Irgendwo im Wald Südwestduetschlands

Julian bließ den heißen Rauch seines Joints in die dunkle Nacht. Der pfeifende Wind trug den mattgrauen Rauch direkt fort und so hatte er nicht mehr die Zeit tanzende Figuren in den Qualm zu formen.

„Morgen frag ich sie, ganz bestimmt…", redete der Junge vor sich hin während er Christian den Joint abgab. Christian verzog sein Gesicht zu einem verschmitzten Lächeln. Er wusste das Julian zwar gerne eine große Klappe hatte, sich jedoch des Öfteren überschätzt. Er war schon seit Jahren hinter Nadja her. Seit sie vor drei Jahren zu ihrer Gruppe gestoßen war, versuchten einige der Jungen ihr Glück bei ihr, doch sie scheiterten allesamt.

Eine Gruppe schwarzer Raben stieg krächzend aus dem Wald auf und flog in Richtung der Stadt davon. Sie saßen auf dem Dach ihres Heims, ihrer Schule, ihres ganzen Lebens.

Das ehemalige Gasthaus in dem sie wohnten stand abgelegen im dichten Wald des Hunsrücks, eines Mittelgebirges in Südwestdeutschland. Früher war die Straße, welche am Haus vorbeiführte, eine lebhafte Verbindungsstraße zwischen den Städten Simmern und Trier. Durch eine neue, asphaltierte Straße der Muggel wurde sie aber ersetzt und so kaufte ihr Meister, Lehrer und Direktor Herr Heinrich das Haus als Zufluchtsort für gestrandete Kinder der Zauberer-Welt, wie er selbst mal eines war.

Die meisten seiner Schützlinge waren muggelgeborene Zauberer, welche nicht die Möglichkeit haben, Durmstrang zu besuchen, weil die Reinblüter keine Schlammblüter auf ihrer Schule gestatteten. Also mussten sie in diesem mittelgroßen Haus die Grundlagen der Zauberei erlernen.

„Julian, ich habe da so eine neue Idee. Stell dir mal bitte die Muggelsturmgewehre,", begann Christian zu erzählen, als es laut knallte. Einige Momente später landeten Lukas, Olaf, Michael und Jan nacheinander auf dem Dach. „Sagt Mal, seid ihr bescheuert? Anstatt nur zwei Leute apparieren zu lassen, appariert ihr zu viert nacheinander hierauf und landet auch noch auf euren fetten Ärschen!", fauchte Christian die Älteren an, die sich vor Lachen beinahe krümmten. „Julian, du hättest ihnen niemals das apparieren beibringen sollen…", wandte er sich dem jüngsten ihrer ungleichen Gruppe wieder zu.

Olaf, der direkt neben Christian saß, prustete laut los und preschte ihm heftig auf die Schulter. „Christian du Streber. Gib mir mal den Johnny und hör auf zu heulen. Wenn der alte Heinrich aufsteht, apparieren wir wieder in unsren Schlafsaal und behaupten wir üben Sprengflüche."

Christian reichte ihm den Joint mit einem schelmischen Lächeln weiter: „Selbst der alte Heinrich weiß das du viel zu unfähig bist einen Sprengfluch zu beschwören."

Wieder hallte lautes Lachen durch die Nacht, wobei Olaf sich zurückzuhalten schien.

„Eigentlich könnte man sich ja unter die Bettdecke von Nadja apparieren, jetzt wo wir wissen wie es geht.", merkte Jan mit einer frechen Grimasse an. Julian war sich sicher, dass diese ihm gewidmet war. Seit mehr als einem Jahr ziehen sie ihn schon mit ihr auf und das obwohl fast alle von ihnen schon mal an der Dame gescheitert sind.

„Pass bloß auf, oder der nächste Zauber den du durch mich kennen lernst, ist der Todesfluch.", zischte er ihm mit todernster Miene entgegen. Er sah Jans Gesicht die Farbe wechseln bis Julian ein mattes Lächeln durchblicken ließ. Nun beruhigte sich sein Kontrahent ebenfalls sichtlich, doch sein schneller Griff nach dem glühenden Mariuhanastängel war sicher nicht umsonst so hastig.

