SCHWARZER DRACHE - PART ZWEI
Gedankenverloren malte Hermione sinnlose Zeichen auf dem grauen Laken und dachte über sich und ihre Beziehung zu Charlie nach. Sie begann irgendwann im Sommer nach ihrem sechsten Schuljahr. Das Jahr, in demi sie mit Ron und Harry nicht nach Hogwarts zurückgekehrt war, sondern die Horcruxe gesucht hatte.
In diesem kurze Sommer, als Bill und Fleur heirateten, als Harry begann seinen Hass zu schüren, in diesem Sommer begann eine leidenschaftliche, wenn auch sehr kurze Affäre. Es war keine Liebe, es war keine Suche nach Geborgenheit, sondern nur Sex. Ihr einziger bisher. Und es war kein anderer Mann bisher dazu gekommen.
Dann war der Sommer vorbei gewesen. Und Charlie kehrte zurück nach Rumänien, um dort seine Arbeit wieder aufzunehmen, und sie machte sich auf eine Suche durch ganz Europa. Dies war nun sechs Jahre her. Oder sogar noch länger. Nur Merlin wusste, wie lange sie schon in diesem verfluchten Krankenhaus lagen.
Zwischendurch hatten sie sich nur einmal gesehen, auf einer wichtigen Konferenz des Phönixordens. Jene Nacht hatte erneut in einer tiefen Leidenschaft geendet, die ihnen die Kraft gab, am nächsten Tag eine der größten Schlachten zu gewinnen.
„Du hast in der Nacht wieder geschrieen. Was träumst du immer, dass es solche Laute bei dir auslöst?", fragte Charlie besorgt, nachdem er sie eine Weile beim sinnlosen Zeichnen beobachtet hatte.
„Zu viel. Ich kriege es nicht mal ganz zusammen. Die Gefangenschaft in Prag, der Angriff in Edinburgh, der letzte Angriff von diesem seltsamen, schwarzen Drachen", zählte sie auf und wurde dabei immer leiser.
Der schwarze Drache war Charlie nicht neu. Die Heiler hatten gesagt, dass sie phantasierte. Schwarzen Drachen existierten nicht. Doch Charlie kannte Legenden, in denen durchaus schwarze Drachen vorkamen. Es waren nur Legenden, aber war an jeder Legende nicht auch ein Körnchen Wahrheit dran?
Hermione phantasierte nicht, dessen war Charlie sich sicher. Es war schließlich bewiesen, dass ihre letzte Schlacht, bevor sie eingeliefert wurde, die Drachenschlacht bei Venedig war. Und Voldemort war es zu zu trauen, etwas wie schwarze Drachen zu züchten.
Ehrlich gesagt, wusste Charlie inzwischen gar nicht mehr, was er denken oder fühlen sollte, und was nicht. Er wusste nur, dass er Hermione aus einem unbekannten Grund glaubte.
„Wie lange wir wohl noch hier bleiben müssen?", fragte die junge Frau und atmete tief ein. Die Luft war stickig, zu lange war nicht mehr gelüftet worden. Aber draußen waren Minustemperaturen und zu viele der Patienten würde eine solche Kälte umbringen.
„Die Heiler sagten ein paar Wochen."
„Wir sind schon ein paar Wochen hier", entgegnete Hermione seufzend. Ihre Wunden waren größtenteils verheilt. Nur die Wunde auf ihrem rechten Unterarm wollte nicht heilen. Der Arm, an dessen Hand der kleine Finger fehlte. Dr. Whimple sprach von einem unbekannten Gift.
Noch ein Grund für Charlie, an den schwarzen Drachen zu glauben. Drachengift war ansonsten gut erforscht und behandelbar.
„Wenn es eine aktuelle Zeitung war, die der Heiler gestern in seinem Umhang stecken hatte, habe ich in fünf Tagen Geburtstag", fiel dem Weasley plötzlich ein. Fast schon melancholisch betrachtete er seine Hände. Die Hände eines dreißig Jahre alten Mannes.
„Die Schlacht in Venedig war im Oktober", überlegte Hermione für sich und schielte zu ihrem Bettnachbarn, um seine Reaktion zu beobachten. Acht Wochen waren sie schon hier. Und offenbar würden sie noch mal so lange hier bleiben, wenn nicht endlich ihr Arm heilte.
