A/N: Sorry, dass es so lange gedauert hat, die Schule beansprucht mich leider ziemlich und dann hatte mein PC zwischendurch noch nen Nervenzusammenbruch… -.-

Aufgrund sehr interessanter – mir neuer – Informationen, musste ich noch einen Chara erfinden. Eigentlich soll er keine größere Rolle spielen, aber mal sehen, wie er sich entwickelt ;)

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Zwar war die Idee, dass sie schon so früh nach Hogwarts kommen würde, ihre gewesen, doch nun, wo Arian endlich da war, wurde ihr schneller langweilig als ursprünglich gedacht. Nachdem sie sich einmal aufgerafft hatte, war das Einräumen ihres Quartiers und des Büros ein Klacks gewesen, sogar das eher etwas komplizierte Aufstellen ihres magischen Plattenspielers hatte nicht allzu viel Zeit in Anspruch genommen. Außer ihr schien jedenfalls kein anderer Lehrer schon hier zu sein, alle waren noch in ihren wohlverdienten Ferien – wie sie es, letztendlich, wohl auch besser gemacht hätte. Sogar Hagrid war unauffindbar, obwohl sie abends gelegentlich Licht in der Hütte am Waldrand sah, von der sie ausging, dass sie ihm gehörte, jedoch wollte sie ihn nicht stören und ging so nie hinunter.

Deshalb saß sie zu den Mahlzeiten auch meist in der Küche (ein leicht verrückter Ritter namens Sir Cadogan hatte ihr verraten, wie man hinein kam), ließ sich von den Hauselfen verwöhnen, unterhielt sich mit ihnen (sie wussten unglaublich viel Klatsch und Tratsch über Personen, die Arian noch gescheit kennenlernen würde), während die Stunden und Tage so dahinplätscherten. Manchmal ging sie des Nachts unter dem silbernen Mond spazieren, der sich so herrlich in den dunklen Tiefen des Sees auf dem Gelände spiegelte, oder wanderte verträumt durch die Gänge – das allerdings bevorzugt bei Tage, da sie sich sonst hoffnungslos verfranzte. Ab und zu meinte sie, jemand anderen herumlaufen, oder besser –schleichen, zu hören, doch so sehr sie sich auch umguckte, sie entdeckte niemanden.

Nach ungefähr zwei Wochen (obwohl es sich eher wie zwei Jahre anfühlte) traf Arian schließlich auf die erste Menschenseele im Schloss seit der Lehrerversammlung (die Geister zählten nicht wirklich). Wobei treffen etwas zu positiv ausgedrückt war: sie betrat nach einem Spaziergang an der frischen Luft enthusiastisch die Eingangshalle, nur um direkt gegen eine schwarzgekleidete Gestalt zu prallen, die sich auch noch als ein ganzes Stück größer als sie selbst herausstellte. Und dazu extrem schlecht gelaunt.

„Was zur Hölle…?!", fluchte der Mann, den sie kurz darauf als ihren liebenswerten Kollegen Snape erkannte, als er sie grob von sich stieß. „Passen Sie gefälligst auf wo Sie hinlaufen, Sie…!" Der Rest des Ausbruchs war so leise, dass Arian kein Wort mehr verstand, doch irgendetwas sagte ihr, dass es gewiss keine Komplimente gewesen waren.

Arian wurde knallrot und stotterte etwas Unverständliches, doch Snape war schon längst wieder verschwunden. Dämlicher Kerl, sollte doch selber schauen, wo er hinlief!

