bruchtals Heerführer nickte dankbar und schien sich schon umwenden zu wollen, als Elrond noch einmal das Wort ergriff. Diesmal jedoch leiser und mit weniger Autorität in der Stimme.
„Wenn Du sie siehst, wirst Du ihr sagen, dass ich den Tag herbeisehne, an dem ich ein Schiff nach Westen besteigen kann?"
Glorfindel hielt überrascht inne und schaute wieder auf. Es kam selten vor, dass Bruchtals Herr Gefühle zeigte und über seine Gefährtin sprach er so gut wie nie. Umso mehr bedeutete diese kleine Bitte. Der blonde Krieger neigte seinen Kopf zum Einverständnis. „Es wird mir eine Ehre sein, mein Freund." Und damit verließ er Elronds private Gemächer.
Der Balrogtöter hatte sich bereits reisefertig gemacht, nachdem er Erestor allein auf dem Balkon zurückgelassen hatte. Da er sich nun auch seiner unangenehmsten Aufgabe vor seiner Abreise entledigt hatte, blieb nur noch eine Person in Bruchtal, die er aufsuchen wollte. Doch auch dieser Abschied war mehr oder minder schnell genommen. Als Glorfindel das Schlafzimmer seiner sterblichen Freundin verließ, musste er für einen Augenblick mühsam blinzeln.
Er glaubte nicht, dass er sie je wiedersehen würde, doch seine Trauer galt mehr seinem engsten Vertrauten als seinen eigenen Gefühlen über die Gefahr, in der die junge Frau sich befand.
Sein Freund hatte seine Gefühle nie leichtfertig an jemanden gebunden. Nicht mal in seinen wildesten Zeiten. Aber wenn er es tat, dann mit einer Vehemenz und Treue, die im kompletten Gegensatz zu seinem sonst so kühlen, bedachten Wesen standen. Und umso schwerer würde ihn am Ende der Verlust dieser einen besonderen Person treffen.
Der blonde Krieger kam nicht umhin doch wieder zu grinsen, als er daran denken musste, wie Erestor es aufgenommen hatte, als er selbst seine Seelengefährtin gefunden hatte.
Glorfindel hörte das Klopfen an der Tür, die hinaus auf den Balkon vor seinen Gemächern führte, nicht einmal. Und dass er nicht mehr allein war, bemerkte er auch erst, als sein ältester Freund direkt vor ihn stand und ihn mit verschränkten Armen und einer hochgezogenen Augenbraue musterte. „Du erstaunst mich." begrüßte Erestor ihn mit einigem Spott in der Stimme.
Normalerweise tat Glorfindel ihm nicht den Gefallen auf seine kryptischen Bemerkungen einzugehen und nachzufragen, sondern er konterte mit einer nervtötenden Fröhlichkeit, doch heute schien der Balrogtöter nicht ganz bei der Sache zu sein. Er sah etwas verwirrt aus, als er fragte, was Elronds Berater meinte.
„Normalerweise bist Du der Erste, der in der Großen Halle Aufstellung bezieht, sobald sich dort auch nur ein weibliches Wesen befindet, bei dem die entfernte Möglichkeit besteht, dass sie sich in Dein Schlafzimmer zerren lässt. Noch dazu hast Du mich auf dem ganzen Rückweg zur Eile angetrieben, weil Du keineswegs das Fest für Celebrians Kindermädchen und die Lorien-Elben verpassen wolltest. Und jetzt, Stunden nach unserer Rückkehr, schleichst Du hier immer noch in Deiner Reitkleidung durch die Gegend?"
Mit spöttischer Miene musterte Elronds Berater den Krieger. Es war offensichtlich, dass Glorfindel seit seiner Rückkehr nichts getan haben konnte als auf und ab zu laufen. Er trug immer noch die helle Wildlederkleidung, auf der sich einige Blutspritzer befanden. Seine Haare waren zu einem straffen Zopf gebunden, was er nur tat, wenn er einem Kampf entgegenritt und in seinem Gesicht waren einige Dreckspritzer auszumachen, die von ihrem eiligen Ritt durch das schlammige Ufer des Bruninen zeugten.
„Was?" Bruchtals Heerführer schien immer noch leicht irritiert und Erestors sparsames Lächeln wuchs sich zu einem breiten Grinsen aus. Doch bevor der schwarzhaarige Elb weiterspötteln konnte, hatte Glorfindel seine Gedanken wieder halbwegs sortiert. „Ja, richtig. Ich werde mich sofort fertig machen." war die abwesende Antwort, allerdings machte der Balrogtöter keine Anstalten ins Badezimmer zu verschwinden.
