Nach einem mageren Frühstück machten Alice und ich uns auf den Weg zur Aula um unsere Klassen zu wählen. Alice hatte eine ähnliche Vorstellung wie ich von den Klassen die sie wählen wollte. Die Aula war voll von Studenten, manche in meinem Alter, manche älter wie ich.
Nach quälenden drei Stunden hatten wir endlich alle unsere Klassen gewählt. Alice und ich hatten beide Kunstgeschichte und Malerei gewählt, zusätzlich hatte ich noch die Englische so wie die Italienische Sprache ausgesucht.
Am Nachmittag fand auf dem Campus ein großer Markt statt. Der kleine Park zwischen den beiden Hauptgebäuden war zugestellt mit Tischen auf den jeder seine individuellen Gegenstände verkaufen konnte. Es war ein sonniger Tag und Alice lieh mir einen ihren schönsten Röcke für einen Tag im Park.
„Schau dir das an." sagte Alice lachend und hob einen Playboy von 1956 hoch.
Ich schaute mir die Zeitschrift näher an und schüttelte ungläubig den Kopf, dann sah ich mir den Jungen an der auf der anderen Seite des Tisches stand.
„Wo hast du das denn gefunden?" fragte ich ihn.
Er strich seine blonden Haare aus dem Gesicht und sah zu Alice.
„Gefällt es dir? Ich hätte einen Spezialpreis nur für dich." bot er Alice an.
Er sah mich noch nicht einmal an oder ging auf meine Frage ein, er hatte nur Augen für Alice, die, wie es Aussah, auch nur Augen für ihn hatte.
Ich ließ meine Augen rollen und ging weiter zum nächsten Tisch. Seitdem ich nicht mehr mit meinem Freund zusammen sein konnte, waren Jungs und vor allem flirtende Pärchen einfach eine Last geworden.
Ich traf Alice erst nach einer halben Stunde an einem der entfernteren Tische wieder an denen ich durch alte Bücher stöberte. Alice war ganz aufgeregt und wedelte mir mit einem kleinen Stück Papier im Gesicht herum. „Ich habe seine Handynummer!" verkündigte sie. Ich versuchte mich für sie zu freuen und erzwang ein lächeln. „Wie ist sein Name? Er sah süß aus, passt irgendwie zu dir."
„Jasper." Er ist ein Sophomore, also eine Klassenstufe höher wie du und ich, macht ihn das nicht noch attraktiver?" schwärmte sie. „Ich glaube in College Zeiten interessiert niemanden mehr wie alt du bist, solange du keinen 60-jährigen Millionär heiratest, obwohl das durchaus verständlich wäre."
„Ach Bella." lachte Alice. „Ich mag dich." sie stoß mir spielerisch in die Seite und wir spazierten weiter über den Markt.
Am nächsten Morgen war ich ziemlich aufgeregt. Ich hatte keine Ahnung was mich im Unterricht erwarten würde, ich hatte mich an den Forks-Kleinstadt Unterricht gewöhnt. Außerdem fand' ich es ziemlich idiotisch auf einem Freitag das Schuljahr zu beginnen, aber naja.
Zum Glück hatte ich meine erste Klasse mit Alice, es war Malerei. Leider hatte es nicht wirklich was mit meiner persönlicher Malerei zu tun, wie ich sich herausstellte. In der 90 Minuten Klasse lernten wir über berühmte Gemälde und wie sie (angeblich) gemalt wurden.
Als nächstes hatte ich Italienisch, wenigstens dieses Fach hatte ich mir so vorgestellt wie es war: Ich lernte Italienisch. Ein paar Wörter und Sätze kannte ich schon durch meine Großeltern, jedoch war vieles mir neu.
Dann war Kunstgeschichte an der Reihe, eigentlich freute ich mich auf diese Klasse, da ich sie zusammen mit Alice hatte. Doch leider hatte auch Jasper, Alice neuer Lover, Kunstgeschichte gewählt und so fühlte ich mich wie das fünfte Rad am Wagen.
„Was hältst du von einem Date heute Abend?" flüsterte Jasper Alice zu. Alice griff nach meiner Hand und drückte sie einmal aufgeregt, antwortete aber mit einem trockenem „Ja". Als wir den Saal verlasen winkte sie Jasper kurz zu und hielt mich dann für einen Moment zurück bis Jasper außer Hörweite war.
„Bella, ich weiß es ist viel verlangt aber, könntest du nicht heute Abend eine Sight-Seeing Tour unternehmen?" Alice sah mich mit großen Augen an und ich schüttelte ungläubig den Kopf.
