Von einem Dach zum nächsten
Das Fenster zum Büro des Lord Witwenmacher war von Innen verschlossen ebenso wie die Klappte im inneren des Kaminschachtes und natürlich die Tür. Bis auf die Gegenstände, die sich normalerweise hier drin befanden war der Raum leer. Seine Lordschaft war ausgegangen. Dann klapperte etwas von der Fensterseite her, dann klickte es und anschließend ruckelte das Fenster. Mit einem leisen schleifen wurde das Fenster nach oben geschoben.
Wenn es zu dieser Jahreszeit einen Luftzug gegeben hätte, der ebenfalls ins Zimmer gelangt wäre hätte er einige Papiere auf den Schreibtisch aufgewühlt. Doch dem war nicht so. Dafür wurden ebendiese Unterlagen einige Sekunden später von fremder Hand angehoben und wieder abgelegt.
Auf ein leises, kaum hörbares „Mist" folgte alsbald ein „Aha!" nur dieses mal etwas leiser.
Wieder raschelten Papiere, alles wurde sorgfältig an seine Ausgangsposition gerückt. Das Fenster wurde wieder verschlossen.
An einem anderen Ort auf der Ankh - Seite der Stadt, schritt Frau Geraldine Tassentörtchen in ihrem Salon auf und ab und versuchte ihrem Sekretär eine Brief zu diktieren.
Sie war Alleinerbin des Tassentörtlischen Imperiums das kleine, sehr bunte und sehr teure Backwaren mit enorm viel Sahne an enorm Reiche Kunden verkaufte. Ihr Urgroßvater hatte aus einer Improvisation ihrer Urgroßmutter eine Geschäftsidee gemacht und damit ein Vermögen erworben.
Nur wenige, ausgewählte Bürger, mit genügend Kleingeld in der Tasche, konnten sich diese Spezialitäten leisten. Was sie auch mit Freuden taten. Die meisten anderen Bürger der Stadt störten sich nicht daran, da sie nicht einmal wussten das diese Dinger existierten. Doch auch Gebäckverkäufer hatten Feinde. Besonders dann, wenn Angehörige aus einem Nebenzweig der Familie mit der Geschäftspolitik nicht einverstanden sind.
Während also Frau Tassentörtchen in ihrem Haus ihre Kreise drehte, wurde besagtes Haus von außen umkreist. Eine Junge Frau, ganz ins schwarz gekleidet, untersuchte jeden Teil des Gartens. Das Haus, alle Zimmer und sämtliche bauliche Besonderheiten hatte sie schon angesehen und in einem kleinen Buch notiert. Die Observation der Kundin war beinahe abgeschlossen. Morgen Abend konnte sie den Auftrag ausführen. Am liebsten hätte sie sofort gehandelt. Aber von ihrem Platz im Baum aus war sie zu weit weg und sie hätte den Sekretär und den Butler, der jetzt auch ins Zimmer gekommen war ebenfalls töten müssen. Das hätte allerdings gegen die Vorschriften verstoßen. Abgesehen davon gab es für Dienstpersonal, das nicht explizit erwähnt wird, auch kein Honorar.
Als sie fertig war mit schreiben, steckte sie ihre Notizen ein und machte sich auf den Weg zurück zu Gilde.
Im Gildengebäude selbst war es still. Für Schüler herrschte nach 22 Uhr Ausgangssperre und alle Mitglieder im Dienst, waren, nun ja, im Dienst. Alle anderen gingen anderen, die nicht mehr in den Gildenhäusern wohnten waren meist nur Tagsüber da.
Darius saß auf seinem Bett umgeben von Papieren. Er hatte den ganzen Tag mit nichts anderem zugebracht als die aktuellen Aufträge durchzugehen und Hinweise zu suchen wo dieser Mörder - der kein Assassine war - als nächstes zuschlagen würde.
Darius Raum war einst einem Jungen Mann zugeteilt gewesen der vor einigen Monaten durch die Hand des ehemaligen Oberhauptes der Gilde, Professor Kreuz, ums Leben gekommen ist. Ihm wurde dieser Raum ein paar Wochen vor seiner Abschlussprüfung zugeteilt da in dem Flügel, in dem er vorher gewohnt hatte ein Wasserschaden aufgetreten ist. Das kommt davon wenn selbst eine so reiche Gilde nicht daran denkt viel zu alte Bleirohre durch etwas moderneres zu ersetzen.
