„Ich bin sicher, dass Ihr vortrefflicher Mann bald zu Hause sein wird, meine Liebe", beruhigte Mrs. Browning die beinahe verzweifelte Catherine. „Es bringt nichts, sich groß Sorgen darüber zu machen. Bitte, meine Liebe, fahren Sie mit der Geschichte fort. Das wird Sie auf andere Gedanken bringen." Sie und Mrs. Jones wechselten einen wissenden Blick – sie erinnerten sich an die unsinnigen Ängste, die Frischverheiratete umeinander verspürten. Catherine willigte ein.
... Da wusch es sich erst Hände und Angesicht rein, ging dann hin und neigte sich vor dem Königssohn, der ihm den goldenen Schuh reichte. ...
„Ich habe diese Geschichte geliebt, Ma'am!" rief Mary, als Catherine mit Aschenputtel fertig war.
„Schöön", sagte Jane in ihrem dreijährigen Gezwitscher.
Mittlerweile war der Sturm fast auf seinem Höhepunkt. Die Frauen konnten sehen, wie der Wind draußen über die Felder peitschte, und der Regen war geräuschvoll. „Vielleicht sollten wir noch ein wenig abwarten", meinte Mrs. Jones. „Eventuell lässt es ein wenig nach und wir werden es alle noch vor dem Abendessen nach Hause schaffen."
Mrs. Browning war einverstanden. „Schlechter kann es nicht werden." Sie lächelte Catherine zu.
„Können wir das da lesen?" bat Sarah.
„Der Wolf und die sieben Geißlein? Oh, ich weiß nicht so recht ..."
„Oh, bitte, Mrs. Tilney!" unterbrachen sie die Mädchen.
Da sie keine Anzeichen von Einspruch von Seiten der Mütter sah, die in Ihre Unterhaltung vertieft waren, begann Catherine widerwillig mit der Geschichte.
... Es war einmal eine alte Geis, die hatte sieben junge Geißlein, und hatte sie lieb, wie eine Mutter ihre Kinder lieb hat. Eines Tages wollte sie in den Wald und Futter holen, da rief sie alle sieben herbei und sprach „liebe Kinder, ich will hinaus in den Wald, seid auf eurer Hut vor dem Wolf, wenn er herein kommt, so frisst er Euch alle mit Haut und Haar." ...
... Da lief der Wolf zu einem Bäcker und sprach „ich habe mich an den Fuß gestoßen, streich mir Teig darüber." Und als ihm der Bäcker die Pfote bestrichen hatte, so lief er zum Müller und sprach „streu mir weißes Mehl auf meine Pfote." ...
... Nun ging der Bösewicht zum drittenmal zu der Haustüre, klopfte an und sprach „macht mir auf, Kinder, euer liebes Mütterchen ist heim gekommen und hat jedem von Euch etwas aus dem Walde mitgebracht." Die Geißlein riefen „zeig uns erst deine Pfote, damit wir wissen dass du unser liebes Mütterchen bist." Da legte er die Pfote ins Fenster, und als sie sahen dass sie weiß war, so glaubten sie es wäre alles wahr, was er sagte, und machten die Türe auf. Wer aber hereinkam, das war der Wolf. Sie erschraken und wollten sich verstecken. Das eine sprang unter den Tisch, das zweite ins Bett, das dritte in den Ofen, das vierte in die Küche, das fünfte in den Schrank, das sechste unter die Waschschüssel, das siebente in den Kasten der Wanduhr. Aber der Wolf fand sie alle und machte nicht langes Federlesen: eins nach dem andern schluckte er in seinen Rachen ...
Plötzlich fegte ein Windstoß durchs Zimmer und blies ein paar von den Kerzen aus.
Die Mädchen begannen zu schreien: „Der Wolf! Der Wolf!"
Catherine schreckte auf. Eine Gestalt erschien in der Diele.
