Disclaimer: Gene Roddenberry, JJ Abrams und all die Anderen. Danke für Star Trek.
Pairing: Kirk/Spock, Spock/Uhura, Spock/OC. Slash? Vielleicht ein bisschen. Mal sehen, wie es wird.
Rating: Definitv M. Es geht um Schuld, Schmerz, Depression, Missbrauch und eine ganze Menge wirklich dunkler Themen.
Timeline: Nach „Star Trek: Into Darkness".
Kapitel 2 – Leonard – Menschlichkeit
Es war wirklich keine Übertreibung gewesen, als er einmal behauptet hatte, dass seine Exfrau den ganzen verdammten Planeten zugesprochen bekommen hatte. Dr. Leonard McCoy ließ die Zeilen mit der Kostenaufstellung, die sie ihm verehrt hatte, mit einer schnellen Bewegung auf seinem Lesepadd noch einmal an seinen Augen vorbei fliegen, bevor er neben sich tastete und sich an dem Glas mit perfekt geschichtetem andorischen Milchkaffee (nur echt mit Lakritzgeschmack) die Finger verbrannte.
Er seufzte tief und hob den Blick. Für sein Dafürhalten war es viel zu früh und er selbst viel zu nüchtern. Aber in einem Frühstückscafé konnte man wohl kaum einen saurianischen Brandy bekommen.
Um ihn herum pulsierte das Leben der Großstadt. Menschen und Angehörige vieler anderer Spezies liefen vorbei, farbenprächtig divers, unterhielten sich, aßen im Gehen, brachten ihre Kinder zur Schule und ein paar schubsten sich gegenseitig – Kadetten, hauptsächlich. Ah, die Jugend und ihr Übermaß an Energie und Zuversicht im Angesicht des sicheren Untergangs.
Mit zusammengekniffenen Augen blickte der Mediziner hinauf in den blauen Himmel San Franciscos und musterte die zerfetzten Stümpfe des Sternenflottenhauptquartiers, an denen unter Hochdruck gearbeitet wurde. Wartungsshuttles und unbemannte Drohnen flitzten durch die Luft, effizient, lautlos. Die glänzenden Fassaden aus verspiegeltem Durabeton waren zum Teil noch rußgeschwärzt, aber je mehr Zeit verging, desto eher ließ sich erahnen, dass zumindest die baulichen Wunden der Stadt bald geheilt sein würden.
Was die anderen Verluste anging -. Leonard nahm einen Schluck Kaffee und spürte, wie die Spannung aus seinen Schultern wich und einer tiefen Traurigkeit Platz machte, die sie tonnenschwer nach unten zog. Es hatte viel zu viele Tote gegeben und der Arzt hatte das Gefühl, dass das notwendige Gedenken an all die ausgelöschten Leben neben der fiebrigen Aufbruchsstimmung und der Lobhudelei für die 'Enterprise' unterging. Aber diese Meinung behielt er für sich, denn sie war unpopulär geworden in einer Welt, in der es um das Fortkommen um jeden Preis ging.
„Pille!" Der metallene Stuhl ihm gegenüber wurde zurückgezerrt und Jim Kirk ließ sich darauf fallen. Das ekelhaft kratzende Geräusch ließ Leonard zusammenfahren.
„Sachte. Es war spät gestern", rügte er sanft. Eher ein Tadel an sich selbst, wie er dann feststellte, weshalb er noch ein besänftigendes Lächeln hinterher schickte.
„Entschuldige." Sein Freund sah erschöpft aus, wächsern. Etwas überschattete die blauen Augen, in denen normalerweise ungebremster Optimismus oder humorvoller Charme schimmerten. „Danke, dass Du Dir die Zeit nimmst."
„Wo brennts denn, Jim?", erkundigte sich McCoy und schaltete dann aus alter Gewohnheit in den Arztmodus um. „Du siehst furchtbar aus."
Jim zuckte mit den Achseln, eine Ruhe vortäuschend, die er definitiv nicht empfinden konnte, denn im nächsten Moment brach es auch schon aus ihm heraus.