„Alice ihr kennt euch erst einen Tag und du willst schon alleine in unserem Zimmer mit ihm sein?"
Sie sah mich unschuldig an und lächelte süß. „Hast du ihn dir mal angesehen? Ich kann ihm einfach nicht widerstehen, jedes mal wenn ich ihn sehe wird mein Körper ganz verrückt nach ihm." Ich verdrehte die Augen.
„Na gut." gab ich nach. „Aber wenn ich auf den Straßen Manhattans alleine rumlaufe und am Ende vergewaltigt werde, ist es deine Schuld."
„Ok." meinte Alice kühl, dann verabschiedete sie sich und ich machte mich auf den Weg zu meiner nächsten Klasse.
Englisch war bis jetzt die schwerste Klasse, ich lernte viel mehr über alt-englische Ausdrücke und wie die Sprache entstand. Wenigstens schien der Lehrer nett zu sein. Ich schätze ihn auf Ende dreißig, er hatte eine Frau und einen zwei jährigen Sohn über den er gerne Anekdoten erzählte.
Es war vier Uhr als ich endlich wieder in meinem Zimmer war, Alice kam kurz nach mir an und war schon ganz aufgeregt wegen ihrem Date. Sie schnappte sich ein Handtuch und neue Kleidung und machte sich auf den Weg zu den Duschen. „Mach dir keine Sorgen wenn ich in zwei Stunden noch nicht wieder da bin!" meinte sie und ich musste lachen doch sie steckte ihren Kopf nochmal in das Zimmer herein und sagte, „Das ist mein ernst." dann schloss sie die Tür.
Ich fühlte mich etwas verloren, ich müsste heute Abend bestimmt bis 1 Uhr nachts ausgehen und ich hatte keine Ahnung wohin. Aber darum könnte ich mich auch noch später kümmern, jetzt wollte ich erst mal bei Jacob anrufen. Schon nach einem Tag vermisste ich ihn schrecklich. Einfach das Gefühl immer beschützt zu werden und immer jemanden zu haben der auf deiner Seite steht.
Nach dem zweiten Klingeln nahm er ab.
„Hey Schatz." begrüßte er mich.
„Hi, weißt du eigentlich das ich dich vermisse?"
Ich hörte ihn seufzen. „Ja, ich vermisse dich auch, Bella. Wie geht es dir?"
Ich schmiss mich auf mein Bett und starte an die weiße Decke über mir. „Gut, aber ich muss heute Abend ausgehen, meine Mitbewohnerin hat ein Date und will das Zimmer für sich und ich weiß nicht was ich machen soll."
„Sie schmeißt dich einfach raus? Das solltest du dir nicht bieten lassen!" meinte Jake aufgebracht.
„Nein, das ist schon in Ordnung." winkte ich ab. „Sie ist echt eine ganz liebe und ich tue das gerne für sie, trotzdem habe ich keine Ahnung was ich unternehmen soll."
„Babe! Du bist in New York! Es gibt so viel zu unternehmen!"
„Aber nicht allein." sagte ich deprimiert.
„Hm, da kann ich dir leider auch nicht helfen. Tut mir Leid für dich, Süße."
„Ich werde schon was finden. Wenn mir was spannendes passiert schicke ich dir eine SMS."
„Okay, soll ich deinem Dad noch was ausrichten?" fragte er.
„Nein eigentlich nicht. Sag ihm nur das mein erster Tag gut verlaufen ist und das es mir gut geht."
„Wird gemacht." ich konnte ihn grinsen hören und wünschte ich könnte es auch sehen. „Hier ist es schon spät, ich werde noch mit den Jungs in die Stadt fahren. Ich liebe dich."
„Ok, hab viel Spaß, Jake und fahr vorsichtig." verabschiedete ich mich und legte auf.
Nachdem ich eine halbe Stunde damit verbracht hatte eines meiner Englisch Bücher anzufangen entschied ich mich auch Duschen zu gehen. Zu meiner Überraschung war Alice wirklich noch in der Dusche, ich konnte sie aus einer der Kabinen singen hören, was sich einfach nur schrecklich anhörte, sie interessierte das aber anscheinend nicht.
Um kurz vor acht war Alice bereit zu ihrem Date zu gehen und ich bereit um rausgeschmissen zu werden.
„Um Punkt 1 Uhr bin ich wieder da, meine Liebe!" warnte ich sie.