Ähnlich war es auch mit einer Wunde auf Charlies Brust. Sie schmerzte schon fast nicht mehr, aber verheilen wollte sie auch nicht. Jeden Tag säuberten die Heiler sie und betupften sie mit neuen Tränken, doch nichts schlug an.
Plötzlich öffnete sich die Tür. Es konnte kein Heiler sein. Die tägliche Untersuchung hatte schon am Morgen stattgefunden und auch das Mittagessen hatten sie schon hinter sich gebracht. Es dauerte, bis der jemand die schwere Eisentür geöffnet hatte, doch als er endlich den Raum betreten hatte, setzte Hermione Herz kurz aus. Dort stand George. Sein Gesicht war eingefallen, die Haare ungewaschen und stumpf. Der magere Körper stand unsicher auf seinen Füßen. Doch er stand da und schaute sie an.
„Charlie", hustete er und gleich darauf brachte er noch ein „Hermione…" zu Stande. Zittrig und viel zu geschwächt tapste er zu ihren Betten, die glücklicher Weise nicht allzu weit von der Tür entfernt waren. George schaffte es bis zu Hermione Bettkante, wo er sich geschwächt hinsetzte.
Zittrig legte Hermione ihre Hand auf seinen Arm. Er schaute sie müde und traurig an. „Sie sind alle tot", krächzte er tonlos und ließ seinen Kopf auf ihre Schulter fallen. Charlie beobachtete dies alles aufmerksam. Es war ein Schock für ihn gewesen, seinen lebensfrohen Bruder so am Ende zu sehen. Er war nicht mal mehr ein Schatten seiner selbst. Waren es die Medikamente? War es der eigene Schock? Oder einfach nur die Erschöpfung?
„Sie haben gesagt, alle sind tot. Aber ihr lebt noch…", murmelte der übrig gebliebene Zwilling vor sich hin, zog sich noch ein Stück weiter aufs Bett.
„Ron und dein Dad leben auch noch", sagte Hermione nach einiger Zeit. Sie hatte lange überlegt, ob sie es sagen sollte. Sie hätte es wissen wollen, also sagte sie es.
„Nein, sie sind tot", nuschelte George. Tränen durchweichten ihr Hemd. Konnte es wahr sein? Hatte das Koma doch ihren Lebensgeist gestohlen?
Lange lag George Kopf auf ihrer Schulter. Lange sagten sie nichts. Charlie kam nicht zu ihr rüber, obwohl sie es sich wünschte. Brauchte sie doch seine Umarmung zum Trost, als Stütze. Sie fing an zu zittern. Seit einiger Zeit fror sie schnell. Es lag wohl an ihrem geschwächten Körper. Zu dünn war sie, um etwas subtilen wie der Temperatur trotzen zu können.
„Wo kommst du her?", fragte Charlie seinen Bruder. „Und wie konntest du hier hin finden?? Hatten sie dich nicht mit einem Silencio belegt??"
„Ich liege am anderen Ende des Ganges. Sie hatten mir vorhin gesagt, dass Dad gestorben ist. Und Ron. Über dich hatten sie nichts gesagt. Du warst der einzige, den sie nie erwähnten. Ich wusste nicht, ob du gefallen bist, ob du hier liegst, ob du überhaupt im Land bist. Die Unwissenheit hat mich wahnsinnig gemacht."
Er hatte sich zu seinem Bruder gedreht und schaute ihm neutral ins Gesicht. Auch Charlie versuchte eine emotionslose Mimik aufrecht zu erhalten, doch er konnte nicht. Sie zerbröckelte, so wie alles in ihm zerbröckelte.
„Den Silencio hatten sie schon vor zwei Wochen aufgehoben. Dann, als meine Stimme vom Schreien so geschwächt war, dass ich eh nicht mehr schreien konnte. Und jetzt habe ich keine Kraft mehr."
Nachdenklich schaute Hermione von einem Mann zum anderen. Beide waren gebrochen worden. Beide hatten ihre ganze Familie verloren, abgesehen von sich selbst. Und sie wusste nicht mehr was sie eigentlich fühlen sollte.