Ganz undankbar war er dafür allerdings nicht. Der neue Raum war etwas großer als sein alter und im Hauptgebäude zu Wohnen hatte gewiss Vorteile, vor allem wenn man ganz spontan noch beschließt in die hiesige Bibliothek zu gehen.
Es klopfte zaghaft an seine Tür ohne aufzusehen sagte er „Herein!" und schon wurde die Tür zu seinem Zimmer geöffnet. „Guten Abend. ...Oh, störe ich Dich. Ich dachte du würdest um die Zeit nicht mehr arbeiten?" Darius sah auf. „Will. Was machst du denn hier? Du weist das der Alte es nicht haben kann wenn Damen sich nach der Ausgangssperre in Zimmern aufhalten die nicht ihre eigenen oder die von anderen Damen sind."
„Tut mir leid. Aber ich musste dich unbedingt sprechen. Es geht um den Fall mit dem ich betraut wurde."
Die junge Frau, welche eben Darius Zimmer betreten hatte war Wilhelmina von Degengut, aber alle nannten sie Will*. „Na gut. Du wirst dich ja eh nicht davon abhalten lassen!" er seufzte. Aber wirklich verärgert war er über die Unterbrechung nicht. Außerdem könnte er seiner besten Freundin doch nichts abschlagen.
„Schau her." sagte sie gut gelaunt. „ Man hat mich beauftragt Frau Tassentörtchen zu inhumieren. Ich bin schon ganz aufgeregt. Sie ist die erste die ganze 1000 Dollar wert ist. Ich war eben in ihrem Garten und habe mir alles genau angesehen. Wenn ich nicht Anweisungen gehabt hätte mir nur eine Bild von der Lage zu machen hätte ich den Auftrag bestimmt gleich erledigen können."
Will sprach das alles in wahnsinniger Geschwindigkeit. In weniger als einer Minute hatte sie all das von sich gegeben. Was Darius auch mit 100% Sicherheit wusste war, wenn er sie nicht reden ließ würde es ganz schlimm für ihn enden. Er hatte sich, seit er sie kennengelernt hatte daran gewöhnt das sie sehr schnell sprach. Das fatale war nur, wenn sie nicht reden durfte, unterbrochen wurde, nervös oder sonnst irgendwie aufgeregt war wurde so so schnell das man kaum etwas verstand. Manches Mal schien es als würde sie vergessen das Lücken zwischen einzelnen Wörtern davon abgesehen das andere Menschen auch atmen mussten um zu sprechen.
„Das ist großartig. Hast du schon eine besondere Vorgehensweise oder würdest du das „Standartprogram" anbieten?" sagte er. „Ich weiß es noch nicht, eigentlich wollte ich dich fragen ob du mir etwas empfehlen kannst?" Willhelmine hatte sich inzwischen vor dem Bett auf den Teppich gesetzt. Es gebot sich zwar nicht für eine Dame auf dem Boden zu sitzen aber die Degenguts konnten in manchen Situationen durchaus pragmatisch sein. Außerdem brachte es Willhelmine fertig mit Stil auf dem Boden zu sitzen.
Darius überlegte eine Weile. Dann sagte er"Weist du, ich habe den Tassentörtchen- Auftrag auch in meinen Unterlagen. Ich komme einfach Morgen mit Dir. Dann schaue ich mir die Sache an und wir entscheiden spontan über die Vorgehensweise. Soweit mir bekannt ist, legt der Auftraggeber keinen Wert auf die Art der Durchführung. Außerdem tut es mir auch gut mal wieder aus dem Haus zu kommen."
„Gut. Dann sehen wir uns Morgen Abend, Danke Darius." sagte Willhelmine und schenkte Darius ein warmes Lächeln ehe sie sich, ohne ihr e Hände zu Bemühen aus dem perfekten Kniesitz, den sie eingenommen hatte erhob. Sie verabschiedete sich von ihrem Freund und ließ ihn in seinem Zimmer, umgeben von Papier zurück.
Gut. War das also entschieden. Er würde also den Tassentörtchen- Auftrag überprüfen. Und, was ihn gerade sehr freute, er müsste für heute nicht weiter in Papier wühlen müssen.
