So, melde mich zurück mit einem neuen Kapitel... Wollte es eigentlich schon gestern hochladen, aber war mit dem Ende nicht zufrieden. Bin ich eigentlich immer noch nicht, aber ja. Lange Rede kurzer Sinn: Voilà!
Aber zuerst möchte ich allen danken, die dies hier lesen. Auch denen, die das stillschweigend tun, bin ja kein Rassist ;)
Trotzdem besonderen Dank an:
Ilmen: Danke, Anke! :p
und
Emilylaing: Freut mich tierisch, dass dir meine Geschichte gefällt ^^ und wenn meine Schleichwerbung fruchtet, bin ich natürlich doppelt so froh! :D Ich hoffe, dieses Kapitel gefällt dir auch, obwohl ich mich hier mehr auf das Medium Film ausgebreitet habe. ^^
Disclaimer: Mögen die Geister, die ich rief, mich heimsuchen, wenn ich behaupte, dass irgendetwas mir gehört, wenn es in Wahrheit nicht meins ist.
Kapitel 2: Welcome to 1984
Das Erste, was Elizabeth Bennet bemerkte, als sie an jenem Morgen am 25. November erwachte, war, dass sie sich absolut wohl fühlte. Entgegen aller bisherigen Erfahrungen war ihr nicht kalt (was bei den zugigen Fenstern und der faulen Dienerschaft bezüglich des Feuers all zu oft der Fall war) und sie war immer noch in ihre Decke eingehüllt, die an diesem gewöhnlichen Morgen aussergewöhnlich weich und kuschelig war, was fast an ein Wunder grenzte, da normalerweise Jane über Nacht die Decke in ihre Gewalt bekam – wenn auch ganz unwillkürlich, da Jane niemals jemanden irgendetwas bewusst wegnehmen würde. Ein zufriedenes Lächeln huschte über Elizabeths Gesicht und sie streckte sich genüsslich.
Das Lächeln gefror in ihrem Gesicht. Ihre Hände tasteten um sie herum. Nichts. Ihre warmen Hände bekamen weder das Bettende noch Janes Nachthemd zu fassen. Elizabeth rollte sich auf die eine Seite und bewegte sich mit weit voraustastenden Händen auf die eine Bettkante zu. Es erschien ihr eine Ewigkeit verstrichen zu sein, bis sie schliesslich ins Leere griff. Ein leises Geräusch liess sie aufhorchen. „Jane? Bist das du?", flüsterte sie.
Plötzlich leuchtete etwas auf, das auf dem Nachttisch auf der anderen Seite des Bettes stand. Und etwas Unbegreifliches geschah. In diesem Raum – ihrem Schlafzimmer – begann ein Mann zu singen. Begleitet von einer Reihe von fremden Geräuschen und Instrumenten. Mit einem Aufschrei stürzte sich Elizabeth aus ihrem Bett und stolperte rückwärts gegen die Tür. „Wer ist da?", rief sie und versuchte, gegen den singenden Mann anzukommen. „Papa!" rief sie, doch nichts rührte sich.
Als die Musik lauter wurde und noch weitere Männer zu singen begannen, wirbelte sie herum, riss die Tür auf und schlug sie hinter sich zu. Mit geschlossenen Augen lehnte sie sich erleichtert an die Tür, auch wenn der Männerchor durch die Tür noch immer gedämpft gehört werden konnte. Langsam öffnete sie die Augen und fand sich nicht bei sich zu Hause im Korridor des zweiten Stockwerks. Stattdessen stand sie in einem seltsamen Raum, der im Entferntesten an einen Salon glich – zumindest was die Sitzgelegenheit betraf – der aber zur selben Zeit mit der Küche verbunden war, auf der mehrere seltsamer Objekte standen. Elizabeth wusste nicht, wohin sie sich zuerst wenden sollte und spürte Panik in ihr aufsteigen. Wo war sie?