„Seh' ich gut aus?" war ihre Antwort. Ich sah an ihr hinunter, sie hatte einen weißen Rock an der an den Spitzen bunt zusammen lief und ein schlichtes Schwarzen Top mit einer langen silbernen Kette an, sie sah perfekt aus.
„Ja." antwortete ich genervt da ich diese Frage bestimmt schon zum dreißigsten Mal hörte. „Lass uns gehen." schlug ich vor und drückte sie gleichzeitig aus der Tür.
„Ich fühle mich schlecht." meinte sie auf dem Weg aus dem Gebäude. „Dich so ganz auf dich alleine gestellt."
„Nein, tust du nicht." meinte ich und sah sie von der Seite an. „Es ist schon gut, ich werde es überleben." Hoffentlich. Dachte ich mir nur dazu.
Zwei Stunden später befand ich mich immer noch auf dem Campus. Ich begutachtete den Park in dem gestern noch der Flohmarkt stattfand und beobachtete die vorbeilaufenden Leute.
Ich war völlig in einem Tagtraum versunken als sich plötzlich ein blondes, wunderschönes Mädchen neben mich setzte.
„Hi." begrüßte sie mich und reichte mir ihre Hand. Ich sah sie schief an und runzelte meine Stirn. Sie hatte wirklich lange blonde und vor allem lockige Haare, ihre Augen waren hellblau, sie hielt ihr Kinn in die höhe und ihre Schultern gerade.
„Hallo." begrüßte ich sie und reichte ihr ebenfalls die Hand.
„Ich bin Rosalie!" stellte sie sich vor.
„Oh!" machte ich überrascht. „Ich habe von dir gehört, du wohnst im Zimmer direkt neben unsrem!" Natürlich musste ich Dummerchen ihr das gleich mitteilen. Nach dem was Alice mir über sie erzählt hatte, hätte ich besser die Klappe halten sollen.
Nun sah sie mich schief an.
Ich winkte schnell ab. „Ist auch egal." meinte ich. „Ich bin übrigens Bella."
Ich ließ ihre Hand los und sie lächelte. Ihr lächeln sah echt aus, trotzdem wusste ich nicht ob ich es ihr abkaufen konnte.
„Ich habe deine Calvin Klein Handtasche gesehen und fand sie echt bezaubernd. Hast du sie in der Innenstadt gekauft?" Entsetzt starrte ich auf die Handtasche die ich bei mir trug. Tatsächlich, es war eine Calvin Klein. Alice hatte sie mir geliehen da sie meinte, meine sähe zu alt aus.
Rosalie sah mich weiter fragend an. Sollte ich ihr die Wahrheit erzählen oder besser Lügen?
„Nein, In Seattle, dort komme ich her."
Rosalie nickte verständlich und ich atmete erleichtert aus.
„Hast du noch mehr solcher Stücke? Dies ist eine einzigartige Tasche, davon gibt es nur wenige." Wow, sie wusste echt viel über Handtaschen. Ich wusste noch nicht einmal das Calvin Klein Handtaschen herstellte, ich dachte immer die stellen nur Männer Unterwäsche her.
„Ja." log ich weiter, wofür ich mich jetzt schon hasste. „Aber meine Mitbewohnerin hat mich ausgesperrt, ich kann zur Zeit nicht in mein Zimmer." Na, endlich mal etwas Wahrheit.
„Kein Problem." Sie lächelte wieder. Rosalie sah wirklich total freundlich und friedlich aus, trotzdem wollte ich sie lieber nicht zur Feindin haben.
„Was hältst du davon wenn du in meinem Zimmer rumhängst bis deine Mitbewohnerin wiederkommt? Ich hab eh noch keine Mitbewohnerin die es stören würde. Ich könnte dir meine einzigartigen Designs zeigen."
Hatte sie mich gerade wirklich in ihr Zimmer eingeladen? Ich wusste nicht ob ich ihr vertrauen könnte, aber wenn ich nein sagen würde, würde sie mich vielleicht hassen und ich müsste bis ein Uhr hier draußen sitzen. Also stimmte ich zu.
Wir saßen drei Stunden lang in ihrem Zimmer. Sie zeigte mir allerlei Schmuck und teure Handtaschen und Kleidung. Zu meinem Glück redete sie die meiste Zeit und war zufrieden wenn ich ihr ab und zu mal zustimmte. Andererseits wäre meine Tarnung vielleicht noch aufgeflogen.
Während sie durch ihren Schmuck ging vielen ihr einige Teile auf die sie nicht mehr mochte und sie warf sie mir zu. „Du kannst sie haben wenn du willst."
