Hi ihr lieben Leser!

Wow - ich muss euch wohl zu sehr geschockt haben, dass ihr den Review-Button nicht mehr gefunden habt! *g*

Ein herzlichen Dank an die liebe Zissy für ihr Review! Seit wann ist Voldi denn intelligent? *g*

Viel Spaß beim zweiten Teil und vielleicht schreibt ihr mir ja eine klitzekleine Rückmeldung!

*Kekse und heißen Tee zum Aufwärmen hinstell*

Eure Schwarze Lady!


„…bitte beende es… befreie uns von diesem Monster… bitte Harry…", Malfoys flehende Worte, hallten in Harrys Gedanken wider, während er durch den Wald rannte. Sie hatten sich damals in seine Seele eingebrannt, ihn zutiefst berührt… fahrig wischte er einzelne Tränen beiseite. Hass und Streit hatte sie stets miteinander verbunden… aber das viele Blut, die fast tödliche Verletzung… durch einen unbedachten Zauberspruch…

Harry konnte ein Aufschluchzen nicht verhindern.

Beinahe wäre er zum „Mörder" geworden… hätte sich auf dieselbe Stufe gestellt, wie Voldemort, wie „dieses Monster"

Der Dunkelhaarige erreichte die Lichtung mit dem kleinen Weiher. Sein Herz schlug hart gegen seinen Brustkorb und er zwang sich, kurz die Umgebung nach vermeintlichen Feinden abzusuchen, als er dann aber Malfoy leblos im blutroten Schnee liegen sah, verlor er keine Zeit mehr. Voldemort hin – Voldemort her – er wollte nicht noch einmal fast für Dracos Tod verantwortlich sein.

Eine große rote Lache hatte sich bereits um den linken, gebrandmarkten Unterarm gebildet, und Harry kämpfte gegen seine Übelkeit an.

Ohne einen weiteren Gedanken an seine Sicherheit zu verschwenden, landete der Tarnumhang im Schnee und Harry zerriss sein Schlafshirt. Seit ihrer Flucht aus Godric's Hollow, hatte er keinen zufriedenstellenden Zauberstab mehr gehabt und deshalb wagte er es nicht den Blonden magisch zu heilen.

Schnell band er die Stofffetzen um die zwei tiefen Wunden und stoppte zumindest die Blutung. Mit seinen zitternden Händen untersuchte er ihn auf weitere Verletzungen und stellte erleichtert fest, dass er noch atmete.

Wie ein schlafender, platinblonder Engel lag sein Erzfeind friedlich auf dem kristallenen Schneebett und seine Gesichtszüge lächelten sogar.

Harrys Gedärme verkrampften sich schmerzhaft und seine Tränen liefen die bronzefarbenen Wangen hinab.

Glücklich – er sah richtig glücklich aus… Draco hatte es selbst… und… gerne getan… und das alles nur, weil „er" es noch immer nicht fertiggebracht hatte „dieses Monster" zu töten…

„Hermine! Hermine! Wach auf!"

Verschlafen steckte sie ihren zerzausten Lockenkopf aus ihrer Schlafkoje.

„Hermine ich brauche deine Hilfe! Bitte!"

Augenblicklich war die klügste Schülerin aus dem Hause Gryffindor hellwach. Ihr bester Freund stand völlig aufgelöst und blutverschmiert, nur in Jeans und Schuhen, mitten im Zelt und hielt einen reglosen „Draco Malfoy" in den Armen. Es dauerte nicht einmal eine Sekunde bis sie sich gefangen, einen Morgenmantel übergeworfen und ihren Zauberstab geholt hatte.

„Was… was ist passiert?"

„Hilf mir – heile ihn – er hat soviel Blut verloren, bitte!"

„Aber Harry… was?"

„Hermine! Er wird sterben, bitte tu es jetzt!", flehte der Schwarzhaarige verzweifelt.

Sie schluckte ihre Fragen und Bedenken hinunter und lenkte ein: „Leg ihn auf die Couch-"

„Nein, da ist zu wenig Platz… ich… ich lege ihn auf meine Schlafstätte."

Hermine folgte ihm und war sich nicht mehr sicher, ob ihr Freund noch bei Sinnen war. Harry wirkte furchtbar verloren und er hatte ganz verheulte Augen. Sie machte sich große Sorgen um ihn und würde ihn anschließend zur Rede stellen.

Angespannt verfolgten die smaragdfarbenen Seelenspiegel, Hermines Heilzauber, die sie sich vorsorglich in den Sommerferien selbst beigebracht hatte.

Er hatte es noch nicht geschafft, Dracos einzige Bitte an ihn, zu erfüllen, aber er wollte es wieder gut machen. Draco durfte nicht sterben, nicht nachdem Harry endlich erkannt hatte, dass…

„Ich hole noch schnell eine Salbe, die die Wunden verschließen wird und noch zwei Tränke, die du ihm geben wirst, wenn er aufwacht." Sie wartete vergeblich auf eine Antwort, ihres Freundes, der seinen Blick nicht von dem Blonden wenden konnte und verließ dann besorgt die Schlafkoje.

