2. Besuch aus Hogwarts
Noch etwas müde stand Severus an diesem warmen Freitagmorgen vor einem Häuschen am Stadtrand von New Raintown.
Es waren noch 2 Wochen bis zu seinem lang ersehnten Urlaub und er fieberte diesen mit Snape-untypischer Unruhe entgegen. Zum Glück hatte er nur noch 2 Muggelbesuche auf seiner Liste und dann kann er sich darauf konzentrieren sein Tränkelabor in Hogwarts auf Vordermann zu bringen. Er hatte von Minerva etwas mehr Geld zur Verfügung bekommen. Davon konnte er neue Unterrichtsmaterialien, Lektüre, neue Schulkessel und natürlich auch Zutaten besorgen. So würden die paar Wochen bis zu seinem Urlaub auf produktive Art und Weise vergehen.
Nun hat er aber hier in dieser kleinen, unscheinbaren 80.000 Einwohner-Muggelstadt, welche wenige Kilometer von London entfernt lag, seinen Job zu erledigen, wie Minerva es so schön ausdrückte. Kurz hatte er überlegt ob er den Kamin der Familie für den Vormittag an das Flohnetzwerk anschließen lassen sollte, einfach um sich den Spaß zu machen direkt und unter Aufschreien der Mutter aus eben diesem ins Wohnzimmer zu spazieren. Minerva quittierte seine Idee jedoch mit einem entnervten "NEIN, Severus!".Die alte Hexe gönnte ihm aber auch keinen Spaß.
Noch über seinen Einfall lächelnd betrachtete er sich das kleine Haus. Neben Severus war der rote Briefkasten mit der Aufschrift Loker. Vor seinen Füßen führte ein kleiner Steinweg über den wild wachsenden Rasen zur Eingangstür. Neben der Tür stand eine Holzbank. Das Haus selbst sah recht hübsch aus, sehr unauffällig. Es hatte zwei Stockwerke, eine Garage, helle Wände, eine Haustür mit undurchsichtigen, verzierten Glasfenstern und ein Spitzdach mit Dachboden. Es passte hervorragend in diese Gegend. Severus fing unwillkürlich an das Haus der Lokers mit seinem doch sehr trist und düster wirkendem Haus in Spinner´s End zu vergleichen. Es war nicht viel größer als seins und doch war es so anders.
Er seufzte einmal und ging dann den kurzen Weg zur Haustür. Mit einem Tempuszauber überprüfte er nochmal die Uhrzeit: es war 8:02 Uhr. Perfekt. Schließlich drückte er den Klingelknopf. Hinter der Tür hörte er auf einmal zwei laute Stimmen, die eines Jungen und die einer Frau.
"Mom, erwartest du schon so früh jemanden?" - "Nein, ich bin noch in meinen Schlafklamotten. Verdammt wo ist mein Morgenmantel?! Corey, bist du fertig angezogen?" - "Jaaaa." - "Dann geh zur Tür! Das ist bestimmt nur Sully." - "Ok, bin unterwegs."
Severus zog bei diesem Gespräch, was wohl nicht nur er, sondern auch die Leute in den Häusern nebenan mitgehört hatten, eine Augenbraue nach oben. Es war 8:00 Uhr morgens und diese Muggel war noch nicht fertig?! Er hoffte das er eine anständig bekleidete Mrs Loker vorfinden würde. So etwas hätte es als er Kind war nicht gegeben. Während er diesen Gedanken kurz zuließ öffnete ein kleiner Junge die Tür. Er hatte kurze, etwas verstrubbelte, schokobraune Haare und guckte ihn mit großen grau-grünen Augen an. Severus wusste sofort dass das einer seiner neuen Schützlinge vor ihm stand. Corey schluckte einmal schwer beim Anblick des großen, ganz in schwarz gekleideten Mannes vor seiner Nase. Er wirkte unheimlich auf den 11-Jährigen. Mit etwas schüchtern stotternder Stimme fragte er: "Kkk...Kann ich Ihnen helfen?". Severus erwiderte mit seiner gewohnt öligen Stimmlage: "Guten Morgen Mr Loker. Mein Name ist Professor Snape und ich würde gerne mit Ihren Eltern sprechen." Corey drehte hastig den Kopf und rief in den 2 Stock: "MOM! Komm bitte ganz schnell runter!"
