1. Kapitel: Die Zuweisungsstelle für jenseitige Dienste
I wanted a perfect ending. Now I've learned, the hard way, that some poems don't rhyme, and some stories don't have a clear beginning, middle, and end. Life is about not knowing, having to change, taking the moment and making the best of it, without knowing what's going to happen next. Delicious Ambiguity. – Gilda Radner
Als Sirius die Türe durchschritt, wurde er erneut von einem blenden Weiß begrüßt, das noch greller war, als das außerhalb der Zuweisungsstelle für jenseitige Dienste. Nachdem er wieder in der Lage war Umrisse zu erkennen, begann er sich umzusehen.
Er befand sich offensichtlich in einem kleinen Büro. An den Wänden hingen Bilder auf denen Engel mit Harfen, kleine Teufelchen oder irgendwelche Leute, von denen Sirius annahm, dass sie berühmt waren, zu sehen waren. Auf einem Bild glaubte er Merlin zu erkennen, aber er konnte immer noch nicht genug sehen um sich sicher sein zu können.
Jemand räusperte sich neben ihm, also drehte er sich in die entsprechende Richtung.
Hinter einem weißen Schreibtisch saß ein junger Mann mit ordentlich gekämmten braunen Haar, einer Brille und einem schwarzen Anzug, für den Sirius allein deswegen dankbar war, weil er sich wunderbar von dem den Raum so schmerzhaft dominierenden Weiß abhob.
„Ich grüße Sie. Ich bin Setheus. Willkommen in der Zuweisungsstelle für jenseitige Dienste. Was kann ich für Sie tun?", sagte der Mann.
„Ähm, hallo. Ich bin Sirius Black, ich wurde hierher geschickt", erklärte Sirius etwas verunsichert und reichte dem Mann, Setheus, seinen Zettel.
Setheus nahm den Zettel und las ihn sich durch. „Verstehe", murmelte er. Dann sah er auf. „Sie sind S.O.B., ja? Nun, ich denke, ich müsste Ihre Akte hier irgendwo haben." Mit diesen Worten verschwand er unter seinen Schreibtisch bevor er wieder hochkam. „Hier ist sie ja. Sirius O. Black, Zauberer und gesuchter Verbrecher, aber unschuldig. Das sind Sie, ja?" Sirius nickte vorsichtig.
„Gut. Aus dieser Akte geht hervor, dass man Sie für den Dienst als Schutzengel eingeteilt haben möchte", erklärte Setheus, „Das heißt Sie müssen in die Jenseitige Schutzabteilung. Zimmer 13."
Hier geht es schlimmer zu als im Zaubereiministerium, seufzte der dunkelhaarige Zauberer in Gedanken. „Und wie komme ich…", begann er.
„Die Türe zu meiner Rechten", unterbrach ihn Setheus und deutete auf eine Türe, die Sirius bisher nicht gesehen hatte, „Zimmer 13. Hier nehmen Sie das hier mit." Er drückte dem Zauberer einen kleinen Zettel, auf dem „Sirius O. Black- Schutzengel zur Einteilung" stand, in die Hand.
Sirius zuckte die Schultern, murmelte einen Dank und ging durch die nächste Türe.
Sie führte ihn in einen langen weißen Gang. Sirius ging ihn entlang und hielt nach Zimmer 13 Ausschau.
Ich frage mich, ob ich jemanden, den ich kenne zugeteilt bekomme. Vielleicht werde ich Remus' oder Harrys Schutzengel werden, dann könnte ich herausfinden, wie es ihnen geht und wie dieser verdammte Kampf ausgegangen ist!! Er seufzte tief und schob den Gedanken an den Kampf im Ministerium und an alle, die damit zu tun hatte, zur Seite.
Nachdem er einige Zeit lang den Gang entlang gegangen war, erreichte er endlich eine Türe, auf der die Nummer 13, stand. Sie war auch nicht zu übersehen. Anders als alles andere in diesen Gang war sie nämlich nicht weiß, sondern violett.
Sirius stand etwas unschlüssig vor der Türe und überlegte, ob er einfach so hineingehen sollte. 14 Jahre ohne ordentliche Gesellschaft zu verbringen hatte seinen – angeblich ohnehin ungenügend ausgebildeten – Umgangsformen nicht gerade gut getan, und er hatte eigentlich keine Ahnung, wie man sich am besten in einem Amt verhielt. Also klopfte er einfach und trat dann ein.