„Was will Heinrich morgen wieder durchkauen?", erkundigte sich Michael, auch um seinen vorzeitigen Verlust des Glimmstängels zu kompensieren.

Julian drehte seinen Kopf zu seinem besten Freund Christian, der so was immer weiß. Dieser jedoch starrte in den Wald und schüttelte nur den Kopf.

„Was ist los mit dir? Du hast die letzten Tage kaum gegessen und geschlafen.", flüsterte Julian zu seinem Zimmergenossen gewandt. Christian drehte langsam seinen Kopf und erst jetzt erblickte Julian die Tränen, die ihm aus den Augen rannen.

„Ich weiß nicht ob ich hier bleiben soll, Julian.", startete der junge Mann langsam, „Das einzige, was mir in den letzten zwei Jahren neue Dinge beigebracht hast, waren du und die Bücher. Hr. Heinrich ist alt und zerbrechlich. Ich will in die Welt, sie erkunden um von ihr zu lernen. Aber ich kann nicht allein gehen." Christian schaute Julian jetzt genau in das Gesicht.

Julian hatte sich auch schon Gedanken darüber gemacht abzuhauen. Seit Jahren lernten sie nichts mehr von ihrem Lehrer, da ihr zauberisches Können seines um ein Vielfaches überstieg. Aus den Büchern in der Bibliothek lernten sie nahezu alles was sie wussten. Aber das hier war ihre Heimat, ihr Platz auf dieser Welt. Was sollten sie stattdessen tun?

„Lass uns bis zum Ende der Unterrichtszeit mal abwarten, Christian. Das sind ja nur wenige Tage.", gab Julian ihm zu verstehen. Christian nickte und blickte wieder gerade aus in Richtung des dichten Waldes. Julian griff in seine Tasche und suchte verzweifelt nach einem neuen Joint. Als er diesen gefunden hatte, steckte er ihn in seinen Mund und entzündete ihn lautlos mit seinem Zauberstab.

Sie saßen noch einige Stunden auf dem Dach und kifften. Inzwischen waren die anderen Jungs schon wieder schlafen. Sie alle waren gute Freunde und doch waren die Beiden froh noch Zeit zu zweit zu haben. Hier konnten sie sich frei unterhalten und neue Pläne schmieden. Alles drehte sich um neue Zauber und Ideen. Julian beherrschte als 14-Jähriger schon nahezu alles was er für wichtig erachtete. Schockzauber, Lähmzauber, aber auch einige Heilzauber und Verwandlungen. Seine größten Erfolge waren sicherlich das apparieren und den Gedankenangriff Legilimens den man auf den herkömmlichen Schulen nie lernt.

Einzig und allein die unverzeihlichen Flüche machen ihm Schwierigkeiten. Des Öfteren hatte er versucht eine Spinne mit dem Todesfluch zu töten, doch es klappte nie.

Um halb 4 entschieden sie sich schlafen zu gehen. Sie apparierten per Seit-an-Seit apparieren ins Schlafzimmer und landeten etwas unsanft zwischen Jan und Michael. Gerade noch so konnte Christian Julian festhalten der aufgrund seiner Landung das Gleichgewicht zu verlieren schien. Sie stapften zwischen den Körpern der schlafenden Jungen durch den Saal, bis sie ganz hinten rechts an ihrem Platz ankamen. Als sie sich beide in ihrem Schafsfell vergraben hatten, sodass nur noch ihr Köpfe rausschauten, zeigte Julian mit einem flegelhaften Lächeln auf die Beiden zwischen denen sie eben gelandet sind. Kaum hatte Christian realisiert was der jüngere meinte, hatte der auch schon seinen Zauberstab in der Hand und richtete diesen auf Michael. Langsam hob sich die Hand des älteren Jungen, bis sie senkrecht in der Luft stand, gehalten durch die Kraft aus Julians Zauberstab.

Jetzt verstand Christian was er vorhatte und prustete los. Er versuchte seinen Mund zuzuhalten um nicht laut zu lachen. Die Hand von Michael folgte dem Zauberstab, der sie direkt ins Gesicht von Jan beförderte. Mit einem lauten PLOPP landete sie auf der Nase.