Ihre gute Laune etwas gedämpft, stieg Arian die Marmortreppe hinauf und begab sich in ihre Gemächer. Sie legte eine ihrer Lieblingsplatten auf und entspannte erst einmal eine Dreiviertelstunde auf der Couch. Irgendwie ärgerte sie sich maßlos. Jetzt, hinterher, fielen ihr wieder tausend Dinge ein, die sie besser zu diesem Arsch von einem Kollegen hätte sagen können, nur in der Situation an sich hatte sie wieder kein vernünftiges Wort herausgebracht. Wie wäre es mit einem „Ihnen auch einen wunderschönen guten Morgen" gewesen? Dieser Mistkerl machte sie jetzt schon halb wahnsinnig… Und er schien wirklich der einzige zu sein, der sich außer ihr gerade im Schloss aufhielt – dann konnte sie ja genauso gut noch ein paar Tage zu Robbie gehen, auch wenn sie sich eigentlich darauf eingestellt hatte, auch noch die restlichen Augustwochen auf Hogwarts zu verbringen. Aber die Hoffnung auf nette Gesellschaft hier war nun endgültig zerplatzt.

Etwas enttäuscht von der Lage, in die sie sich gebracht hatte, packte sie ein paar Sachen wieder ein und benutzte die Flohverbindung, um in die Wohnung ihres Freundes zu gelangen. Krampfhaft versuchte sie dabei sich nicht von diesem Zwischenfall die Vorfreude auf die Arbeit mit den Schülern nehmen zu lassen.

„Arian!"

Kaum war sie aus dem Kamin gestolpert, da fand sie auch schon Robbies Lippen auf ihren vor. Überrascht, aber voller Freude, erwiderte sie den Kuss lang und innig, bevor sie sich lachend in Robbies Arme fallen ließ.

„Du! Hättest mich ja erstmal reinkommen lassen können!", neckte sie ihn.

„Bist doch drinnen, cariad", entgegnete Robbie mit schiefem Lächeln. „Wo rein möchtest du denn sonst, he?"

„Oh Mann, du bist unmöglich, Robbie!", stöhnte Arian grinsend. „Lass es uns mal nicht übertreiben!"

„Haha, wo bleibt die Spontaneität?"

„Ist es dir nicht spontan genug, dass ich hier bin?"

„Ja… Wieso bist du eigentlich hier? Wolltest du nicht an der tollen Schule sein?"

„Ach, weißt du", seufzte Arian, „die anderen Lehrer sind alle noch in den Ferien, bis auf den einen und der… der ist ungefähr der größte Idiot, der mir je begegnet ist."

Robbies Mundwinkel zuckten. „Jetzt weiß ich, warum Großmutter nicht wollte, dass ich nach Hogwarts gehe", steuerte er wenig hilfreich bei.

„Der Typ ist schrecklich, echt! Ich bin nur aus Versehen in ihn rein gerannt und der beschimpft mich gleich…"

„Vielleicht hast du ihn an seine Ex erinnert", meinte Robbie nachdenklich. „Oder du hast… was anderes getroffen…" Er zog eine halb belustigte, halb mitleidige Grimasse.

„Ha. Ha. Echt! Und wenn der wirklich ne Ex hat, wunder' ich mich nicht, dass es seine Ex ist!"

Robbie fand es immer wieder unglaublich amüsant, wenn Arian über andere Männer herzog. Aber das war ja auch richtig so, schließlich war sie seine Freundin und diese Schlappschwänze sollten schauen, wo sie blieben.

„Mach dir keine Sorgen, komm einfach immer her, wenn diese soziale Unmöglichkeit dich ärgert!", sagte Robbie und streichelte Arian zärtlich über den Rücken.

„Danke, Mama", schnaubte diese augenrollend. „Bei deiner Ausdrucksweise komm ich mir vor wie ein Kleinkind…" Dann lächelte sie grimmig. „Ich will mich nicht von dem unterkriegen lassen. Sogar Dumbledore lässt ihm dieses Verhalten durchgehen, ich meine, hallo, als Schulleiter!"

„Ja… Das ist halt Dumbledore. Total neben der Spur, wenn du mich fragst."

