Wie merkwürdig, dass seine Erzherzogin ihn so früh am Morgen in ein fremdes Haus mitnehmen wollte, hatte er noch gedacht. Als er dann allerdings begriffen hatte, zu welchem Haus sie da unterwegs waren und wer da geladen hatte, bekam er gleich ein schlechtes Gefühl im Bauch. Was auch immer sie in diesem Haus wollte, es konnte einfach nichts gutes sein. Das letzte Mal, als er hier gewesen war, hatte sie kurz danach Krieg geführt.
Doch seine Erzherzogin schien nicht in der Stimmung für Krieg zu sein. Im Gegenteil, trotz ihrer sonst eher ernsten Haltung wirkte sie an diesem Tage beinahe fröhlich. Doch das beruhigte sein schlechtes Magengefühl nicht im geringsten. Etwas schreckliches kam auf ihn zu und er konnte es weder verhindern noch abwenden, so sein Gefühl.
Als seine Herrin und er auch noch ehrerbietig empfangen und ohne Umschweife in das Arbeitszimmer des Herren, den dieser Narr so vergötterte, dass er im Gebet lieber dessen Namen anrief, geführt wurden, war er sich endgültig sicher, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. Die beiden Herrschaften wechselten einige höfliche Floskeln zur Begrüßung, bis die Dienstboten den Raum verlassen hatten, bevor sie dann zu tuscheln begannen und hin und wieder bedeutungsschwere Blicke zu ihm und der Tür warfen.
Endlich wurde die Tür geöffnet und der, auf den die hohen Herrschaften gewartet hatten, betrat den Raum, auch wenn er so aussah, als ob er ihn lieber wieder sofort verlassen hätte. Dem braunhaarigen jungen Mann ging es nicht anders. Wenn er sich nicht in solch hoher Gesellschaft befunden hätte und nicht gewusst hätte, wie man sich benahm, so hätte er mit Sicherheit das Gesicht verzogen, um seinem Missfallen Ausdruck zu verleihen. Dann wäre er ohne ein Wort oder einen weiteren Blick gegangen, in der Hoffnung, dass dies ohne Kampf möglich wäre. Doch dies alles stand leider nicht zur Diskussion.
Schon die ganze Zeit waren ihm die Blicke aufgefallen, mit denen seine Herrin und der König dieses Dämlacks sich gegenseitig bedachten. Doch er hatte ihnen keine Bedeutung beigemessen. Nun aber, in Verbindung mit dem Auftreten seines Feindes, waren sie für ihn ein weiteres Zeichen nahenden Unheils. Dass sein alter Feind, gegen den er schon Schlachten geschlagen hatte, nun friedlich und genauso abwartend wie er neben ihm stand, bereitete ihm beinahe Magenkrämpfe.
Endlich eröffnete der hohe Herr des anderen, der erwürdige Friedrich, das Gespräch, als der andere zu ihnen herangetreten war. Natürlich hatte er dazu noch einer zusätzlichen Aufforderung bedurft. „Preußen", hob er an. „Ich, nein, wir haben dir und auch Austria-san etwas wichtiges mitzuteilen." Es war ihm schon vorher klar gewesen, dass es nur wichtig sein konnte, wenn er und dieser Narr einbestellt wurden und sogar seine Herrin in dieses Haus reiste. Aufmerksam sah er den König an. „Wir wünschen uns von euch, einander zu heiraten."
Vor Schreck hatte er sich eine Sekunde nicht unter Kontrolle und wurde ganz bleich. Er? Diesen wilden, jungen Narren heiraten? Wie kamen die hohen Herrschaften nur auf diese absurde Idee. Es war nicht so, dass er das laut kritisiert hätte, denn sicher hatten sie Gründe dazu, doch es missfiel ihm doch sehr. Allein die Vorstellung, dieses dumme Grinsen jeden Tag sehen zu müssen, grenzte an Folter für ihn. Von Manieren hatte dieser Raufbold sicher auch noch nichts gehört, immerhin nützten diese auf einem Schlachtfeld herzlich wenig.
Dem anderen schienen ähnliche Gedanken durch den Kopf zu gehen, so, wie er zeterte. Er hatte zwar in seinem ersten Schrecken nicht gehört, was gesprochen worden war, doch so wie Preußen klang, hatte seine Erzherzogin nur noch einmal die Worte Friedrichs wiederholt. Zwar war auch ihm selbst es zuwider, jemanden heiraten zu müssen, bei dem er nicht einmal sagen konnte, dass er ihn nicht mochte, doch das, was der Bengel da aufführte, war zu viel. So schwach wie er tat war er nicht und was fiel ihm überhaupt ein, vor zwei so hohen Herrschaften so ein Theater zu machen. Vor allem, wenn er damit deren Wünsche kritisierte. Hatte er denn wirklich so wenig Benehmen, wie er angenommen hatte?
„Weil ich das sage", meinte schließlich der König. „Und nun lasst uns bitte allein, wir haben noch einiges wegen der Heirat zu besprechen."
Da er sich sicher war, dass der Narr noch lange lamentieren würde und diesem Befehl sicher erst nach der einen oder anderen scharfen Wiederholung der Worte nachkommen würde, nahm er ihn kurzerhand an selbiger und zog ihn hinter sich nach draußen. Was dieser, zugegeben, zu seiner leichten Überraschung, ohne Widerstand mit sich geschehen ließ. „Glaubst du wirklich, dass das eine gute Idee war?", hörte er seine Herrin noch sagen. „Sie werden sich schon an einander gewöhnen, man muss ihnen nur Zeit lassen", antwortete der König darauf, den er nun wohl auch bald seinen Herrn nennen würde. Dann fiel die Tür auch schon hinter ihnen ins Schloss.