Am nächsten Morgen kroch das Licht der Sonne in seiner üblichen schwere, über die Scheibenwelt. Sonnenaufgang in Ankh – Morpork. Als das Licht durch die Gardinen ins Zimmer drang und Darius weckte, erwachte er mit einem Schreck. „Mistverflucht!" sagte er als er mit Schwung aus dem Bett sprang. Wenn er alleine War nutzte er die Gelegenheit ausgiebig zu fluchen. Er zog sich in Windeseile an, strich mit hastigen Bewegungen seinen dunkelblonden Haarschopf glatt und eilte aus seinem Zimmer hinaus.
Die große Uhr in der Eingangshalle zeigte fünf vor sieben. Gut, er könnte es schaffen. Vielleicht gelang es ihm heute. So schnell er konnte, und dennoch so elegant, wie es einer Person seines Standes gebürte, rannte er zum hinteren Ausgang neben der großen Küche. Er brachte sich in Position, heute würde es bestimmt klappen. Da kam er schon, es klapperte, Darius lies sich nun langsam von seinem Versteck, kopfüber, heruntergleiten und...
„Du kannst dir ruhig noch mehr Zeit lassen beim herunter kommen. Ich störe mich nicht daran. Aber beim nächsten Mal musst du dir etwas anderes einfallen lassen." Ganz gelassen drehte sich Ronny Soak um und hielt dabei einen Korb mit leeren Milchflaschen in den Händen. Als Darius vom Vordach heruntergesprungen war, breitete sich ein lächeln auf Ronnys Gesicht aus.
„Die Idee war gut." sagte er anerkennend. „Aber du bist mit deinen Gedanken ganz woanders- und verschlafen hast du auch." Solche aussagen und die Tatsache das er es noch nie geschafft hatte den Milchmann zu überraschen verwunderten Darius immer wieder aufs neue. Aber mochte er Ronny, was auf Gegenseitigkeit beruhte, und deshalb respektierte er die Geheimnisse, die der andere Mann hatte. Dieses Spiel, war zu einem regelmäßigem Ritual geworden. Seit seiner Schulzeit hatte Darius immer versucht sich an andere Leute an zu schleichen. Ihnen so nah wie möglich zu kommen, ohne das sie etwas davon erfuhren, bis zum letzten Moment. Ronny Soak war der erste und einzige den er noch nie hatte überraschen können. Eine Tatsache die Ronnys Freundschaft umso wertvoller machte.
„Woher weist du das schon wieder?" „Ich weis es einfach." Kam als schlichte Antwort. „Ausserdem ist dein Haar zerzaust,deine Jacke ist nicht richtig zugeknöpft und dein Kragen steht an einer Seite über. Hoffentlich sehen dich deine Vorgesetzten nicht so."
„Oh, ..äh.. Danke. Ich richte das später." verlegen versuchte Darius sein Haar wieder mit der Hand glatt zu streichen was ihm aber nicht recht gelingen wollte.
„Ach ja," sagte Ronny „ Dein Lieblingskäse kann heute aus der Reifekammer heraus. Warum kommst du nicht später vorbei und holst ihn ab?"
„Ja, gerne, mach ich. Also bis später, ich muss jetzt los."
„Ich auch. Wir sehen uns" mit diesem Grußwort verabschiedete sich der Milchmann und ging um weitere Milch auszuliefern.
Einige Zeit später im Klassensaal der Narrengilde.
„Nein, Nein, Nein. Ach Eggi, du sollst die Sahnetorte einfach nur gerade aus werfen. Nicht nur nach oben. Wenn du sie hochwirfst triffst du niemals deinen Partner. Warum merkst du dir soetwas nicht?" Der Clown- Lehrer versuchte seiner Klasse einen klassischen Tortenwurftrick beizubringen. Es gab einige Tricks und Kniffe die es hierbei zu beachten gab um die Sahne auch möglichst eindrucksvoll im Gesicht eines anderen zu verteilen. Doch an dem jungen Eggi verzweifelte er.
Gar keine Frage der Junge war Talentiert, was er alles mit Seilen und Stäben anzufangen wusste war erstaunlich. Aber trotz seiner Bemühungen konnte er mit seinen 18 Jahren und nach fast 3 Jahren Ausbildung immer noch zu wenig um ihn als wahren Clown zu bezeichnen.