„Hast Du eine Ahnung, wo Spock ist? Ich muss mit ihm reden. Dringend."
Leonard blinzelte überrascht, auch wenn bereits eine Ahnung in seinem Nacken kitzelte, worum es in diesem sich entspinnenden Gespräch gehen würde. Immerhin kannte er James Kirks Behandlungsplan in- und auswendig.
„Spock? Keine Ahnung. So, wie ich ihn kenne, hat er sich freiwillig gemeldet, um neben dem normalen Dienst ein paar Kadetten wieder auf die vulkanische Spur zu bringen. Wieso?"
Die nächste Antwort wurde zwischen zusammengepressten Zähnen hervorgeknirscht und war kaum verständlich.
„ErhatmeinePsychiaterinausgesuchtundichwerdeihm- ."
Leonard hatte einen Schluck Kaffee genommen und bemühte sich, einen Hustenreiz zu unterdrücken. Nicht etwa, weil ihn Kirks Worte überraschten, sondern weil sich ein mühsam zurückgedrängter Zorn meldete, der ihn zu übermannen drohte. Das süße Getränk schmeckte auf einmal viel zu bitter in seinem Mund. Der Arzt räusperte sich.
„Das war nicht allein seine Idee, Jim. Es war vor Allem meine. Und bevor Du mir jetzt an den Hals springst, lass mich ausreden."
Keine Bitte, sondern ein Befehl. Das gab es äußerst selten aus McCoys Mund und so wirkte er dann auch. Der junge Captain der 'Enterprise' erstarrte sichtbar und mit einem Schlag schien ihn der kleine Rest an Energie zu verlassen, die noch in ihm wohnte. Mit einer schwachen Geste forderte er Leonard zum Weiterreden auf, der plötzlich spürte, dass sich der Stuhl, auf dem er saß, wirklich unbequem anfühlte.
„Du bist gestorben und mit fremdem Blut, Khans Blut, wiederbelebt worden. Die Heilung der neurologischen Schäden war eine verflucht komplizierte Sache und wir waren bis zu dem Moment, in dem Du die Augen geöffnet hast, nicht wirklich sicher, ob Du die Sache vollkommen unbeschadet überstehst. Organe zu rekonstruieren ist die eine, aber die Persönlichkeit eines Menschen zu heilen eine vollkommen andere Sache. Ich habe mir den Hinter abgearbeitet für Dich, Jim. Und Du kannst gerne so tun, als wäre nichts geschehen, aber ich werde es nicht vergessen. Niemals."
Der Arzt spürte, wie sich die harten Wochen nach James Kirks Tod und wundersamer Rettung erneut in seinem Gedächtnis abspulten und das nächste Mal, als seine Hand nach dem Kaffee griff, schwankte sie ein wenig. Nächte mit viel zu wenig Schlaf, die Sorge, allein schon die Erinnerung, wie sein Freund vor ihm gelegen hatte, aufgedunsen und zerrissen von der tödlichen Strahlung, entsetzlich still. All das hatte einen Tribut gefordert.
Leonards Tonfall war schärfer geworden und das konnte und wollte er gar auch nicht mehr verhindern, obwohl er spürte, wie Zuneigung zu seinem Freund unter seinem Brustbein flackerte, als er bemerkte, wie sehr seine Worte Jim trafen.
„Und Du hast Pike verloren, ohne dass Du Dir auch nur einen Atemzug der Trauer zugestanden hast. Es war mir klar, dass Du Dich dieses eine Mal nicht aus der Affäre ziehen darfst. Die Sternenflotte hat ihre Regularien in Bezug auf psychische Extremsituationen. Das weißt Du sehr gut, denn Du nutzt diese Anweisungen gerne aus, um andere Leute auszuspielen. Spock nach dem Tod seiner Mutter, um nur ein Beispiel zu nennen. Ich kann nicht anders, ich muss darauf bestehen, dass die Regeln an Dir angewandt werden. Das Leben ist kein Kobayashi Maru-Test, aus dem Du Dich Kraft Deiner eigenen Großkotzigkeit hinausmogeln kann."
