Hier kommt das zweite Kapitel.

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Kapitel 2: Alpträume

"Da ist dir ein Streuner nach Hause gefolgt, eh Up?"

"Hübsches kleines Ding, würde ich sagen, wenn sie mal sauber ist. Eine echte muñeca." [muñeca = Puppe.]

Gluckser folgten ihm den Flur hinunter, aber Up schaute nicht zurück. Er würde sich um diese Idioten später kümmern. Er klopfte an die Tür der Kommandeurin, obwohl er sich immer noch nicht sicher war, wie genau oder warum er sich selbst in diese Situation gebracht hatte.

"Herein."

Die Kommandeurin schaute ernst in ihr Scotch Glas, an ihrem Schreibtisch sitzend.

"Lieutenant", sagte sie. "Rührt euch." Hinweisend, dass er sich hinsetzen sollte, schenkte sie ein zweites Scotch Glas ein. "Schlimme Szene dort unten. Habe heute einige gute Männer verloren."

"Ja, Sir." sagte Up. Sie waren seine Männer gewesen. Nicht die Ersten, die er verloren hatte und auch nicht die Letzten.

"Ein weiterer Lieutenant ohne ein Team. Ich schätze, dass bedeutet ich werde Sie zur Neuzuordnung in die Akademie zurückschicken." seufzte die Kommandeurin. "Es wird mir leid tun, Sie gehen zu sehen, Up. Sie waren ein guter Anführer für diese Rangers."

"Danke, Sir."

"Und als solch ein vorbildlicher Soldat, bin ich sicher, dass Sie gut wissen, dass Raumschiffe, die für einen Kampf ausgerüstet sind, nicht die Angewohnheit haben Flüchtlinge aus einer Laune heraus an Bord zu nehmen?"

Up hatte an dem Scotch genippt und hustete. "Ja, Sir. Ich weiß das sehr wohl."

"Also bitte, erleuchtet mich, Lieutenant. Was in der Galaxis, hat Sie dazu gebracht diese junge Dame an Bord meines Schiffes zu bringen?"

Weil sie mich es verdammt sicher nicht anders hätte machen lassen, wollte er sagen, aber das stimmte nicht ganz. "Sie konnte nirgends anders hin, Sir. Ihr ganzes Dorf war zerstört. Es sind immer noch Roboter am Boden und meilenweit kein Bunker." Er sah wieder das Mädchen vor sich, trotzig von dieser Baumkrone schwingend inmitten der schwelenden Ruinen ihres Lebens. "Sie wäre gestorben."

Die Kommandeurin antwortete nicht, sondern hob eine Augenbraue und Up wusste genau was sie dachte - warum sollte das ihm etwas bedeuten? Er hatte gerade sieben gute Männer und Frauen verloren und dem Tod tausende Male ins Gesicht gelacht. Wer sorgt sich um irgendein mexikanisches Mädchen, das wie eine Todesfee im Angesicht des Todes schreien konnte? Er setzte das Glas auf dem Tisch ab, ein bisschen härter als beabsichtigt.

"Erlaubnis frei zu sprechen, Sir."

Die Kommandeurin winkte.

"Was ist so schlimm daran? Wir werden in ein paar Wochen zurück in der Akademie sein und ich kann nicht sehen, dass sie viel Ärger bedeuten wird. Sicherlich isst sie nicht viel."

"Und was sollen wir mir ihr machen, wenn wir bei der Akademie sind?"

"Das Flüchtlingszentrum wird sie irgendwie aufnehmen, ihr wenigstens ein Dach über dem Kopf geben. Es gibt hier nichts für sie und wir sind sowieso auf halbem Weg zur nächsten Station. Wir können sie jetzt nicht einfach vom Schiff werfen."

Die Kommandeurin sah nicht beeindruckt aus. "Das war sicherlich Ihr Plan, Lieutenant." seufzte sie. "Ich schätze, dann ist es abgemacht. Sie sammeln sie besser von der Krankenstation auf."

Up stand auf, dann hielt er inne. "Was- warum? Sollte sie nicht da bleiben?"

"Die Mediziner sagten mir, sie ist nicht ernsthaft verletzt. Die Betten dort sind mit unseren eigenen Männern belegt und wir haben gerade erfahren, dass dir ein paar Koje Kollegen fehlen, oder? Du hast das Mädchen an Bord gebracht, Lieutenant. Sie steht unter deiner Verantwortung, bis wir zur Akademie kommen."

Sie stand auch auf und gestikulierte zur Tür. "Gratulation, Up. Du kannst dein Haustier immerhin behalten."

Er salutierte und ging aus ihrem Büro. Höhnische Schlampe, dachte er. Die Neuzuordnung war ihm nur Recht.

Das Mädchen saß, ihre Beine um sich selbst geschlungen, in einem dieser weißen Krankenstation Plastikstühlen, während Mediziner sich geschäftig zwischen Rangern hin und her bewegten, die an verschiedenen Graden der Verletzungen litten. Sie war gesäubert worden, um ihre Wunden hatte man sich gekümmert und jemand hatte eine alte Fähnrich - Uniform für sie zum Tragen abgestaubt. Sie sah verloren aus, fehl am Platz.

"Hey du da.. uh.."

Sie schaute auf und Erleichterung erhellte ihr Gesicht. "Taz." sagte sie.

"Taz, ja, Taz." Up kratzte unwohl seinen Nacken. "Nun, ich nehme an sie sind hier alle überfüllt. Die Kommandeurin sagt, du kommst mit mir."

"Mit dir kommen?" Sie klang überrascht.