Ein Umstand der Elronds obersten Berater jetzt die Stirn runzeln ließ. Sein Freund war nicht ganz der, der er immer vor allen anderen vorgab zu sein, aber dieses Verhalten war nicht ganz normal. Jedenfalls nicht für Glorfindel.
Doch Erestor war nicht umsonst Elronds oberster Berater. Für einen kurzen Augenblick ließ er alle Ereignisse der letzten Stunden Revue passieren, dann schlich sich wieder das sparsame Lächeln auf sein Gesicht. Eigentlich war seines Wissens nach seit ihrer Rückkehr nur eine Sache passiert, die aus Glorfindels alltäglichem Leben herausstach. Nun ja, eigentlich stachen Zusammenstöße mit schönen Frauen nicht unbedingt aus der Masse seiner Alltagsbeschäftigungen, aber das war die einzig logische Erklärung.
„Übrigens habe ich vorhin Deine neueste Eroberung kennengelernt. Was hast Du eigentlich mit dem armen Mädchen angestellt, dass sie dermaßen durcheinander war?" Erestors Stimme troff nur so vor Spott und Sarkasmus, dass es schon fast an Bosheit grenzte. Und anscheinend hatte er tatsächlich den Schlüssel zu Glorfindels seltsamen Verhalten gefunden.
Der Kopf des Balrogtöters schoss augenblicklich in die Höhe. „Du hast sie gesehen? Was hat sie gesagt?" Die Hände des blonden Kriegers fuhren jetzt nervös über eine Stuhllehne, an der er sich festhielt.
Ein Umstand, der Erestor amüsiert die Augenbrauen nach oben ziehen ließ. „Sie fragte mich, ob ich Dich kennen würde."
Der schwarzhaarige Elb hatte kaum ausgesprochen, als der sonst so ausgeglichene Heerführer ihm schon wieder ins Wort fiel. „Und? Was hast Du ihr gesagt?"
So wie Glorfindel sich gerade benahm, hätte man meinen können, dass das sein erster Kontakt mit dem weiblichen Geschlecht gewesen war. Erestor wusste es zwar um einiges besser, aber dieses Verhalten gab ihm dennoch zu denken. Vor allem, wenn er berücksichtigte, dass die junge Frau mindestens genauso durcheinander gewesen war wie sein Freund.
„Nichts. Nur, dass ich nicht jeden blonden Elb in Bruchtal kennen würde. Damit hat sie sich zufrieden gegeben." war die Antwort und Glorfindel schien nicht recht zu wissen, ob ihn das beruhigen sollte oder nicht.
Seit er vor ein paar Stunden diese Frau auf der Treppe gesehen hatte, stimmte irgendetwas ganz gewaltig nicht mit ihm. Seit diesem Augenblick stand ihr Bild ihm die ganze Zeit vor Augen. Eine seltsame Ruhe hatte sich in ihrer Gegenwart in ihm breit gemacht, die allerdings sofort einer ganz und gar ungewohnten Nervosität gewichen war, sobald er allein war.
Gewiss, sie war schön und sie strahlte eine ganz eigene Liebenswürdigkeit und Sanftheit aus, aber das konnte es doch nicht sein. Er hatte schon viele außergewöhnliche Frauen kennengelernt, aber keine hatte ihm je das Gefühl gegeben dermaßen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein wie diese Fremde. Und schon gar nicht auf den ersten Blick. Keine hatte in ihm den Wunsch geweckt mit ihr...
Der blonde Krieger schüttelte ärgerlich den Kopf und vertrieb so die unerwünschten Gedanken.
„Was ist eigentlich mit Dir los?" fragte Erestor plötzlich. Der Balrogtöter schien nicht einmal zu merken, dass er seit geraumer Zeit schweigend mitten im Zimmer stand und vor sich hinstarrte.
„Was?" fuhr der Angesprochene wieder auf und schaute irritiert um sich, bevor ihm klar wurde, wo er sich befand. Und das sein Freund immer noch da war. „Oh nichts!" Leugnen wäre vor Elronds Berater sowieso überflüssig und so suchte Glorfindel sein Heil darin, wenigstens einen Teil seiner Gedanken zuzugeben, in der Hoffnung, dass sein Freund dann Ruhe geben würde.