„Wie gut, dass ich dich nicht frag'!", kicherte Arian. „Er ist schließlich mein Arbeitgeber und du beeinflusst mich gerade eben schlecht! Komm, ich hab' keine Lust mehr, über den Kerkerdeppen nachzudenken! Reden wir über was anderes."

„Kerker?! Sag nicht, er wohnt im Kerker?!"

„ANDERES THEMA!"

*OoOoO*

So eine naive, ignorante, kleine…! Grrrr!

Severus stampfte wütend die Treppen vor dem Portal hinunter, seine nachtschwarzen Roben bauschten sich hinter ihm auf wie dunkle Gewitterwolken. Mit allerbester Geh-mir-aus-dem-Weg-oder-es-bekommt-dir-nicht-Mien e im Gesicht rauschte er über die weitläufigen Schlossgründe und hinein in den Schatten des Verbotenen Waldes. Einige Kräuter blühten heute zum ersten Mal und vorsichtig trennte er die zarten Triebe mit dem scharfen kleinen Silbermesser ab, das er immer für solche Gelegenheiten bei sich trug. Wunderbar, damit konnte er nun endlich seine Forschungen an dem Migräne-Trank fortführen! Zwar hatte er schon lange keine tägliche Verwendung mehr dafür, aber sicher war sicher (vor allem nach dem… Erlebnis vor zwei Wochen) und warum nicht daran arbeiten, wenn ein bisschen Anerkennung dabei herausspringen könnte? Oder war auch das zu viel verlangt? So wie… Nein. Nicht über die Stelle nachdenken. Kräuter. Schöne Sommerkräuter. Einzigartig in diesem Wald. Für den Migräne-Trank. Für den Erfolg. Weiterlaufen.

Von hier, so war sich Severus sicher, war es nur noch ein kurzes Stück, bis er anfangen würde, Selbstgespräche zu führen.

Etwas knackte im Unterholz. Das Geräusch hallte unnatürlich in der schweren, stehenden Luft des Forstes wider. Abrupt blieb Severus stehen. Wohl nur die Zentauren, aber wissen konnte man es nie ganz genau, er war hier auch schon wesentlich Fieserem begegnet und gerade eben war er wirklich nicht in der Stimmung zu verhandeln…

Doch heute wurde er von weiteren bösen Überraschungen verschont: Magorian, ein brünetter Zentaur und so etwas wie der Anführer der Herde, trat aus dem Dickicht zu Severus' Rechten hervor und nickte ihm kurz zu, bevor er einige Meter weiter wieder zwischen den Bäumen verschwand.

Warum fiel ihm gerade jetzt wieder ein, wie ebenjener Zentaur ihm einmal von den alten Druiden erzählt hatte und wie diese den Himmel gedeutet hatten? Musste wohl daran liegen, dass er immer noch darüber nachgrübelte, warum Albus ein neues Fach eingeführt hatte. Eigentlich war der ja kein Fan davon, den Schülern ihre sogenannte Freizeit zu nehmen, aber jetzt wollte er schon den Erstklässlern diese Kelten aufzwingen. Konnte das wirklich auch nur den leisesten Hauch von einem Sinn haben?

Einmal mehr war Severus froh, das Schulalter bereits hinter sich gelassen zu haben. Es reichte ihm vollkommen, mit diesem… Mädchen jeden Tag an einem Tisch essen zu müssen. Mehrmals. Das war bestimmt so schon nicht auszuhalten… Warum war sie überhaupt schon so lange da? Übermotiviert oder was? Kein Mensch trieb sich im August in Hogwarts herum, von ihm selbst einmal abgesehen, und das war aus rein praktischem Antrieb. Zum Glück würden die anderen Lehrer nun nach und nach eintreffen und das Ärgernis von ihm fernhalten. Nicht auszudenken, was passieren könnte, sollte er sie noch eine Stunde länger alleine ertragen müssen!