Augenblicklich wachte dieser mit einem schmerzerfüllten Gesicht auf und griff nach seinem Zauberstab.

„Steh auf du blöder Penner!", schrie Jan währenddessen er seinen ganzen Körper aufbäumte. Michael blinzelte jetzt mit den Augen und sah sich schläfrig um. Als er realisierte, dass Jan ihn meinte sprang er in Sekundenschnelle auf und hielt seinen Stab in der Hand.

„Was soll da-…", fing er seine Antwort an, doch ein schnell gesprochenes „Stupor" unterbrach ihn. Der rote Blitz schlug in seiner rechten Schulter ein und er fiel nach hinten um. Julian wusste natürlich das der geschockte Körper sich nicht mehr steuern ließe und doch hoffte er das Michael auf Olaf fiel.

Wie erhofft landeten Kopf auf Kopf.

Auch er erwachte sofort und sah sich mit einer Hand den Kopf reibend um. Natürlich war das erste was er entdeckte Jan, der mit erhobenem Zauberstab wie angewurzelt dastand. Die lachenden Jungen auf der anderen Seite fielen gar nicht richtig auf, als Olaf sich auf Jan stürzte, dessen nächster Schockzauber an dem Angreifenden vorbeischoss.

Typisch Olaf, dachte sich Julian. Er versucht immer alles ohne Zauberstab zu lösen. Er war ein wahres Kraftpaket, doch er hatte des Öfteren Probleme mit seinem Gehirn zu arbeiten. Der heranstürmende Bulle riss Jan samt Zauberstab von den Beinen. Zusammen landeten sie auf den anderen schlafenden Jungen und auf dem krachenden Boden.

Einige wenige Sekunden später tobte eine wahre Schacht im Schlafsaal.
Julian wandte sich an Christian der erheitert den Densaugeo Fluch an einem etwas jüngeren Schüler testete. Augenblicklich wuchsen seinem Opfer riesige Schneidezähne.

„Zeit ein paar neue Flüche zu testen, oder?", erkundigte sich der jüngere Unheilstifter ironisch, als er einen Schockzauber, der aus Jans Zauberstab kam, sah.
„Finite incantantem",rief Julian laut um den ultimativen Gegenzauber zu testen. Der Schockzauber der ihn zweifelsfrei in der Brust getroffen hätte, verfiel in seine Bestandteile. Julian hatte jetzt ein breites Lächeln auf dem Gesicht was seinen besten Freund nebenan ebenfalls grinsen lies.

„Der funktioniert schonmal! Jetzt bin ich dran.", gab ihm Christian zu verstehen als er den Zauberstab hob und „Petrificus Totalus" rief, mit der Spitze auf den immer noch prügelnden Olaf gerichtet. Augenblicklich befand sich Olaf in einer Ganzkörperklammer. Er versuchte sich verzweifelt mit Muskelkraft aus dieser magischen Fesselung zu befreien, was jedoch unmöglich schien. Der Brustkorb ihres Opfers bebte förmlich von der Anstrengung, die der junge Mann durch die Rangelei hatte. Er ahnte das Olaf ganz genau wusste wen er für diese Fesselung verantwortlich macht.

Der Kampf tobte immer noch. Einige Jungs lagen zwar schon geschockt auf dem Boden wie Leichen auf dem Schlachtfeld, doch in einigen Ecken wurde noch gekämpft, wobei es sich hier eher um Schlägereien handelte. Typisch Jungs. Können ihre Kämpfe nie mit dem Stab austragen.

Eigentlich wollte er noch einen Fluch testen, worauf es sich gut traf, dass Jan noch aufrecht in der Mitte des Raums stand. Lautlos beschwörte Julian den „Spuck Schnecken" Fluch mit dem Zauberstab auf Jan gerichtet. Neben ihm zischte Christian „Desillusio" und verschwand augenblicklich, als Julian die Tür aufgehen sah und Hr. Heinrich mitsamt einer Schar von Mädchen ins Zimmer stürmte. Aus dem Augenwinkel sah er Jan, der gerade noch einen Schildzauber stammeln wollte, aber voll mit dem Fluch getroffen wurde und spuckend auf den Boden sank.