„Weshalb liegt ihr hier noch? Die Hälfte der Patienten ist bereits entlassen worden…"
„..oder gestorben", warf Hermione unüberlegt ein. George zuckte neben ihr zusammen.
„Irgendein Gift. Die Wunden wollen nicht heilen", erklärte der ältere der beiden Männer knapp und zeigte auf seine Brust und auf Hermiones Arm.
„Ihr auch?", fragte George perplex und zum ersten Mal hörte sich seine Stimme nicht monoton und schwach an, eher erstaunt und neugierig.
„Ja, wieso?", fragte Hermione, während sie einen Fussel von George Hemd zupfte.
„Mein Bein", erwähnte er und zog sein Hemd hoch. Dabei entblößte er sein rechtes Schienbein, das mit einem ebenso grünen Verband umwickelt war wie Hermiones Arm und Charlies Brust. „Sie sagen, dass das Gift vollkommen unerforscht und unbekannt sei. Aber Drachengift ist doch nun schon lange bekannt, oder nicht?"
„Ich frage mich, wie viele der Patienten noch dieses Gift in sich haben", sprach Charlie ihrer alle Gedanken aus und schwang dann plötzlich seine Beine aus dem Bett.
„Charlie, nein!", versuchte Hermione ihn auf zu halten, doch es war zu spät. Er stand bereits mitten im Raum.
„Es ist doch komisch, oder nicht?? Alle Eingelieferten starben, wurden entlassen oder sind immer noch hier…", fing er temperamentvoll an. Hermione unterbrach ihn: „Das haben Krankenhäuser so an sich. Entweder man stirbt, oder verlässt es gesund. Und wir gehören halt zu denen, die noch nicht gesund sind, aber auch nicht sterben wollen."
„Aber alle, die noch hier sind, haben dieses merkwürdige Gift in sich", polterte er weiter. Zornesröte machte sich auf seinem Gesicht breit.
„Wir drei sind wohl kaum alle", warf George trocken ein und stand nun auch auf. „Ich gehe zurück in mein Zimmer, nicht dass die gleich noch eine Suchaktion starten und mich dann ans Bett fesseln." Mit diesen Worten verließ George humpelnd das Zimmer. Die Eisentür krachte zu und Charlie stand immer noch unschlüssig im Zimmer. Die fünf übrigen, die ebenfalls das Zimmer bewohnten, schliefen entweder oder hatten den Dialog halb interessiert, halb abwesend beobachtet.
„Sag mir, dass ich mir das nicht alles einbilde, Hermione!", flehte Charlie sie an. Fast schon grob fasste er nach ihren Hände, zog sie auf den Boden. Würde er sie nicht festhalten, hätte sie sich keine zwei Minuten aufrecht halten können. Ihre Füße waren noch zu schwach, zu sehr die Muskeln geschwunden.
„Ein Gefängnis wirkt sich immer irgendwie auf die Psyche aus, Charlie. Bei den einen mehr, bei den anderen weniger. Ich will nicht sagen, dass du paranoid bist, aber mit dieser Theorie siehst du Gespenster. Es ist ganz normal, dass einige länger hier bleiben müssen als andere. Und wenn dieses Gift so unerforscht ist, wie es scheint, ist es doch auch logisch, dass wir zu den letzten gehören", versuchte Hermione zu erklären, doch seine benebelten Augen ließen sie inne halten.
„Aber jedes Drachengift ist bekannt. Weshalb tun sie sich mit diesem so schwer?", fragte er trotzig, verstärkte den Griff an ihren Armen. Das würde morgen blaue Flecken geben. Dankbar seufzte sie auf, dass ihre Wunde am Unterarm war, und nicht m Oberarm, wo Charlie sie so fest packte.
„Vielleicht hat Voldemort eine neue Art gezüchtet, vielleicht ist es eine Mischung mit einem Fluch, ich weiß es doch nicht,… beruhig dich!" Sie schaute ihm eindringlich in die Augen, was nicht allzu schwer war, da sie fast gleich groß waren.