Irgendwie bekam er es nicht richtig hin. Obwohl er ernsthaft genug für diesen Job war, gelang ihm nur das nötigste von den Spaß – machenden Dingen. Im Team war er eine Bereicherung, aber einzeln und auf sich allein gestellt hatte er, trotz intensiven Trainings nur die Basisfähigkeiten drauf. Es war ein Jammer das ein solches Talent wegen Talentlosigkeit nichts zustande brachte.
„Na gut, belassen wir es dabei fürs erste. Mir sind jetzt eh die Sahnetorten ausgegangen. Gehst du bitte zur Küche und lässt dir neue geben." Eggi nickte stumm. Er war froh das diese Elende Tortenwurftortur ein Ende hatte. „Ähm..." meldete sich ein anderer Schüler. „Dem Koch ist heute die Sahne ausgegangen. Das hat er heute morgen beim Frühstück gesagt."
„Oh, na gut. Dann geh doch zum Milchmann und besorge neue Sahne. Sie es weniger als Strafe als mehr als Möglichkeit darüber nachzudenken was du verbessern kannst."
Wieder nickte Eggi nur, sagte leise „Ja, Sir." und ging aus dem Unterrichtsaal.
Ohne weitere Umschweife verließ er das Gebäude und machte schnurstracks auf den Weg zur Molkerei. Er wusste das er nur die beste Sahne der ganzen Stadt holen sollte.
Blöde Tortenwerferei, ich finde Torten sollte man essen und nicht mit dem Essen herumspielen. Außerdem was kann ich denn dafür das ich nicht gut werfen kann? Als Akrobat bin ich eben einfach besser. Außerdem sollte einem die Arbeit auch Spaß machen. Ich finde es blöd das Clowns eigentlich nie selbst Spaß haben. Wie soll man denn da jemanden zum lachen bringen oder auch sonnst irgendwie beeindrucken? Wenn nicht sein guter Vater wäre, der wollte das sein Sohn in der großen Stadt ausgebildet wird, würde er zum Zirkus zurück gehen...Diese ganze Sache war doch Schei... Autsch!
Ganz in Gedanken versunken war Eggi doch noch in jemanden hineingelaufen. Er landete mit dem Hintern voran auf dem Kopfsteinpflaster. „Entschuldige Herr, ich hatte dich nicht gesehen." murmelte Eggi von der Straße aus. Er rieb sich die Perücke und brachte sein Hütchen wieder in Position. Schließlich sah er auf, die Sonne blendete ihn und er sah nur eine schwarze Gestalt vor ihm. „Mir ist nichts passiert. Ist alles in Ordnung mit Dir?" fragte eine freundliche Stimme von oben. Eine Hand wurde Eggi entgegen gestreckt. Instinktiv ergriff er die ihm dargebotene Hand, mit einem Ruck wurde er auf die Füße gezogen.
Erst jetzt erkannte er, nicht ohne Schrecken, das es sich um den jungen Mann handelte dem er am vergangen Tag auf dem Dach begegnet war.
Nicht schon wieder. Den Göttern sei´s gedankt das ich meine Klatsche im Gesicht habe. Und noch die Übungskleidung über meinem Arbeitsanzug drüber. Dachte sich Eggi.
„Ähm.. Danke."
„Kein Problem, es ist ja nichts passiert. Gehe ich recht in der Annahme das du Schüler am Clowncollege bist? Wenn du neue Sahne holen willst musst noch warten. Herr Soak ist gerade im Käselager."
Eggi nickte nur. Warum erzählte der mit ihm. Er war doch ein Assassine. So etwas war doch nicht normal! Doch irgendetwas an dem Mann vor ihm war ungemein faszinierend, vielleicht gerade weil er, trotz seines Berufes und seiner Herkunft so erfrischend unvoreingenommen wirkte, so herzlich und offen. Er musterte sein Gegenüber jetzt bewusst. Von oben nach unten: Haare mittellang, hellbrünett; Graublaue Augen, gerade Nase, ovales, etwas breiteres Gesicht, Kleidung schwarz(matt,wirkte teuer aber alt- nicht abgetragen), Stehkragen, Knopflinie schräg von links oben abwärts verlaufend
(ungewöhnlich) Ärmel etwas länger als nötig, keine Ringe.