Dies musste herrlich amüsant aussehen. Julian, noch immer mit dem Stab in der Hand, der einzige der noch Stand, da alle anderen K.O., gefesselt, geschockt oder noch am Rangeln waren. Er hätte sich auch selbst bis zum Jahresende nachsitzen geben können, das hätte keinen Unterschied gemacht.

„Mitkommen, Julian. Nadja, sie und die anderen Mädchen räumen hier auf und heilen diese ganzen Verwundeten.", bat Heinrich eines der Mädchen. Die schwarzhaarige Schönheit blickte ihren Meister entsetzt an: „Ich kenne doch aber gar nicht die Gegenzauber zu alldem".

„Der Junge ist ein Jahr jünger als sie und nur halb so begabt. Natürlich kennen Sie sie alle.", erwiderte ihr Direktor mit seinem Finger auf Julian zeigend. Entgeistert schaute Nadja mit ihren haselnussbraunen Augen zu Julian. Wie alle anderen blieb sie an seinen Augen hängen, welche tiefgrün schienen. Sie sah ihn mit dem Zauberstab in seiner Hand fuchteln, als sie realisierte das er sie gerade verhexte. Aus seinen Lippen kam nur ein leichtes Zischen. Ein kleiner weißer Zauber verlies seinen Stab und traf sie.

Julian musste nun aufpassen. Er durfte nicht in Versuchung geraten ihre Gedanken zu erforschen, denn sie würde wissen was er tat. So gut beherrscht er die tiefe Kunst der Legilimentik nicht, dass sein Opfer nichts von alldem mitbekam. Er merkte wie Nadja versuchte ihn mit aller Kraft zu verteidigen doch es war ein leichtes für einen trainierten Angreifer diese Verteidigungsversuche abzuwehren. Julian übertrug ihr kurz seine Gedanken über alle Gegenflüche in dem er ihr jeden der Angriffe zeigte und dann den Gegenfluch darauffolgend. Direkt nach dem ersten Zauber merkte er wie sie ihre Verteidigung vollständig herunterfuhr, denn sie wusste, dass er nur helfen wolle. Die Versuchung ihre Gedanken einzusehen war gigantisch. Er wolle ja nur wissen ob sie ihn liebte. Als sie merkte das er fertig war fuhr sie selbst ihre Verteidigung wieder hoch. Dies weckte ihn aus seiner Trance und er brach die Verbindung ab.

Herr Heinrich war schon einige Schritte vor und ging weiter. Nadja nickte ihm lächelnd zu und schien mit ihren Lippen das Wort Danke zu Formen, als zu ihrer rechten eines der jüngeren Mädchen erschrak und mit dem Finger in Richtung Christians Schlafplatz zeigte.

„Ein Desillusionszauber. Die Ratte hat sich aus dem Staub gemacht als die Tür aufging. Sei leise und lass ihn sich hinlegen. Fragt ihn wenn ihr einen Gegenfluch braucht.", sprach Julian ruhig, als Jan ein paar Schnecken auskotzte und sich Christian zufrieden in sein Bett fallen ließ.

„Julian worauf wartest du. Wenn du nicht schon bis zum Ende dieses Schuljahres Nachsitzen müsstest wäre es jetzt noch länger." Heinrich hatte sich während er sprach scheinbar umgedreht und schaute ihn nun wartend an. Trotz des schlechten Anlasses brachten ihm die Worte seines Lehrers ein Lächeln auf den Mund. Nun schritt Julian zu Hr. Heinrich der bereits die Treppen hinabwanderte.

Die Treppe gab wie gewohnt knarrende Laute von sich, als Julian diese zum Büro des Lehrers hinabging. Ihre rechte Seite grenzt an eine dünne Holzwand, hinter der sich eins der Klassenzimmer befand. Am Ende der Treppe angekommen, durchquerten sie einmal den Flur. Auf der anderen Seite befand sich die Tür zum kleinen Büroraum.