„Und jetzt lass mich bitte los, du tust mir weh", hauchte sie leise und versuchte sich aus seinen Händen zu winden. Es war hoffnungslos. Statt den Griff zu lockern, zog er sie noch näher an sich, presste seine Lippen auf ihre. Der Kuss hatte nichts romantisches an sich. Ganz im Gegenteil, er drückte Charlies Gefühle so lebensecht aus, dass Hermione ins Schwanken kam. Sollte er etwa doch Recht haben?
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Das Zimmer leerte sich bis zur nächste Woche auf drei Leute. Charlie, Hermione und eine ältere Frau namens Gina Kenth. Die Heiler fragten, ob sie in verschiedene Zimmer wollten, da jetzt wieder genug Platz da war, doch alle verneinten. Zu sehr hatten sie sich schon an einander gewöhnt. Und Hermione wollte sich gar nicht ausmalen, wie verloren sie sich fühlen würden, wenn Charlie nicht mehr da wäre.
Inzwischen, war die mysteriöse Giftverletzung die letzte, die sie noch hatten. Alle anderen waren verheilt und hatten Narben hinterlassen. Hermione hatte sich an das Fehlen ihres kleinen Fingers gewöhnt und konnte mittlerweile das Essen bei sich behalten. Charlie ging es ähnlich.
George kam nun fast jeden Tag vorbei, oder sie besuchten ihn. Nur in das Zimmer der Komapatienten durften sie nicht. Und so wusste Hermione immer noch nicht, in welchem zustand sich Harry befand. Und ob Ron wirklich gestorben war oder George irgendetwas falsch mitbekommen hatte. Die Spannung zerrte immer mehr an ihren Nerven.
„Morgen ist Weihnachten!", verkündete Dr. Whimple einen Morgen fast schon fröhlich, als er seine alltägliche Stippvisite vornahm. „Und ich habe schon ein Geschenk für sie. Wir haben endlich etwas gefunden, dass ihre Wunden vielleicht heilen kann!"
Hermione nahm die Ankündigung kaum wahr. Zu oft schon hatten die Heiler solche Nachrichten für sie gehabt. Nie hatten sie sich bewahrheitet.
„Doktor? Kann George Weasley in unser Zimmer verlegt werden?", fragte Charlie plötzlich, der auch schone schon ein Weile wach war. Zu viel Schlaf hatte ihn ungeduldig gemacht. In den Nächten wurde er oft wach. Hermione auch.
„Aber der liegt doch in einer ganz anderen Station?", entgegnete der Heiler irritiert und wickelte dabei den grünen Verband von Charlies Brust. „Ich glaube nicht, dass ich das in die Wege leiten kann... und hatte er nicht ganz andere Verletzungen als sie? Und zudem eine psychische Orientierungslosigkeit. Er muss ganz anders behandelt werden und außerdem könnte es sein, dass er sie dann mit seiner Verwirrung ansteckt."
Unsicher schaute der ehemalige Drachenhüter auf, suchte Hermiones Blick, die ihn genauso beunruhigt ansah.
„Psychische Orientierungslosigkeit, sagen sie?"
„Ja. Hat man ihnen das gar nicht gesagt?"
„Nein, das hat man wohl vergessen", brummelte Charlie, „wie sehen denn die Symptome einer solchen Orientierungslosigkeit aus??"
„Mister Weasley ist nicht mehr ganz Herr seiner Sinne. Er verdreht Realität und Träume. Manchmal könnte man fast meinem er wäre normal, aber dann hat er wieder Anfälle, die durch Mark und Bein gehen. Meine Kollegin vermutet, dass er den Tod seines Bruders nicht verarbeiten kann. Zwillinge haben oft ein ganz anderes und viel intensiveres Band, als normale Brüder."
Schweigend tauschten Hermione und Charlie einen weiteren Blick.
„Wie geht es meinem Vater und Ron?", erkundigte sich Charlie dann plötzlich. Dr. Whimple verschluckte sich fast.
„Nun", fing er stockend an, „die sind vor einigen Wochen schon gestorben." Dann knotete er seinen Verband schnell zu und verschwand eilig aus dem Krankenzimmer.