An Hosen und Schuhe konnte er nichts interessantes ausmachen - oder? Doch die Schuhe wurde regelmäßig mit neuer Farbe und Lack überzogen um die Abnutzungsspuren zu überdecken; und was war das da am rechten Fuß- Moos?
Er musste wohl sehr viel auf Dächern unterwegs sein.
Eggi genoss es sein bisher unentdecktes Talent, welches sich erst vor kurzem entfaltete, benutzen zu können. Leute beobachten, mustern und kategorisieren, etwas sehr nützliches, wenn man stärken und schwächen einer Person herausfinden wollte ohne sich durch deren Unterwäsche wühlen zu müssen.
Nur leider für den Job eines Clowns völlig unbrauchbar.
„Also, Darius hier hab ich deinen Käse" schallte es von der geöffneten Ladentüre her. Dem Schall hinterher kam ein, gutgelaunter Milchmann, der einen Käse, in einem Tuch eingeschlagen, vorsichtig wie ein Baby im Arm trug.
„Er ist mir vorzüglich gelungen." meinte Ronny munter. „Großartig" erwiederte Darius. „Ich wusste ich kann mich auf dich verlassen. Oh im übrigen hast du einen weiteren Kunden."
Erst jetzt schien Ronny den Jungen neben Darius bemerkt zu haben.
„Genau. Du hast Glück. Ich habe noch zwei Liter Sahne übrig. Ich gehe gerade hinter und hole sie dir."
„Ich hätte ja nicht gedacht das ich dich so schnell wiedersehen würde." sagte Darius.
Er hat mich erkannt? "Wie..?"
„Ich kann auch hinter das „Clownsgesicht" schauen." sagte Darius schnell. „Gestern Mittag wollte ich Dir keine Angst einjagen. Wollte nur mit dir reden." Eggi schwieg. „Du musst nichts dazu sagen." Darius machte eine kurze Pause und sah auf zum blauen Himmel über der Stadt „Ich mache dir einen Vorschlag. Wenn Deine Sahne kommt begleite ich dich, bis zu den Gildenhäusern. In etwa einer Stunde beginnt die Allgemeine Mittagszeit. Ich verbringe diese Zeit am liebsten auf dem Dach; es ist halt nur etwas einsam immer allein da oben zu sein." Darius hielt inne um nun Seitwärts zu Eggi zu schauen. Dieser rümpfte angeelkelt dies Nase und brachte ein leises würgen hervor.
Da Kam auch schon Ronnie mit zwei Kannen voll Sahne zurück, er gab sie an den den Tragegriffen in jeweils eine Hand des Clowns und bestätigte das er den Preis dafür, der Gilde anschreiben würde. „Danke, Sir." sagte Eggi leise. Noch verwirrt von Darius Worten drehte er sich um und ging los. Darius folgte ihm still. Sie sprachen nicht mit miteinander als sie zu ihren Gildenhäusern zurückgingen.
An der Kreuzung, wo sich ihre Wege trennen sollten sprach Eggi Darius auf einmal an. „Nur Konversation?" fragte er vorsichtig.
„Was? Ja! Nur lasse auch den Käse in meinem Zimmer."
Für beide Überraschend schenkte Eggi Darius ein kleines, echtes, Lächeln.
„Gut!"
Nur kurze Zeit später trat Darius durch die Tür zum Dach. Er hatte, wie schon am Tag zuvor, seine Papiertüte mit Mittagessen dabei. Seinen Käse hatte er schweren Herzens in seinem Zimmer gelassen. Doch die Aussicht sich mit dem Clown zu unterhalten bescherte ihm nicht nur ein angenehmes kribbeln in der Bauchgegend es würde ihn bestimmt auch dafür entlohnen keinen Käse dabei zu haben. Außerdem steht ein Gentleman zu seinem Wort.
Neugierig sah er sich um. Der Clown war noch nicht da. Lange musste er aber nicht warten. Keine zehn Minuten später kam der junge Clown ebenfalls auf´s Dach. Auch er hatte Mittagessen dabei.
Beide waren nun auf dem selben Dach mit langsamen schritten näherten sie sich. Als sie nur noch wenige Meter von einander getrennt waren schauten beide auf. Für einen Moment sahen sie sich an.