Draußen jedoch war der andere jedoch wieder ganz er selbst, was der junge Mann zum einen sehr erleichtert zur Kenntnis nahm, ihn auf der anderen Seite aber auch wieder sehr störte. „Denk ja nicht, dass Ore-sama sich so leicht dazu bereit erklärt, dich zu heiraten. Ore-sama erkennt dich nicht einmal an. Nur, weil der Alte Herr Fritz befohlen hat, dich zu heiraten, muss ich dich noch lange nicht anders behandeln als sonst", fauchte ihn der Bengel an, was er nun mit einer hochgezogenen Augenbraue und einem leisen Seufzen quittierte, als sich der andere schon davon machte.
Endlich war der lange ersehnte Tag gekommen, der Tag, den zumindest seine Herrin herbeigewünscht hatte, wie keinen anderen. Er selbst wusste nicht, wie er der ganzen Sache gegenüberstehen sollte. Einerseits verabscheute er diesen jungen Narren wirklich und wollte sich, davon abgesehen, nicht auf einen anderen Mann einlassen, schließlich lebte er nicht im antiken Griechenland. Andererseits war er seiner Herrin gegenüber verpflichtet und wollte keine ihrer Entscheidungen anzweifeln. Es würde schon etwas dabei herauskommen, die Frage war nur, was es war. Ob gut oder schlecht, gemeinsam konnten sie sich immerhin besser gegen Frankreich und die anderen Großmächte behaupten, vor allem jetzt, da seine eigene Macht am schwinden war. Er brauchte den anderen, das wusste er, auch wenn er es nicht zugeben würde, wenn dies nicht so funktionieren würde, wie sich die Herrschaften das vorgestellt hatten.
Stirnrunzelnd betrachtete er sich in dem großen Spiegel, den man nur für ihn aufgestellt hatte. Auch wenn er festlich angezogen war, irgendetwas stimmte nicht, befand er. Der weiße Frack saß perfekt und auch sonst war daran eigentlich nichts auszusetzen. Die Stiefel waren blank geputzt, die weißen Handschuhe makellos. Allerdings fand er die Farbe der Verzierungen an Kragen und Manschetten mehr als abstoßend. Freilich war sie passend gewählt. Und doch missfiel sie ihm. Schon allein, weil sie die Farbe dieses Bengels war, missfiel sie ihm. Aber etwas dagegen sagen konnte er nicht. Der König dieses Raufbolds hatte diesen Frack extra für ihn ausgewählt und ihn sogar selbst hergebracht. Schon allein der Höflichkeit war es geschuldet, dass er diese Kleidung trug. Er hätte sich dennoch wohler gefühlt, wenn es eine andere Farbe gewesen wäre.
Mit zusammengezogenen Augenbrauen zupfte er an dem Kragen herum, als könne er damit noch etwas an dessen Farbe ändern, als jemand anderes hinter ihn trat. Um das zu sehen brauchte er sich nicht umzudrehen, immerhin stand er von einem Spiegel, darum sah er auch davon ab. „Was willst du nun hier?", fragte er und lies seine Arme sinken. Es war ja doch zwecklos.
„Sehen, wie es um dich steht", meinte die junge Frau fröhlich und betrachtete ihn von oben bis unten. Sie war ihm wohl bekannt, sie beide hatte für lange Jahre in einem Haus gelebt, während er gekämpft hatte, hatte sie ihn unterstützt und sich um alles gekümmert. Es waren unbeschwerte Zeiten für ihn gewesen. Lange vergangene, unruhige, aber auch trotz allem glückliche Zeiten. Wenn es nach ihm gegangen wäre, dann wäre es sie gewesen, die er am Altar treffen würde. Doch nach seiner Meinung hatte niemand gefragt.
„Wie soll es schon um mich stehen, wenn ich einer solchen Zukunft entgegenblicke", gab er mit einem leisen Seufzen zurück.
Sie grinste nur. „Sie doch das positive daran", meinte sie. „Jeden Abend wirst du nun starke Arme haben, in die du dich kuscheln kannst und du wirst unter allen Umständen von ihm beschützt werden. Und wenn ihr dann allein seid, dann..." Sie brach mitten in einem Wort ab, das er gar nicht so genau verstehen wollte, genau wie auch den Sinn ihrer ganzen Worte nicht. Denn hätte er es getan, so hätte er mit Sicherheit das Gesicht verzogen vor Abscheu. Nein, nichts konnte schön daran sein, diesen Bengel zu heiraten. Auch wenn sie es scheinbar für eine sehr spaßige Angelegenheit hielt.
„Nun hab dich nicht so", sagte sie lächelnd. „Du weißt doch, du kannst immer zu mir kommen, wenn du eine Schulter zum Ausweinen brauchst oder dir einfach nur alles von der Seele reden willst. Und wenn der Kerl dich nicht anständig behandelt, dann komm ich und trete ihm in den Hintern, jawohl!"
Das konnte er sich gut vorstellen. So hübsch sie auch war, so unerbittlich war sie doch auf den Schlachtfeld. Wo sich ein solches befand, entschied sie für gewöhnlich auch nicht. Er war sich manchmal sogar sicher, dass sie ihre Feinde sogar im Schlaf heimsuchte um zu erringen, was sie begehrte. „Ich werde daran denken", sagte er und rang sich ein Lächeln ab.