„Das wird mir immer unheimlicher", gestand Hermione. Vorsichtig ging sie zu Charlies Bett und ließ sich auf dessen Bettkante sinken. Er zog sie in seinen Arm, presste sie an seine Brust, die merkwürdigerweise nicht protestierte.
„Mir auch."
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Am nächsten Morgen wachte Hermione noch früher auf, als sie es die letzten Tage schon getan hat. Nur wage nahm sie die Personen an ihrem Bett wahr. Erst beim näheren Hinsehen, erkannte sie Ginny, ihre Eltern, Molly und Fred. Auch Ron und Percy standen dabei. Alle schauten sie an und sie fing an sich wie ein Tier im Zoo zu fühlen.
„Ich dachte, ihr seid tot", flüsterte die verwirrte braunhaarige Braunhaarige und starrte entsetzt ihre Betrachter an. Kein Ton kam über deren Lippen. Keine Bewegung zeigte, dass sie lebendig waren.
„Sagt was", flehte Hermione und griff nach der hand Hand ihrer Mutter, die ihr am nächsten stand. Sie erreichte sie nicht.
„Hermione?"
Erschrocken drehte sie sich zur Seite und registrierte Charlie. Ein Blick zurück zum Fuß ihres Bettes, zeigte ihr, dass sie sich ihre Besucher eingebildet hatte.
„Ich drehe durch, wenn wir hier nicht bald rauskommen", seufzte sie und ließ sich zurück ins Bett sinken.
Mrs. Kenth war vor zwei Tagen entlassen worden. Sie waren jetzt alleine. Und die Neugierde, der Wissensdurst nach dem befinden Befinden der anderen zerrte immer mehr an Hermione Hermiones sowieso schon sehr angeschlagenen Geist. Hat denn keiner überlebt, mit dem sie befreundet war? Oder bekamen sie keinen Besuch, weil keiner wusste, dass sie noch lebte? Wo waren alle hin?
Geistesabwesend rieb sie an ihrem Arm. Moment. Da war kein Verband mehr. Nicht mehr, was an das grüne Band erinnerte. Und ihre Haut war nicht mehr verletzt. Kein Fleisch war mehr zu sehen. Nur ein unförmiges Narbengebilde. Aber es tat nicht mehr weh. Es juckte nicht mal.
„Charlie!", rief sie auf und sprang aus dem Bett, ging zu ihm rüber. Ohne zu fragen, zerrte sie das Nachthemd von seinem Kopf. Seine hochgezogene Augenbraue ignorierte sie.
„Ich hoffe dir ist bewusst, dass Dr. Whimple jeden Augenblick reinkommen….", begann er belustigt. Dann hielt er inne, als sie mit ihren Fingerspitzen über seine glatte Brust strich. Der Verband war weg. Genauso wie ihrer.
„Deine Narbe sieht aus wie die eines Drachen!", stellte sie plötzlich fest und zog die Konturen nach. Wie zufällig fiel ihr Blick auf ihren eigenen Arm. Ihr Herz blieb kurz stehen.
„Deine auch", sprach Charlie es für sie aus und zog dein ihren Arm näher zu sich hin, so dasssodass er das Gebilde besser sehen konnte. Seine Brust präsentierte das Bild schließlich nur auf dem Kopf.
„Ich kenne das Zeichen", sagte er dann und ließ ihren Arm los. Die Merkwürdigkeiten nahmen zu. „Ich auch."
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„Ah, die Weihnachtspatienten sind wach", begrüßte der Heiler sie fröhlich. Wo seine Unfreundlichkeit hingekommen war, konnte sich Hermione nicht ganz erklären. Vielleicht lag es einfach daran, weil der Stress abgenommen hat, er nicht mehr so eine schwere Verantwortung trug.
„Die Verbände sind verschwunden", informierte Charlie ihn ohne Umschweife und beobachte seine Mimik, um jede Verdächtigkeit zu analysieren. Doch da kam nichts zum Analysieren.
„Ja? Schön, schön! Dann hat die Salbe also tatsächlich geholfen, . Wurde ja auch langsam Zeit, nicht wahr? Nun, dann würde ich mal sagen, dass sie morgen das Krankenhaus verlassen dürfen."