Die Jenseitige Schutzabteilung unterschied sich von allen anderen Räumen, die er bisher in der Zuweisungsstelle für jenseitige Dienste gesehen hatte.
Zum einen waren die Wände violett. Außerdem waren die Möbel, die sich in den Raum befanden, von beruhigender Normalität, sprich nicht weiß und auch nicht violett, sondern buchefarben. Hinzu kam ein Haufen Leute, die geschäftig zwischen verschiedenen Schreibtischen, an denen teilweise niemand saß, hin und her eilten.
An den violetten Wänden hingen Bilder von offensichtlich ausgezeichneten Leuten, die sich im Amt des Schutzengels als besonders talentiert erwiesen hatten. Ein hübsch aussehender Globus mit dunkelblauen Meeren und zartgelben Kontinenten befand sich ebenfalls in den Raum.
Alles in allem gefiel die Jenseitige Schutzabteilung Sirius ganz gut.
Ein blonder Mann mit grauen Augen kam auf ihn zugeeilt und schüttelte seine Hand. „Da sind Sie ja endlich, Mister Black, wir haben schon auf Sie gewartet. Sie sind doch Mister Black, oder?", begrüßte er ihn eifrig und warf einen Blick über Sirius' Schulter fast so als erwartete er noch jemanden durch die Türe kommen zu sehen.
„Ja, ich bin Sirius Black", der Zauberer befreite seine Hand aus dem Griff des Blonden und drückte ihm den Zettel, den er von Setheus bekommen, hatte in die Hand.
Der Blonden steckte den Zettel achtlos ein, ohne ihn auch nur anzusehen, und packte Sirius' Handgelenk und führte den Dunkelhaarigen zu einem der leeren Schreibtische. „Kommen Sie mit. Setzen Sie sich", sagte er dann als sie den Schreibtisch bereits erreicht hatten.
Der Zauberer nahm wie gewünscht Platz.
Der blonde Mann machte es sich hinter den Schreibtisch bequem, holte den zerknitterten Zettel aus seiner Hosentasche und legte ihn auf den Schreibtisch. Dann sah er Sirius an. „Willkommen in der Jenseitigen Schutzabteilung. Ich bin Damian Abrams, Ihr Betreuer", stellte er sich vor, „Ich nehme an, Sie haben einige Fragen…."
Einige?! Ungefähr eine Million schwirrten dem Ex-Sträfling durch den Kopf. Er konnte sich gar nicht entscheiden, was er zuerst fragen sollte, also platze er einfach mit dem heraus, was ihm am schwersten im Magen lag: „Bin ich wirklich tot?"
Anders als das lilahaarige Monster aus der Wartehalle schien sich Damian Abrams überhaupt nicht an dieser Frage zu stören. Er schien sie sogar erwartet zu haben. „Bedauerlicherweise ja, Mister Black. Das hier ist kein Traum und auch eine Vision oder Illusion. Sie befinden sich tatsächlich in der jenseitigen Welt, und da Sie bis hierhin vorgedrungen sind, sind Sie eindeutig tot", erklärte er freundlich.
„Oh." Sirius wollte keine passende Erwiderung einfallen.
„Vielleicht sollte ich Ihnen ein paar grundlegende Dinge erklären bevor wir weitermachen. Einverstanden?", schlug Damian vor, dem auffiel, dass seinen Gegenüber die Worte fehlten. Sirius nickte schwach. Vielleicht würde er so wenigstens ein paar Antworten bekommen mit denen er auch etwas würde anfangen können.
Damian räusperte sich und begann dann: „Sie sind, wie Ihnen nun klar sein dürfte, im Kampf gegen Bellatrix Lestrange gestorben. Nachdem dies bekannt wurde, wurde über Ihren Fall debattiert um über Ihre Zukunft bestimmen zu können. Doch es konnte kein klares Ergebnis gefunden werden. Man war sich nicht einig. Das kommt öfter vor als man denkt. Viele Leute, die meinen ein überaus vorbildliches Leben geführt zu haben, landen im Endeffekt oft nicht dort, wo sie eigentlich erwartet hatten, zu landen. In Ihren Fall konnte kein eindeutiges Ergebnis gefällt werden, weil Sie zu wenig getan haben um eindeutig beurteilt zu werden, verstehen Sie das? Ihre lange Gefangenschaft hat dafür gesorgt. In Fällen wie Ihrem wird entschieden die Kandidaten auf unbestimmte Zeit für jenseitige Dienste einzuteilen. Die Art des Dienstes hängt von der Persönlichkeit einerseits und von dem, was man sich als Ergebnis erhofft andrerseits, ab. Sie wurden für den Jenseitigen Schutz ausgewählt, das bedeutet, dass Sie eine noch lebende Person auf Erden zugeteilt bekommen über die Sie zu wachen haben. Ihre Hauptaufgabe wird darin bestehen Ihren Schützling vor körperlichen Schäden einerseits, und vor moralischen Fehlgängen andererseits zu bewahren. Über die genauen Regeln und Aufgaben der Schutzengel wird Sie Ihr Coach noch aufklären. Haben Sie soweit Fragen?"