Schon kam eine Frau mit ebenfalls noch etwas verstrubbelten, mittelbraunem langen Haar die Treppe runter. Im Gehen zog sie sich noch einen Morgenmantel über. Aber man konnte noch erkennen dass sie darunter nur mit kurzen Pants und einem Trägertop bekleidet ist. Dieselben grau-grünen Augen wie bei dem Jungen guckten nun dem äußerst fremd wirkenden Mann an der Tür neugierig entgegen. Severus fand diese Muggelfrau wirklich schön, die Augen taten es ihm an. Es waren nicht dieselben wie Lilys, aber sie waren dennoch toll und sie schauten ihn mit einem erwartenden Leuchten entgegen. Nach einem kurzem Moment fand Severus nun auch seine Sprache wieder und wollte endlich damit beginnen, weswegen er eigentlich hergekommen ist.
"Guten Morgen Mrs Loker, mein Name ist Professor Severus Snape. Sie haben Anfang der Woche einen Brief von mir per Eule erhalten. Ich bin Lehrer an der Hogwarts-Schule und wollte mit Ihnen sprechen."
Andie lächelte ihm entgegen. Ihr Aufzug war ihr etwas peinlich, aber hey, es ist schließlich gerade mal 8:00 Uhr. Normalerweise kam so früh kein Besuch. Aber dieser hier war außergewöhnlich. Sie hatte schon geahnt das der große Mann in den schwarzen, etwas altmodischen Sachen aus der magischen Welt kam. Dazu brauchte er sich noch nicht einmal vorstellen. Sie fand ihn gleich auf eine eigenartige Weise interessant.
"Hi, ich bin Andorra Loker, Coreys Mom. Kommen Sie rein Professor. Trinken Sie einen Kaffee mit mir?"
Corey war heilfroh das er los musste. Heute war sein letzter Schultag an der New Raintown Primary School. "Ok, Mom, ich muss los. Die anderen warten bestimmt schon." Eilig schnappte sich Corey seinen Rucksack, holte sich einen Kuss auf den Haarschopf und ein "Viel Spaß!" von seiner Mutter ab und warf seinem zukünftigen Lehrer nochmal einen skeptischen Blick zu, ehe er auch schon zur Tür raus war.
Erneut hob Severus seine Augenbraue an und sagte nur trocken: "Netter Junge.". Andie lachte aufgrund seiner Bemerkung auf. Auch Severus konnte sich nun ein kleines Grinsen nicht verkneifen.
"Ach, er war nur überrascht. Corey ist wirklich ein Schatz. Aber kommen Sie, ich mach uns Kaffee und dann reden wir in Ruhe. Ich muss heute erst mittags auf der Arbeit sein. ", sagte Andie freundlich und verschwand auch schon in Richtung Küche.
Während Severus ihr folgte, konnte er es sich nicht nehmen lassen sich etwas umzusehen. Vom Flur aus gelangte man in ein kleines, aber sehr gemütliches Wohnzimmer. Es gab Bücherregale, ein großes Schlafsofa mitten im Raum, einen kleinen Kamin in der Ecke, Fernseher und Stereoanlage (beides Dinge die Severus aus seiner Kindheit kannte), hinter der Couch stand ein Schreibtisch mit einem - wie nannten es die Muggel? - Computer. Auf dem Sofa waren Kissen und Decken verteilt. Es sah so aus als ob jemand gerade noch auf der Couch gesessen hatte. Überall waren kleinere, teils sehr eigenartig aussehende Deko-Artikel aufgestellt. Er erkannte sogar eine Wanduhr die aussah wie eine alte Schallplatte seines Vaters. Wieder verglich Severus dieses Haus mit seinem eigenem. Im Gegenzug dazu konnte er sich vorstellen, dass er sich hier sehr wohl fühlen könnte. Schnell verbannte er diese Gedanken aus seinem Kopf. Das hier war nicht sein Haus. Mal abgesehen davon dass er hier auch kaum zur Ruhe kommen würde.