Sie war inzwischen schon wieder zur Tür gelaufen. „Wir sehen uns nach der Zeremonie!", rief sie noch, dann war sie auch schon verschwunden. Kopfschüttelnd sah er ihr nach. Aus ihr würde er nie schlau werden, so sehr er sich auch bemühte. Er hatte doch geglaubt, dass er ihr etwas bedeutete. Und nun gab sie ihn klaglos, so mir nichts, dir nichts, auf? Das passte doch nicht zusammen. Und das Glitzern in ihren Augen, während sie vom Eheleben geschwärmt hatte, ließ ihn erschaudern.
Schweren Herzens machte er sich bereit. An die Möglichkeit einer Flucht dachte er nicht einen Moment, dazu nahm er seine Pflichten zu ernst. Dennoch musste er sich einen Augenblick konzentrieren, bevor er in der Lage war, sein Ankleidezimmer zu verlassen und durch den kurzen Gang bis zur Kapelle zu treten. Doch als er sich gefasst hatte, war sein Schritt fest und würdevoll. Er würde nicht zögern, nein, er hatte eine Verpflichtung und zu der würde er stehen, ungeachtet aller persönlichen Gefühle.
Die vielen Menschen in der Kapelle beachtete er nicht. Er wollte nicht an das Hier und Jetzt denken, denn dann würde es so sein, wie ein böser Traum. Je glatter dies alles lief, desto schneller würde zumindest die Tortur der Zeremonie hinter ihn liegen. An die Tortur, die dann allerdings vor ihm läge, wollte er unter keinen Umständen denken.
In einem, wie er hoffte, angemessenen Tempo brachte er die Steche zwischen Portal und Altar hinter sich, den Blick dabei fest nach vor gerichtet, auf diesen jungen Narren. Wenn er dies schon auf sich nehmen musste, dann sollte wenigstens nach außen hin der Schein gewahrt werden. Sie konnten es sich beide nicht leisten, dass irgendein anderer dieses Vorhaben als Schwäche deutete. Sie durfte keine sein, es wäre zu gefährlich. Selbst wenn sie sich nicht mochten, sie hatten darauf das beste zu machen, oder alles würde umsonst sein, selbst dieser Bengel musste es begreifen. Er bemühte sich, nicht zu ernst drein zu blicken.
Am Altar angekommen nahm er Haltung an, doch zu seiner Überraschung und viel mehr noch zu seinem großen Ärger stellte er fest, dass sein Zukünftiger nicht einmal im Ansatz mit der ganzen Sache befasst zu sein schien, sondern sich viel mehr damit beschäftigte, mit grimmigem Blick Löcher in die Luft zu starren. Zögerlich, weil er nicht wusste, in wie weit es sich gebot, da er doch offensichtlich die Rolle der Braut einnehmen sollte, griff er nach den Händen des anderen, nur ganz sacht, so dass dieser zumindest aus seinen Tagträumen würde erwachen müssen.
Umso erstaunlicher war es für ihn, als seine Finger kurz danach ergriffen und gedrückt wurden. Nahm dieser Junge das Ganze nun doch ernst? Doch damit hatte er sich geirrt, das war ihm in dem Moment klar, in den er in das Gesicht seines Gegenübers sah und dort ein breites Grinsen erblickte. „Hast du Angst?", raute der andere. Er zog die Augenbrauen zusammen. Wusste dieser Bengel denn nicht einmal, dass man nicht sprach, während ein Priester predigte. Immerhin schien sich dieser daran jedoch nicht zu stören, denn unbeeindruckt fuhr er in seiner Litanei fort. „Das solltest du auch, von heute an wirst du nämlich meine Frau sein und tun, was Ore-sama dir sagt!" Hatte er vorher keine Angst oder zumindest dunkle Befürchtungen gehabt, so hatte er sie jetzt. Zu tun, was dieser Bengel von ihm verlangte, schön und gut, das allein war schon schlimm genug. Aber musste er auch noch sagen, dass er dessen Frau sein würde? Das war doch wirklich nicht die passende Wortwahl, fand er. Wobei die Wortwahl dieses Raufbolds im allgemeinen schon immer sehr zu wünschen übrig ließ. Wer bezeichnete sich selbst schon als „Ore-sama"?
Summ hörte er dem Priester zu und versuchte so gut es ging zu ignorieren, wer da neben ihm stand. Es dauerte lange, es kam sogar ihm lange vor, obwohl er es gewohnt war, endlosen Reden zu lauschen. Doch er konnte nichts schlechtes daran finden, je länger sie hier standen, desto länger würden sie in Gesellschaft sein. Die Vorstellung, sich mit diesem Bengel allein in einem Raum aufhalten zu müssen, wenn dieser doch ganz klar diese Einstellung vertrat, beunruhigte ihn sehr.
Als der Priester dann fragte, ob er den hier neben ihm stehenden Preußen wirklich ehelichen wollte, antwortete er kurzentschlossen, denn es half nichts, es hinauszuzögern: „Ja, ich will."
Sein baldiger Gemahl nahm das ganze Allerdings nicht im Geringsten so ernst, wie er es sich von ihm gewünscht hätte. „Ja, ich muss", war seine dumme, kindische Antwort auf die Frage. Er hätte wenigstens in diesem Moment so tun können, als ob diese Heirat auch in seinem Sinne war, doch nein, immer musste er seinen dummen, unsinnigen Sturkopf beweisen. Wenn sie nicht vor so vielen wichtigen Persönlichkeiten gestanden hätten, dann hätte er ihn dafür geohrfeigt.
