„Na? Sehnsucht nach den Kerkern?", schnarrte Malfoys kalte Stimme.

Ich drehte mich langsam um und meinte höhnisch: „Selbst dir dürfte nicht entgangen sein, dass Professor Snape mir eine Strafarbeit aufgebrummt hat."

„Sag bloß!" Malfoy grinste verschlagen.
Er hatte sich zwar beim Krieg auf unsere Seite geschlagen, doch ich konnte ihn immer noch nicht ausstehen.

„Das habe ich soeben getan, du Schrumpfhirn."
Ich rollte mit den Augen.

„Pass auf was du sagst, Schlammblut!"

„Das tue ich, Reinblüter", fauchte ich giftig.

„Sollte das gerade eine Beleidigung sein?", fragte Malfoy und zog eine Augenbraue hoch.

„Nein, vielmehr eine Tatsache", erklärte ich kalt. „Allerdings ist das in deinem Fall das gleiche!"

„Wenigstens hab ich keine Sehnsucht nach einer großen, schwarzen Fledermaus."

„Sag mal, Malfoy, denkst du auch irgendwann einmal nach?", fragte ich genervt. „Ich hab doch schon gesagt, dass ich nur hier bin, weil ich nachsitzen muss."

„Und dazu sind Sie schon exakt 6 Minuten zu spät", erklärte eine seidige Stimme genüsslich.

Wie von der Tarantel gestochen fuhr ich herum und blickte in Snapes blasses Gesicht. „Wie lange stehen Sie da schon?", fragte Draco entsetzt.

„Lange genug, um Ihrem zweifelsfrei sehr unterhaltsamen Gespräch folgen zu können", meinte Professor Snape gedehnt und blickte Malfoy spöttisch an. „Sie können gehen."
Malfoy nickte hastig und verschwand.
Was für ein Schleimer!

„Kommen Sie herein?", sagte Professor Snape sanft und hielt mir die Tür auf.

Allerdings bewegte er sich nicht zur Seite, sodass ich nicht umhin konnte, seinen herben Kräutergeruch zu bemerken, als ich vorbeiging.
Ich atmete tief ein. Warum musste er nur so gut riechen?

Snape setzte sich hinter seinen Schreibtisch und deutete einladend auf den Stuhl, der davor stand.

„Entschuldigen Sie, Professor", meinte ich zögerlich, als er mich eine Zeit lang nur schweigend gemustert hatte.
Nicht, dass es mir unangenehm gewesen wäre...

„Wofür?", fragte er beinahe sanft. Ich merkte sofort den Unterschied zu dem Snape, den ich in den letzten Jahren kennengelernt hatte. Irgendwie war er jetzt sanfter, lockerer, gelöster...
„Für die Verspätung", sagte ich hastig.

Professor Snape lächelte leicht und meine Atmung beschleunigte sich.
„Soweit ich es beurteilen kann, ist Mr. Malfoy genauso Schuld an Ihrer Verspätung wie Sie. Es wäre doch eine Schande, Sie zu bestrafen, während ich ihn davon kommen lasse, finden Sie nicht?"

Argwöhnisch blickte ich ihn an. War dies eine Falle?

Er lachte leise. „So misstrauisch, Miss Granger?", fragte er dunkel. Oh Merlin, diese Stimme! War sie schon immer so gewesen? So...erotisch?
„Angst vor der Schlange?"

„Nicht alle Schlangen sind ungefährlich", meinte ich leise und wich seinem Blick aus.

„Und das von einer Gryffindor", spottete Professor Snape. „Sind die nicht eigentlich dafür bekannt, dass sie vor nichts und niemandem Angst haben?"

„Wir sind vielleicht mutiger als andere Häuser, aber wir sind nicht dümmer."

„Da könnten Sie Recht haben", bestätigte er. „Sie zum Beispiel scheinen mir nicht gerade unintelligent zu sein."

Wow...war das eben ein Lob? Meine Fassungslosigkeit schien man mir ansehen zu können, denn mein Lehrer lächelte leicht und sagte: „Nun tun Sie doch nicht so überrascht. Sie wissen doch, dass Sie die beste Schülerin Hogwarts' seit zwei Jahrzehnten sind."

Ich spürte, wie ich errötete und lächelte ihm schüchtern zu.

Warum konnte er nicht immer so sein? So...freundlich? Erst dann bemerkte ich, dass ich Professor Snape gerade als 'freundlich' bezeichnet hatte.

Bei Merlin! Das hier war eine Strafarbeit! Es wurde Zeit, auch meinen Lehrer daran zu erinnern.
„Was soll ich tun, Professor?"

Seine Miene verschloss sich etwas, doch ich sah einen Funken Amüsement in seinen Augen blitzen.
„Nichts, Miss Granger. Sie können gehen", antwortete er ruhig.

„Aa-a-aber warum?", fragte ich verwirrt. Nicht, dass es mich stören würde, einfach gehen zu können.

„Ich habe keine Aufgabe für Sie", sagte er.

„Aber warum bin ich dann hier?"

„Sie haben mich beleidigt – das konnte ich doch nicht auf mir sitzen lassen", meinte er achselzuckend. „Was sollten die Schüler von mir denken?"

„Also...kann ich wirklich gehen?", erkundigte ich mich leise.
Snape nickte und wandte sich seinen Unterlagen zu.

Ich war schon in der Tür, als ich mich noch einmal umdrehte: „Warum?"

„Warum was, Miss Granger?", fragte er leise.

„Warum sind Sie so anders?" Professor Snape hob seinen Kopf und blickte mir direkt in die Augen.
„Um Ihnen etwas zu zeigen", sprach er sanft.

„Was denn?" Ich war verwirrt.

„Ich will Ihnen beweisen, dass Sie mich lieben", hauchte er. „Gute Nacht, Hermione."

Die Tür schloss sich und ich blickte verdattert auf das braune Holz direkt vor meiner Nase.