Vorbei an zwei verschlossenen Türen im Wohnzimmer ging er eilig geradeaus weiter durch einen Bogen und stand auch schon in der Küche. Sie wirkte sehr viel moderner als die Küchen von Zauberern. In der Mitte des Raumes stand ein runder Holztisch mit 4 Stühlen dran. Severus setzte sich einfach auf einen von ihnen.
Andie stand derweil an der Küchenzeile und stellte gerade die Kaffeemaschine an. "Wie trinken Sie Ihren Kaffee Professor?", fragte sie ihren Gast ohne sich umzudrehen. Stattdessen holte sie zwei Tassen aus dem Hängeschrank. "Schwarz", kam es schlicht von Severus. Das hätte sich die Gastgeberin auch denken können. Mit einem wissenden Grinsen stellte sie eine Tasse vor Severus auf den Tisch. Für sich selbst holte sie die wie eine Kuh aussehende Milchkanne aus dem Kühlschrank, um sich etwas Milch in ihre Tasse zu schenken. Severus verzog beim Anblick der ulkigen Kanne das Gesicht. Er hatte nicht viel übrig für solche albernen Dinge. Entspannt setzte sich Andie ihrem Gast gegenüber. Zum Glück ist der Kaffee bald fertig.
Severus betrachtete nun aufmerksam das Gesicht der Frau gegenüber. Sie war wirklich hübsch, das musste er sich eingestehen. Aber etwas anderes an ihr irritierte ihn. Er beschloss einfach drauf los zu fragen: "Entschuldigen Sie Mrs Loker ..." - "Miss Loker", entgegnete Andie abrupt. "Ich bin nicht verheiratet." Verdammt, wieso sagte sie das? Das ist doch völlig egal. Oh, wie weit ist die Kaffeemaschine?
Severus ließ sich nichts anmerken und setzte erneut zu seiner Frage an: "In Ordnung, MISS Loker. Verzeihen Sie wenn ich so direkt frage, aber sie sehen sehr jung aus. Zu jung um einen 11-Jährigen Sohn zu haben.".
"Oh, danke." Jetzt musste Andie breit grinsen. Warum auch nicht, eine Frau nimmt jedes Kompliment an.
"Das liegt daran, dass ich 28 Jahre jung bin. Ich habe Corey damals sehr früh bekommen. Und nein, bevor sie fragen, es war nicht geplant." Andie schämte sich nicht eine so junge Mutter zu sein. Es war schließlich nicht einfach gewesen. Aber sie kannte nur zu gut die eigentliche Reaktion fremder Leute, wenn sie erzählte dass sie mit 16 ein Kind bekommen hat. Mitleid und Unverständnis waren fast immer mit dabei.
Severus war nicht überrascht. Er hatte sich schon so etwas gedacht. Er dachte daran wie schwer es mit 16 sein würde die Verantwortung für ein Kind zu übernehmen. Auch in der magischen Welt wäre das verpönt. In der Geschichte von Hogwarts ist so etwas bis jetzt nur ein paarmal vorgekommen und das ist auch schon lange her. Heute gibt es sehr effektive Verhütungstränke in solchen Fällen.
"Was ist mit dem Vater?", fragte Severus nun neugierig. Er konnte sich nicht vorstellen dass diese Frau sich als Teenager ganz allein um ein Kind kümmerte.
"Den traf ich auf einem Konzert. Wir hatten einen One-Night-Stand. Naja, ich war sehr locker gewesen zu der Zeit. Aber ich stellte nach 2 Monaten fest dass ich schwanger war. Ich wollte ihn kontaktieren, denn ich wusste seinen Namen, konnte ihn aber nicht finden. Kurz vor der Geburt fand er aber mich. Ich wusste nicht wie, aber er stand damals bei meinem Elternhaus einfach im Vorgarten. Er guckte wütend auf meinen Bauch, fing an etwas von reinblütiger Familie und Schande zu faseln und meinte nur das er nichts damit zu tun haben wolle. Ich verstand damals die Welt nicht mehr. So schnell wie er da war, war er auch schon wieder verschwunden und ich sah ihn auch seitdem nie wieder. ", erzählte Andie ruhig.