***
„Lizzy! Du solltest schon längst bereit sein! Wir wollten doch über die Blumen sprechen." Mein erster Gedanke war, dass ich meinen Wecker auf Radio gestellt hatte. Der Teufel weiss, wie sehr ich Radio hasse. Anstelle guter Musik bringen die den ganzen Tag Berichte und Beiträge über unnützes Zeugs wie... na ja, Blumen. Ich drehte mich in meinem Bett um. Es quietschte. Ich knurrte. Mein Bett quietscht nicht. Ich bewegte meine Hüften auf und ab, um sicher zu gehen. Das Bett quietschte. Konnte ein Tag noch schlimmer beginnen?
Konnte er. Denn nun da ich vom Tiefschlaf in einen Dämmerzustand übergeglitten war, bemerkte ich, wie kalt es war. „Verdammte Scheisse, ist die Heizung etwa wieder ausgefallen?", fluchte ich laut vor mich her. Ich rieb meine Hände, als ich stutze. Meine Stimme klang anders.
Heller, höher...dämlicher.
„Was redest du da für Unsinn, Lizzy! Steh schon auf oder ich hol Lydia." Schon wieder das Radio. „Ich habe dich gewarnt." Die sanfte Stimme hatte eine Spur ihrer Nettigkeit verloren. Ich stöhnte und griff nach meiner Decke, nur um zu bemerken, dass meine Decke aus einem blossen Lacken bestand. Wo war mein synthetischer Ersatz für Gänsefedern?
Langsam aber sicher wurde ich wütend. Ich richtete mich auf, als ich eine Tür zuschlagen hörte und Stimmen die aus dem Untergeschoss herauf drangen.
„Na super, die McKinnons haben wieder Besuch von ihrer Verwandtschaft." Ich warf die dünne Decke von mir und setzte mich auf. Ich rieb meine Augen.
Ich starrte aus dem Fenster.
Und rieb meine Augen noch einmal. Nur fester.
Wo eigentlich Stau herrschen sollte – Autos über Autos, von Menschen gelenkt, die unterwegs zu ihrer Arbeit und vor allem zu einem Parkplatz waren, der wenigstens im näheren Umkreis ihres Arbeitsplatzes gelegen war, sah ich bloss endlos weite grüne Flächen – auch bekannt als Wiesen. Und ich konnte auch nicht wie gewöhnlich der immer länger werdenden Schlange vor dem Starbucks gerade gegenüber von meiner Wohnung zusehen. Dafür sah ich Schafe. Viele weisse Punkte auf der gesamtgrünen Fläche. Ich schüttelte meinen Kopf und rätselte, ob die Frühlingsrollen wirklich noch essbar gewesen waren, als die Tür geöffnet wurde und der blonde Lockenkopf in Begleitung eines Teenagers in mein Zimmer stürmte.
„Wowowow...", sagte ich abwehrend. Offensichtlich ohne geringste Wirkung, den besagter Teenager warf sich mit einem Aufschrei auf mein Bett. „Jane sagte, ich solle dich aus dem Bett holen. Wegen Blumen und so," murmelte sie, ihr Kopf in meinem Kopfkissen vergraben. Meine Augen flackerten zum Lockenkopf, die adrett da stand und fleissig nickte. „Blumen...," wiederholte ich langsam.
Seltsam, wie man in gewissen Situationen reagiert, nicht? Anstatt mich zu wundern, was zwei völlig Fremde in meinem ziemlich veränderten Schlafzimmer mit der total falschen Aussicht machten, fragte ich mich, wie man frühmorgens an Blumen denken konnte.
„Komm schon, Lizzy!", Lockenkopf zog mich auf die Beine und ich liess es mir gefallen. Es gab nur eine Erklärung: Dies war ein Spiel. Ein ziemlich aufwendig bereitetes Schauspiel, ein Racheakt Nathalies. „Streber", zischte ich, während Lockenkopf begann, meine Haare durchzubürsten.
