Hallo! Ich präsentiere euch heute das 1. Kapitel.
Ich habe ein paar Anfragen bzgl. eines Links zur Originalstory und der Länge der Geschichte erhalten. Also, die Story hat insgesamt 24 Kapitel, wobei es 8 Zwischenspiele gibt. Und hier ist der Link zu „Retreat":
http:// www. thehexfiles. net/ viewstory. php? sid= 2149
Danke für alle Reviews, die ich bisher erhalten habe. Ich hoffe meine Übersetzung gefällt euch weiterhin!
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Kapitel 1 ~ VCCV
Mittwochnacht
Er ist so verdammt klein.
Nein.
Klein bedeutet, dass es ihm an Körpergröße und Statur fehlt. Nichts davon fehlt ihm. Er ist groß genug. Er hat genügend Muskeln. Aber wie er da so blass auf den weißen Laken liegt, bewusstlos im Krankenflügel, das Mondlicht durch das Fenster scheint und ihn erhellt…
Er ist einfach so… klein.
Scheiße! Man sollte meinen, ein gebildeter junger Mann, wie ich es bin, könnte ein besseres Wort finden. Aber… es beschreibt ihn gut.
Er sieht gebrechlich aus. Wochenlang nichts zu essen zu bekommen verursacht so etwas nun mal, denke ich. Er sieht benutzt aus. Ich bin mir sicher, dass er es auch gewesen ist. Pomfrey will es mir nicht sagen, aber ich kenne meinen Vater. Ich weiß, dass er sich nie die Möglichkeit entgehen hätte lassen, den Körper des Goldjungen zu benutzen.
Er sieht verloren aus. Aber wir wissen nicht wie sehr, bis er aufwacht.
Zwanzig Minuten unter dem Cruciatus-Fluch sind genug, um jemanden in den Wahnsinn zu treiben. Die Longbottoms haben, wie ich gehört habe, über eine Stunde ausgehalten. Mein Vater hatte Harry eine ganze Nacht unter dem Fluch. Der verdammte Bastard hat ihn ausgesprochen, hat eine Weile zugesehen, und als Harrys Stimmbänder versagten… ging er hinauf zu Bett.
Zumindest hat er mir das erzählt. Ich habe keinen Grund ihn anzuzweifeln. Er selbst war gerade von dem Fluch erlöst worden, als er mir diese Information mitteilte. Nur bin ich nicht so grausam wie er. Ich hatte ihn für etwa fünf Minuten darunter. Oh, schon gut. Fünf Minuten lang und das immer wieder. Aber niemand wird mir jemals sagen, dass es nicht verdient war. Niemand, der Harrys schmalen Körper gesehen hat, zusammengekauert in der Ecke des Kerkers, wimmernd und zuckend, wird mir jemals Unrecht geben.
Ich habe in dieser Nacht einen Mord begangen.
Rechtlich gesehen sollte ich in Askaban sein und nicht über Harrys Bett wachen, wie eine besorgte Ehefrau. Wenn Leute dich jedoch mit dem vermissten Jungen-der-lebt in deinen Armen in einen Raum treten sehen, und hören, dass du ihn aus deinem eigenen Haus befreit hast… von deinem eigenen Vater… nun, lasst uns sagen, dass sie nicht mehr über dessen Peiniger fragen als: „Ist er tot?"
Worauf ich schließlich antworte: „Natürlich ist er das."
Niemand muss wissen, dass er gestorben ist, während er sich an den Esszimmertisch geklammert hat, das Licht aus seinen Augen erlosch, als er erkannte, dass sein Protegé, sein wertvoller Erbe, nicht mehr zu ihm gehört. Niemand muss wissen, dass Lucius Malfoy am Ende gebettelt und geweint hat. Niemand muss wissen, dass ich meinen Kopf geschüttelt und sanft Lebewohl gesagt habe, bevor das blendende grüne Licht das Zimmer erfüllt hat. Niemand muss wissen, dass ich den Körper meines Vaters in eine würdigere Position gebracht habe, bevor ich zurück in den Kerker ging.
Er war vielleicht ein Bastard. Aber er war mein Vater.
Er war mein Vater… aber das hier war Harry.
Harry, dem er wehgetan hat. Harry, den er bluten ließ. Harry, den ich…
Ja, nun wir werden nicht darüber reden. Nicht jetzt. Vielleicht sogar niemals, falls Harry seine Augen nie wieder aufmacht. Ich warte an seinem Bett. Zugegeben, ich kann nicht dort warten während der normalen Besuchszeiten. Die Wiesel fühlen anscheinend den Drang unter den Besuchszeiten an Harrys Bettseite zu campen. Und dann, die guten Gryffindors die sie nun mal sind, huschen sie sofort zurück in ihren Turm, wenn Pomfrey es ihnen sagt.