Auf einmal – ob dieser fabelhaften Aussicht – ein wenig besser gelaunt, packte Severus das Messer und die gesammelten Kräuter ein und machte sich auf den Rückweg. Kein Tier, Zentaur oder ähnliches rührte sich mehr, der Verbotene Wald lag schweigend da, die Stille nur ab und an vom Summen eines Insekts unterbrochen. Herrlich!

‚Aber die ruhigen Tage sind zu Ende', dachte er bei sich, als er den Pfad zum Schloss hinauf entlang schritt. Mit äußerster Vorsicht öffnete er die großen Flügeltüren und schlüpfte durch die Lücke.

„Severus!", empfing ihn die nur allzu bekannte Stimme Albus Dumbledores, kaum dass er die Eingangshalle betreten hatte.

„Albus." Er nickte seinem Vorgesetzten und Freund knapp zu, dann wandte er sich in Richtung Kerkertreppe.

„Severus, warte doch noch einen Augenblick, bitte!"

Genervt hielt Severus inne. Er hatte es ja gewusst. Gleich würde der Schulleiter die Bombe platzen lassen, er konnte es förmlich riechen, fühlen! Er…

„Wie verstehst du dich mit Arianrhod?", fragte Dumbledore liebenswürdig.

„Ich – was?!"

„Ob du dich mit unserer neuen Kollegin verstehst", lächelte der alte Mann.

Severus verdrehte die Augen. „Glücklicherweise sind wir uns bis auf ein schicksalhaftes Mal nicht begegnet", teilte er dem Älteren mit größtmöglicher Verachtung in der Stimme mit.

Dumbledore seufzte. „Ich hoffe doch, dass du etwas offenherziger mit ihr umgehst, sobald das neue Schuljahr beginnt und ihr öfter miteinander zu tun haben werdet. Sie ist noch jung und man sollte ihr nicht gleich die Freude nehmen, Severus." In seinen normalerweise fröhlich funkelnden Augen entdeckte Severus eine ernste Note.

Innerlich stöhnend ließ er sich zu einer Antwort herab: „Natürlich, Albus."

„Danke." Und schon war das nervige Blitzen wieder zurück auf seinem angestammten Platz. „Ach übrigens: für heute Abend habe ich unsere alljährliche Hauptversammlung vor Beginn des Schuljahres einberufen. Unter anderem wird der neue Professor anwesend sein. Er ist nicht ganz, was ich mir erhofft hatte, aber wie sagen die Muggel so schön – einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul! Es gab ein weiteres Mal sehr wenige Bewerber…"

„Du hättest mich nehmen können!", erwiderte Severus, wobei seine Stimme kratzig klang von zurückgehaltener Wut und Enttäuschung.

„Mh, nein", meinte der Schulleiter nur. „Aber jetzt muss ich weiter. Heute Abend, 19 Uhr, nicht vergessen!" Er nickte seinem jungen Freund zu und verschwand die Marmortreppe nach oben.

Severus atmete dreimal tief durch. Nur nicht die Beherrschung verlieren. In den 10 Jahren, die er jetzt schon in Hogwarts unterrichtete (Merlin, wie die Zeit verging!), hatte er die hohe Kunst gemeistert, seine Emotionen unter Kontrolle zu halten und ein neutrales Gesicht aufzusetzen, selbst wenn in ihm ein Hurrikan tobte, doch heute knallte die schwere Kerkertür so laut wie zuletzt wohl vor ungefähr einem Jahr und eine zornige Grimasse entstellte seine Züge. Mit aller Gewalt musste Severus sich zurückhalten, um nicht wieder den Fehler zu begehen, eine ganze Flasche Whisky in weniger als einer Stunde zu trinken. Die daraus resultierenden unsäglichen Kopfschmerzen hatten mehrere Tage angehalten und sich nicht einmal mit einem extrastarken Migränetrank vollständig vertreiben lassen, was ihn nur zu erfolgreich an die Zeit erinnerte, als er… Nein! Nicht auch noch daran denken! Als ob der Tag nicht schon wieder schlimm genug wäre! Wie spät war es eigentlich?