Julian überholte seinen Direktor im Schnellschritt um ihm anschließend die Tür aufzuhalten. Wenn er schon angemeckert würde, dann sollte er wenigstens sein Möglichstes tun, diese Predigt hinter sich zu bringen.

Der alte Mann reagierte wie erwartet, in dem er Julian ein verschmitztes Lächeln schenkte und mit den Augen zwinkerte.

Julian wusste sich um seine Tarnung. Den jungen, kleinen, schwachen Zauberer der immer Pech hat, wusste er zu schauspielern. Sein Lehrer glaubte seit dem 2. Jahr das Julian große Probleme mit alldem hatte.

Herr Heinrich schritt geradewegs hinter seinen Schreibtisch, zog sich händisch den Stuhl zur Seite und setzte sich darauf. Mit seiner Hand wies er Julian an, sich hinzusetzen.

Julian sah an der Wand ein neues Bild hängen und schritt direkt darauf zu. Ein alter, bärtiger Zauberer sah den Jungen lächelnd an, als wenn er wüsste das dieser Schabernack getrieben hatte. Julian ahnte, dass dies der Zauberer Albus Dumbledore war, von dem sein Meister so gerne sprach.

Die Schülerschaft vermutete das dieser britische Schuldirektor etwas mit Herrn Heinrichs Leben zu tun hat. Angeblich sei er einer der größten Zauberer der Welt. Er soll Gellert Grindelwald besiegt haben, außerdem den sagenumwobenen Stein der Weisen mit Herrn Flamel aus Paris erfunden haben. Wenn dies stimmte, war er wirklich ein großer Mann. Wenn dies stimmte…

Hinter ihm räusperte sich sein Lehrer, der wohl wieder die ungeteilte Aufmerksamkeit des jungen Hexers wollte. Julian wandte sich vom Bild des Briten ab und setzte sich auf seinen Stuhl.

„Julian, wollen Sie sich zu dem was ich gesehen habe, äußern?", erkundigte sich der alte interessiert.

„Ich war das nicht, Herr Heinrich. Ein Streit brach zwischen Michael und Jan aus. Da wurde dann Olaf involviert, der dann ganz viele andre wach gemacht hat und dann hat sich jeder bekriegt. Ich wollte sie gerade rufen kommen, aber sie waren ja dann schon da. Alles was ab dann passiert ist, kennen Sie ja.", stammelte Julian vor sich hin. Er wusste das dies schon reichte um den alten zu überzeugen.

Er sah ihn mitleidig an und sagte, als Julian schluchzte und seine Augen in seinen Händen vergrub: „Ist ja schon gut, kleiner, ich weiß das du dazu niemals im Stande wärst. Das mit dem Nachsitzen für dich hat sich erledigt."

„Aber, bekommen denn die Anderen Hausarrest oder Nachsitzen? Dann werden sie wissen das ich geplappert habe und mich kopfüber aus dem Fenster werfen. Ich werde dann lieber mein Nachsitzen absitzen.", weinte Julian vor sich hin, während sein Lehrer den Kopf schüttelte und sagte: „Hoch mit dir! Niemand wird heute bestraft. Schnell."

Das wollte ich hören! Julian erhob sich, nickte und rannte hoch. Der alte Mann war die netteste Person, die Julian kannte, aber leicht zu beeinflussen. Als er oben ankam sah er, dass die Mädchen wieder unten in ihrem Schlafraum waren, außer Nadja, die anscheinend mit Christian gemeinsam die Jungen wieder befreite. Gerade waren sie bei Jan angekommen und schienen nach ihm zu schauen. Er hatte einen Eimer vor sich stehen und spuckte regelmäßig Schnecken rein.

Als Julian durch die Tür schritt hörte er Nadja Christian fragen: „Was können wir für ihn tun?". Julian trat ein und sagte laut, damit sie auch auf jeden Fall Kenntnis von ihm nahm: „Nichts. Den Spuck Schnecken Fluch kann man nur mit hoher Heilermagie heilen. Ansonsten vergeht er nach acht Stunden oder so."