„Ich kann das allein.", bemerkte ich. Sie lachte bloss. „Lizzy ist wirklich kein Morgenmensch," kommentierte der Teenager vom Bett.
„Du bringst uns alle in Verzug. Mama und Papa sind bereits beim Frühstück," plapperte Lockenkopf weiter. „Hey! Meine Eltern sind geschieden! Nur über meine Leiche würden die gemeinsam frühstücken," erklärte ich vehement und wich von Lockenkopf zurück. Die sah mich aus grossen Rehaugen erstaunt und verunsichert an. „Dabei ist noch nicht mal klar, ob meine Mutter es überhaupt zu meiner Beerdigung schaffen würde.", sinnierte ich. „Wie kannst du so etwas nur sagen, Lizzy?" Es klang anklagend. Stiegen ihr da echt Tränen in die Augen? „Hör auf mich wie Bambi anzustarren," knurrte ich und ignorierte das ungute Gefühl in meinem Magen. Blödes Gewissen... dachte ich und wandte mich um.
Hinter mir stand ein Spiegel. Ein ziemlich langer und breiter Spiegel. Es war definitiv ein Spiegel, denn als ich die Augen aufriss, tat das Spiegelbild es mir gleich. Dasselbe passierte, als mein Mund sich öffnete, meine Hände wie kraftlos an meinem Körper hinunter hingen und sich der dämlichste Gesichtsausdruck auf meinem Gesicht ausbreitete. Nur, dass das im Spiegel definitiv nicht mein Spiegelbild war. Eine völlig fremde Person starrte mich verdattert an. „Ach du heilige Scheisse...", flüsterte ich.
„Blasphemie!", kicherte der Teenager hinter mir. Doch ich starrte nach wie vor in das fremde Gesicht, dass das meinige auf das kleinste Detail imitierte.
„Weder bei Bill Crystal oder Michael Douglas haben sich die Produzenten so viel Mühe gegeben, dass Äussere zu verändern. Gratuliere, Nathalie. Du hast gewonnen. Ich verneige mich vor deinen Künsten." Nichts geschah. Ich klopfte an das Spiegelbild. Meine Hand traf solides Glas.
Durch das Spiegelbild erkannte ich, wie Lockenkopf und der Teenager sich lange bedeutungsvolle Blicke zuwarfen. Ich schluckte hart. „Du! Wie war noch mal dein Name?", fragte ich als ich mich wieder ihnen zugewandt hatte. „Jane," erwiderte Lockenkopf, betont langsam. Irgendwoher kam mir der Name furchtbar bekannt vor... bloss woher?
„Dann ist das Lydia?", sagte ich und zeigte auf den Teenager. „Ich wusste, dass das geschehen würde," erklärte Lydia mit verschränkten Armen. Jane seufzte. „Wir haben es alle geahnt..." flüsterte sie.
„Was habt ihr geahnt?" Ich konnte nichts dafür, dass meine Stimme alarmiert klang. Ich machte mir furchtbare Sorgen... um mich selbst. Wenn ich in irgendeines dieser Psychospielchen geschlittert war, hatte ich keine Lust auf ein Ende à la Hostel oder Saw, Saw II, Saw III oder – Gott bewahre! – Saw IV.
Versunken in meine trüben Gedanken und was Jigsaw mich zwingen würde zu tun, erschrak ich halb zu Tode als Jane mich plötzlich in die Arme nahm. „Ach, Lizzy. Ich dachte, du wolltest Mr. Darcy heiraten." Ihre Stimme klang bekümmert, und sie drückte mich immer noch an sich. Aber in meinem Gehirn rasten die Gedanken zurück zum gestrigen Abend – als die Welt noch in Ordnung war. „Mr. Darcy... Mr. Darcy...," flüsterte ich vor mich hin, woraufhin Jane ihren Druck noch verstärkte. „Mr. Darcy... McDreamy!" Der Groschen war gefallen. Ich löste mich von Jane und hätte am liebsten losgelacht.