„Sie ist wirklich umwerfend. Ich überlege nur, wie ich ihr schnellstmöglich klar mache, dass ich wenigstens genauso umwerfend bin." war die leicht dahin gesagte Antwort und damit verschwand der Balrogtöter schließlich und endlich im Badezimmer. „Geh ruhig schon. Ich komme nach, sobald ich fertig bin." erhob sich seine Stimme noch einmal über das Rauschen des einlaufenden Badewassers und damit gab Erestor sich vorerst zufrieden und verschwand. Allerdings zeichnete sich auf seinem Gesicht immer noch ein Lächeln ab, das unwissende wohl als boshaft bezeichnet hätten.
Glorfindel dachte bei seinen Eroberungen nie darüber nach, wie er es am besten anstellen sollte. Er suchte sich sein Opfer aus und wickelte es mit seinem Charme ein ohne auch nur einen Augenblick daran zu denken, wie er einen guten Eindruck machen konnte.
Als Bruchtals Heerführer schließlich die Große Halle betrat und Erestor in ein Gespräch mit der Fremden vertieft sah, hatte er die Hände zu Fäusten ballen müssen, damit niemand das Zittern sah.
Die blonde Elbendame sah in ihrem blassblauen Seidengewand und dem silbernen Blütenschmuck im Haar dermaßen bezaubernd aus, dass er überzeugt war, dass irgendjemand einen schwerwiegenden Fehler gemacht haben musste, als er behauptete Luthien Tinuviel wäre die schönste Elbin, die jemals gelebt hätte.
Während er langsam zu seinem alten Freund hinüberschlendert, rief er sich allerdings zur Ordnung. Er hatte nicht die geringste Ahnung, was die Fremde von ihm hielt und von daher wäre es auch nicht klug, seine Begeisterung für sie allzu offen kund zu tun. Oder wenn sich sein Interesse an ihr nur als vorübergehendes Strohfeuer erweisen sollte. Ihm lag nicht an festen Beziehungen, wie manche Elben sie pflegten, solange sie ihren Seelengefährten noch nicht gefunden hatten. Und es wäre ein ziemliches Dilemma, wenn er sie an sich band und dann feststellte, dass seine Triebe nur mal wieder mit ihm davongelaufen waren.
Wie wenig er auch über sie wusste, eines war ihm klar. Er wollte ihr nicht weh tun und deswegen war es vielleicht angeraten etwas weniger Gefühle zu zeigen als der Wahrheit entsprach. Das Mädchen musste noch sehr jung sein...
Mit einer spöttischen Belanglosigkeit hatte er sich in das Gespräch zwischen Erestor und der Fremden gemischt und zu seiner Überraschung erfahren, dass sie die Tochter von Celebrians Kinderfrau war. Es war nicht zu übersehen, wie beeindruckt diese Nimriel von ihm war. Mehr noch, als sie erfuhr, wer er wirklich war. Ein Umstand, der dem blonden Krieger um ein Haar ein gequältes Aufstöhnen entlockt hatte. So ziemlich jede Frau war beeindruckt von ihm, sobald die Worte Glorfindel, der Balrogtöter fielen. Was meistens zwangsläufig hieß, dass sie nicht das geringste Interesse daran hatten, den Elben hinter der Legende kennenzulernen.
Und dennoch war sie hier etwas anderes. Bevor er noch recht wusste, was er tat, war ihm ein Kompliment entschlüpft. „Eure Mutter mag nur die Kinderfrau von Celebrian gewesen sein, aber Eure Haarpracht und Eure Schönheit ließe eher vermuten, dass Ihr die Schwester unserer Herrin seid."
Am liebsten hätte er sich im gleichen Moment auf die Lippen gebissen, denn Erestors spöttischer Blick war ihm nicht entgangen. Jemanden mit der Herrin des Hauses zu vergleichen war bei Celebrians Schönheit schon ein starkes Stück.
Was wohl auch Nimriel so empfand, die augenblicklich weinrot anlief und einige Augenblicke unartikulierte Laute von sich gab. Ein Umstand, der um ein Haar dafür gesorgt hätte, dass der Balrogtöter nach der Hand der verwirrten, jungen Frau gegriffen hätte, um sie zu beruhigen.
Nach diesem Fast-Ausrutscher hielt er es für klüger, sich für den Rest des Abends aus der Affäre zu ziehen, bis er sich über seine eigenen Gefühle etwas klarer wäre. Er hatte sich charmant verabschiedet und dann Zuflucht bei einer anderen Elbendame gesucht.
