Erebor 3022: Warhammers – Gefahr für Durins Sohn

Von summerald – übersetzt aus dem Englischen von jessie152


Disclaimer: ''Der Hobbit'' und ''Der Herr der Ringe'' als auch sämtliche Figuren darin sind Eigentum von Tolkien Estate und Wingnut Films. Diese Geschichten dienen ausschließlich der Unterhaltung und weder der Autor noch der Übersetzer profitieren in irgendeiner Weise davon oder erheben irgendwelche Ansprüche auf ''Der Hobbit'' oder ''Der Herr der Ringe''.


Kapitel 2

Fjalar, König Fílis erstgeborener Sohn, saß mit eingezogenem Kopf hinter dem Reiter vom Westlichen Außenposten auf dem Pferd. Er fühlte Reue, Reue, die ihm schwer im Magen lag.

Treue, Ehre, ein Kämpferherz. Das waren die wichtigsten Prinzipien für die Wachen Erebors, und vor allem für die Söhne aus Durins Geschlecht. Er nahm die Treue gegenüber den anderen Kadetten sehr ernst… handelte er nicht entsprechend dieser Leitlinien seinen Freunden und Kameraden gegenüber, wenn er es bevorzugt hätte, bei ihnen zu bleiben? Er mochte es gar nicht, von seinen Freunden abgesondert zu werden. Er fühlte sich treulos, indem er sie zurückließ, und er hatte Schwierigkeiten, den ihm zugewiesenen Platz zu verstehen.

Doch als sie auf die Westliche Terrasse ritten, begann er langsam den größeren Zusammenhang zu verstehen.

Es war etwas, was sein Onkel ihm zu vermitteln versucht hatte, seit er ihn aus den elterlichen Gemächern in den Schlafsaal der Kadetten geführt hatte.

Die Krieger Erebors kämpfen für uns, weil wir ebenso für sie kämpfen. Und wenn wir zusammen den Truppen gegenüberstehen, sind wir weder Freunde noch Familie. Wir sind ihr König und ihre Prinzen.

Fjalar hatte das damals nicht vollständig begriffen.

Die scharfe und demütigende Zurechtweisung des Schlachtanführers sagte ihm, dass es um etwas weitaus Größeres ging, als um seinen Platz unter den anderen Kadetten, und er glaubte, dass er den Kern der Sache jetzt klar erkannte. Es fühlte sich in seinem Kopf an, als würde man wertloses Gestein wegschlagen, um einen Edelstein zu finden.

Vorsichtig blickte er hinter dem Reiter hervor. Sei Herz wurde leichter, als er die Reihen der Krieger Erebors in voller Rüstung vor sich sah. Also hatte es einer der Raben bereits geschafft, die Warnung zum Berg zu bringen. Der Reiter hob eine Hand und rief:

''Macht Platz für den Prinzen!''

Die Krieger teilten augenblicklich die Reihen und zogen sich zu beiden Seiten der Straße zurück, allerding ohne ihren Marsch zu verlangsamen.

Das Pferd galoppierte in vollem Lauf durch die entstandene Gasse.

Fjalar biss die Zähne zusammen. Er war sich absolut sicher, dass er, sowie sie schließlich anhielten, seinem Vater gegenüberstehen würde.

Und zum ersten Mal in seinem Leben dachte er darüber nach, was er tun und wie er reagieren sollte, wenn er ankam.

Er war kein Kind mehr. Und er verabscheute es, wie eines behandelt zu werden. Folglich konnte er nicht wie in früheren Zeiten zu seinem Vater rennen und Trost in seiner Umarmung erwarten, so sehr es ihm auch danach verlangte.

Und der Grund dafür war, dass der zur Schlacht bereite Zwerg, dem er auf der Westlichen Terrasse gegenüber treten würde, in diesem Moment nicht sein Vater sein würde.

Er würde sein König sein.


Corax, der junge Rabe, hatte sich nicht dem Schwarm angeschlossen, der König-und-doch-nicht-König zum Berg zurück gejagt hatte.

Corax hatte seine Botschaft überbracht, den Schwarm alarmiert und war dann zu Rabenprinz zurückgeflogen, seinem Ersten Freund. Rabenprinz… in der Höhle.

Warhammers. Warhammers. Warhammers. Dieses Wort schallte mit jedem Schlag seiner Schwingen in seinem Kopf wider.