Leonard klappte abrupt den Mund zu, erschrocken vor der Wucht seiner eigenen Emotionen und die harten Worte. Er sah sich selbst gerne als einen schnarrenden, unbeteiligten Zyniker, doch diese Fassade konnte er an diesem Tag einfach nicht mehr aufrecht erhalten.
Jim schwieg, starrte auf die fleckige Tischplatte vor ihm hinab. Seine Hände hatten sich zu Fäusten geballt, so fest, dass deutlich zu sehen war, dass das Blut aus den Fingerknöcheln wich. Ganz so, als wolle er einem Angriff ausweichen, der aus vollkommen unerwarteter Ecke auf ihn einprasselte.
„Pille, ich -", gab er gedämpft zurück.
„Nein, ich bin noch nicht fertig. Ich habe mit Spock darüber geredet, weil er Dein bester Freund ist. Ich mache mir da nichts vor. Das Spitzohr hat mir den Rang abgelaufen und das ist in Ordnung für mich." Leonards Worte klangen nun deutlich sanfter. „Uns beiden war bewusst, dass wir Dir keinen normalen Psychodoc der Sternenflotte aufdrücken können. Mit der Hälfte von denen hast Du geschlafen. Die andere Hälfte ist gnadenlos und würde Dich schneller aus dem Dienst schießen als Du einen Photonentorpedo auf ein Klingonenschiff. Spock machte einen Vorschlag, wen Du sehen könntest. Eine alte Bekannte von ihm, die seit der Katastrophe auf Vulkan hier lebt und der es nicht darum gehen wird, Dich mit den effizienten Maßstäben der Flotte zu bewerten. Und sie war die 'logische Wahl', wie er sagte. Wer könnte Gefühle wohl besser reflektieren als jemand, der gar keine Gefühle hat?" McCoy schnaubte kurz. „War kein Problem für mich, sie durchzudrücken. Unsere Ärzte haben alle Hände voll zu tun und sind dankbar für die Entlastung aus privater Hand."
„Bist Du jetzt fertig?" James Kirk hatte sich wieder aufgerichtet und ein störrischer Zug spielte um seinen Mund, doch dann entspannte er sich ein wenig. „Ihr habt Euch also hinter meinem Rücken gegen mich verschworen, um mich vor mir selbst zu retten?"
„Nah, das ist jetzt ein bisschen hart, Jim", wehrte McCoy ab, nicht wirklich wissend, was nun geschehen würde. Er verspürte das überwältigende Bedürfnis nach einem Drink. „Wir mögen Dich nämlich, Du Esel, und wollen Dich bald wieder bei uns haben. Also gut, ich mag Dich. Was in Spock vorgeht, weiß ich nicht. Vermutlich irgendwelche komplexe Berechnungen."
Der Kapitän der 'Enterprise' atmete hörbar aus, dann hob er den Kopf und sah Leonard direkt an. Ein wenig von dem Kampfesgeist, den er hatte in den letzten Tagen vermissen lassen, brannte wieder in seinem Blick.
„Mann, Pille, was für eine Predigt." Ein Schmunzeln, schmal und müde, aber vorhanden. Jetzt war es an McCoy, tief durchzuatmen und froh darüber zu sein, dass seine Standpauke nicht das Ende ihrer Freundschaft bedeutete. „Danke dafür. Danke für alles. Was hältst Du davon, heute Abend ins „Stargazers" zu gehen? Ich sollte doch gesund genug sein, um mich ein wenig zu amüsieren, oder?"
Leonard McCoy hob die Schultern, nickte dann aber schließlich widerstrebend. Als er wenig später Jims blonden Schopf in der Menge verschwinden sah, legte sich jedoch seine Stirn erneut in grüblerische Falten. Tatsächlich war dieses Gespräch gut gelaufen. Vielleicht sogar zu gut. Bei genauerer Betrachtung hatte James Kirk all das getan, was Pille von ihm erwartet hatte. Und das machte ihm nun wirklich Sorgen.
Tbc. Ich freue mich über Eure Reviews.