Sie wusste dass sie diesem Mann die Geschichte erzählen konnte. Irgendwo wusste sie einfach das er sie nicht verurteilen würde oder über sie in der magischen Welt tratschen würde. Der Kaffeemaschine war inzwischen fertig und Andie kippte ihrem außergewöhnlichen Gast und sich selbst das heiße Getränk ein. Beide nahmen genüsslich einen großen Schluck. Severus kam nicht drum herum zu bemerken das der Kaffee sehr gut ist. "Tja, gelernt ist gelernt.", sagte Andie mit einem zufriedenen Grinsen. "Ich arbeite als Barista", entgegnete sie Severus´ fragendem Gesichtsausdruck.
Severus wollte das Gespräch fortsetzen. Er wusste nur zu genau wie Reinblüter tickten und was für Probleme der Erzeuger des Jungen mit seiner Familie bekommen hätte. Ehrlich gesagt wollte Severus auch gar nicht wissen wer der Vater des Jungen war, denn es spielte eh keine Rolle. Wahrscheinlich kannte er ihn noch. Das würde nur Probleme geben. "Weiß ihr Junge was damals vorgefallen ist?"
"Nicht ganz genau. Ich habe ihm erzählt wie er zustande kam und das ich den Namen seines Vaters nicht kenne. Ich dachte mir ein fehlender Vater ist besser als ein ablehnender Vater. Ich möchte auch dass das so bleibt." Durchdringend sah Andie ihren Gegenüber an. Severus verstand sofort. Er wünschte sich innerlich dass seine Mutter damals genauso gedacht hätte. Stattdessen musste er sich mit einem trinkenden, prügelnden Vater auseinandersetzen. Er nickte ihr nur verstehend zu und nahm noch einen großen Schluck Kaffee. Dieser war wirklich ausgezeichnet. Nicht zu vergleichen mit dem den es in Hogwarts gab.
Apropos Hogwarts. Jetzt war Severus doch sehr neugierig: "Miss Loker, ich kam nicht umhin zu bemerken dass Sie weder über mein Erscheinen, noch wohl über meinen Brief erstaunt sind. Woher wissen Sie von unserer Welt?"
Andie lächelte etwas schief. "Naja, mein Sohn ist ein Zauberer."
"Ja schon, aber er wendete ja nicht eines Tages aus Versehen seine Magie an und sie denken sich: Oh mein Sohn hat Zauberkräfte, ich sollte ihn wenn er alt genug ist nach Hogwarts schicken."
Jetzt musste Andie aufgrund seiner, zugegeben etwas spöttischen, Bemerkung, auflachen.
"Nein, ganz so einfach war es nicht." Andie nahm noch einen Schluck. Sie fühlte sich wirklich besser mit dem frischen Kaffee im Magen. Gott, sie liebte Kaffee einfach.
"Also, es war an Coreys . Wir hatten Freunde und Nachbarn eingeladen und gefeiert. Plötzlich kam der kleine Sully Finnigan zu uns Eltern gestürmt und meinte das Corey sein Geburtstagsgeschenk hat schweben lassen."
"Oh, wie haben Sie reagiert?"
"Naja, ich tat es ab. Sagte das es nicht sein kann und schob alles auf kindliche Phantasie. Wenig später auf der Feier, als ich nach den Kindern gesehen habe konnte ich sehen wie Corey vor dem kleinen Sully seinen Teddy schweben ließ. Ich war völlig erschrocken und traute meinen Augen nicht. Ich dachte ich wäre verrückt geworden! Aber dann kam Scarlet Finnigan, du Mutter von Sully auf mich zu und beruhigte mich und erzählte mir alles. Sie ist eine Hexe und ihre beiden Söhne sind wie sie magisch. Sie kennen vielleicht den Älteren, Seamus. Er war auch in Hogwarts. Hat letztes Jahr seinen Abschluss gemacht."