Nicht so ich. Ich kümmere mich reichlich wenig um die Regeln der Besuchszeiten. Die Regeln des Ausgehverbots. Alle Regeln sind mir derzeit egal. Mein Harry ruht, vielleicht für immer, in diesem schrecklichen Bett und ich werde ihn nicht alleine lassen. Nicht in der Nacht. Nicht, wenn seine Ängste wahrscheinlich zum Vorschein kommen. Nicht, wenn er schaudert und es ihn schüttelt, und er zittert und wimmert. Und so sitze ich hier, Nacht um Nacht, und halte stille Wache an seinem Bett, so wie seine Adoptivfamilie unter Tags Wache hält.
Der alte Mann weiß es. Ich kann es sagen. Auch wenn ich es nicht jeden Tag in seinem Gesichtsausdruck lesen könnte, wenn wir uns in den Korridoren treffen; die Präsenz einer warmen Decke in einem Stuhl meiner Wahl in der zweiten Nacht sagt genug darüber aus. Sowie die Flasche mit dem Stärkungstrank, die neben einem heißen Tee in der Früh neben mir stand.
Aber er wird mich nicht verraten. Vielleicht versteht er sogar, wieso ich es getan habe. Wieso ich meinen Vater hintergangen habe. Wieso ich mich gegen Voldemort gewendet habe. Ich weiß es nicht. Es kümmert mich auch nicht, solange er mich hier wachen lässt.
Eines frühen Morgens, eine Woche und zwei Tage nachdem ich seinen zuckenden Körper in die Krankenstation gebracht habe, erwachte er. Ich stand gerade erst von meinem Wachposten auf. Ich hatte die Decke zusammengefaltet und mein Haar unter die Kapuze meines Umhangs gestrichen, als das erste Stöhnen erklang. Ich sah, wie seine Augenlider zuckten, in dem verzweifelten Versuch sich zu öffnen. Ich sah zu, wie er seinen Kopf von einer Seite zur anderen warf.
Harrys Bewegungen starteten einen Alarm in Pomfreys Büro und sie kam sofort angerannt. Ich wich zurück in die Schatten und sah von dort zu, wo keiner das nervöse Kneten meiner Hände und meine stoßartigen Atemzüge mitbekam. Dumbledore kam einen Moment später an, gefolgt von Snape. Anscheinend hatten sie alle den Alarm gehört.
Pomfrey begann Zaubersprüche aufzusagen, um Harry zu untersuchen. Snape stand daneben bereit; die Flaschen mit Tränken in seinen Händen klimperten gegeneinander, während er darauf wartete, dass Pomfrey eine Diagnose machte. Dumbledore sah, genau wie ich selbst, still dabei zu, wie der Junge-der-lebt erwachte.
Seine Augenlider flatterten erneut. Er stöhnte ein wenig. Seine Augen flogen auf und er sah ängstlich zur Decke hinauf. Dann begannen die Schreie. Schrill und verzweifelt. Sein wildes Gestrampel zwang Snape dazu seine Tränke abzustellen und sich über Harry zu werfen, um ihn fest zu halten. Pomfrey fummelte mit einer Flasche Beruhigungstrank. Dumbledore stand an ihrer Seite, mit seinem Zauberstab bereit, sollten weder Pomfrey noch Snape erfolgreich sein.
Ich sah weiter dabei zu, mit meinem Herz scheinbar in meinem Hals.
Endlich schaffte es die Krankenschwester ihm den Trank einzuflößen und sein Gestrampel wurde sanfter und hörte schließlich vollkommen auf. Dann fingen die stummen Tränen an zu fließen. Riesige Tränen entwischten seinen Augenwinkeln, um seine Schläfe hinab zu laufen und sein Kopfkissen zu durchnässen.
Dumbledore versuchte mehrere Male mit ihm zu sprechen, danach fragend an was er sich erinnern konnte über die Zeit, die er in der Gefangenschaft meines Vaters verbracht hat. Danach fragend an was er sich überhaupt noch erinnern konnte. Jedes Mal wimmerte Harry und drehte seinen Kopf weg. Schlussendlich seufzte der alte Mann und nickte Snape zu. Snape schürzte die Lippen und lehnte sich näher an das Bett heran.
„Legilimens", hörte ich ihn wispern. Und dann begann das Stöhnen wieder. Harry war noch immer zu sehr unter dem Einfluss des Trankes, um zu schreien, aber es war offensichtlich, dass wenn er es hätte können… er hätte es getan. Snape schloss seine eigenen Augen fest und richtete sich wieder auf. „Albus", brachte er krächzend hervor. „Der Junge ist verloren. Er erinnert sich an nichts nach seinem vierten oder fünften Lebensjahr. Der Harry Potter, den wir kannten… ist verloren."
Pomfrey keuchte auf und hielt sich die Hand vor den Mund. Dumbledore senkte nur den Kopf und seufzte traurig.