„Was nach acht – wüaahhh", begann Jan bevor sein Schneckengefüllter Magen sich entleerte.

Nadja sah mit einer Mischung aus Mitleid und Schadensfreunde auf den jungen Mann herab. Jan hatte mit Abstand das größte Selbstvertrauen der Jungen gegenüber Frauen. Dieses ließ er nur zu oft auf Nadja los, welche ihn aber immer wieder abblitzen lies. Möglicherweise war das auch der Grund warum er den Spuck Schnecken Fluch und nicht den Klammerfluch abbekam. Julian tat was er konnte um Nadja zu beeindrucken.

„Wie lange musst du nachsitzen?", erkundigte sich sein Schwarm mit einem matten Lächeln.

„Gar nicht. Du weißt ja, er ahnt das ich dazu nicht in der Lage bin. Klammerzauber, Schockzauber und komplexe Verteidigungen liegen weit über dem Niveau eines Viertklässlers. Noch dazu bin ich kein guter...".

„Wie schaffst du es ihn nur so zu manipulieren?", gab Christian, den Julian hier sicherlich als bestenfalls unerwünscht beschrieben hätte zu bedenken.

„Kann's eben.". Mit der kurzen Antwort gab er Christian zu verstehen das er besser ins Bett sollte.

Dieser verstand und ging zu Bett.

„Konntest du alle Jungs befreien, oder musste Christian helfen?", fragte er interessiert nach.

„Durch deine Erklärungen und seine Hilfe ging es zügig. Am Klammerfluch haben wir etwas gesessen, aber das hat irgendwann auch funktioniert. Die Zauberstabbewegung machte mir zu schaffen. Ansonsten sind wir jetzt durch. Die meisten von ihnen sind direkt wieder eingeschlafen, obwohl der arme Jan die ganze Zeit bricht."

„Der hats verdient und er weiß auch wofür. Kann ich dich bis zu eurem Schlafsaal begleiten?", fragte er überglücklich.

„Gerne!", gab sie grinsend zurück und ging schon los.

„Ähhhh, Nadja, hättest du mal Lust mit mir abends spazieren zu gehen oder so?", fragte er ganz leise, weil er Angst davor hatte, dass einer seiner Mitschüler ihn hörte.

„Du schaffst es mal einen Abend ohne kiffen mit den Jungs?", gab sie forsch zurück, was Julian einen Stich verpasste. Er dachte niemand außer ihnen wüsste das sie rauchen.

„Was?! Woher weißt du das?", gab Julian energisch zur Antwort.

„Schon gut, ich sag's niemandem. Ich würde sehr gerne mit dir ausgehen, aber nur wenn du mir den coolen Schneckenspruch beibringst."

Julian grinste über das ganze Gesicht. Innerlich tanzte er gerade vor Freude.

„Von allen Zaubern, die ich mir beigebracht habe willst du ausgerechnet den lernen?".

Während er sprach dankte er sich schon das ihm so eine Antwort eingefallen war, ansonsten hätte er echt Probleme gehabt.

Während sich Nadja umdrehte und die Tür öffnete, flüsterte sie noch: „Wenn Jan wieder fit ist wird er sicherlich wieder zu mir kommen. Dann brauch ich nur zu sagen, Julian hat mir gezeigt wies geht und er lässt mich in Ruhe. Morgen um 22 Uhr, bis dann.". Anders als er erwartet hatte, schloss sie nicht die Tür, sondern gab ihm einen Kuss auf die Wange. Anschließend drehte sie sich um und ging zu Bett.

Das wird der glücklichste Tag seines Lebens, eindeutig.

Julian ging großen Schrittes zu Bett als Olaf ihm ein Bein stellte worüber er fiel. Kurz überlegte er den Schneckenfluch nochmal anzuwenden, doch das hätte ihm selbst der Alte nicht mehr geglaubt. Er krabbelte zu seinem Bett, überlegte kurz ob er noch sein Buch „Arbeit mit und gegen schwarze Magie" lesen sollte, doch entschied sich beim Blick auf die Uhr dagegen. 5 Uhr.