Jetzt war Severus doch erstaunt. Die Finnigans wohnen hier in der Nachbarschaft? Dann war es ja ein glücklicher Zufall dass sie die Lokers kennen. Natürlich kannte er den Gryffindor Seamus Finnigan. Er hat letztes Jahr seinen Abschluss, wie viele andere auch, nachgeholt. Es war ein großes Stück Arbeit. Schließlich hatten sie durch die Kriegsereignisse in diesem Jahr doppelt so viele Schüler die ihren Abschluss machten.
"Ich kenne ihn, er war zwar nicht in meinem Haus, aber er ist mir bekannt.": antwortete Severus etwas reserviert.
Andie nahm einen weiteren Schluck aus der Tasse. Jetzt wurde sie neugierig. "Professor Snape, erzählen Sie mir von Hogwarts. Was erwartet meinen Corey?"
Mit einem Schmunzeln auf den Lippen antwortet Severus: "Was, die Finnigans haben Ihnen nichts von Hogwarts erzählt? Was wollen Sie denn wissen?"
"Nun ja, doch ein wenig erzählten sie. Hogwarts ist in Schottland, in einem riesigen Schloss und das dort halt die britischen und irischen Zauberer und Hexen ausgebildet werden. Was hat es mit den einzelnen Häusern auf sich?", fragte Andie interessiert.
Severus nahm einen Schluck und überlegte kurz wie er antworten sollte: "Nun ja, es gibt 4 Häuser, benannt nach den 4 Gründern der Schule. Jedes Haus hat seinen eigenen Bereich im Schloss, mit Schlafsälen, Gemeinschaftsraum u.s.w.. Die Schüler werden am ersten Tag in eines der Häuser eingeteilt."
"Und wie wird das gemacht? Können sich die Kinder ein Haus aussuchen?"
Jetzt erschrak Severus doch. Soweit kommt das noch! "Nein, sie werden natürlich vom Sprechenden Hut eingeteilt. Wie sonst?"
"Oh, klar, der Sprechende Hut.", antwortete Andie mit gespielter Coolness. Obwohl die Vorstellung eines sprechenden Hutes für sie äußerst grotesk war. Aufgrund der Vorstellung kniff sie etwas die Augen zusammen und überlegte. Ihr wurde klar das sie keine Ahnung von der Welt hatte, in der ihr Sohn in gut 1 1/2 Monaten leben würde. Ihr Sohn auch nicht. Sie hoffte das er nicht einen allzu großen Kulturschock bekäme und das Sully und Scarlet Finnigan ihm einiges erzählt und beigebracht hatten. Schließlich war er öfters bei der Familie und Sully war seit frühester Kindheit sein bester Freund.
"Wie teilt der Hut die Kinder ein? Geht das nach Herkunft oder Fähigkeiten?", fragte Andie beunruhigt.
Severus antwortete geduldig: "Nein. Der Hut hat die Fähigkeit in die Herzen der Kinder zu sehen und wird sie entsprechend ihres Charakters einteilen. Wer weiß, vielleicht landet Ihr Junge ja bei mir. Obwohl er die Vorstellung mich als Hauslehrer zu bekommen wohl alles andere als toll finden würde." Severus grinste verschmitzt. Andie lachte erneut auf.
"Ach was, so schlimm wirken Sie gar nicht auf mich Professor. Bis jetzt war es doch eine schöne Unterhaltung."
Ja auch Severus musste sich eingestehen dass er sich im Haus dieser Muggelfrau sehr wohl fühlte. Auch das Gespräch mit der jungen Mutter war sehr angenehm. Wenn er sich sonst mit Muggeln unterhalten musste, war das immer anstrengend, denn diese Menschen kennen ja gar nichts von seiner Welt. Er war sich natürlich bewusst das nicht alle Muggel einfältige Dummköpfe waren oder so schlimm wie sein Vater. Die Muggelfrau vor ihm war ihm jedenfalls sehr sympathisch.
Andie fragte auf einmal ins Blaue: "Was unterrichten Sie denn für Fächer Professor?".
Ein wenig stolz antwortete Severus: "Zaubertränke und ich vertrete Professor Lupin in Verteidigung gegen die dunklen Künste wenn dieser ... verhindert ist." Severus hoffte das sie nicht näher darauf eingehen würde.