Irgendwie war ich in ein Theaterstück geraten. Ich verdrängte den Gedanken, dass keine Theaterschminke der Welt mich in einen komplett neuen Menschen verwandeln konnte, aber wie gesagt. Ich ignorierte dies einfach.
Dafür entschloss ich mich, einfach weiterzuspielen. „Na los. Lasst uns frühstücken," sagte ich, atmete tief ein, straffte meine Schultern und öffnete die Tür. Dort hielt ich inne.
„Wo müssen wir hin?", fragte ich und wandte mich an Jane.
„Am besten du gehst voran, Jane."
***
Elizabeth Bennet harrte noch immer an derselben Stelle aus. War das alles hier, das Ergebnis ihres verzweifelten Gebetes letzte Nacht? Aber so abenteuerlich fand sie die Situation nicht. Sie hatte Angst. Schreckliche Angst. Ein schabendes Geräusch liess ihr Herz schneller schlagen und ihr Atem beschleunigte sich. Eine Tür öffnete sich und schloss sich wieder. Ganz ohne Quietschen.
Plötzlich stand sie einer jungen Frau gegenüber. „Emily. Ich dachte, wir könnten gemeinsam frühstücken. Ich hab dir auch den DVD dabei." Nathalie liess zwei Tüten auf den Tisch sinken, bevor sie ihre Freundin neugierig betrachtete. „Ist alles in Ordnung mit dir, Emily?" fragte sie vorsichtig. „Da ist ein Mann in meinem Zimmer...," stotterte Elizabeth.
Ein breites Grinsen breitete sich über Nathalies Gesicht aus. „Emily, Emily... du böses Mädchen." Nathalie versuchte, Emily bei Seite zu schieben, um einen Blick in das Zimmer werfen zu können, doch die Freundin wich nicht von der Seite. „Nicht bloss ein Mann," fuhr sie weiter. „Mehrere." Inzwischen war Elizabeth dunkelrot angelaufen, während Nathalie grosse Augen machte. Sie pfiff anerkennend durch die Zähne. „Wie viele?", fragte sie.
„Ich weiss es nicht. Sie sind überall.", erklärte Elizabeth, bevor sie Nathalie packte. „Helft Ihr mir, sie los zu werden?" – „Dafür musst du mich erst mal vorbei lassen, Emily," erwiderte Nathalie genervt und schaffte es endlich, die Freundin von der Tür weg zu stossen. Sie öffnete die Tür in der Erwartung, das Schlimmste vorzufinden.
Leer. Nichts befand sich im Zimmer, weder ein Mann, noch mehrere. Um ganz sicher zu gehen, öffnete sie jedoch die Schranktür. Nichts. „Emily, wie kannst du es wagen, mich so zu verarschen?", jammerte sie und schlug die Schranktür enttäuscht zu.
„Hört Ihr sie denn nicht? Sie sind überall!", wimmerte Elizabeth. Genervt rollte Nathalie die Augen, lief zur Stereoanlage und schaltete diese aus. „Besser?", fragte sie gereizt. „Wie habt Ihr das geschafft?", fragte Elizabeth anerkennend.
„Du meine Güte, Emily. Reiss dich zusammen. War mir klar, dass du ein paar Sprüche auf Lager hast, wenn du den Film gesehen hast. Aber nun ist genug.", erklärte Nathalie bestimmt.
Elizabeth war für einen Moment stumm. Dann fragte sie scheu: „Was waren das für Männer?"
„Ich hätte nie gedacht, dass du so weit gehen würdest, und eine deiner Lieblingsbands verleugnen. Wirklich, ich bin beeindruckt. Das war April Wine, falls du mein Wissen testen möchtest." Nathalie schob sich an Emily vorbei und kehrte in die Küche zurück, wo sie begann, den Frühstückstisch zu decken. „Seid Ihr meine Bedienstete?", fragte Elizabeth.