Schicksalsergeben ließ sich Severus auf seine Couch plumpsen. Noch drei Stunden… und vielleicht ein winziger Schluck von dem himmlischen Oban, den er neulich auf einem Streifzug für sich entdeckt hatte? Ein schottischer Single Malt war ihm mittlerweile mindestens so heilig wie sein Jameson's, den er seit Jugendtagen (heimlich) nippte. Wenn nicht sogar eine Spur interessanter! Ob Minerva diese bestimmte Köstlichkeit schon kannte? Eigentlich sollte man es bei ihrer Herkunft erwarten. Und wenn man mit der Verwandlungslehrerin auch über sonst kaum etwas vernünftig sprechen konnte – bei Whisky war sie ungemein aufgeschlossen.

*OoOoO*

Die Eule erreichte Arian, als sie und Robbie gerade auf dessen Sofa lümmelten, Tyrrell's Crisps futterten (Geschmacksrichtung Sea Salt & Cider Vinegar) und einen extrem langweiligen Film mit dem Fernseher ansahen, den Robbie vor kurzem von einem Muggel-Großonkel geschenkt bekommen hatte. An sich eine gute Idee, wäre dieser Großonkel nicht Antiquitätenhändler gewesen. Das schwarz-weiße Flackern und Knistern war nach einer Weile nicht mehr nostalgisch, sondern außerordentlich nervenaufreibend.

„Was ist denn jetzt das?", grummelte Robbie, als die winzige Eule sich durch den Spalt des gekippten Fensters quetschte und auf Arians Bauch landete.

„Keine Ah… Oh! Von Hogwarts!", rief Arian, nachdem sie das Siegel erkannt hatte. „Was bloß los ist…?" Sie entrollte das Pergament, das der Eule ans Bein gebunden war, und überflog den Text rasch. „Oh je… Heute Abend ist die große Lehrerversammlung vor Beginn des Schuljahres. Dann hab' ich wohl bald wirklich nicht mehr viel Zeit, ich schätze, danach muss ich in Hogwarts bleiben und mit den anderen alles startklar machen…"

Es herrschte betretenes Schweigen. Arian fragte sich, ob es an der Nervosität liegen konnte, dass ihr jegliches Vernunftdenken abhandenkam, oder was sonst der Grund war, dass sie in den letzten Wochen immer nur ein, zwei Tage vorausdachte.

Plötzlich riss Robbie sie aus ihren Gedanken, indem er nachdenklich sagte: „Der Idiot wird da sein, nicht?"

Schnell versuchte Arian sich wieder auf ihren Freund zu konzentrieren. „Ähm, ja, er ist schließlich auch ein Lehrer. Und ab September muss ich vor den Schülern auch so tun als würde ich mich mit ihm verstehen…"

„Musst ja nicht das Bett mit ihm teilen", tröstete Robbie sie.

„Oh nein! Halleluja! Dann würde ich wohl durchdrehen!", seufzte sie. „Ich muss los, die Versammlung beginnt um 19 Uhr, ich würde mich zuvor gern noch… etwas zurechtmachen. Das hier kann man so wohl eher nicht mehr tragen." Sie deutete auf ihr zerknittertes, heute moosgrünes Kleid.

Robbie lächelte schief.

Der Abschied, der folgte, war mindestens so lang und innig wie die Begrüßung, nur hatte Arian da nicht dieses unangenehm zwickende Gefühl befallen, das sie nun überkam. Sie wollte nicht weg, sie wollte bei ihrem Freund bleiben. Bei dem Gedanken, bald längere Zeit in Snapes Gegenwart verbringen zu müssen, wurde ihr sogar leicht schlecht. Sie hätte den Job nicht annehmen sollen, hätte sich etwas anderes suchen oder erstmal noch ein wenig herumreisen sollen, zusammen mit Robbie oder ihrer Familie. Sie hätte Freundinnen und Studienkolleginnen in Deutschland besuchen können und wenn sie schon unbedingt Lehrerin werden wollte, hätte sie genauso gut an ihre alte Schule zurückkehren können. Sie wäre…

Schluss jetzt!