Er tastete zwar noch einmal das Narbengewebe ab, doch Weiteres sagen tat er nicht. Er schien vielmehr so sehr zufrieden mit sich, dass er breit grinsend das Zimmer verließ.
George kam wenige Minuten später ins Zimmer gestolpert. Auch er hatte zugenommen. Auch er sah plötzlich viel gelöster und ruhiger aus, als noch die letzten Tage.
„Hat sich dein Verband auch aufgelöst?", fragte Charlie, der neben Hermione auf dem bett Bett saß und sie fest an sich gezogen hatte. Fast so, als wolle er seine Ansprüche unmissverständlich klar machen.
„Ja, woher weißt du das?", fragte George neugierig und setzte sich mit einem anständigen Abstand auf die Bettkante.
„Unsere sind über Nacht auch flöten gegangen", klärte Hermione ihn auf, „sieht deine narbe Narbe auch aus wie ein Drache?"
Überrascht schaute der jüngere Weasley die beiden an: „Drache? Nein, wie kommt ihr denn darauf? Die Narbe sieht halt aus, wie eine Narbe es tut. Irgendwie… gestaltenlos." Er hob sein Bein und zeigte es den beiden. Es war, wie er sagte: ein unförmiges Gebilde ohne die geringste Ähnlichkeit mit einem Drachen.
„Wissen die Ärzte, welches Gift deine Wunde offen gelassen hatte?", fragte Hermione neugierig nach, während sie plötzlich aus dem bett Bett sprang. Sie war zwar noch unheimlich dünn und ziemlich geschwächt, doch solche Aktionen konnte sie bereits gefahrenlos unternehmen.
„Sie vermuten das Gift eines seltenen Insekts. Ich wurde in der Nähe eines Weihers gefunden. Die Möglichkeit, dass mich irgendein Vieh nachträglich gestochen hatte, besteht also."
Nachdenklich tippte sich Charlie ans Kinn. Zwar sah er inzwischen ein, dass er in allem eine zu große Bedeutung sah, doch irgendetwas ließ ihn immer noch nicht los. Wenn Georges Narbe tatsächlich wie eine ganz normale aussah, bedeutete dies, dass seine paranoide Theorie, dass hier wurde irgendetwas falsch gespielt wurde, tatsächlich paranoid gewesen war. Die einzigen, die hier Drachengift im Körper hatten, waren er und Hermione gewesen. Und das lag auch nahe, schließlich waren sie beide in Drachenkämpfen verwickelt gewesen.
„Dürft ihr morgen auch nach Hause?", fragte George und legte den Kopf ein wenig schief, als Hermione anfing alle möglichen Schränke und Nachttische zu durchwühlen.
„Ja, dürfen wir!", antwortet sie sich kurz umdrehend. „Ich habe Klamotten gefunden! Ich hatte schon Angst, dass wir in diesen dämlichen Nachthemden heim müssten."
Damit zog sie einen Stapel Klamotten aus einem der Schränke. Zwei Hosen, ein kleidKleid, ein T-Shirt. „Na, das reicht ja sogar fast", lächelte Charlie und probierte die Hose an. Sie sah nicht gerade schick aus, aber für den Heimweg würde es reichen.
„Was ist eigentlich mit deiner psychischen Orientierungslosigkeit?", erkundigte sich Charlie auf einmal ernst und betrachtete seinen Bruder, der ihn wiederum stirnrunzelnd zurück anschaute.
„Meine was?? Das ich einen Knacks davon getragen habe weiß ich inzwischen ja auch, und den Knall hatte ich auch schon vorher, aber psychische Orientierungslosigkeit? Hatte das einer der Heiler gesagt??"
„Ja…"
„Ich Ich glaube, es wird Zeit, dass wir mal mit der Krankenhausleitung sprechen", schlug Hermione vor, die in das altmodische Kleid geschlüpft war. Da es viel zu groß war, ließ es sie noch dünner aussehen, als sie sowieso schon war.
Zusammen verließen sie das Krankenzimmer und machten sich auf die Suche nach dem Oberheiler, der rein theoretisch eine Etage tiefer seine Räumlichkeiten hatte. Aber dort war niemand. Seufzend ging die drei zurück zur verlassenen Station und setzten da ihre Suche fort. Sie wurden in einem abgelegen Raum fündig.