„Aber sich. Nun setz dich hin, bevor ich die Geduld verliere."
Leider verstand Elizabeth den Sarkasmus des 21. Jahrhunderts nicht, und setzte sich erleichtert an den Tisch, beruhigt, dass sie – wo auch immer sie hier war – doch jemanden hatte, der für sie sorgen konnte.
Nathalie warf Emily während des Essens prüfende Blicke zu. Sie war einerseits wütend, dass ihre Freundin es wagte, sich über ihre Vorliebe der alten Zeiten lustig zu machen, dann wieder verblüfft, wie authentisch die Ich – interessiere – mich – nicht – für – Geschichte Emily ein solches Verhalten an den Tag legen konnte.
„Sagt, was für ein Tag ist heute?" – „Lies die Zeitung, dann weißt du es," riet ihr Nathalie und warf ihr den Guardian zu. Elizabeth fing die Zeitung, auch wenn sie es anstössig fand, was sich ihre Bedienstete alles erlaubte. „Bei uns zu Hause essen die Bediensteten nicht vom selben Tisch," bemerkte sie spitz.
„Bei euch zu Hause gibt's doch gar keinen Tisch, da isst jeder, wo er gerade steht," entgegnete Nathalie ärgerlich. Die Gesamtsituation glich in etwa dem Grad an Ärgernis, wenn ein Kind Papagei spielt und alles, wirklich alles was man sagt, wiederholt.
„Ist es wirklich der 25. November 2008?" Emilys Stimme klang heiser. „Wird das etwa so wie anno 04 als du zwei Wochen lang behauptet hast, Mr. Spuck zu sein?" Nathalie erinnerte sich ungern an diese zwei Wochen – die peinlichsten in ihrem Leben.
„Ich verstehe nicht, was Ihr meint." Elizabeth war überwältigt. Falls die Zeitung tatsächlich das richtige Datum trug, dann befand sie sich in der Zukunft. Weit weg von zu Hause. Frei von allen Pflichten.
„Sagt dir Und zum Abschied sag ich leise Scheisse etwas?" Unter normalen Umständen würde sich Emily nun die Seele aus dem Leib lachen. Unzählige Erinnerungen – reizende für Emily, bedrückende für Nathalie selbst – waren mit diesem einen Satz verbunden. Doch die Emily, die ihr gegenüber sass, sah sie nur fragend an.
„Okay, das reicht. Ruf mich an, wenn du wieder zur Vernunft gekommen bist." Nathalie stand auf und griff nach ihrer Jacke, die sie sorglos auf den freien Stuhl geschmissen hatte. „Was wahrscheinlich nie sein wird," fügte sie dazu.
„Ihr könnt nicht gehen." Der angstvolle Ton in ihrer Stimme liess Nathalie inne halten. „Warum nicht?" – „Ich kenne doch hier niemanden. Ich bin neu hier. Was soll ich denn tun?" jammerte Elizabeth los.
„Bitte, Emily. Hör auf mich für dumm zu verkaufen," flehte Nathalie. Das seltsame Verhalten der Freundin irritierte sie.
„Ich bin nicht Emily. Ich heisse Elizabeth Bennet. Ich komme aus Hertfordshire."
***
Ein Frühstück bei den Bennets gehört zu den Dingen, die ich nicht einmal meinem schlimmsten Feind wünschen würde. Ich sass dort, zwischen Jane und Kitty, und hoffte, erbat und ersehnte meinen Tod. Möge ein Blitzschlag mich treffen und dem Leiden ein Ende bereiten. Oder wie ich es zu sagen pflege: „Beam mich rauf, Schrotty." Zugegeben. Der Spruch stammt nicht von mir. Aber das tut ja hier auch nichts zur Sache.