Vorsichtig machte sie sich von Robbie los.

„Wir sehen uns", murmelte sie zwischen zwei letzten Abschiedsküssen, dann trat sie in die grellgrünen Flammen des Flohfeuers und reiste nach Hogwarts zurück. Unglaublich, wie absolut intelligent sie sich mal wieder verhalten hatte und nun nagten wieder die Zweifel an ihr…

Arian ging extra eine Ecke früher los, um nicht wieder als letzte einzutreffen. Ein paar ihrer Kollegen waren tatsächlich schon anwesend, unter ihnen Minerva McGonagall und Pomona Sprout, die sie sogleich herüberwinkten und sie unter großem Hallo in einen Stuhl zwischen ihnen verpflanzten. Es war toll, so aufgenommen zu werden, obwohl sie sich ja kaum kannten. Arians Blick wanderte durch den Raum und blieb am Kamin hängen, doch diesmal versteckte sich niemand hinter der hohen Lehne eines der Sessel vor ungewollter Aufmerksamkeit.

„Sagen Sie, meine Liebe", sprach McGonagall sie an, „hier in Hogwarts reden wir Lehrer uns immer mit dem Vornamen an. Sind Sie dabei?"

„Aber klar doch!", lächelte Arian.

Augenblicklich rückten die übrigen Lehrer, die zuvor noch im Raum verteilt gewesen waren, näher zu dem Dreiergrüppchen hin. Jetzt würde es zwangsläufig spannend werden, ab hier artete das freundliche Geplauder oft in eine Art Verhör aus.

„Arianrhod war Ihr Name, richtig?", fragte eine dünne Dame, die etwas furchterregend Geierhaftes an sich hatte und zudem noch eine Nase snape'schen Ausmaßes im Gesicht.

Bevor Arian jedoch mehr tun konnte als nicken, unterbrach Sybill Trelawney die Bibliothekarin und so erfuhr Arian die Geschichte von Arianrhod, genannt „Rhodi", einer Schuleule, die bevorzugt den Nordturm mit ihrer Anwesenheit entweihen zu wollen schien. Arians alteingesessene Kollegen hörten die Story anscheinend nicht zum ersten Mal, denn einige unterdrückten ein Gähnen, ohne sich groß um Unauffälligkeit zu scheren, und Madam Hooch knurrte etwas, das verdächtig nach „Halt einfach den Rand, Sybill!", klang.

„… ja… blöde Eulen", sagte Arian mit verstohlenem Grinsen. „Aber Sie müssen nicht Rhodi zu mir sagen, normalerweise nennen mich die Leute Arian."

Ein seltsam gequetschter Laut kam von Septima Vektor, die nur Minuten zuvor dazu gestoßen war. Schnell begann sie eine ungezwungene Unterhaltung über die Vor- und Nachteile eines Zauberschach-Sets aus Cheddar, durch die sich mögliches Kichern geschickt auf ein anderes Thema zurückführen ließ.

Da flog plötzlich die Tür auf und herein – schwebte, lief, glitt? – Arians allerbester Freund. Ihr Magen schien sich in ihre Schuhe abzusetzen und sie verlor völlig den Faden des Gesprächs, das sich in Windeseile den vielen ungewöhnlichen Gewohnheiten von Männern zugewandt hatte. Wie auch immer man da von einem Cheddar-Schachset aus hinkam.

„… und dann hab' ich zu ihm gesagt, wenn er nicht sofort aufhört, sexuelle Anspielungen bezüglich der Torringe zu machen, kriegt er einen dahin, wo's… oh, guten Abend, Severus!"

