Kapitel 2: Fragen und Erkenntnisse

Sirius lag am Boden, den Kopf gegen die Wand gelehnt. Er sah wie sein Vater an ihm vorbei ging... Es kümmerte ihn nicht... Sein ganzer Körper pochte vor Schmerz. Was hatte er getan? Es war doch nur eine Frage gewesen. Eine Frage, nichts weiter...

Und doch hatte er dafür büßen müssen... Und er würde weiter dafür büßen, wenn er nicht aufhörte...

Na und? Sollte er ihn doch foltern. Es war ihm egal. Er hasste seine Familie für ihre Einstellung. Er hasste sie, weil sie andere Folterten, skrupellos. Er hasste sie, weil sie töteten, weil sie nicht einmal danach ein schlechtes Gewissen bekam...Weil sie andere Menschen hassten, nur weil sie nicht zaubern konnten, oder weil sie die falschen Eltern hatten...

War er denn einer, der so etwas wollte?

Nein, das bist du nicht! Und das weißt du!, sagte eine Stimme tief in ihm.

Und er wusste, dass sie Recht hatte... Wie konnte er eine Familie lieben, die ihn nicht einmal akzeptierte

Er war sechs und doch... Er hatte gespürt, er hatte gefühlt wie es war ohne Liebe zu sein...

Andromeda, dachte er mit einem Mal... Was mochte nur mit ihr gewesen sein...? Vater hatte ihm verboten sie auch nur beim Namen zu nennen... War sie vielleicht eine wie er, eine die die Einstellungen ihrer Familie hasste?

Er blickte auf... Vielleicht... vielleicht war er ja doch nicht so allein wie er immer gedacht hatte...

Jemand trat vor ihn. Groß, stattlich, und mit schwarzem Haar sah er wie Sirius aus, nur älter, viel älter... „Ich glaube es ist genug..."Grob packte ihn sein Vater und trug ihn aus seinem Gefängnis wo er ihn unsanft zu Boden beförderte. „Ich sag dir eins Sirius", sein Kopf kam drohend näher, „Wenn du wie deine ach so liebe Cousine wirst, ich sag dir, dann wirst du nicht mehr lang leben!" Dann drehte er sich um und verließ den Raum.

Sirius konnte nicht sagen wie lang er noch liegen blieb, betäubt vom Hunger und den Worten seines Vaters. Wenn er so wurde wie seine Cousine... Was um Himmels Willen sollte das bedeuten? War Andromeda...? war sie vielleicht die Cousine? Hatte Atair vielleicht gemeint er solle nicht wie Andromeda werden?

Irgendwann, als die Betäubung einigermaßen nachgelassen hatte, raffte er sich auf und ging den Gang hoch, zu seinen Eltern zu seinem Bruder...

James seufzte. Sein Blick glitt durch das alt bekannte Haus, das er jetzt schon seit vierzehn Jahren bewohnte. Seit dem er so gewaltsam von Harry und Sirius getrennt worden war...

Sirius... Oh Gott, schon wieder waren seine Gedanken bei Sirius angekommen! Er hatte ihn so vermisst, all die Jahre lang. Und jetzt war er da so plötzlich... Sicher er schlief. Und doch... seine Anwesenheit schien im ganzen Haus spürbar. Er wusste, dass Lily und Jill nur deshalb draußen waren weil sie ihr Gedanken übermannt hatten. Sie hatten es nicht ausgehalten so nah bei Sirius, dem ihre Gedanken galten. Nur er war da geblieben. Jill war mit Reg auf einem langen Spaziergang, Cleo, Atais, Joanne und Jack waren im Gasthaus, und Caitlin war bei Lily draußen im Garten und arbeitete. Natürlich waren auch Chris, Juan, Ashlee und Kim dort... Caitlins Kinder, Sirius Kinder... Der Gedanke, dass Sirius seine Kinder nicht ein einziges Mal zu Augen bekommen hatte war so befremdlich...

Er musste reden, irgendwie musste er diese ganzen Gedanken verarbeiten, er brauchte etwas jemanden...

Seufzend stand er auf und ging zu Sirius hinüber. Er schlief immer noch friedlich vor sich hin. Er legte seinem Freund die Hand uf die stirn. Normal. Weder zu kalt noch zu warm. Es war schon merkwürdig. Seit drei Tagen hatte er nur geschlafen, hatte nicht einmal Wasser oder Tee angenommen. Und doch schien er um keinen Deut schwächer zu werden... Was war nur los? Wieso überhaupt schlief er so lang! Er war nicht schwach, es ging ihm gut, er war nicht krank, musste inzwischen auch wieder kräftig sein, aber er wacht nicht auf, selbst wenn man an ihm rüttelte, nahm noch nicht einmal Wasser an!

James stand auf und trat mit einem letzten Blick auf Sirius hinaus.