Etwas klickte in Darius innerem. Die Schminke, die er beim Milchmann im Gesicht des Clowns gesehen hatte war abgewischt. Nur seine Perücke und ein Hut mit großer Feder. Auch den Kittel mit dem er vorhin noch bekleidet war hatte er abgelegt. Erstaunlicherweise trug er nicht die für Clowns sonst übliche viel zu große/zu kleine Kleidung sondern einfach nur schlecht zusammengestellte. Blau- Gelb gestreifte Panthalons, ein Hemd in Fliederfarbe, darüber eine Art bauchnabeltiefem Latz(der ebenfalls am Rücken herabhing) in weis mit großen bunten Punkten. Furchtbar.
„Hallo" begrüßte Darius ihn. „Hallo" kam die etwas scheue Antwort. „Freut mich das du tatsächlich gekommen bist. Und wie du siehst, habe ich meinen Käse nicht dabei."
„Ja. Er hat auch bestialisch gestunken." Darius lächelte. Das Eis war gebrochen. Er streckte sein Hand aus und sagte:" Mein Name ist übrigens Darius Morella. Wie heißt du?"
„Eggi"
„Ich wollte nicht wissen wer du bist sondern wie du heißt."
„Oh..ähm..Daniel, Daniel Raupe"
„Es freut mich dich kennen zu lernen Daniel."
Mit diesen Worten begann ein vorsichtiges, doch stetiges Gespräch. Keinem der beiden wäre je in den Sinn gekommen das ein Clown und ein Assassine sich je so, mehr oder weniger, unformal unterhalten würden. Sie glaubten auch nicht dass es das ein weiteres Mal in der Geschichte beider Gilden geben würde. Darius und Daniel waren in dieser Hinsicht etwas ganz Besonderes. Weder der eine noch der andere konnte es zu diesem Zeitpunkt fühlen, aber ab hier sollte besagte Geschichte einen neuen Verlauf nehmen.
Sie sprachen über alles was ihnen in den Sinn kam und von dem sie meinten das es für ein erstes Gespräch angemessen war. Auch wenn es, besonders für Darius, unangemessen gewesen wäre zu sagen so schwappte die Gegenseitige Sympathie doch über.
Ohne den Weg über Darius Gehirn hatte es sein Herz sich zum Ziel gemacht in den Stillen Wassern von Daniel hohe Wellen schlagen zu wollen.
Und auch der Wortkarge Daniel fühlte sich ungemein Wohl in der Gegenwart dieses ungewöhnlichen Assassinen. Was ihn selbst zwar am meisten wunderte, aber aus irgendeinem Grund kein Problem mehr darstellte.
Nach dem Ende ihre Mittagspause verabschiedeten sie sich von einander – natürlich mit der Aussicht sich am nächsten Tag wieder auf dem Dach zu treffen.
Stunden später war die Nacht über der Stadt hereingebrochen. Darius und Willhelmine bereiteten sich auch ihren Einsatz vor. Sie hatten alles klar abgemacht, Will würde den Auftrag ausführen(sie hatte sich für die „traditionelle" Art entschieden und Darius würde ihr Rückendeckung geben und, falls nötig, beraten.
Das erreichen des Gebäudes war nicht weiter schwer. Will hatte sich in der vergangenen Nacht einen guten Einblick verschafft und war bestens vorbereitet. Frau Tassentörtchen schickte sich an an diesem Abend früh zu Bett zu gehen.
Großartig, um so leichter ließ sich die Arbeit bewerkstelligen.
Geräuschlos drangen beide nun in das Haus ein. Will musste ein paar Flure und Korridore passieren ehe sie das Schlafzimmer der Zielperson erreichte. Darius hatte einen anderen Weg genommen und hatte das Nebenzimmer erreicht. Er würde, wie abgesprochen als erster den Raum betreten um sicher zu stellen das niemand ihnen niemand in die Quere kam. Außerdem durften keine Unbeteiligten hineingezogen werden. Das wäre nicht nur unschön für die Angehörigen sondern würde auch einen Mehraufwand an Papier und Bürokratie zur folge haben - und niemandem konnte daran gelegen sein.
Darius öffnete die Tür und trat in das Zimmer was dann geschah passierte in nur wenigen Augenblicken. Er sah eine Gestalt über das Bett von Frau Tassentörtchen gebäugt. Zu viel Licht vom geöffneten Fenster schien herein um die Person, die mit dem Rücken dazu stand, genau erkennen zu können. Was aber zu erkennen war, war das die Kleidung sehr eng anliegend war. Als der Fremde Darius bemerkte schauten sie sich für einen Moment lang an. Nicht das Darius das Gesicht des anderen sehen konnte, doch irgendetwas sagte ihm das der andere seines sehr wohl sehen konnte.