Die Lehrer, die alle gebannt Rolanda Hoochs Erzählung gelauscht hatten, sahen auf und nickten dem Neuankömmling respektvoll zu, die wenigsten brachten jedoch ein Wort über die Lippen. Aus Snapes Gesichtsausdruck zu schließen, konnte es ihm nicht egaler sein. Wortlos und mit so viel Würde wie nur irgend möglich ließ er sich am anderen Ende des Tisches nieder.

Nur wenig später betrat auch Albus Dumbledore den Raum, in Begleitung eines braunhaarigen Mannes in den Vierzigern. Er trug einen goldbraunen Schnauzer, die Haare kurz und seine Augen… die interessante Schattierung und Farbgebung erinnerten Arian unwillkürlich an Vollkornmehl. Ein paar ihrer Kolleginnen war der Mund offen stehen geblieben und sogar Snape zeigte eine Regung: er hatte eine Augenbraue gehoben und starrte den Neuen abschätzig an.

„Guten Abend!", begrüßte Dumbledore sie alle strahlend. „Darf ich vorstellen – Daniel Shephark, unser neuer Kollege und Professor für Muggelkunde!"

Keiner der Versammelten rührte sich auch nur das kleinste bisschen. Es dauerte etwas, bis die Nachricht bei allen ankam. Muggelkunde. Nicht Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Snape dämmerte es als erstes. Er zog die Augenbrauen zusammen und eine steile Zornesfalte erschien auf seiner Stirn. Sein eisiger Todesblick galt für einen Moment Dumbledore, bevor er zu der zitternden Gestalt Quirinus Quirrells hinüber schwenkte.

Wie als sei nichts geschehen, fuhr der Schulleiter fort: „Er ist der Nachfolger unseres geschätzten Quirinus, der sich erfreulicherweise bereit erklärt hat, Verteidigung gegen die Dunklen Künste zu unterrichten. Einen Applaus bitte!"

Nur einige wenige applaudierten, die Überraschung war viel zu groß, als dass alle anständig reagieren konnten. Dennoch stotterte Quirrell seinen Dank (warum konnte dieser Mensch eigentlich nicht vernünftig reden? Er war Lehrer!) und Daniel Shephark stellte sich noch einmal selbst vor. Die weibliche Belegschaft hing größtenteils begeistert an seinen Lippen, wenn nicht sogar halb über den Tisch. Arian wagte es, aus dem Augenwinkel hinüber zu Snape zu spitzen. Sein Blick war mörderisch. Wie nicht anders erwartet, dauerte es keine fünf Minuten, da stürmte er auch schon mit wehendem Umhang aus dem Raum und ließ die Tür ins Schloss fallen, dass die Wände wackelten. Keine Frage, er war fuchsteufelswild, und Arian hoffte und betete, ihm in diesem Zustand nicht noch einmal zu begegnen. Zumindest war er jetzt nicht mehr in demselben Zimmer wie sie, was schon mal eine Verbesserung der Situation darstellte. Nun etwas entspannter wandte sie sich dem neuen Professor zu. Vielleicht verstanden sie sich ja ganz gut, die zwei Neuen in einem Meer aus bekannten Gesichtern.

