So, hier ist dann also Kapitel 2. Viel Spaß beim Lesen!
Und da das wie gesagt meine erste FF ist, würde ich mich wirklich freuen, wenn ihr mir sagen würdet, was ihr davon haltet :)

Liebe Grüße,
M.


Hermine ließ sich in den Stuhl links von Ginny fallen. Nachdem Kingsley die zweistündige Unterbrechung der Verhandlung verkündet hatte, hatten Ron, Harry, Ginny und Hermine beschlossen für diese Zeit ein nahegelegenes Cafe aufzusuchen. Neville und Luna, die sie vor dem Verhandlungssaal getroffen hatten, hatten sich ebenfalls angeschlossen. Kaum hatten sie sich alle dort niedergelassen, kam auch schon eine Kellnerin um die Bestellungen aufzunehmen. Hermine, die als erstes nach ihrem Wunsch gefragt wurde, bekam die Bestellungen der anderen nicht einmal mehr mit, war sie doch schon wieder tief in Gedanken versunken. Der Schock über das zuvor gehörte, saß noch zu tief. Hätte Hermine es nicht besser gewusst, hätte sie mit fester Überzeugung gesagt, dass alles nur ein schlechter Traum gewesen sein. Es war einfach unmöglich. Zu unglaublich um wahr zu sein. Doch so sehr sie sich auch bemühte ein Schlupfloch zu finden, eine plausible Erklärung, die alles zuvor Gehörte als Lüge enttarnen würde, so hoffnungslos war das Ganze. Sie wusste, dass es in Anbetracht der Umstände keine Möglichkeit gab der Wirkung des Trankes zu entgehen. Und sie war schließlich Hermine Granger. Schlauste Hexe ihres Alters. Sie hatte jedes Buch in der Hogwartsbibliothek gelesen, einschließlich ein paar weniger aus der Verbotenen Abteilung und Merlin wusste: die Bibliothek von Hogwarts war verdammt groß! Wenn sie es nicht wusste, wer dann? Nein, es gab keine Möglichkeit, dessen war sich Hermine Granger ziemlich sicher.
Sie sah auf und blickte in Harrys erwartungsvolles Gesicht. Oh. Scheinbar hatte er sie etwas gefragt und sie hatte es nicht einmal mitbekommen, weil sie so in ihre Gedanken vertieft war.
„Entschuldige, Harry. Was hast du gesagt?", fragte sie leicht errötend.
Harry lächelte nachsichtig. „Bist du dir wirklich sicher, dass er den Trank bzw. die Wirkung nicht hätte umgehen können?"
„Ja, eigentlich schon", antwortete sie zögernd. Harry machte ein nachdenkliches Gesicht, während von Ron nur ein verächtliches Schnauben zu hören war.
„Vielleicht haben sie ihm das Zeug ja gar nicht verabreicht!", warf Neville hoffnungsvoll ein, doch Hermine schüttelte nur mit dem Kopf. „Ausgeschlossen. Die Verabreichung von Veritaserum vor den Anhörungen wurde in der für die Todesserprozesse eigens angelegte Satzung eindeutig festgehalten. Und dass es vergessen wird, lässt schon der Aufbau des Ablaufes einfach nicht zu. Abgesehen davon würden sie es auch nicht vergessen, schon gar nicht bei einem Malfoy. Oder was denkst du, Harry?", wandte sich Hermine nun wieder an selbigen. „Nein. Nein, das glaube ich eigentlich auch nicht", stimmte er ihr zu und Hermine fuhr fort: „Außerdem habe ich Kingsley beobachtet, er schien selbst kaum glauben zu können, was er gehört hatte. Er hat sich dann kurz mit seinem Untersekretär verständigt, für mich sah es so aus, als hätte er sich auch nochmal versichern lassen, dass das Veritaserum tatsächlich verabreicht wurde. Und es wurde bestätigt." Wieder vernahm sie ein verächtliches Schnauben von Ron. Langsam ging ihr sein Getue auf die Nerven.
„Möchtest du vielleicht etwas sagen, Ronald?", presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, nur um ihn nicht anzubrüllen. Er blickt sie wütend an. „Komm schon, Hermine! Du kannst ja wohl nicht ernsthaft glauben, dass das die Wahrheit war! Auf wessen Seite stehst du eigentlich?"
Jetzt reichte es Hermine Granger. Mit seiner letzten Aussage war Ron definitiv zu weit gegangen.
„Ronald Weasley! Wage es nicht meine Loyalität infrage zu stellen! Du weißt ganz genau, dass ich diesen Widerling nicht in Schutz nehmen würde! Was ist eigentlich dein Problem? Denkst du etwa mir würde es leicht fallen, das zu glauben?" Sie war aufgestanden, als sie losgebrüllt hatte und funkelte Ron nun zornig von oben an. Doch er antwortete nicht. Stattdessen sah er sie nur trotzig mit vorgeschobener Unterlippe und verschränkten Armen an. War ja auch nicht anders zu erwarten. Peinlich berührt stellte sie fest, dass alle anderen Gäste in dem kleinen Cafe sie anstarrten. Sie murmelte schnell ein leises „Entschuldigung" und ließ sich mit hochroten Wangen wieder auf ihren Stuhl fallen. Die restliche halbe Stunde schwiegen sie einander betreten an und machten sich dann, immer noch schweigend, wieder auf den Weg zurück zum Verhandlungssaal. Dort angekommen, suchten sie ihre Plätze von vorher wieder auf, doch diesmal nahm Hermine den Sitz rechts von Ginny, damit sie möglichst weit von Ron entfernt saß. Noch ein weiteres Mal würde sie seine bescheuerten Anschuldigungen nicht ertragen.
Kingsley nahm wieder seinen Platz am Richterpult ein. Draco Malfoy war bereits vorher wieder in den Saal geführt worden, was erneut heftiges Gemurmel auslöste.