„Entschuldigung??", Hermione klopfte an die Tür und öffnete sie unaufgefordert. Drei Heiler und zwei Schwestern betrachtete sie neugierig. Es standen fünf Tassen Kaffee auf den Tisch. Offensichtlich hatte sie einen wichtigen Tratsch unterbrochen.
„Wir haben eine wichtige Frage an sie", wendete sich Hermione an den Heiler, der das Leitungsabzeichen an der Brust hängen hatte.
„Na, dann schießen sie mal los. Wir werden nicht oft von drei Patienten aufgesucht."
„Was hat es mit unseren Vergiftungen und mit Mr. George Weasleys psychischen Orientierungslosigkeit auf sich? Wir haben jetzt mehrere Aussagen, die sich alle irgendwie widersprechen. Heiler Whimple scheint nicht immer einer Meinung zu sein."
Der Leitungsheiler holte aus einer Schublade ein paar Dokumente und blätterte sie durch, erst dann schaute er die Sprecherin wieder an und antwortete ihr.
„Sie und Mr. Charlie Weasley hatten eine akute Vergiftung eines unbekannten Tieres. Wir vermuten eine Züchtung von Sie-wissen-schon-wer. Aber ganz sicher können wir das natürlich nicht sagen. Aber ich denke, die Hauptsache ist, dass Sie geheilt werden konnten, nicht wahr?? Und sie Mr. George Weasley… sie hatten einen Insektenstich, der sich entzündet und dadurch eine seltene Vergiftung hervorgerufen hat. Es hatte etwas gedauert, die Daten zu analysieren, aber Heiler Whimple, unser Spezialist für Vergiftungen, hatte es ja nun letztendlich herausgefunden."
„Und was ist mit diesem psychischen Dingsda?", hakte George noch einmal nach. Irgendwie kam er sich dumm vor, aber er wollte das jetzt wissen. Hatte er eine Gestörtheit, die er nicht bemerkt hatte?
„Sie sind psychisch etwas labil, aber eine explizite Krankheit wurde nicht festgestellt. Und diese psychische Orientierungslosigkeit,… ich weiß ja nicht, was sich Dr. Whimple dabei gedacht hat, aber so etwas gibt es nicht. Und nun wäre ich ihnen dankbar, wenn sie uns unsere Pause lassen würden", ende der Doktor das Gespräch, scheuchte die drei Fragenden aus dem Zimmer.
„Ich kann mir nicht helfen, aber irgendetwas stinkt hier doch!", entrüstete sich Charlie und wollte in das Heilerzimmer zurückkehren. George packte ihn bei der Schulter.
„Charlie. Ich glaube wirklich, dass du ein wenig paranoid bist. Auch Heiler machen Fehler, sie sind schließlich auch nur Menschen. Hier ist alles in Ordnung. Komm mit nach Hause. Wir überstehen noch eine Nacht, dann können wir Heimheim. Weg von hier. Nur wir drei."
George Stimme wurde eindringlich. Gänsehaut verteilte sich Hermione Körper, die neben den beiden Männern stand und die ganze Angespanntheit hautnah miterlebte. Was auch immer mit Charlie geschehen war, es war auch mit ihr geschehen, nur hielt ihr rationaler Gedanke sie immer noch im Schacht.
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Bevor sie zurück in ihre Zimmer kehrten, bleiben die drei vor dem Zimmer mit den Komapatienten stehen. Hermiones Herz raste und sie musste sich arg zusammen reißen, nicht einfach hinein zu stürmen. Sie wollte Harry so gerne sehen. Nur die Bestätigung, dass er noch lebte, würde ihr vorerst reichen.
Langsam zog sie an der schweren Eisentür. Im Zimmer standen vier Betten, doch nur drei waren gefüllt. Es waren die Betten von Ron, Harry und Arthur.
Hmm... 1 Kapitel --- 175 Hits --- 0 Reviews --- irgendwie geht meine Rechnung nicht auf. Darf ich fragen, ob mir jemand helfen kann? Oder stimmt die Rechnung und ich habe nur überbewertete Ansprüche?
Würde mich WIRKLICH über ein paar Statements freuen!