Jetzt ließ dieser den erschlafften Körper in die Kissen zurück fallen, wand sich den Strick den er eben gebraucht hatte um das Handgelenk und hechtete auf das Fenster zu. Darius verfolgte ihn. Der Fremde sprang aus dem Fenster, als Darius das Fenster erreichte sah er das der andere ein Seil vom Dach hatte herunter hängen lassen an dem er jetzt nach oben kletterte. Darius zögerte nicht und kletterte hinterher. Nur wenige Sekunden trennten beide als sie jeweils das Dach erreichten. Problematisch war hier das voran kommen, da dass Dach schräg war. Doch weder Verfolger noch Verfolgter ließen sich davon beirren. Darius konnte sogar ein wenig aufholen, dank der vielen Übung,als beide auf einen höher gelegenen Dachfirst kletterten. Nicht einmal eine Handbreit trennte Darius nun von Fliehenden.
Jetzt! Jetzt hatte er ihn, er hielt seine „Beute" am Handgelenk fest. Der Stoff den er fühlte war ganz straff, elastisch und trotzdem sehr weich. Sein Gegner versuchte sich dem Griff zu entwinden doch er wurde zu gut festgehalten. Darius schaffte es nun auch seine beiden Arme um den anderen zu legen. Er wollte ihn nierderringen, zu Boden werfen, wenn er ihn erst einmal so weit hätte müsste er nur noch wissen wer er war, dann könnte er ihn inhumieren.
Doch sein Gegner war stark. Er war kein sehr geschickter Kämpfer, keine Technik und Finesse erkennbar und trotzdem ließ er sich nicht zu Fall bringen. Dieser Mann(Darius war inzwischen überzeugt das es ein Mann war)war drahtig, schnell und Wiederstandsfähig. Von Vorteil war auch die enge, glatte Kleidung. Nichts an dem man sich halten konnte, nichts mit dem man arbeiten konnte. Er konnte auch keine der Waffen nutzen die in seinem Anzug waren. Würde er los lassen hätte er verloren. Noch nie durfte sich Darius mit so jemandem messen.
Diesem jemand gelang es auch mit einem unglaublichen Geschick aus der Umklammerung heraus zu rutschen. In einer Fließenden Bewegung ging er in einen Flick- Flack über sprang zum nächstgelegen Dach über einem Erker. Dort hatte der unbekannte eine Stange postiert die zum nächsten Haus reichte. Er wollte gerade darauf steigen da hatte Darius ihn wieder an der Hand gepackt. Ehe sich Darius bewusst wurde was gerade geschah hatte ihm der Unbekannte schon einen gut gezielten Tritt in die Magengrube gegeben. Unweigerlich knickte der junge Assassine ein hielt aber den Handschuh seines des Mannes den er verfolgt hatte fest. Von diesem hatte er sich schnell befreit und lief nun, ohne Angst weiter verfolgt zu werden zum anderen Dach davon und war dort im dunkel verschwunden.
**Die Degengut- Familie zeichnete sich dadurch aus das Alle gut mit einem Degen umgehen konnten. Wirklich Alle. Das Fechten mit Degen war und wird diesen Leuten in die Wiege gelegt - nicht umsonst hat Wilhelmine einen Florett von nur 11 ½ Zoll an Ihrer Zimmerwand hängen. Damit allen klar war das ein wahrer Mann nur dann wirklich wahrhaftig ist, wenn er eine meisterliche Ausbildung zum Fechter hat, wäre es nie einem Oberhaupt der Familie in den Sinn gekommen eines seiner Kinder keinen männlichen Namen zu geben. Doch leider, leider gebot die Moderne es, das die Namen einen kleinen Hinweis darauf geben sollten, dass es immer noch ZWEI Geschlechter gibt. Sonnst hätte es noch öfter ein Fiasko gegeben wie bei Wilhelminas Tante Oskar.
**Ich habe nur darauf gewartet endlich das Sternchen* zu benutzten – könnt ihr euch das vorstellen? Ich freue mich riesig darüber!