„Ich verstehe, Severus", erwiderte er und seine Stimme klang, so weit ich mich erinnerte, zum ersten Mal wie die eines alten Mannes. „Vielleicht sollten wir für heute alle zu Bett gehen. Eine Nacht über diese Neuigkeiten schlafen… und unseren Harry auch etwas Ruhe gönnen", schloss er und strich mit einer gewitterten Hand über Harrys dunkles Haar. „Poppy, sagen sie mir Bescheid, sollte sich sein Zustand verändern", bat er, bevor er sich erhob und einen überraschenderweise ziemlich betroffenen Snape aus dem Krankenflügel geleitete.
Pomfrey kümmerte sich noch ein wenig um Harry, bevor sie zurück in ihr Büro am Ende des Krankenflügels ging. Ich trat aus der Ecke und ging hinüber zu Harrys Bett. Er sah jetzt sogar noch kleiner aus, wie er dort lag und die Tränen ihm übers Gesicht rannten. Diese grünen Augen richteten sich auf mich und ich nahm meinen Platz wieder ein. Er sah mich argwöhnisch an und rieb seine Nase an seinem Kissen.
„Hi", sagte ich sanft, nicht wissend was zur Hölle ich jetzt wirklich sagen oder tun sollte. Lange Sekunden später wurde ich mit einer Antwort belohnt.
„Hi."
„Mein Name ist Draco", stellte ich mich vor. „Kannst du dich an deinen Namen erinnern?"
Er nickte und schniefte erneut. „Harry." Er runzelte kurz die Stirn, als würde ich ihn verwirren. „Ich kenne dich", meinte er.
Ich lächelte. „Ja, das tust du."
Er schüttelte seinen Kopf. „Ich erinnere mich an dich."
Mein Herz fing an hart zu klopfen. Das musste ein gutes Zeichen, oder? Für jemanden, der sich an „nichts" nach seinem vierten Lebensjahr erinnern konnte?
„Tust du das?" Ich war ziemlich stolz auf die Ruhe, die ich noch ausstrahlte.
Er nickte erneut. „Ich kann mich nicht daran erinnern woher", flüsterte er und runzelte wieder die Stirn.
Ich zuckte mit den Schultern. „Das ist okay. Ich bin sicher, du wirst dich bald daran erinnern." Merlin, bitte lass ihn sich an mich erinnern. Ich fasste einen Entschluss, als ich ihm dabei zusah wie er einen Arm um seinen eigenen schmalen Körper schlang und sich den Daumen der anderen Hand in den Mund steckte. Ich griff nach einem der Kissen auf dem nächstgelegenen Bett. „Was ist dein Lieblingstier?", fragte ich.
Harry sah mich misstrauisch an. „Ein Hund."
„Und was ist deine Lieblingsfarbe?"
Er zuckte mit den Schultern.
Mit einem Schwung meines Zauberstabes lag ein kleines Kuscheltier in Form eines Hundes auf meinem Schoß, mit schwarzem Fell und grünen Augen, wie die seines Besitzers. Harry quietschte auf und rutschte soweit er konnte weg. Ich legte eine Hand auf sein zugedecktes Bein und machte ein tadelndes Geräusch. „Ist schon okay, Harry", beruhigte ich ihn. „Es ist nur Magie."
Harrys ganzer Körper zitterte. „N-Nein. Magie ist n-nicht echt."
Ich schnaubte. „Natürlich ist Magie echt. Das hier ist Hogwarts, eine Schule, in der Magie gelehrt wird. Ich gehe hier zur Schule. Genauso wie du", erklärte ich ihm. „Sie lehren dich hier, wie du die Magie richtig einsetzt."
Harry sah noch immer argwöhnisch aus. „Ist okay", wisperte er und blickte im Raum umher. „Ich werde ihnen einfach erzählen, dass du ihn für mich gekauft hast."
Ich konnte nicht anders, ich musste grinsen. Harry Potter… log für Draco Malfoy. Ich spürte ein warmes Gefühl in meinen Inneren aufsteigen, bei dem Gedanken, dass er sich genug um mich sorgte, um zu versuchen mich vor Ärger zu bewahren.
„Wenn du willst, Harry", erwiderte ich. „Jetzt brauchst du aber etwas Schlaf. Ich muss auch wieder zurück in meinen Schlafraum, aber das Hündchen wird bei dir bleiben, okay?"
Harry sah etwas traumatisiert aus, bei dem Gedanken, dass ich gehen musste, aber sobald ich ihm den Stoffhund reichte, schlang er seine Arme darum und drückte ihn fest gegen seine Brust. Er zog seine Hand nach oben und steckte seinen Daumen zurück in seinen Mund, während er zusah, wie ich aufstand.
Ich konnte nicht widerstehen. Er sah so unschuldig aus, so süß.
Ich lehnte mich nach unten und küsste seine Stirn. Er lächelte um seinen Daumen herum und schloss dann seine Augen. Er war eingeschlafen noch bevor die Tür zum Krankenflügel hinter mir zufiel.