Er fand eine Thermik, spreizte seine Federn weit auseinander und glitt in weiten Kreisen durch die Luft. Er war sich sicher, dass dies der richtige Ort war. Seine scharfen Augen erkannten die Landmarken: Die Kiefer, in der es sich so gut nisten ließ, die mit dem abgebrochenen Ast und den Ort an dem es viele Feldmäuse gab, gleich neben den Steinen mit Eidechsen.

Doch er konnte Rabenprinz nirgendwo erspähen. Niemand hob den Arm, um ihn zum Landen einzuladen. Kein Erster Freund. Rabenprinz in der Höhle…

Corax ließ sich an der Stelle, wo er zum letzten Mal mit seinem Freund gesprochen hatte nieder.

Spinnweben. Spinnweben-Spinnweben-Spinnweben. Riesige Spinnweben. Alles war bedeckt damit… er verfing sich mit den Füßen darin. Er hob die Flügel hoch über den Kopf, er wollte sich mit dem abscheulichen Gespinst nicht die Schwingen besudeln.

Er spürte, dass etwas nicht stimmte. Er sah mit weit aufgerissenem Schnabel um sich und atmete aufgeregt. Seine Furcht wurde immer größer.

So ein kleiner Vogel… so große Schwierigkeiten. Große Schwierigkeiten. Spinnweben-Spinnweben-Spinnweben.

Auf dem Boden lag ein langes, scharfes, schimmerndes Messer… ein Fetzen Leder. Er pickte danach und erkannte den Geruch von Rabenprinz.

Doch er konnte sich keinen Reim auf die dichten Spinnweben machen. Er zerrte an einem der Fäden. Er sprang vorwärts, hackte auf das Gespinst ein und zog sich rasch wieder zurück. Hacken und wieder zurück…

Mehr Leder.

Rabenprinz?

Und plötzlich regte sich etwas. Vielbeinige! Vielbeinige!

Corax sprang in die Luft, schlug verzweifelt mit den Flügeln, um an Höhe zu gewinnen.


''Ich danke Euch für Eure Hilfe, mein Herr,'' sagte Fjalar zu dem Reiter, als das Pferd — völlig außer Atem — langsamer wurde und sie die letzten Kehren zu dem weitläufigen Plateau hinauftrug, das als Erebors Westliche Terrasse bekannt war. Sie war teilweise von einer massiven Felszunge beschattet, und man hatte breite, flache Stufen in den gewachsenen Fels gehauen, die zum stark befestigten Eingang des Berges hinaufführten. Sie machten es einem Pferd oder Pony leicht, sich von einer Ebene zur nächsten zu bewegen.

Wie erwartet, lenkte der Reiter sein kleines, schnelles Pferd an einer weiteren Reihe von Kriegern vorbei, die Aufstellung bezogen, um die Flanke des Berges hinab zu marschieren. Das Pferd lief auf die geschäftige Ansammlung von Kriegern zu, die seinen Vater umringten. Fjalar konnte ihn jetzt sehen: sein hellgoldenes Haar schimmerte in der Nachmittagssonne. Er war in Leder und seine Mithril-Rüstung gekleidet, die Scheide seiner Kampfschwerter war auf seinen Rücken geschnallt und die Klingen glänzten weithin, für jedermann sichtbar.

Und sein Blick war hart wie Stein. Er stand in Mitten seiner Hauptmänner und Berater und besprach eindeutig einen Schlachtplan.

Der Reiter zügelte sein Pferd, reichte Fjalar wortlos die Hand und half ihm beim Absteigen.

Der alte Dwalin blickte mehr als finster drein, die tödlichen Schlagringe wie immer an seinen Händen. Er tippte einem der Hauptmänner auf die Schulter, um ihm anzudeuten, dass er zur Seite gehen solle. Fjalar erkannte das als Erlaubnis, näher zu treten.

Er begrüßte seinen Vater mit einer Verbeugung nach Art der Krieger und fiel vor dem König auf ein Knie.

''Bericht, Kadett,'' verlangte Dwalin.

In knappen Worten schilderte Fjalar alles, was er wusste. Er berichtete in ebensolch knappen Worten, wie es Skirfir seinem Onkel, seinem Anführer, gegenüber tat.

''Wo ist der Prinz jetzt?'' fragte sein Vater und meinte damit seinen Onkel Kíli.

''Ich weiß es nicht,'' Fjalar schüttelte den Kopf. ''Er war südlich des Lagers auf Kundschaft. Corax, der Rabe kam aus dieser Richtung, als er mich erreichte.''