Mit weichen Knien stand Harry von seinem Stuhl auf, setzte sich zu Draco auf das Bett und ergriff dessen kalte, verwundete Hand.

Immer wieder sah er die wunderschönen, traurigen, silbergrauen Augen vor sich, und hörte die geflüsterten, ehrlichen Worte, die ihm das erste Mal eine andere Seite des Slytherins gezeigt hatten. Die gefühlskalte, unnahbare Maske war schlagartig dahin gewesen, genauso wie am Turm, als Dumbledore ihm Schutz und Hilfe angeboten hatte…

„Nimm ihm deine Verbände ab, er wird kein Blut mehr verlieren, wir müssen die Schnitte aber noch mit der Salbe verschließen."

Harry hatte nicht mitbekommen, dass Hermine schon wieder zurückgekehrt war, doch ihr war die Vertrautheit, die ihr Freund, Malfoy entgegenbrachte sehr wohl aufgefallen. Gekonnt verbarg sie ihre Verblüffung und bandagierte mit Harrys Hilfe den linken Unterarm des Todessers.

„Wir müssen ihn aus den nassen Sachen befreien… er… er ist ganz unterkühlt…", seine raue, Tränen durchtränkte Stimme versagte ihm.

Hermine enthielt sich ihres Kommentars und gemeinsam entkleideten sie den Blonden. Erschrocken zuckte Harry zusammen, als er den dünnen, schmutzigen, ausgezehrten, mit vielen Narben übersäten, bleichen Körper seines Erzfeindes erblickte. Kein Gramm Fett war mehr darauf zu finden, nur noch die sehnigen Muskelpartien.

Hermine zog ihren Zauberstab und sprach zuerst einen Reinigungszauber und dann einen leichteren Heilzauber, über ihren Patienten, und erhielt dafür sofort einen dankbaren Blick aus den hellgrünen Augen.

„Er wird es schaffen Harry", beruhigte sie ihn und deckte den Blonden zu. „Komm, du musst dich auch frisch machen… dir sein Blut abwaschen…"

„Sein Blut… sein Blut abwaschen…", stammelte er, „aber… aber meine Schuld kann ich nicht…abwaschen…" Vollkommen verstört flüchtete Harry ins Badezimmer und verschloss die Tür. Heulend kauerte er am Fliesenboden und hasste sein Leben, Voldemort und die verdammte Prophezeiung. Er konnte das nicht,… er konnte niemanden töten,… auch nicht „dieses Monster", dass ihm beinahe wieder einen geliebten Menschen weggenommen hätte.

Es war ihm erst heute Nacht klar geworden – als es schon fast zu spät gewesen wäre. All die Jahre über hatten sie sich wie magisch angezogen, sich ständig beschimpft, verprügelt und verflucht,… bis sie sich erst im Angesicht des Todes ihre wahren Gefühle gezeigt hatten. Er hatte Draco auf der Mädchentoilette ohne zu zögern in seine Arme genommen und der Blonde hatte seine Maske fallen lassen…

Schluchzend umarmte er nun seinen bebenden Körper.

Draco hatte ihn angefleht – ihn liebevoll „Harry" genannt… und was hatte „er" getan?!

Er war geflohen – er war immer wieder geflohen – vor seiner Verantwortung – vor seinem Schicksal!

Eine bedrückende Stille umgab ihn, seine Tränen waren versiegt, er hörte nur noch sein pochendes Herz und spürte seine Atmung… er musste sich entscheiden… er wollte nicht mehr das „Opfer" sein, er wollte nicht mehr, dass seine geliebten Freunde die „Opfer" waren… für sie würde er „es" tun, er würde ihn vernichten… er würde für seine Liebsten zum „Mörder" werden…

Entschieden stand Harry auf, straffte sich und blickte in den Spiegel. Die Zeit der Schwäche war vorüber, er entledigte sich seiner blutverschmierten Kleider, stieg in die Dusche und wusch alle Ängste und Zweifel fort. Das kalte Wasser erfrischte und belebte seinen starken Willen und er war entschlossen, es bis zum bitteren Ende durch zu ziehen.

Hermine und Ron, der von ihr geweckt und über alles informiert worden war, erwarteten Harry bereits, als dieser nur mit einem Badetuch um die Hüften bekleidet, den Waschraum verließ.

Ihre Blicke trafen sich und Harry erzählte ihnen ohne Umschweife seine Beweggründe, um Draco und seinen gefassten Beschluss wegen Voldemort. Er ließ sie geschockt, mit offenen Mündern sitzen und verhinderte mit einem Schutzzauber, dass sie ihm in seine Schlafkoje folgen konnten. Die Belehrungen seiner Freunde würden ihn auch nicht von seinem Vorhaben abbringen und helfen konnten sie ihm dabei schon gar nicht.

Doch jetzt würde er, auch auf die Gefahr hin, dass er sich in den Gefühlen des Blonden getäuscht hatte, das tun, was er schon längst hätte tun sollen.

Harry legte sich zu ihm ins Bett und schlang beschützend seine Arme um den Verletzten. Behutsam zog er ihn ganz zu sich heran und wärmte mit all seiner Liebe Dracos unterkühlten Körper.

TBC ...