Wahrscheinlich hatte nur Erestor, der ihn gut genug kannte, das kurze Zögern bemerkt als er sich verabschiedete. Irgendetwas in ihm sträubte sich dagegen die junge Frau in Gesellschaft des Beraters zurückzulassen. Aber bis jetzt hatten Frauen ihn noch von jedem Ungemach in seinem Leben ablenken können. Gewisse Aktivitäten sorgten immer dafür, dass er den Kopf freibekam. Allerdings hatte er in dieser Nacht eine Überraschung erlebt. Und seine Partnerin wohl auch...
Mit einem amüsierten Stöhnen fuhr sich Glorfindel durchs Gesicht, als er daran dachte, wie Dirwen schließlich vorgeschlagen hatte, dass sie ihr kleines Spiel doch auf ein anderes Mal vertagen sollten. Seine Gedanken waren immer wieder zu der schönen Nimriel abgeschweift und wenn er seine Aufmerksamkeiten wieder seiner Partnerin zuwandte, hatte sich in ihm eine ganz eigene Enttäuschung breit gemacht, als er in Dirwens Gesicht gesehen hatte und nicht in das der blonden Galadrim. Ein Umstand, der jeder Lust in ihm ein Ende bereitete.
Glücklicherweise hatte Dirwen den Anstand besessen von seinem Versagen nichts zu erzählen und so war sein Ruf als größter Frauenheld von Bruchtal unbeschädigt geblieben. Und schließlich hatte er auch einen Trick gefunden, wie er seine ganz persönliche Ablenkungs-Therapie weiterbetreiben konnte ohne Verdacht bei der Damenwelt zu erregen. Am Ende war es eigentlich nur Selbstbetrug gewesen, doch das war jetzt hoffentlich bald vorbei.
Mit einem „Guten Morgen, meine geliebten Küchenkrieger!" stieß der blonde Elb die Tür zu Bruchtals riesiger Küche auf, in der um diese Zeit schon rege Betriebsamkeit herrschte. Allerdings ging sein gutgelaunter Gruß völlig in dem Lärm der eifrig kochenden, backenden und brutzelnden Elben unter. Lediglich Rion, ein schlanker Mann mit braunen Haaren, der etwas hinter Glorfindels Garde-Maß zurückblieb, hatte ihn bemerkt. Allerdings auch nur aus dem Grund, weil ihm die Tür fast ins Gesicht geflogen wäre.
„Guten Morgen, Herr Balrogtöter. Was können wir für Euch tun? Appetit auf eine kleine Zwischenmahlzeit nach einer... geschäftigen Nacht?" grinste der Koch ihn unverschämt an.
Rion arbeitete schon lange in Bruchtals Küche und er kannte die Genusssucht des Kriegers nur zu gut. Es kam nicht selten vor, dass der Heermeister sich in der Küche mit allen möglichen Leckereien vollstopfte, um hernach an einem von Elronds Festessen teilzunehmen als hätte er wochenlang gefastet.
Und mehr als einmal war Bruchtals Heerführer des Nachts leicht bekleidet in der fast elbenleeren Küche aufgetaucht, um sich etwas zu stärken, bevor er in die nächste Runde ging.
Glorfindel erwiderte das breite Grinsen und klopfte dem Koch auf die Schulter. „Ich muss Eure Tratschsucht enttäuschen, Rion, ich habe die ganze Nacht allein verbracht. Allerdings benötige ich Proviant für mehrere Wochen. Packt mir irgendwas ein, das lange hält."
Der braunhaarige Elb wirkte etwas überrumpelt und musterte den Balrogtöter jetzt etwas aufmerksamer. „Reitet Ihr an die Grenzen, Herr?" fragte er überrascht, doch Glorfindel schüttelte den Kopf. „Nein, ich... Vielleicht habe ich doch etwas für Eure Tratschsucht. Ich reite zu den Anfurten und wenn Ihr Glück habt, braucht Ihr Euch nie wieder mit meiner Gefräßigkeit auseinanderzusetzen." meinte er lächelnd.
Und seine Eröffnung hatte den gewünschten Effekt auf Rion. Dem Elb blieb der Mund offen stehen und erst nach einer ganzen Weile fand er seine Sprache wieder. „So plötzlich? Ich hatte eigentlich immer den Eindruck, dass Ihr Euch hier in Bruchtal sehr wohl fühlt." Die Verwirrung war dem Koch deutlich anzuhören, doch der blonde Krieger grinste unbeirrt weiter. „Da könnt Ihr mal sehen, wie der Schein manchmal trügt."