Die Feier nach der Trauung empfand er wie jeden anderen Ball auch, als zu laut, zu lebhaft, einfach unerträglich. Es störte ihn zwar nicht, dass er, zusammen mit dem Bengel, naturgemäß Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit war. Jedem, der sie beglückwünschte, begegnete er freundlich, sagte aber nicht mehr als nötig. Um den Anschein zu wahren und um anderen zu zeigen, dass sie auf eigenen Wunsch hin vereinigt waren, hielt er die Hand des Anderen die ganze Zeit über fest. Es gefiel ihm zwar nicht, dass es die Hand dieses Bengels war, doch was seine Erzherzogin glücklich war, was bei dieser Sache offensichtlich der Fall war, dann reichte ihm das.
Trotzdem verhielt er sich stiller als sonst, ein Umstand, der der Tatsache geschuldet war, dass er sehr an sich halten musste, um seinem „Ehemann", den er noch immer nicht als solchen sehen wollte, nicht hin und wieder auf den Fuß zu steigen, in übertragener und in wörtlicher Bedeutung, wenn diese den Mund aufmachte. Wenn das wirklich funktionieren sollte, dann musste er dringend Benehmen beigebracht bekommen. Nur wie genau er das anstellen sollte, war ihm noch nicht klar. Ein sturer Bock wie er würde sicher nicht auf feine, sarkastische Bemerkungen reagieren. Und den ganzen Tag an ihm herumzuraunzen, darauf hatte er wenig Lust, auch, weil er dabei auch nur mit mäßigem Erfolg rechnete. Andere Möglichkeiten sah er nicht, den mit Gewalt glaubte er wenig zu erreichen.
Ungarn schien ihn aus seiner Misere auch nicht befreien zu wollen. Im Gegenteil, sie sah sie mit einem Ausdruck an, der eindeutig war und ihm nichts gutes verhieß. Er konnte ihre Vorlieben ja, doch das er nun Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit war, gefiel ihm gar nicht. Nun war ihm auch klarer, was sie mit ihrem Besuch eigentlich hatte bezwecken wollen. Doch etwas dagegen tun konnte er nicht, nur sich fest vornehmen, dass er ihr nichts , aber auch gar nichts erzählen würde, wenn je etwas passieren würde, das sie interessierte.
Im Laufe der Zeit fiel es ihm jedoch immer schwerer, sich seinem noch neuen Ehemann gegenüber zurückzuhalten. Dieser Kerl war einfach furchtbar und kehrte auch immer mehr zu seinem üblichen aufschneiderischen und selbstverliebten Gehabe zurück. Was ihn dazu veranlasste, immer ruhiger zu werden. Wenn es keinen falschen Eindruck hinterlassen hätte, oder eben genau den richtigen, so hätte er ihn schon lange stehen lassen.
Als die Feier sich dem Ende zuneigte, war er noch nervöser geworden, als er es ohnehin schon den ganzen Tag gewesen war, auch wenn er das nie zugegeben hätte. Darum war er auch dankbar, dass seine Erzherzogin sie begleitete, auch wenn er sich dabei vorkam, als wolle man sie beiden nur darum zu ihrem Schlafgemach geleiten, damit sie da auch wirklich ankamen und sich nicht auf den Weg dorthin auf und davon machten. Dem Bengel hätte er das durchaus zugetraut. Er selbst hatte beschlossen, sich so weit zu fügen, das zumindest der Anschein gewahrt werden konnte. Aber dass der König dieses Kerls der Meinung war, sie einschließen zu müssen, ging ihm doch einen Schritt zu weit. Sie würden schon nicht weglaufen und außerdem empfand er es mehr, als sei ihm der einzige Fluchtweg genommen wurde.
Wer wusste schon, auf was für dumme Ideen der Bengel kommen würde, wenn sie erst alleine waren. Immerhin hielt er sich ja für den Herrn im Hause. Wenn er so darüber nachdachte, wollte er die Ideen, auf die der Kerl kommen konnte, gar nicht so genau kennen. Der bloße Gedanke daran war schon schlimm genug.
Als sich Preußen allerdings ohne ein weiteres Wort oder auch nur einen Blick einfach aufs Bett hatte fallen lassen, beruhigte er sich ein wenig. Vielleicht hatte der andere ja doch genauso viel Interesse an ihm wie es von seiner Seite aus der Fall war. Erleichtert begann er damit, sich zum Schlafen umzuziehen, denn er mochte es nicht sonderlich, angezogen ins Bett zu gehen. Seiner Meinung nach trug man im Bett nur Sachen, die auch dafür gedacht waren. Außerdem wollte er seinen schönen Anzug nicht zerknittern. So ein teures Kleidungsstück gehörte ordentlich auf einen Bügel und dann in den Schrank, aus dem man es nur zu besonderen Anlässen holte.
Er tauschte also seine Kleidung gegen eines seiner Nachthemden, das zugegeben zwar eines seiner besseren war, aber trotzdem nicht wirklich nach etwas aussah und auf wundersame Weise den Weg in dieses Zimmer gefunden hatte, zusammen mit einigen seiner anderen alltäglichen Kleidungsstücken, wie er bei einem verdutzten Blick in den Schrank feststellte. Dass sein Ehemann sich allerdings in seinen kompletten Sachen und dann auch noch mit Schuhen ins Bett fallen gelassen hatte, ließ in ihm den Wunsch, ihn ins Gesicht zu schlagen, wieder großer werden.