„Oh, Rosalie, nein das kann ich doch nicht annehmen!" Sie sah mich verdutzt an.
„Bella, die sind nur ein paar tausend Dollar wert, nimm sie einfach."
Ich musste mich zusammen reißen damit mein Kinnladen nicht herunterfiel. Ein paar tausend Dollar?! Wie bitte?! Ich schaute mir die Armbänder und Ketten genauer an, konnte aber nicht wirklich feststellen warum genau sie so teuer waren.
„Klar." sagte ich und sammelte sie auf einen Haufen zusammen.
In der späteren Nacht viel Rosalie dann auf das wir den gleichen Körperbau hatten. Ganz aufgeregt sollte ich ein paar Kleidungsstücke anprobieren, was mir ehrlich gesagt ziemlich viel Spaß bereitete. Ich alberte herum und fühlte mich in dem kleinem Raum wie auf dem Laufsteg.
„Du kannst die Kleidung behalten, ich hab noch Tonnen." meinte Rosalie und dankend nahm ich all die teure marken Kleidung an.
Um zwei Uhr nachts kam ich endlich in mein Zimmer. Zu meiner Verwunderung war Alice noch nicht da. Aber wenn sie jetzt noch ihr kleine Liebesnummer hier starten wollte dann musste ich ihr einen Strich durch die Rechnung machen, denn nun war es definitiv zu spät.
Ich stolperte über einen kleinen Zettel der anscheinend durch die Tür geschoben wurde, er war grün und hatte meinen Namen ganz oben auf dem kleinen Notizblatt.
„Isabella Swan,
ich muss Ihnen leider mitteilen das wir ihren Stundenplan aus organisatorischen Gründen ändern mussten. Sie haben nun folgende Stunden:
Malerei
Englisch
Kunstgeschichte
Italienisch
Danke für ihr Verständnis."
Wenigstens wurden nur Englisch und Italienisch umgetauscht. Ich hatte immer noch meine Klassen mit Alice. Ich schmiss die Kleidung und den Schmuck von Rosalie vor mein Bett und fiel müde in genanntes.
Am nächsten Morgen beim Frühstück sah ich Alice zum ersten Mal wieder. Sie saß händchenhaltend mit Jasper an einem der Kantinentische als ich mit bösem Blick auf sie zu kam und mich neben sie setzte.
„Ich war weg bis 2 Uhr nachts und dann komm ich nach Hause und du bist überhaupt nicht da!" meinte ich empört.
Alice setzte erneut ihren Hundeblick auf. „Tut mir Leid, Bella. Ich hab' die Nacht bei Jasper verbracht."
Ich verdrehte die Augen und fing an mein Frühstück zu essen.
Den Rest des Wochenendes verbrachte ich mit Alice und Jasper, was nach einer Weile ganz witzig wurde. Jasper war nicht nur ein guter Lover für Alice, sondern auch ein guter Freund für mich. Am Montag morgen war ich nicht so motiviert in den Unterricht zu gehen. Da meine Klassen gewechselt wurden und ich wieder neue Leute kennen lernen musste.
Zu meiner Überraschung setzte sich in Englisch direkt ein Typ neben mich und fing an mit mir zu reden.
„Hi, ich bin Carlos." begrüßte er mich freundlich bevor der Lehrer erschien. Er hat schwarze Haare die nach hinten gegelt waren.
„Bella." sagte ich nur und gab ihn ein kurzes lächeln.
„Bella? Ein schöner Name. Ist er italienisch?" fragte er mich.
„Ja, ich stamm ursprünglich aus Italien, meine Eltern sind dann aber in die USA gezogen."
„Eine gute Entscheidung." meinte er und drehte sich um um in die Reihe hinter uns zu spähen.
„Hey Edward!" er versuchte die Aufmerksamkeit des Junges direkt hinter mir zu bekommen, der auch direkt reagierte und Carlos fragend an sah.
„Das ist Bella." stellte er mich vor. „Sie hat italienische Wurzeln, so wie du!"
Nun sah Edward mich an und sobald er meine Augen gefunden hatte fing er an zu lächeln. Er hatte blonde Haare die er mit einer Hand aus dem Gesicht kämmen konnte. Seine Augen waren glänzendem grün das mich nicht mehr los lies. Er sah nicht nur gut, sondern umwerfend, auch wenn ich das nicht zugeben wollte.
„Schön dich kennenzulernen." sagte er mit einer wunderschönen Stimme.
