Das Ticken des Weckers reißt mich aus dem Schlaf. Ein genauer Blick darauf sagt mir, das es 11Uhr ist. Mittags. Die Sonne scheint in mein Zimmer und prickelt leicht auf meiner Haut. "..."
Ich brauche nicht hinzusehen um zu bemerken, dass du nicht neben mir liegst. Dein ruhiges Atmen fehlt. Und selbst wenn du bereits auf wärst, fehlt der Geruch nach frisch aufgebrühtem Kaffee. Für einen Moment kommt so etwas wie Wehmut in mir auf. Ich bleibe liegen, genieße die sanfte Brise die durch das offene Fenster weht und über meinen fast nackten Körper streicht. Draußen zwitschern ein paar Vögel und unten auf der Straße höre ich Auto um Auto vorbeifahren. Aus der Nachbarwohnung dringt dumpfe HipHop-Musik. Nichts Schlechtes, kein Rap oder sinnloses Gebrabbel. Es hat Melodie und ich bekomme eine leichte Gänsehaut. Langsam setze ich mich auf. Fühle mich träge. Alles in mir weigert sich, der Realität ins Auge zu blicken, doch als mein Blick durchs Zimmer huscht, bringen auch meine Verdrängungskünste nichts mehr. Deine Schranktür steht auf. Leer. Deine Schuhe an der Ecke sind weg. Auf der Kommode fehlt dein Aftershave, dein Parfüm und neben dem Spiegel fehlen deine Krawatten. Nur noch der seichte Duft deines Weichspülers hängt in der Luft und einen Moment atme ich tief durch. Ich drehe meinen Kopf zur Seite und blicke auf die leere Seite des Betts. Perfekt gemacht. Keine einzige Falte in der Bettdecke und das Kissen wirkt wie frisch aus einer Waschmittelwerbung geklaut. Ich konnte deinen Ordnungsfimmel noch nie leiden, aber das du plötzlich einfach weg bist...ist genauso schwer zu realisieren. Einfach weg. Das ein einfaches "Es ist aus." das Leben so auf den Kopf stellen kann. Eine erneute Brise lässt mich frösteln und mich seufzend streckend sehe ich aus dem Fenster, hinunter auf die Stadt. Das Gefühl der Freiheit das mich in diesem Moment erobert, wirkt berauschend. Ich lächle. Trotzdem...dein Kaffee wird mir fehlen.