2. Ein Teufel im Haus
Ein paar Minuten früher…
„Und so kamen Jesus und seine Apostel doch nicht in das Dorf und musste in ein anderes ausweichen", kommentierte Ned Flanders seine Bibellesung und schaute erwartungsvoll auf seine beiden Söhne, die vor ihm im Garten im Gras saßen. „Und was meint ihr haben seine Apostel daraufhin gesagt?"
Todd meldete sich sofort. „Sie fragen, ob sie das Dorf niederbrennen sollen."
„Nun, fast richtig."
„Sie fragten, ob sie Gott drum bitten sollten", ergänzte Rod.
„Ganz genau. Aber wie Jesus daraufhin sagte, sollten wir nie Gott um etwas Schlechtes bitten. Das Böse vernichtet sich immer von selber."
„Hey, Flanders", rief eine bekannte Stimme vom Nachbargrundstück. „Wenn ich schon Vorlesungen in der Kirche verschlafen kann, so brauche ich sie nicht noch in meinen Garten zu hören, wenn ich meinen Mittagsschlaf halte."
Etwas entrüstet stand Ned auf und ging zum Zaun, wo auf dessen anderen Seite Homer Simpson in seiner Hängematte lag.
„Homer, mit dieser Einstellung zeigst du damit, dass du Christus nicht in deinem Haus willkommen heißt. Wenn ich jetzt wie vorhin beschrieben, einer der Apostel wäre, dann würde ich niederträchtiger weise mir wünschen, es möge etwas auf dein Haus fallen, was es verwüstet."
Homer rümpfte die Nase. „Erinnere dich lieber an das Sprichwort das…. äh…. das…. Albert Einstein sagte: Wer etwas zu jemanden sagt, denn trifft es selber."
„Das hat Einstein nie gesagt."
„Oh doch. Das Gesetz der Schwerkraft hat ihn darauf gebracht als ein Apfel auf ihn niedersauste."
„Das war Isaak Newton gewesen."
„Ist doch egal, vom Klang her sind die Namen alle gleich, und alle hatten eine komische Frisur, ich hingegen hab keine." Er kicherte, als er Flanders verärgerten Gesichtsausdruck sah.
Homer nahm einen Schluck Bier aus der Dose und lehnte sich entspannt in seine Händematte zurück. „Ich an deiner Stelle würde lieber einen Schirm über dein Haus aufspannen."
„Das ist absolut unmöglich. Gott beschützt dieses Haus. Wenn jemals etwas drauf fallen soll, dann bestimmt nicht mit voller Wucht."
KRACH! KRASCH!
Völlig schockiert drehte sich der Bärtige um und riss die Augen noch weiter auf, als er das große Loch in seinem Hausdach erblickte, das wie das Tor zur gelöschten Hölle emporragte.
„OH GOTT! WAS HABE ICH FALSCH GEMACHT?!", schrie Ned verzweifelt und sank ergeben und reuevoll auf die Knie. „Oh, vergib mir Herr! Ich werde nie wieder dein Wort missbrauchen, wann immer ich es auch getan habe."
„He he he. Hey, Ned", rief Homers Stimme von nebenan. „Bilde ich es mir nur ein oder entsprang das Loch im Dach damit Gott dir jetzt beim Beten zuschauen kann? Ha, ha, ha, ha."
„Oooohhhh, oooohh." Kang meinte sein Gehirn würde jeden Moment durch seinen Schutzhelm springen. „Das war die schlimmste Bruchlandung, die ich je mitmachen musste. Dabei war noch nicht mal Kodos am Steuer."
Ein knackendes Geräusch ließ ihn nur minder zusammenfahren, als der Riss in seinem Glashelm größer wurde.
„Das ist heute ein Sch****-Tag."
Ohne dass er es bemerkte, löste sich vom Dach ein Ziegel. Dieser sauste nach unten. Mit einem lauten Klirren brach es ein Loch durch Kangs Glashelm und gab Kang seinem angeschlagenen Kopf den allerletzten Rest.
Röchelnd hielt sich das Alien an den Hals. „Zu viel – Sauer-stoff…"
Er rollte die Pupille weiter nach hinten und sank zusammen. Der ungewohnte Sauerstoffgehalt breitete sich durch seine Alien-Lunge in seinem gesamten Körper aus und legte sämtliche Funktionen lahm.