Als Kingsley sich räusperte, wurde es schnell wieder still.

„Gut. Die Anhörung wird hiermit fortgesetzt." Und damit wandte er sich dem Angeklagten zu.
„Mister Malfoy.. Wie Sie sich sicher denken können, haben ihre Aussagen für einigen Wirbel gesorgt. Dennoch.. hat das Gericht beschlossen, ihren Aussagen vorerst Glauben zu schenken." Empörte Aufschreie im Publikum. Nicht jeder wusste von der Verwendung des Veritaserums bei den Prozessen. Genau genommen gab es nur sehr wenige, die eingeweiht waren. Das Gericht selbst natürlich, jeder, der dazu gehörte und einige wenige, die dem Orden des Phoenix sehr nahe gestanden oder selbst dazu gehört hatten. Jeder, der in das Geheimnis eingeweiht worden war, hatte außerdem einen Eid ablegen müssen, niemandem davon zu erzählen. Hermine musterte ihren ehemaligen Erzfeind eingehend. Sie suchte in seinem Gesicht nach irgendeiner Gefühlsregung. Erleichterung vielleicht? Doch sie fand… rein gar nichts.

Kingsley fuhr fort: „Mister Malfoy, wurden Sie gezwungen sich Voldemort anzuschließen indem man ihnen mit dem Tod drohte, wenn Sie es nicht täten?"

Nun war es an Hermine verächtlich zu schnauben. Das war doch lächerlich! Draco Malfoy hatte es doch schon in ihrer frühen Schulzeit kaum erwarten können endlich ein Todesser zu werden!

„Nein. Man hat mich nicht unter Todesdrohungen dazu gezwungen.", antwortete dieser dann auch prompt.

„Mister Malfoy, würden Sie uns dann bitte erklären, wieso sie sich Voldemorts Gefolgschaft angeschlossen haben?"

Ein Moment der Stille folgte.

„Macht. Ich wollte Macht. Und ich habe angenommen, dass ein Todesser zu werden, mich zu Macht bringen würde."

„Und Sie haben nicht bekommen, was Sie sich erhofft hatten?"

„Nein. In Wahrheit hat ein Todesser zu sein mir das letzte bisschen Macht genommen, das ich zuvor noch hatte."

„Würden Sie das bitte näher erläutern, Mister Malfoy?", bat Kingsley.

„Als Todesser hatte man eine gewisse Macht. Über andere. Aber nicht mehr über sich selbst. Die hatte immer er. Und das war nicht das, was ich wollte."

„Ich verstehe. Ich frage mich, Mister Malfoy, wenn Ihnen ein Todesser zu sein sowieso nicht das gegeben hat, was sie wollten, wieso haben Sie dann nicht versucht auszusteigen?"

„Es gab Momente, in denen ich es fast getan hätte. Als ich vor Dumbledore stand, ihn töten sollte, aber nicht konnte. Oder als meine Tante… als meine Tante Granger gefoltert hat."

Hermine schnappte nach Luft. Das war zu viel, einfach zu viel. Ron hatte Recht. Er musste lügen. Er musste irgendwie einen Weg gefunden haben. Hermines Augen füllten sich mit Tränen bei den Bildern, die an ihrem inneren Auge vorbeizogen. Sie, zusammengekrümmt auf dem Boden. Bellatrix Lestrange, die über sie lachte. Draco Malfoy, der da stand und einfach nur zu sah.
Sie fühlte, wie Ginny ihre Hand drückte, doch sie schüttelte sie ab. Wie in Trance stand sie auf.
Den Rest hörte sie wie durch Watte, als sie sich durch die Sitzreihen Richtung Ausgang kämpfte.

„Aber ich wollte leben. Wenn ich versucht hätte auszusteigen, hätten entweder er oder mein Vater mich getötet. Und selbst wenn ich es geschafft hätte, hätte er meine Mutter umgebracht."

Sie hörte wie Kingsley die Verhandlung für den heutigen Tag schloss und wie ihre Freunde nach ihr riefen. Doch es kümmerte sie nicht. Sie wollte jetzt niemanden sehen. Sie wollte einfach nur nach Hause. Allein sein.