''Wo ist Corax?''

''Ich bin mir nicht sicher, mein Herr. Ein großer Schwarm Raben folgte mir, bis wir die Schwarzmäntel trafen. Sowie ich zu Pferde war, flogen die Vögel davon.''

Der König blickte ihn an, und Fjalar konnte sich zum ersten Mal vorstellen, wie sich Fremde fühlen mochten, die ihm gegenüberstanden. Mahal. Wenn er wollte, konnte der König sich mit einer solchen Intensität und Macht auf sein Gegenüber konzentrieren, dass er es buchstäblich mit Blicken durchbohrte. Wer ihn nicht anders kannte, war augenblicklich eingeschüchtert. Verzweifelt darüber, dass er kaum jemals auch nur ein halb so beeindruckender König werden könnte wie der, den er jetzt vor sich sah, blieb Fjalar still und wartete auf Befehle.

''Melde dich zum Dienst, um mit den Raben zu sprechen,'' sagte der König, und wies mit dem Kopf auf den alten Dori und einen seiner Neffen, die auf der Plattform am Rande der Terrasse bei der Arbeit waren, umschwärmt von einer Wolke aus Raben, die rasch herbeiflogen und ebenso rasch wieder verschwanden. ''Wenn du eine Nachricht vom Prinz erhältst, schickst du sie mir auf der Stelle.''

''Ja, mein Herr.'' Fjalar nahm den Befehl entgegen und nickte zustimmend. Der Rang, als einer, der mit den Raben sprach, war weitaus höher, als der eines einfachen Kadetten. Es war ein ehrenvoller Posten und er wusste, dass die Hilfe, die er dabei leisten konnte, essenziell war.

Dann bemerkte er, dass sich die Hauptleute und Berater zurückzogen, und er sah, wie ihm der König die Hand entgegenstreckte. Er sah auf, und der Ausdruck auf seines Vaters Gesicht war wärmer geworden. Er ergriff die angebotene Hand und erhob sich.

Und in diesem Moment war es sein Vater, der ihn an sich zog und ihn rasch umarmte.

''Pass auf, Fjalar,'' sagte sein Vater leise. ''Wir sind im Kriegszustand. Du und ich können von jetzt an den Berg nicht mehr gleichzeitig verlassen. Unsere Truppen müssen wissen, dass die Thronfolge gesichert ist. Verstehst du mich?''

''Ja, Vater.'' Er erwiderte die Umarmung. Mahal, er liebte seinen Vater. Er war plötzlich wie benommen von der Erkenntnis, dass sein Onkel und sein Vater in Gefahr waren… dass dieser Alarmzustand real war, dass ein Kampf drohte und sein Onkel vermisst wurde.

Als sein Vater sich schließlich zum Gehen wandte, trat Fjalar einen Schritt zurück. ''Kannst Du ihn finden?'' fragte er.

''Deinen Onkel?''

Fjalar nickte.

''Mein Junge, das ist die Geschichte meines Lebens.'' Er boxte Fjalar auf den Arm. Es war eine Geste unter Kriegern, und Fjalar fühlte sich dabei sogleich irgendwie noch mehr erwachsen. Er nickte und hielt den Kopf etwas höher. Dann machte er einen weiteren Schritt zurück, ganz wie es sich gehörte und es dem Protokoll für einen einfachen Krieger in Anwesenheit seines Königs entsprach. Und er wartete, bis sich der König zurückzog.

Sein Vater nickte und wandte sich um, bereit, sich wieder mit seinen Hauptleuten und Beratern zu besprechen. Doch er sah über seine Schulter, nur für einen kurzen Moment, und da…ein kurzes Zwinkern, nur für ihn bestimmt. Fjalar lächelte. Sein Vater würde das wieder in Ordnung bringen.

Nachdem ihn der König hatte wegtreten lassen begab Fjalar sich zur Plattform, um mit den Raben zu sprechen, begierig, sich zum Dienst zu melden.

Als er dort ankam, signalisierte ihm Dori, seinen Arm zu heben und den nächsten anfliegend Raben in Empfang zu nehmen. Er brachte einen Bericht vom Östlichen Außenposten. Sie hatten das Code-Wort erhalten und waren in äußerster Alarmbereitschaft. Dort war man vorbereitet.