Wütend baute er sich vor dem Bett auf und stemmte die Hände in seine Seiten. Er war ernsthaft wütend und hatte nicht vor, sich nun, da sie allein waren, zurückzuhalten. Missbilligend schnalzte er mit der Zunge, um die Aufmerksamkeit dieses Bengels zu erlangen. Als dieser dann endlich seinen Dickkopf hob, sagte er: „Du könntest dir wenigstens die Schuhe ausziehen, wenn du dich schon angezogen aufs Bett werfen musst!" Er klang nicht ganz so wütend, wie er sich das vorgestellt hatte, aber er konnte damit leben. „Du zerknitterst noch den schönen Anzug! Sowas muss man pfleglich behandeln, damit er möglichst lange hält. Immerhin war er teuer! Mal abgesehen davon, dass das Bett nicht dir allein gehört!", fügte er noch an, da ihm eingefallen war, dass er trotz seiner Wut recht erschöpft von diesem langen Tag war.
Der Angesprochene machte sich nicht einmal die Mühe, aufzustehen, sondern rollte sich genau in die Mitte des Betts und hob nur den Kopf. „Ach, wenn du so besorgt um den Anzug bist, dann komm doch, und zieh ihn Ore-sama aus!" Trotz dieser Worte zog er allerdings zumindest seine Stiefel aus. Wenn auch nicht ganz auf die Art, die er sich gewünscht hätte, denn er schüttelte sie sich schlicht von den Füßen und ließ sie dann auch einfach am Boden liegen. Ein Schnalzen, um seine Missbilligung auszudrücken, war alles, mit dem er das kommentierte, bevor er die Stiefel aufhob und sie ordentlich zusammen neben den Schrank und damit zu seinen eigenen stellte.
Dann setzte er sich seitlich auf das Bett, um so besser reden zu können, zudem beugte er sich noch über den Bengel, um ihm dabei ins Gesicht sehen zu können. „Ich würde wirklich gerne schlafen", meinte er nachdrücklich, die Augenbrauen so zusammen gezogen, dass sich eine steile Falte dazwischen bildete. Er war mehr als unzufrieden mit der Situation und fragte sich so langsam, ob Ungarn die Dinge vielleicht doch richtig anging, wenn sie erst zuschlug und dann fragte„Auf dem Boden liegt ein Teppich!", gab Preußen zurück und breitete die Arme aus, sodass er wirklich keinen Platz im Bett haben würde, wenn er ihn nicht berühren wollte. Und das war etwas, das ihn wirklich zutiefst abstieß. In einem Bett schlafen, schön und gut, solange es keine andere Möglichkeit gab, die für beide bequem war, doch wenn sie sich dabei berühren mussten, fand er das nicht länger komisch.
Allerdings störte er sich daran, wie sein Gemahl ihn behandelte und noch viel mehr, wie er seine teure Kleidung behandelte, was in beiden Fällen nicht sonderlich pfleglich war. Und das war für ihn gerade Grund genug, endlich mal andere Saiten aufzuziehen. Kurzentschlossen begann er damit, dem unverschämten Bengel das Jackett aufzuknöpfen. „Ich hab dir gesagt, du sollst dich ausziehen, bevor du schläfst!", grummelte er, denn immerhin hatte dieser Kerl es auch noch gewagt, einfach frech grinsend die Augen zu schließen. Das erzielte entgegen aller Erwartung sogar die gewünschten statt der befürchteten Reaktion, denn der Narr zuckte erschocken so weit zusammen, dass er sich in eine Sitzhaltung brachte. „Was zum Teufel soll das?", brüllte er. „Ore-sama kann sich auch sehr gut allein ausziehen!" Dieses Gezeter beeindruckte ihn nicht im Mindesten. Er wollte Taten sehen, bevor er in diesem Punkt nachgab. Darum zog er ihm nun auch endgültig das Jackett aus, um es dann anschließend ordentlich an einen Bügel zu hängen, an dem es dann, nachdem auch die Hose noch dazu gefunden hatte, für eine längere Zeit im Schrank verschwinden sollte.
„Soso, du kannst es also allein?", fragte er mit hochgezogener Augenbraue. Gerade fühlte er sich, als spräche er mit einem kleinen Kind. „Und wieso tust du es dann nicht?"
Der Junge fluchte, ein Umstand, der die Sache aus seiner Sicht eher schlimmer als besser machte. Doch immerhin tat er nun, was man ihm sagte. Zu seinem großen Bedauern währte das jedoch nicht lange, denn nach nur wenigen Knöpfen hörte er schon wieder damit auf und sah ihn erwartungsvoll an. Sogar das Grinsen, das er doch so hasste, war zurück auf seinen Zügen. Das konnte nichts gutes bedeuten, wahrscheinlich war es sogar der Vorbote einer mittleren bis großen Katastrophe. Das reichte aus, um ihn zu einem Schritt rückwärts zu verleiten, in den Hoffnung, so dieser besagten Katastrophe dennoch entgehen zu können. Der Bengel hatte sich inzwischen mit untergeschlagenen Beinen genau in die Mitte des Bettes gesetzt, der Umstand, dass er genau die Mitte gefunden hatte, ohne sich darum zu kümmern, war etwas, dass ihn mit einer Spur von Bewunderung erfüllte. Der herablassende Ausdruck, der seine Gesicht zierte, war allerdings weit weniger erfreulich. „Wenn du willst, dass Ore-sama sich auszieht, dann komm her und mach es selbst!", verkündete er. Er wurde herangewinkt, war im ersten Moment allerdings unschlüssig, ob er diesem Wink auch Folge leisten sollte. Immerhin sah er die missliche Lage, in die er sich dadurch bringen würde, deutlich vor sich und konnte sie auch anhand des Gesichtsausdrucks seines Gegenübers leicht erraten. Andererseits jedoch störte es ihn wirklich, dass dieser so, wie er war, schlafen wollte.