*OoOoO*

Dieser dreimal verfluchte alte Mann! Wie kam er nur auf die hirnrissige Idee, den unfähigsten Muggelkundeprofessor aller Zeiten in Zukunft Verteidigung unterrichten zu lassen?! Wenn der nur einen verständlichen Satz herausbrachte, grenzte das schon an ein Wunder astronomischen Ausmaßes! Ganz zu schweigen davon, dass der Kerl sowieso nicht mehr ganz richtig im Kopf war, seit er von seinem Abenteuer zurückgekehrt war. Praktische Arbeit an dunklen Kreaturen schien ihm nicht allzu gut zu bekommen… Und dann noch dieser vermaledeite Frauenschwarm! Mit Sicherheit würde es ab jetzt keine ruhige Mahlzeit mehr geben – okay, strenggenommen gab es das in der Großen Halle sowieso nie – , da wohl jede freie Minute ein weibliches Wesen geifernd und sabbernd versuchen würde, dessen Aufmerksamkeit zu erlangen. Unerträgliches Herumgeschleime und geduldüberstrapazierendes Arschgekrieche würden den Tag bestimmen. Albus war aber auch nie glücklich, wenn es in seinem Reich nicht turbulent zuging! Doch wenn Severus es sich recht überlegte, könnte der Gutaussehende auch einen einzigen Vorzug haben: vielleicht entwickelte er ja ein unbeschreibliches Interesse an der stummen Keltin und die beiden würden bald die Schule wieder verlassen, um eine überglückliche, große Familie zu gründen…!

Augenrollend trat er an sein Whisky-Regal heran und ignorierte die kleine Stimme, die ihm sagte, dass er in letzter Zeit zu viel Alkohol zu sich nahm. Diese Stimme hatte keine Ahnung, sie musste ja nicht das Leben leben, zu dem er verdammt war. Seufzend sank er in seinen ledernen Sessel und genoss ein weiteres Gläschen seines neuen schottischen Schatzes, entschloss sich jedoch recht bald dazu, an diesem miesen Tag früher als normal ins Bett zu gehen. Es konnte nie schaden, ein wenig Schlaf in Reserve zu haben, das nächste Schuljahr würde sich sicher nicht groß von den vorherigen unterscheiden und das bedeutete tagsüber Stress, bis an die Grenzen strapazierte Nerven und Korrekturen von grauenhaft schlechten Aufsätzen bis tief in die Nacht.

Im Badezimmer begegnete ihm ein abgespannt aussehender, missmutig dreinblickender Mensch, der eine Haarwäsche dringend mal wieder nötig hätte, jedoch warf er ihm nur einen flüchtigen Blick zu und überging die Tatsache, dass dieser mittlerweile gewisse Ähnlichkeit mit einem Inferius aufwies, geflissentlich. Seinem Bett war es herzlich egal, wie er aussah, und das war auch gut so.

Tief in mehr oder weniger philosophische Gedanken versunken entledigte sich Severus seines Umhangs, seiner Roben, sowie dem Rest seiner Kleidung und schlüpfte in ein paar fadenscheinig Shorts, die er seit Jahren zum Schlafen trug. Dazu gesellte sich noch ein T-Shirt, das ebenfalls schon bessere Zeiten gesehen hatte. Wenn die Schüler wüssten…! Bestimmt glaubten sie alle fest daran, er würde komplett mit Umhang und in voller Montur zu Bett gehen, um am nächsten Morgen beim ersten Sonnenstrahl griesgrämig wie eh und je aus dem Kerker zu entschweben. Oder vielleicht hielten sie ihn auch für einen Vampir, der gar nicht erst schlief, wer wusste das schon!

Die kühle Decke und das riesige Himmelbett, auf dem man sich so schön ausbreiten konnte, beruhigten Severus' angespannte Nerven auf himmlische Art und Weise, sodass er bald darauf wegdämmerte.

*OoOoO*

Arian unterdessen litt unter einem erneuten Anfall von Lampenfieber und konnte noch nach Stunden nicht einschlafen, egal wie viele Niffler sie zählte und wie oft sie Einhörner über Zäune springen ließ. Sie verspürte das dringende Bedürfnis, sich in Hagrids Gemüsefeld verbuddeln zu gehen.

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tbc

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A/N: Irgendwie schreibt es sich nach 23 Uhr besser als davor… ^^ Mehr Ideen und bessere Formulierungen xD

Ich hoffe, ihr seid auch nach der langen Zeit noch dabei, und werde mein Bestes tun, dass es das nächste Mal nicht so ewig dauert!