Ein weiterer Rabe traf ein. Er kam aus Thal mit einer Botschaft von Dufs Bruder Mauriss. König Bard entsandte berittene Truppen. Auch Thal war in Alarmbereitschaft.

Dann landeten mehrere Raben aus unterschiedlicher Richtung und erwarteten Anweisungen.

''Schicke sie nach Westen,'' sagte Dori und in seiner Stimme klang Überzeugung. ''Wir brauchen jeden Bericht über Bäume, die sich ohne Wind bewegen, jeden Hinweis auf riesige Spinnen.''

Fjalar tat wie ihm geheißen.

Einige Zeit später fiel ihm während einer kurzen Pause ein großer Rabe auf, der an der Felswand am Boden saß. Er kauerte sich an den Stein, schnappte mit weit aufgerissenem Schnabel nach Luft und ließ die Flügel hängen.

''Huq!'' schrie Fjalar auf und stürzte auf den großen Vogel zu.

''Er war der erste, der uns die Warnung brachte… braver Vogel… doch ich fürchte, dieser Flug könnte sein letzter gewesen sein,'' sagte Duf.

Fjalar zwinkerte fassungslos. Nein… das darf nicht sein...

Er kniete neben seinem gefiederten Freund nieder, dem Anführer der Raben Erebors. Huq war derjenige gewesen, der zu ihm geflogen kam, bei seiner Zeremonie zur Aufnahme unter die Zwerge, die mit den Raben sprachen. Er hatte ihn damit geehrt… ihn bestätigt… das durfte einfach nicht sein.

Fjalar wollt den Vogel aufheben, ihn zu Nÿr bringen… oder irgendeinen der Heiler finden, der ihm helfen konnte.

Doch er wusste es besser, er durfte seinen Posten nicht verlassen. Er hob Huq vom Boden auf und nahm ihn in den Arm, er streichelte das Gefieder an seinem Hals und wünschte, die Dinge ständen anders. Er entdeckte etwas Weißes, Faseriges, dass sich um die Füße des Vogels geschlungen hatte. Er zupfte es ab.

Es war zäh und kleberig.

''Spinnweben, Spinnweben, Spinnweben,'' keuchte Huq mit einem leisen Krächzen. '' Spinnweben…''

Fjalar summte ihm tröstend zu. Schon dachte er, der Rabe würde sich beruhigen, sich ausruhen.

Doch Huqs letzter, schneller Flug, um seine Freunde zu warnen, war zu viel gewesen.

Eine Minute später fühlte Fjalar, wie der Anführer der Raben Erebors in seinen Armen erschlaffte, sein gefiederter Kopf langsam zur Seite sank und schließlich auf seinem Arm zu liegen kam.

Und er biss sich auf die Lippe und wandte sich ab, damit niemand die Tränen sehen würde, die sein Gesicht herab rannen.


Kíli versuchte, durch Hitze zu schwimmen… Hitze, wie ein roter Nebel um ihn. Er wusste, wo sein Platz war.

Er hatte ihn schon oft besucht.

Jedes Jahr, immer wieder, in der Tat. Jedes Jahr seit diesem ersten Mal… so, so lange war das jetzt schon her.

''Willkommen zurück, Freund. Tritt ruhig ein…''

Kíli versuchte, sich abzuwenden. Er wollte all das nicht. Das war Schmerz, das war ein Alptraum.

Nein! Er schüttelte den Kopf. Es war nicht Durinstag… das ist nicht deine Zeit. Ich werde hier nicht bleiben.

Es spürte etwas wie Gelächter, etwas wie Schadenfreude.

''In dieser Angelegenheit, mein Junge, ist es dir nicht gegeben, eine Wahl zu haben. Genau, wie es MIR nicht gegeben war.''

Er spürte etwas wie Feuer, etwas wie elenden, unsäglichen Hass… und Wasser…

Und Kíli versuchte, durch Hitze zu schwimmen… Hitze, wie ein roter Nebel um ihn. Er wusste, wo sein Platz war.

Und er wusste nicht, wie er dem entrinnen sollte.

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AN.: Liebe Leser, danke für Eure Kommentare. Es ist immer gut, ein Feedback zu erhalten, ob es Euch gefällt. Wir freuen uns immer sehr, bitte weiter so.

Weiter geht es auch mit dem angehaltenen Atem. Die Lage ist echt ernst. Wie ernst… das erfahrt ihr wie immer nächste Woche.

Mahals Segen, Summer & Jessie

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