"Sieh mal, Taz, ich habe - ich habe es irgendwie vermasselt, als ich dich an Bord diese Schiffes brachte. Sollte auf diese Weise nicht passieren, streng genommen. Aber die Kommandeurin hat zugestimmt dich hierbleiben zu lassen, bis wir in ein paar Wochen bei der Akademie sind. Die Sache ist die, du musst bei mir bleiben."

Sie hob ihre Augenbrauen. "Also bin ich deine Bestrafung?"

Er wusste nicht was er sagen sollte. Schließlich zuckte er mit den Schultern. „Sieht so aus." Sie lächelte beinahe und stand auf, behutsam ihre Seite haltend.

Er sah sie an, zitternd in ihren zu großen Kleidern. Ihre Wange war immer noch geschwollen, aber ihre Haut war jetzt sauber und er konnte sie besser als vorher sehen. Sie sah so jung aus.

„Okay, dann compañero. Geh voran." [compañero = Freund]

Taz schlief im Bett eines toten Rangers, trug die Kleider eines toten Rangers und bekämpfte noch mal die Roboter in ihren Träumen. Blitze von Feuer und weiße Explosionen. Dieses furchtbare metallische Gelächter. In die Luft gehoben zu werden wie das juguete eines Kindes, [juguete = Spielzeug] machtlos gegen die unmenschliche Stärke ihrer Angreifer. Sie schrie und schrie, wieder und wieder. Wissend das ihre Stimme allein nicht genug war, aber wünschend sie wäre es...

"Taz, Taz! Wach auf!"

Sie richtete sich auf, ihren letzten Schrei immer noch auf ihren Lippen, um Lieutenant Up's Gesicht Zentimeter von ihrem entfernt zu finden und die Vorderseite seines Shirts verdreht in ihren Händen. Er schaute überrascht und besorgt. Sie ließ ihn los.

"Tut mir leid." sagte sie, sich so weit von ihm weg schiebend wie die kleine Koje es erlaubte und zuckte zusammen, als die Wunde in ihrer Seite protestierte. Up kniete neben ihr, trübäugig und trug die gleichen grauen G.L.E.E. ausgezeichneten Pyjamas, wie sie.

"Wirst du – Wirst du wieder OK?" fragte der Ranger irgendwie ungeschickt, in seinem schleppenden Südstaatenakzent. Taz nahm an, dass er möglicherweise nicht viel Zeit mit 15-jährigen Mädchen oder irgendwelchen Mädchen verbrachte.

Sie ertappte sich dabei, sich zu fragen wie alt der Lieutenant war. Es gab nur einen Hauch von Silber in dem blondem Haar um seine Schläfen.

Würde sie wieder ok werden? Gute Frage. Sie hörte die Stimme ihrer Mama. "Ich bin stolz auf dich, hijita mia." [=mein Töchterchen] Ihre Augen brannten. Dios mio, [=mein Gott] würde sie weinen? Vor ihm?

"Mir wird es gut gehen." sagte sie, ihr Gesicht von ihm abwendend. Der Lieutenant Up bewegte sich nicht. Sie konnte fühlen, wie er sie besorgt ansah. Ein verängstigtes kleines Mädchen, verspottete sie sich selbst. Das ist alles, was er von mir denkt. Bevor sie sich aufhalten konnte, wandte sie sich wieder zu ihm.

"Was wird mit mir passieren, wenn wir zurück bei der Akademie sind?"

"Nun," sagte Up, sich in die Hocke zurücklassend. "Es ist in der Hauptstadt, also können wir dich dort zum Flüchtlinglager bringen. Du wirst einen Platz zum Schlafen haben, etwas zu essen. Sie besorgen dir vielleicht sogar einen Beruf, wenn du willst." Sie konnte sagen, dass er wirklich versuchte es verlockend klingend zu lassen.

"Ein Flüchtlingslager?" echote sie, versuchend es sich vorzustellen. Sie malte sich Reihen von Schlafsäcken in einer Sporthalle aus, weinende Babys und alte Leute, die in ihre Betten machten. Was würde sie geben um wieder in Mexiko zu sein, bei ihrer Mutter und ihren ungeschickten Cousins und sogar für das dumme quinceañera Kleid. Jesuscristo, sie würde weinen. Sie blinzelte heftig. [Jesuscristo = Jesus Christus]

Up sah so aus, als ob er etwas Beruhigendes sagen wollte, aber seine Meinung geändert hatte. "Ja, mir würde die Idee auch nicht sehr gefallen." sagte er leise. "Es tut mir leid, dass ich dich in diese Schwierigkeiten gebracht habe.

"Nein." sagte sie. Es sollte ihm niemals leid tun. "Du hast mein Leben gerettet."

Up sagte nichts mehr, also drehte sie ihm wieder den Rücken zu. "Geh wieder ins Bett. Es tut mir leid, dass ich dich geweckt habe."

Er hielt einen Moment inne, als ob er entschied ob es ok für ihn wäre Befehle von einem winzigen Mädchen wie Taz zu befolgen. "Ok." sagte er und ging zurück zu seiner Koje.

Über ihre Schulter hinweg schaute sie zu, wie er wegging. Er sah jetzt nicht mehr so furchterregend aus. Der Pyjama versteckte das Meiste seiner Größe als er durch die Dunkelheit stolperte. Doch sie konnte ihn sehen, wie er ein halbes Dutzend Roboter erledigte mit nichts als einer Waffe und seinen bloßen Händen und es dann einfach abtat, als ob er es jeden Tag tun würde. Vielleicht tat er das ja.

Wer war dieser Starship Ranger überhaupt?