Sirius dachte darüber nach. „Nein, ich denke nicht", erklärte er dann.
„Gut, dann werde ich Ihnen nun Ihren Schützling vorstellen", meinte Damian und holte eine Akte unter seinem Schreibtisch hervor und schlug sie auf.
Bitte lass es Moony sein!
„Ihr Schützling ist ein gewisser Severus Snape, wohnhaft in Spinner's End in London. Die meiste Zeit der Jahres verbringt er allerdings auf Hogwarts, der Schule für Magie und Zauberei in England, die…", begann Damian und Sirius glaubte sich verhört zu haben. Soll das ein schlechter Witz sein?!
„Wollen Sie mir erzählen, dass Snivellus mein Schützling ist?!", entfuhr es ihm entsetzt. Hätte es nicht wenigstens Lucius Malfoy sein können?!
Damian unterbrach sich verwirrt. „Wie bitte?"
„Severus Snape. Der Severus Snape ist mein Schützling?!"
„Ich nehme an, Sie kennen den Mann?" Damian sah ihn immer noch verwirrt an.
„Allerdings. Und ich will einen anderen!"
Damian blinzelte. „Einen anderen was?", fragte er langsam.
„Einen anderen Schützling! Ich nehme Sni- Snape nicht als Schützling an! Das könnt ihr vergessen. Jeden anderen, aber nicht ihn!", erklärte Sirius kategorisch.
Damian seufzte und legte die Akte auf den Schreibtisch ab. Dann sah er Sirius lange an. Der Zauberer hielt seinem Blick trotzig stand.
„Mister Black, ich fürchte, Ihnen ist Ihre Lage nicht ganz klar", begann Damian schließlich, „Sie können sich Ihren Schützling nicht aussuchen. Er wird Ihnen zugeteilt und bleibt solange Ihr Schützling bis er stirbt, oder Sie ihre Dienstzeit beendet haben. Sie können sich nicht einfach weigern sich um ihn zu kümmern."
„Aber warum ihn!?!" Sirius wollte das einfach nicht wahr haben. Also wäre es nicht schon schlimm genug tot zu sein, musste er sich jetzt auch noch um Severus Snapes Seelenheil kümmern und ihn vor Schaden bewahren!
„Schützlinge werden nach den Bedürfnissen des Schutzengels ausgewählt", erklärte Damian, „Jeder bekommt jemanden zugeteilt, den er in seiner derzeitigen Verfassung braucht, und…"
„Aber dann müsste es Remus sein! Oder Harry! Hören Sie, die sind es die ich zur Zeit brauche. Und sicher nicht Severus Snape!", protestierte Sirius lautstark.
Diverse Köpfe wandten sich bereit in seine Richtung, aber das war ihm egal. Er wollte wirklich nicht Snivellus Kindermädchen spielen!
Damian schloss die Akte und wirkte ein wenig verärgert. „Es ist beschlossen. Finden Sie sich damit ab", meinte er kategorisch, „Und nun begeben Sie sich durch die andere Türe hinaus. Ihr Coach erwartet Sie und wird Sie über Ihre Pflichten und die Regeln aufklären." Er deutete auf die zweite Türe im Raum auf der groß „Nur für Schutzengel" stand.
Sirius sah zwischen der Türe und Damian hin und her. Sein Betreuer sah ihn erwartungsvoll und recht verärgert an. Er würde ihm sicherlich nicht helfen einen anderen Schützling zu bekommen, selbst, wenn er es könnte.
Da ihm keine andere Wahl blieb, ging Sirius zu der violetten Türe und verließ die Jenseitige Schutzabteilung.
TBC
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A/N: Armer Sirius! Zuerst muss er erfahren, dass er tot ist und nun auch noch das!
Danke für euer bisheriges Feedback. Mehr davon ist erwünscht! Lasst mich wissen wie es euch gefallen hat.