In diesem Moment betrat Flanders das Zimmer. Beim Anblick der Kreatur, die auf dem Boden lag, wurde er kreidebleich im Gesicht. „Oh, Gott! Es ist schlimmer als ich gedacht habe. Der Teufel ist zu uns herabgekommen!"
Schnell schnappte sich der gläubige Mann ein Kreuz von der Wand, wovon er zur Vorsicht jedes Zimmer bestückt hatte, hielt es vor sich und rannte zum nächsten Telefon.
„Jetzt kann mir nur noch einer helfen."
Das Klingeln am anderen Ende der Leitung kam ihm wie eine Ewigkeit vor, bis jemand abnahm und noch ehe die andere Person was in den Hörer sagen konnte, begann Ned draufloszureden.
„Reverend Lovejoy! Der Teufel ist in meinem Haus!"
Am anderen Ende der Leitung entstand ein gedehntes, tiefes, wehleidiges Seufzen.
„Immer mal langsam", erklang Lovejoys Stimme zu Ned durch. „Wie…"
„Er ist bestimmt gekommen, weil ich meinen Nachbarn was angedroht habe!", unterbrach Ned. „Was soll ich jetzt tun?! Gibt es dafür ein Gebet?!"
„Gemach, gemach", versuchte Lovejoy ihn durch das Telefon zu beruhigen, obwohl er selber nicht an die Teufel-im-Haus-Geschichte glaubte. „Sollte es sich wirklich um den Teufel handeln, kann ich ihnen raten mehrere Male zu beten. Falls es nichts bringt, dann rufen Sie die Staatsmacht."
„Was soll ich denn beten?"
„Ach, dem Teufel ist jedes Gebet an Gott ein Gräuel."
Damit legte der Reverend unter tiefem Luftholen auf.
„Na gut", rief Ned sich zu. „Beten, beten, beten, beten."
Er sprach so viele Gebete wie ihm nur einfielen, doch auch danach verschwand das merkwürdige verteufelte Wesen nicht aus dem Zimmer.
„Was war die zweite Möglichkeit? Die Staatsmacht. Wie meinte er das? Oh, ja, Notruf."
Er klemmte sich wieder hinters Telefon und wählte die Nummer, die er bis jetzt selten wählen musste. Kurze Zeit später verriet ein Knacken, dass jemand den Hörer abnahm.
„Hier die Polizei, so schlimm kann es bei Ihnen nicht sein. Officer Wiggum am Apparat", melde sich eine Männer-Stimme.
„Hallo, hier spricht Ned Flanders. Hier ist ein Teufel in meinem Haus!"
„Tut mir leid, für solche Sachen sind wir nicht zuständig. Versuchen Sie es beim Tierheim."
Damit legte Officer Wiggum einfach auf und wandte sich wieder seiner Lektüre zu, die er immer ins Polizeipräsidium mitnahm. „Das die Leute vor „Teufel" immer „Tasmanischer" vergessen", murmelte er gelangweilt. „Ungebildete Welt."
„Tut mir leid, das städtische Tierheim ist voll", vernahmen Neds verzweifelte Ohren erneut am Telefon. „Versuchen Sie es bei der Ersatzstelle."
Es folgte eine Nummer und damit war das Telefongespräch beendet. Sofort gab Ned die angegebene Telefonnummer ein.
„Tierheim-Ersatzstelle „Hier-endet-der-Tierknast"-Willie. Wer stört?", grunzte Schul-Hausmeister Willie in die Leitung.
„Hören Sie, da ist etwas in meinem Haus."
Es dauerte nicht lange und vor Neds Haus stoppte ein Lieferwagen. Der rothaarige Hausmeister sah sich mit schlitzigen Augen misstrauisch um, dann marschierte er aufs Haus zu.
Wenig später kam er wieder aus Neds Haus, und zog ein großes beladenes Netz hinter sich her.
„Sollten wir nicht doch besser die Behörden verständigen?", fragte Ned dem Hausmeister hinterher. Doch dieser winkte uninteressiert ab.
„Ach was, da hat nur jemand seinen Tintenfisch aus einem Flugzeug geworfen. Das passiert öfter als man denkt. Und bei der Hässlichkeit wundert mich das gar nicht."
Damit warf er das Netz mit dem vermeintlich enthaltenen Tintenfisch auf die Ladefläche seines Autos.
Inzwischen war der Sauerstoff-Überschuss zu viel für Kang geworden, dass er jetzt komplett ohnmächtig geworden war und von all dem gar nichts mitbekam.