Sein Ärger gewann schnell die Oberhand, immerhin konnte er sich später, wenn der Jüngere wirklich etwas fadenscheiniges versuchen würde, noch immer zur Wehr setzen. Außerdem, wenn er in der Sache schon nachgeben würde, dann würde er sein Leben lang, oder zumindest sein ganzes Eheleben über, nach der Pfeife dieses Bengels tanzen. Und das war schlimmer als alles, was er sich vorstellen konnte. Er nahm allen Mut zusammen und begann die Knöpfe zu lösen, ohne darüber nachzudenken, was seine Finger gerade taten. Doch je mehr er sich dem unteren Teil des Hemdes näherte, desto weniger konnte er verdrängen, was er da machte. Je mehr er dachte, desto langsamer bewegten sich seine Finger. Wenn er die Hemdsknöpfe lösen wollte, dann musste er es aus der Hose ziehen, was eigentlich kein Problem war. Aber der Stoff kam ihm so delikat vor, dass er die Gefahr, dass er riss, wenn daran gezogen wurde, nicht eingehen wollte. Doch die andere Möglichkeit, die, die Hose einfach zu öffnen, das ging weiter in diese Richtung, in eine Richtung, in die er auf keinen Fall gehen wollte und bei der er fand, dass er auf diesem schmalen Pfade schon viel zu weit fortgeschritten war. Seine Finger zitterten nun so sehr, dass er kaum noch einen Knopf zu öffnen vermochte.
„Was ist nun?", fragte der Bengel spöttisch, da er bemerkt hatte, dass sein Hemd sich mit jedem Augenblick langsamer öffnete. „Hast du nun etwa Angst?"
Das wollte er unter keinen Umständen eingestehen. Nichts war schlimmer, als diesem Balg gegenüber zuzugeben, dass er Angst davor hatte, dessen Hose zu berühren. Es war doch auch nichts schlimmes dabei, soweit er sehen konnte. Mit zusammengebissenen Zähnen, um ja nicht zu Antworten, ob der Gefahr, dass seine Stimme dabei zitterte, schüttelte er nur knapp den Kopf und fasste sich endlich ein Herz. Nur einige knappe Bewegungen brauchte es, dann hatte er schon die Hose und die verbleibenden beiden Knöpfe geöffnet und er hatte dem Bengel Hemd und Hose ausgezogen. Bevor dieser auf dumme Gedanken kommen konnte, war er schon aus dem Bett aufgesprungen und hängte die Kleidung ordentlich an den Bügel, an den er zuvor schon das Jackett gehängt hatte. Er spürte genau, dass er dabei beobachtet wurde und da er in seinen Wangen ein leichtes Brennen verspürte, lies er sich viel Zeit in seinem Tun, so viel Zeit, dass das Brennen in seinen Wangen wieder nachgelassen hatte, als er sich herumdrehte. Er betete inständig zum Herrn und allen Heiligen, dass der Bengel das nicht bemerkt hatte.
Keinen Gedanken verschwendete er daran, dass er nun zurück zu seinem Gemahl ging, der kaum noch Kleidung am Leib trug, um sich zu diesem ins Bett zu legen. Das konnte er nicht oder er hätte sich nicht dazu bringen können, zum Bett zurückzukehren. Eheliche Pflichten schön und gut, aber zwischen zwei Männern, nein, so etwas wollte er sich nicht einmal vorstellen, zumindest nicht, wenn er einer der beiden Beteiligten war. Was auch immer kommen würde, er war nicht bereit sich auf so etwas abstoßendes einzulassen. Dagegen würde er sich mit all seiner Kraft zur Wehr setzen und wenn er sich dabei verletzte. Sollte es dieser Bengel doch mit Gewalt versuchen, dann hatte er immerhin einen guten Grund, diese ungewollte Verbindung schnell wieder zu lösen. Nein, das nun wieder nicht. Er wollte diese Verbindung nicht, aber er wollte sie auch unter keinen Umständen auflösen. Bei Licht und vor allem mit Verstand betrachtet gab es keine bessere für ihn, so sehr er sich auch eine andere gewünscht hatte.
„Mach endlich Platz!", grummelte er, als er wieder vor dem Bett stand und darauf wartete, dass ihm zumindest so viel Platzt gemacht wurde, dass er sich hinlegen konnte. Wozu dieser Bengel nicht in der Lage zu sein schien.
„Was hast du denn? Stört es dich etwa, dich an Ore-sama zu kuscheln? Dem Ore-sama, dem du nun ganz gehörst?", kicherte er böse. Am liebsten hätte er den Bengel für diese Worte gewaltsam aus dem Bett geworfen. Allerdings fehlte es ihm dazu an Kraft und Unverfrorenheit. Und so ungern er das auch zugab, irgendwo hatte der Raufbold ja doch recht. Er gehörte ihm, daran war nicht mehr zu rütteln. Sie hatten sich gegenseitig in der Hand, doch er war der einzige von ihnen beiden, der das erkannte und darunter hatte er nun zu leiden. Der Bengel würde es nie begreifen, ob das eine Frage des Könnens oder des Wollens war, war dabei nebensächlich.