Das erste auf das sein Blick fiel waren die zwei Frauen, die Stumm, Seite an Seite arbeiteten. Dann bemerkte er Chris, der sich angeregt mit seinen Geschwistern über etwas unterhielt. Ihm, wie auch seinem Zwillingsbruder Juan, fielen die schwarzen Haare elegant in die Stirn. Wie jedes Mal bei ihrem Anblick fühlte er sich furchtbar an Sirius erinnert. Ihre Zwillingsschwestern Ashlee und Kim hatten ihre Rücken an den Stamm der alte Ulme gelehnt. Ihr Haare waren ebenso schwarz wie die ihrer Brüder, jedoch lockig und ihre Augen waren nicht schwarz, sondern von einem dunklen Blau. Außerdem waren sie nicht ganz so groß...

James ging zu ihnen hinüber. Und ließ sich neben Juan nieder.

„Wie geht es Dad?", begrüßte ihn der Junge.

James zuckte nur mit den Schultern und senkte den Blick. „Ich weiß es nicht, ich weiß es wirklich nicht...", murmelt er kaum hörbar.

Ashlee runzelte die Stirn. „Und du weißt wirklich nichts, gar nichts?"

James sprang auf und funkelte sie an. „Verdammt, Nein tu ich nicht! Wenn ich etwas wüsste würde ich es doch sagen!" Er rang mit den Händen. Schwer atmend ließ er sich zurück fallen. Tränen glitzerten in seinen Augen. „Er ist nicht krank, Ashlee. Seine Körpertemperatur ist bei 37 °C. Er trinkt und isst nicht, aber schwächer wird er nicht... Ashlee, ich habe keine Ahnung... Ich wünschte doch nur... Ich..." Mühsam hielt er die Tränen zurück und schloss die Augen. Seine nächsten Worte klangen monoton, und es war kaum mehr als ein Flüstern. „Es kann sein, dass er jeden Moment aufwacht, aus dem Haus stürzt und uns frech grinsend begrüßt, wie er es früher immer getan hat, aber ebenso gut kann er noch 10, 20, 30 vielleicht sogar hundert Jahre dort liegen und schlafen..."

Chris sah ihn entsetzt an. „Nein.", flüsterte er. Seine Stimme klang genau wie Sirius'. „Nein, Nein! Das wird er nicht! Bald wird er aufwachen und, und...! Du wirst schon sehen!" dann sprang er auf und rannte davon.

James sah ihm traurig hinterher. „Oh Chris, du weißt gar nicht wie sehr ich mir das wünsche..." Sein Blick glitt wieder zu Chris Geschwistern. „Es tut mir Leid. Ich... es ist das was ich denke. Bitte versteht, ich wünsche mir genauso sehr wie ihr... Er ist mein bester Freund... Und er bleibt es auf Ewig..."

Damit rappelte er sich auf und rannte Chris hinterher.

Er fand ihn an einen Baumstamm gelehnt. Tränen liefen ihm über die Wangen. Er zitterte. James kniete sich neben ihn und strich ihm die Tränen aus dem hübschen Gesicht. „Chris, bitte, es... es tut mir Leid..."

Er sah auf. „Du hasst ihn, nicht wahr?", seine Stimme klang rau und brüchig. „Du hasst ihn, weil du nur seinetwegen von Harry getrennt worden bist, oder?"

James musste unwillkürlich lachen. „Ich und ihn hassen? Chris! Er war mein bester Freund! Ihm haben nur ... sagen wir, damals ein wenig die Menschenkenntnisse gefehlt..." Er grinste schief...

Chris sah ihn an. „Wirklich?"

James lachte. „Ja und das scheint er ja an dich vererbt zu haben!"

Chris zog eine Schnute und James lachte. Jetzt sah er wirklich aus wie Sirius als er in dem Alter gewesen war...

Er gab dem Jüngeren ein Klapps und meinte: „Na, komm, gehen wir zurück."

„Erst wenn du mir erklärst, wieso du das gesagt hast!", erwiderte Chris sturköpfig.

Genauso sturköpfig wie sein Vater!, dachte er. Laut sagte er: „Also gut. Ich ... ich hab es gesagt, weil... weil es realistisch ist. Sein Zustand könnte sich noch Jahre so hin ziehen – oder er ist Morgen schon wieder wach.

Doch plötzlich schien Chris etwas eingefallen zu sein. „James! Erinnerst du dich an Ames Gregoy? Der eine Mann, der unschuldig in Askaban gewesen ist. Nach seinem Tod hat er alle Erinnerungen wieder bekommen – allerdings war er gut 3 ein halb Wochen im Koma und hat alles noch einmal durchlebt! Glaubst du das könnte der Grund sein? Es ist immerhin gut möglich, dass er dort war, nach allem was du erzählt hast. Immerhin dachten alle, dass er dich, Lily und Harry verraten hätte!"

James zuckte mit den Schultern. „Schon möglich..." Aber im tiefsten Herzensgrunde wusste er, dass es so war. Und er fasste einen Entschluss. Er würde alles, was er erlebt hatte noch einmal erleben von dem Moment an, da Sirius ihn in Ollivanders Laden aufgehängt hatte...