"Also nochmal für ganz Doofe...", beginne ich mit einem sehr schadenfrohen Grinsen. Dumbledore grinst auch, natürlich nicht schadenfroh. Sirius schon eher.
Wir sitzen mittlerweile in seiner ziemlich vergammelten Küche.
"Wir, die `Guten`, haben Askaban- Ausbrecher, einen Werwolf, den mächtigsten weißen Zauberer des Universums, Den-Jungen-der-überlebt-hat, diverse Professoren und Auroren und... den fiesesten Tränkebrauer Europas auf unserer Seite?"
Kingsley lacht kurz auf.
"Wieso zum Salazar wurden dann die Silbermasken noch nicht von Dementoren geküsst? Mir egal, ob mit oder ohne Zunge..."
"Nymphadora, so einfach ist das nun auch wieder nicht. Ich begrüße zwar ihren unvergleichlichen...Enthusiasmus, aber wir müssen uns sehr zurückhalten. Über die Vorgänge im Ministerium brauche ich Sie ja nun wirklich nicht zu informieren, der arme Harry wird es dieses Jahr nicht leicht haben in Hogwarts...wieder einmal.", seufzt Dumbledore und sieht irgendwie aus, als schwane ihm Böses.
"Wie geht es ihm eigentlich? Ich habe das mit den Dementoren am Rande mitbekommen", frage ich.
"Oh, Sie werden sich bald selbst überzeugen können. Kingsley, Remus, Alastor und ein paar andere werden ihn morgen abholen. Eigentlich wollte ich, dass Sie auch zur Leibgarde gehören, aber ich habe mich entschieden, Sie gleich für den Orden einzusetzen. Sie können ein Gästezimmer hier beziehen, bis die Schule wieder anfängt. Später werden Sie natürlich in Hogwarts wohnen, wenn Sie meinem Auftrag denn annehmen."
"Klar nehme ich an! Ich hatte schon befürchtet, ich müsste alles, was Mad-Eye und King Shack mir beigebracht haben hinter einem staubigen Schreibtisch vergessen. Ich freue mich über richtige Aufträge! Erst recht, wenn sie nicht direkt von Fudge kommen", erkläre ich und hoffe, nicht zu offensichtlich begeistert zu klingen.
Sofort verfinstert sich Kingsleys Miene.
"Nymphadora, deswegen wollte ich auch noch mit Ihnen reden. Weshalb ich überhaupt auf Sie aufmerksam geworden bin- und seien Sie froh, dass nur ich es wurde- ist, weil Sie etwas zu direkt Ihre Meinung über die Wiederauferstehung des Bösen äußern. Nehmen Sie sich etwas zusammen! Es ist in diesen Tagen nicht ratsam, sich negativ über das Ministerium zu äußern. Ein Mitglied in Askaban nützt uns nichts!"
Ich nicke etwas verlegen mit dem Kopf.
Erst denken, dann reden.
"So, Sirius hat uns sein Haus als Hauptquartier angeboten. Ich brauche etwa eine Stunde, bis ich den Fidelius gesprochen habe…Also raus hier und merken Sie sich die Adresse!"
Dumbledore setzt eine ungewohnt ungeduldige Miene auf und scheucht uns aus dem Haus.
Vor der Tür hake ich mich bei Kingsley unter und blicke verwundert zu dem großen schwarzen Hund, der uns hinterher läuft.
"Das ist Sirius", flüstert Kingsley und meine Augen weiten sich.
"Jetzt wird mir einiges klar!" skandiere ich.
Dementoren können keine Tiere sehen… hören… spüren...was auch immer.
Wir gehen zu einem Pub und ich lasse mich von meinem Chef zu einem Guinness einladen. Sirius bzw. Schnuffel, wie Kingsley mich informiert, legt sich unter den Tisch und positioniert seinen bärigen Kopf auf meinem linken Fuß.
Gut, dass ich kniehohe, klobige Stiefel unter meinem ziemlich kurzen Rock trage. Vorsichtshalber schlage ich die Beine übereinander.
Kann ein Hund enttäuscht gucken?
"Tonks, da ist noch etwas, was Sie wissen müssen", beginnt Kingsley und sieht mich ein bisschen sorgenvoll an. Mir ist natürlich aufgefallen, dass er meinen Nachnamen benutzt, der - wie alle die mich kennen, wissen - von mir bevorzugt wird.
Er nähert sich meinem Ohr und ich kann seinen Ohrring im Licht der Fackeln glitzern sehen.
"Die haben mehrere Spione im Ministerium. Ich fürchte, auch Percy Weasley gegenüber müssen wir mehr als vorsichtig sein. Er steht voll und ganz hinter Fudge! Er weiß nichts von dem Orden, und erst recht nicht, dass fast seine ganze Familie involviert ist."
Ich kenne den unsympathischsten Weasley natürlich. Schließlich war sein Bruder Charlie in meiner Klasse und Percy als größter Wichtigtuer der Schule unübersehbar.
Langsam steigt mir das Bier in den Kopf. Noch dazu der Whisky von vorhin.
Verdammte Fledermaus! Okklumentik war schon immer sehr kräftezehrend für mich.
"Wie haben Sie eigentlich Snape so heil überstanden? Bei alle anderen sind nach seiner Attacke Migräneanfälle ausgebrochen..."
"Ach echt? Dumbledore hat mich speziell auf meine Metamorphmagie hin ausgebildet. Ich erschaffe mich im Geiste mehrfach neu und verteile meine Gedanken auf die verschiedenen Leute, von denen jeder seine ganze Okklumentikkraft auf einige wenige Erinnerungen konzentrieren kann, statt auf den geballten Haufen auf einmal."
Ich war noch nie gut im Erklären.
"Zumindest hat er nach seinem Test ein bisschen wütender ausgesehen. Scheint als hätte er nicht so viel zu sehen bekommen, wie er sich erhofft hatte", sagt Kingsley mit einem anzüglichen Grinsen und krault den wedelnden Schnuffel am Rücken.
Wie gut, dass niemand weiß, dass ich nicht ganz so kontaktfreudig bin, wie alle von mir denken. Ich kann es nicht gebrauchen, dass Snape sich über meine intimsten Erinnerungen lustig macht... Nicht, dass es da allzu viele gäbe...
"Was soll ich eigentlich für Dumbledore tun?", frage ich neugierig.
"Ich vermute, das Haus muss für unser erstes Treffen bewohnbar gemacht werden", murmelt Kingsley.
Ich hoffe doch schwer, mich verhört zu haben.
"Ich soll putzen?! Hallo, ich bin Aurorin, schon vergessen? Bestimmt kann ich…"
"Die Weasleys, Hermine Granger und Sirius werden Ihnen natürlich helfen", unterbricht Kingsley meinen Wutanfall.
"Oh, Danke, da bin ich aber beruhigt. Und was genau macht Snape? Putzmittel mixen?"
Unterm Tisch ertönt ein Geräusch, ähnlich dem Kichern einer Hyäne.
"Nein, Severus hat anderes zu tun."