Die grosse Sache war, dass ich inzwischen zu der Erkenntnis gereift war, dass ich mich keinesfalls in einem Theaterstück befand, sondern durch etliche Wirrungen und Irrungen im Jahre 1812 gelandet war. In Elizabeth Bennets Körper.
Wie ich zu dieser Erkenntnis gereift bin? Lest selbst:
----- Eine Viertelstunde früher ------
„Vielleicht wäre es wirklich besser, wenn du heute im Bett bleiben würdest, Lizzy," riet mir Jane besorgt. „Aber nicht doch. Wir wollen doch das Drehbuch einhalten. Wir sprechen über Blumen. Nach dem Frühstück. Ich kenn den Text nicht so gut, aber ich darf doch bestimmt sagen, wie hungrig ich bin? Ich könnte ein Dutzend Big Macs verdrücken.", erklärte ich fröhlich, während wir die Treppe hinunter liefen. Die Treppe, bei der jede Stufe knarrte, nur in verschiedenen Tönen. Da zuerst Jane die Treppe hinunter stieg, gefolgt von mir und dicht darauf Lydia, entstand beinahe so etwas wie eine Melodie.
„Big Macs?" erkundigte sich Lydia fragend von hinten. „Ach, du weißt schon. Ne ganze Kuh oder so." Ich fühlte mich wie in meinem Element. „Hey, Jane. Wann machen wir denn mal Pause?", fragte ich.
„Pause von was?" kam die Gegenfrage. „Sei mal für einen Moment nicht so versessen auf deine Rolle. Agent Nullnullnix hatte eine Pause. Sogar James Bond hatte Zeit, ein paar Schönheiten flach zu legen. Da darf ich doch auch ne Pause haben?" Ich versuchte es auf die nette Art. Ich sah von hinten, wie sich Janes Körper wieder verspannte.
„Ich gebe dir auch Geld," flüsterte ich. „Lizzy. Du brauchst mir kein Geld zu geben. Ich werde selbst bald genug Geld haben," klärte sie mich auf. Ich nickte bloss. Kaum hatten wir das Untergeschoss erreicht, hielt ich Ausschau nach einem Regisseur, einem Laufburschen, einer Kamera, einem Dirigenten oder wenigstens dem Publikum. Doch ich fand nichts.
Ich klopfte gegen die Wände, in der Hoffnung, das Bühnenbild möge umfallen. Die Wände gaben nicht nach.
Aber was mich überzeugte, war das Essen. In den Theaterstücken, die ich gesehen hatte – zugegeben nicht viele – gab es nie richtiges, reales Essen. Entweder verliess man sich auf die Fantasie des Publikums, dass wenn jemand mit Besteck auf einem leeren Teller rumschnitzelt, dieser Akt symbolisieren soll, dass betreffende Person Nahrung zu sich nimmt. Imaginäre Nahrung, wohlgemerkt. Oder es wurden Attrappen verwendet, die realem Essen sehr glichen. Aber nicht essbar sind.
Diese Lektion lernte ich damals in unserer Schüleraufführung vom Schneewittchen. Der Apfel sah wirklich echt aus. Und ich hatte gerade Hunger. Man musste mir den Magen auspumpen.
Aber zurück zur Gegenwart. Oder zur Vergangenheit, wie man es auch betrachten will.
Das Essen war real, wirklich und essbar.
Deshalb gab es nur einen Schluss aus der ganzen Misere zu ziehen - ich war Elizabeth Bennet.
Ich befand mich im Jahre 1812.
Und ich war fiktiv.
***
A/N: Ich weiss, dass die Geschichte sich momentan langsam entwickelt... aber nun da die Figuren mit dem nötigen Wissen auf dem Schachbrett platziert wurden, kann das Chaos ja beginnen. An alle Darcy Fans (mich eingeschlossen...) wir müssen uns leider noch ein wenig gedulden... Im 4. Kapitel wird er dann sein Debut geben... :)
Bis dahin... lasst doch einen Kommentar zurück, dass wirkt stimulierend ^^