Der braunhaarige Elb sah aus, als wollte er noch etwas fragen, riss sich aber schließlich zusammen und während Glorfindel sich ein imposantes Frühstück an einem der Küchentische gönnte, stellte der Koch einige Vorräte zusammen. Als er schließlich mit zwei vollgepackten Satteltaschen wieder auftauchte, spülte Bruchtals Heermeister gerade ein Brötchen mit einem großen Krug Tee herunter.
„Danke, Rion." sagte er lediglich, nahm ihm die Satteltaschen ab und stand auf. Jetzt wollte der Krieger ganz offensichtlich keine Zeit mehr verlieren, doch der Koch hatte seine Überraschung inzwischen verdaut.
„Wollt Ihr Euch ganz allein auf den Weg machen?" Mit dieser Frage brachte er den blonden Elben dazu sich noch einmal umzudrehen. Ein ungewohnter Spott spiegelte sich auf seinen Zügen, als er antwortete. „Sorgt Ihr Euch um meine Sicherheit? Ihr habt doch wohl nicht vergessen, mit wem Ihr redet?"
Auf Rions Gesicht erschien ein schiefes Lächeln. „Wohl kaum, mein Herr, aber ich stelle mir vor, dass es auf so einem langen Ritt sehr langweilig werden kann..." druckste der Koch herum und brachte Glorfindel damit zum Lachen.
„Mir war auch nicht bewusst, dass Ihr eine Sehnsucht nach dem Westen hegt." antwortete er schließlich, wenn auch mit leichter Ungeduld in der Stimme. Mit jedem Augenblick den er hier verschwatzte, kam Nimriel den Anfurten ein wenig näher.
„Tue ich auch nicht, aber ich habe Bruchtal seit 500 Jahren nicht verlassen. Ich glaube, ein bisschen Abwechslung täte mir gut. Außerdem würde mich brennend interessieren, was für eine Küche Herr Cirdan unterhält. Vielleicht könnte ich ein paar neue Rezepte..."
Der blonde Krieger rollte mit den Augen, auch wenn er immer noch lächelte. „Ich glaube kaum, das mich auf dem Weg irgendwelche Gefahren erwarten, aber ich habe keine Zeit um für einen Koch auf Rezeptjagd Kindermädchen zu spielen." war die gutgelaunte, aber ehrliche Antwort.
Der empörte Ausdruck auf Rions Gesicht ließ Glorfindel aber doch noch für einen kurzen Moment inne halten.
„Ich bitte Euch! Habt Ihr noch nie gehört, dass man mich hier in der Küche auch den „Meister der Messer" nennt?" Es war deutlich herauszuhören, dass der Koch etwas beleidigt darüber war, dass der Krieger noch nie von seinem außergewöhnlichen Titel gehört hatte. Und eben dieser verursachte einen seiner typischen Lachanfälle bei Glorfindel.
„Aha..." brachte er mühsam heraus und wie zur Bestätigung zog der braunhaarige Elb plötzlich zwei lange, scharfe Küchenmesser rechts und links aus dem Bund seiner Schürze und ließ sie gekonnte durch seine Finger wandern, um sie am Ende einige schnelle Drehungen auf seinem Handballen vollführen zu lassen.
Der blonde Krieger schwankte für einen Moment und warf dann einen Blick aus den Küchenfenstern. Die Sonne war so gut wie aufgegangen und ihm lief die Zeit davon.
„Wie lange braucht Ihr, um Euch reisefertig zu machen?" fragte er schließlich. Es konnte nicht schaden einen Gefährten zu haben, wenn es wider Erwarten doch hart auf hart kommen sollte.
„So lange, wie Ihr braucht, um mir ein Pferd zu satteln." war die schnelle Antwort und bevor Bruchtals Heerführer sich versah, hatte der drahtige Elb sich an ihm vorbei in den Gang gequetscht und war verschwunden.
Gerade als Glorfindel den Sattelgurt an einer fuchsroten Stute festzog, erschien Rion wieder auf der Bildfläche. Er trug graue Reitkleidung und seine langen, braunen Haare waren zu einem festen Zopf geflochten. Unter seinem weiten Reisemantel zeichneten sich rechts und links zwei Waffen ab, deren Länge darauf schließen ließ, dass es nicht die Küchenmesser waren, die er sich da umgeschnallt hatte.
Keiner der beiden verlor mehr ein Wort und nur Augenblicke später verlor sich das Hufgetrappel der beiden Pferde, die zu einem scharfen Galopp angetrieben wurden, in Bruchtals Wäldern.