Zu seiner eigenen Verwunderung gab er schließlich jedoch nach. Der Blick, den er damit erntete, geprägt von Verwunderung und einem Gutteil Verwirrung, war es jedoch wert, ein bisschen Achtung vor sich selbst zu verlieren. Einmal abgesehen davon, dass er wirklich müde war, müde genug, um sich nicht länger darum zu scheren, was sich noch so alles in seinem Bett fand. Er hätte sich auch zu France gelegt, wenn es hätte sein müssen. Nicht unbewaffnet zwar, aber er hätte sich auch zu ihm ins Bett gelegt. Trotzdem kuschelte er sich nur gerade eng genug an den Bengel, wie er musste, um nicht aus dem Bett zu fallen. Dieser gab darauf nur eingestammeltes „Wa-was?", von sich, das er kaum verstehen konnte. Er selbst war auch sehr verwundert, dass er sich nicht vor der Berührung scheute, Doch das wollte er unter keinen Umständen zugeben, das käme einer vernichtenden Niederlage gleich. „Du hast selbst gesagt, dass ich kommen soll!", murmelte er darum und kuschelte sich noch etwas enger an ihn. Die Wärme, die von dem Bengel ausging, war angenehm und machte ihn ganz schläfrig. Dass sein Ehemann davon nervös wurde, war ihm ein willkommener Nebeneffekt.
Weniger gefiel ihm, wie er angesehen wurde, als sich sein Gemahl kurze Zeit später wieder umdrehte. Was auch immer dieser gerade dachte, es konnte nichts sein, das ihm gefallen würde. Das Glitzern in seinen Augen verriet ihn.
Seine Befürchtungen wurden dann auch sofort bestätigt, als der Bengel seine Arme um ihn schlang und ihn weiter an sich drückte. Vor Schreck erstarrte er und wurde stocksteif, auch wenn es ihm peinlich war, dass er darauf so reagierte, als sei er noch nie in seinem Leben so berührt worden. Doch er wollte ihm klar machen, dass ihm nicht gefiel, was da gerade mit ihm geschah. Doch das diese subtile Andeutung verstanden werden würde, bezweifelte er doch sehr.
„Entspann dich", säuselte der junge Mann und bestätigte damit diese Befürchtung. „Immerhin ist das unsere Hochzeitsnacht, da solltest du darauf gefasst sein, dass Ore-sama deine wichtigen Stellen ganz für sich erobert!" Allein für diese Worte wünschte er sich, ihn erschlagen zu können. Er wollte auf keinen Fall erobert werden, schon gar nicht von diesem Bengel und auf keinen Fall dann, wenn er es vorher angekündigt bekommen hatte, noch dazu auf diese Weise, mit dieser furchtbaren Formulierung. Als ihm nun das Nachthemd hoch geschoben wurde, womit sein Unterleib und weiter nach oben bis zur Brust alles freigelegt wurde, begann er am ganzen Leib zu zittern. Es gefiel ihm nicht und bereitete ihm sogar Furcht. Er wollte nicht, dass das, worauf der andere so offensichtlich aus war, geschah, er wollte nicht, dass das mit ihm geschah.
Er kämpfte so sehr mit sich, er rang so mit dem Wunsch, den anderen von sich zu stoßen, dass er dabei seine Lippen aufeinander presste und die Lider fest zudrückte. Doch alles half nichts, zu seinem größten Entsetzen spürte er bald darauf eine Hand an seinem Allerwertesten. Das war zu viel, viel zu viel, mehr, als er ertragen konnte. Doch er wagte es nicht, ihm Gewalt anzutun, dazu war das Maß dann doch nicht voll genug und etwas in ihm begann auch, sich daran zu gewöhnen und sich mehr zu wünschen, was er sich natürlich nicht eingestehen wollte. Das Kissen, das neben ihnen lag, gab allerdings in seinen verzweifelten Augen eine ausgezeichnete Verteidigungswaffe ab. Mit aller Kraft und Entschlossenheit, die er aufbringen konnte, schlug er es seinem zudringlichen Ehemann ins Gesicht und stieß ihn, während dieser sich noch berappeln musste, so fest er konnte von sich.
Dabei hatte er sich allerdings wohl verschätzt, denn der Schwung, mit dem er den anderen von sich stieß, fiel auch auf ihn zurück und warf ihn vom Bett. Doch das war ihm gerade recht, nur raus aus dem Bett. Er zitterte vor Nervosität, vor Angst. Es hatte sich so seltsam angefühlt, er wollte auf keinen Fall, dass er das nochmal spüren musste. Auf den Spott seines Gemahls legte er im Augenblick auch nicht den geringsten Wert, weshalb er, als er das altbekannte Grinsen über die Bettkannte kommen sah, noch einmal mit dem Kissen zuschlug. Egal, was der Bengel auch immer gesagt hätte, es wäre nichts gewesen, das ihm gefallen hätte oder das er hätte hören wollen.
Hastig stand er auf und flüchtete so weit er konnte, was zugegebenermaßen nicht sehr weit war, da der einzige Ausgang, von dem er wusste, doch verschlossen war. Darum postierte er sich an der Wand, die am weitesten von dem Bett entfernt war, und erhob das Kissen zur Abwehr, auch wenn er sich dabei doch recht lächerlich vorkam. „Wage es nicht, mir zu nahe zu kommen, perverses Preußen!", keuchte er, als er sah, dass dieser genau dazu Anstalten machte.