Andie schwirrte der Kopf. Das waren doch mal Fächer! Auf jeden Fall hörten sie sich spannender an als Mathe oder Latein, womit sie in ihrer Schulzeit gequält wurde.
"Ok, aber unterrichten sie Corey nur nicht zu gut. Nachher kippt er mir noch einen seiner Zaubertränke in den Kaffee wenn wir uns mal zoffen und dann laufe ich eine Woche mit knallpinken Haaren rum oder bekomme nen riesigen Hintern und passe nicht mehr in meine Lieblingsjeans."
Jetzt lachte Severus laut auf. Andie gefiel sein Lachen. Es wirkte ungezwungen und er sah wirklich irgendwie niedlich aus wenn er lachte. Oh Gott, was dachte sie denn hier. Das ist der zukünftige Lehrer ihres Sohnes!
"Wenn Sie ihrem Sohn so etwas zutrauen, dann ist er bei mir in Slytherin genau richtig!", sagte Severus mit einem höchst amüsiertem Unterton. Der Kaffee der beiden war inzwischen leer.
Severus erhob sich von seinem Stuhl, Andie tat es ihm gleich.
"Miss Loker, ich muss leider weiter. Heute warten noch andere Mugg...nichtmagische Eltern die ich sprechen muss. Nicht alle Menschen haben wie sie Kenntnis von unserer Welt. Ich muss daher zusehen dass ihr Junge einen weiteren Mitschüler bekommt." Severus trat einen Schritt auf Andie zu und gab ihr die Hand. "Vielen Dank für den ausgezeichneten Kaffee." Andies Augen leuchteten bei der Berührung ihrer Hände. Sie konnte dem Professor nur noch freundlich zunicken. Severus ließ ihre Hand los und war nach einem "Auf Wiedersehen" auch schon direkt aus der Küche appariert.
Andie schaute glücklich auf die Stelle wo eben noch Severus gestanden hatte. Leise sagte sie: "Bis bald, Professor." Sie fühlte sich gut an diesem Freitagmorgen.
Corey rannte eine Straße weiter ins Haus der Finnigans.
In der Küche stand Scarlet und machte Brote fertig. Die Söhne Sully und Seamus saßen am Küchentisch und tranken Kaffee, bzw. Kakao. Mr Finnigan war schon auf dem Weg zur Arbeit. Auf einmal hörten sie die Haustür auf und zu gehen und ein paar Sekunden später stand ein völlig außer Atem gelangter Corey Loker im Türrahmen.
"Was is denn mit dir los?", fragte Sully ungläubig.
Corey, immer noch nach Atem ringend sagte nur: "Eben stand ein ... großer Mann in ... schwarzen, altmodischen Klamotten ... vor unserer Tür. Er meinte er ... kommt aus Hogwarts. Ehrlich ... den hättet ihr sehen müssen! ... Ich dachte vor mir steht Batman aus dem 19. Jahrhundert!"
Seamus schrie auf: "Scheiße! Professor Snape ist bei euch?! Und du lässt deine arme Mutter mit ihm allein?!"
Scarlet meldete sich zu Wort: "Seamus ich will solche Worte nicht hören. Außerdem kann Andie gut auf sich aufpassen. Sie schafft das schon. Ich nehme an er ist hier weil sie ein Muggel ist."
Corey keuchte erschrocken auf: "Oh man, er wird sie doch nicht verhexen oder?"
"Nein, er wird ihr nur was von Hogwarts erzählen. Alle Muggeleltern bekommen Besuch aus Hogwarts bevor ihre magischen Kinder dort zur Schule gehen.", sagte Scarlet um den kleinen Nachbarsjungen zu beruhigen. "Hier setz dich und trink auf den Schrecken noch schnell einen Kakao. Ihr müsst auch bald los. Heute ist euer letzter Tag an der alten Schule."
Gedankenverloren setzte sich Corey zu seinem besten Freund und dessen Bruder an den Tisch. Hoffentlich waren nicht alle Lehrer in Hogwarts so unheimlich wie Professor Snape.