Das Unheil verkündende Grinsen auf seinen Zügen schien ihm Beweis genug dafür, dass er sich wohl würde verteidigen müssen, wenn es sein musste, dann auch mit mehr Gewalt als er mit einem Kissen würde ausüben können. Er wollte seine Unschuld auf keinen Fall an diesen Bengel verlieren, der mit Augen wie ein Wolf auf ihn zu schlich. Im Gegensatz zu ihm sah sein Gemahl noch recht ordentlich aus, abgesehen von seinem Stirnhaar, das seit dem Treffer mit dem Kissen nach oben abstand und der Tatsache, dass er nicht mehr sonderlich viel Kleidung am Leib trug. Doch das tat er selbst auch nicht, ja seine spärliche Bekleidung war sogar durcheinander geraten. Doch diese wieder in Ordnung zu bringen, das konnte er nicht, ohne sich einen Moment der Blöße zu geben. So blieb sein Nachthemd eben auf der einen Seite ein ganzes Stück nach oben verschoben, während es auf der anderen noch fast genau an seiner Fleck saß.
Natürlich wurde keine Silbe seiner Warnung gehört. Erst war er ganz überrascht, dass der Bengel tatsächlich aus dem Bett aufstand und auf ihn zu kaum, dann, langsam, regte sich Misstrauen in ihm, das ihn dazu brachte, sein Kissen kampfbereit noch etwas höher zu halten, schließlich, als sein Gemahl schon nur noch eine Armlänge von ihm entfernt war, war er auch aufs höchste alarmiert und versuchte, weiter zurückzuweichen, doch viel zu bald prallte er auch schon gegen etwas hartes und spürte das Holz der Tür in seinem Rücken. Schützend hob er das Kissen vor sein Gesicht, das doch im Augenblick nicht das gefährdetste an ihm war, wie ein Kind, dass glaubte, dass alles, das es nicht sehen konnte auch nicht länger existierte.
„Da will ich dir im Moment gar nichts tun", bemerkte Preußen sogleich spöttisch. Er stand nun direkt vor ihm und hatte auch gleich eine Hand auf seine nur von dünnem Stoff bedeckte Hüfte gelegt. Durch den dünnen Stoff konnte er gut die Wärme spüren, die von ihr ausging. Dennoch, so gern ein Teil von ihm auch nachgegeben hatte, das konnte er nicht unbestraft lassen. Augenblicklich versuchte er wieder, einen Treffer mit dem Kissen zu landen, um sich danach flüchten zu können, doch dieses Mal wurde es gleich abgefangen. Ein kurzes Handgemenge um das Kissen entstand, an dessen Ende er ohne Kissen und damit völlig schutzlos dastand. In hohem Bogen wurde es von dem Raufbold zurück aufs Bett geschleudert.
„Was soll der Unsinn?", fauchte er aufgebracht, Verzweiflung in seinen Augen. Nicht einmal er konnte das Unabwendbare von sich fern halten.
„Wir sind verheiratet", war die knappe Antwort, die der Bengel grinsend vorbrachte. „Ich will nur eine angemessene Hochzeitsnacht!"
„Vergiss es, Bengel!"
„Ach, und was willst du dagegen tun? Ich meine, so ganz ohne Kissen?"
„Du..." Austria biss die Zähne zusammen, bevor er weiterreden konnte. Verzweifelt suchte er nach einem Gegenargument, doch nichts, das ihm brauchbar erschien oder auch nur im Ansatz sinnvoll, kam ihm in den Sinn. Er konnte nur noch etwas vorbringen, dass ihn nach Möglichkeit nicht noch tiefer in Schwierigkeiten brachte „Aber ich bin ein Mann", brachte er schließlich hervor, nicht sicher, ob das überhaupt ein Argument war. Es war nur ein allerletzter, verzweifelter Versuch, Preußen zur Vernunft zu bringen.
Doch dieser lies dieses Argument natürlich nicht gelten, zumindest nicht, bevor er sich nicht davon vergewissert hatte, obwohl es doch so offensichtlich war. „Das will ich erst mal sehen", griente er. „Und selbst wenn, ist es mir egal!"
Wie befürchtet. Es war einfach nichts mehr zu machen. Ergeben seufzte er. Mit Gewalt konnte er sich nicht wehren, er war der Schwächere, das wussten sie beide, dazu brauchte er keine Bestätigung, diese hätte die Niederlage nur allumfassender gemacht. Sich zu ergeben, wenn man keine Chance hatte war in seinen Augen nicht schlimmer, als auf verlorenem Posten noch weiterzukämpfen. Brav folgte er seinen frisch Angetrauten zum Bett. Er hoffte nur inständig, dass es vielleicht doch ein schönes Erlebnis sein konnte, dass auch dieser Bengel eine sanfte Seite hatte, die er zeigen würde...
Als Fritz am nächsten Morgen die Zimmertür öffnete, fand er die beiden noch schlafend vor. Eng hatten sie sich im Schlafe aneinander gekuschelt, ohne zu bemerken. Für einen Moment betrachtete er voll väterlichen Gefühlen diesen friedlichen Anblick, bevor er die Tür wieder schloss, dabei darauf bedacht, kein Geräusch zu machen, um die beiden nicht zu wecken.
„Sie schlafen und sehen glücklich aus", berichtete er kurze Zeit später Maria Theresia.
„Das ist gut", gab sie zurück. „Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, wo sie sich doch immer gestritten haben."
„Ich mir auch", seufzte er. „Aber so wie es aussieht, können sie auch friedlich miteinander umgehen. Hoffen wir, dass es so bleibt."
A/N: Ja, ich hielt dieses Kapitel für sinnvoll und tue das noch immer. Ehm … nur warum ist das so lang? ö.ö
