Harry landete schnaufend am Rand des kleinen Haines, in der Nähe des Fuchsbaus. Ginny wurde immer besser und er konnte schon lange nicht mehr mit ihrem fliegerischen können mithalten. Schade eigentlich, dachte er halb belustigt, halb stolz auf seine Verlobte. Es war ein warmer Sommerabend und die Sonne war grade untergegangen. Die letzten drei Stunden waren Harry und Ginny zusammen mit Ron, George, Charlie und einem zum Schluss reichlich genervten Percy über den klaren Sommerhimmel gepeitscht bis es zu dunkel wurde, um die Bälle noch richtig sehen zu können.

„Wir haben halt andere stärken als Quidditisch was?" meinte Ron der in diesem Augenblick neben Harry landete kurz bevor er Hermine in eine lange Umarmung schloss. Harry nickte leichtherzig.

„Wir sind nicht schlecht, sie ist einfach nur zu gut" meinte George ein wenig außer Atem. Während er seinen Besen schulterte.

Harry blickte glücklich zu Ginny hinauf, die trotz der inzwischen reichlich schlechten Lichtverhältnisse noch einige Runden am Himmel drehte. Sie war schnell. Viel schneller, als sie während ihres kleinen Spiels geflogen war, was Harry kopfschüttelnd und lächelnd quittierte.

„Gin" rief er belustigt. „Molly wird dich umbringen, wenn du ihr Abendessen verpasst". Diese Drohung erzielte die gewünschte Wirkung und Ginny setzte elegant zur Landung an. Weit weniger verschwitzt als die Jungs, aber genau so glücklich wie sie.

„Du musst wirklich an deiner Kondition arbeiten Liebling" raunte Ginny, während sie Harry in eine feste Umarmung zog, der die Geste erwiderte und ihr ein kleines Küsschen auf die Wange hauchte.

„Hey, nehmt euch ein Zimmer!" sagte Ron genervt und mit scharlachroten Ohren. „Ihr seit hier nicht alleine!" was Hermine dazu brachte hinter Ron die Augen zu verdrehen.

„HALLO!" knurrte Ginny zum gehen gewandt. „Falls es dir noch nicht aufgefallen ist. Aber Harry und ich sind seit letzter Woche Ver-lo-hobt!" jede Silbe des letzten Wortes überdeutlich betonen und ihre Hand zur Faust geballt, aber den Ringfinger ausgestreckt vor Rons Gesicht haltend.

Molly Weasley die just in diesem Moment ihren Kopf aus dem Fenster der kleinen Küche im Erdgeschoss des Fuchsbaus steckte um zum Essen zu rufen interpretierte die Geste im Halbdunkel des Abends natürlich fehl. „Ginerva Weasley! mach das nochmal und ich hex dir die Finger zusammen". Was auch Ginny dazu brachte die Augen zu verdrehen.

„Muhum!" erwiderte Ginny genervt" ich wollte Ron nur davon überzeugen das ich wirklich ganz ehrlich verlobt bin. Er scheint es ja immer noch nicht verstanden zu haben". „Der Trottel" fügte sie leise hinzu als Mrs. Weasleys Kopf wieder in der Küche verschwand.

„Hey!, das hab ich gehört" meinte Ron beleidigt. Der Streit zog sich, nun in Anbetracht des noch immer geöffneten Küchenfensters, deutlich leiser den restlichen Weg zum Fuchsbau hin.

Harry hatte beschlossen, dass Ginny ihren Bruder sehr gut alleine in Schach halten konnte und genoss, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, noch immer ein wenig schneller atmend, genoss er den leichten Wind, der über die Lorbeerhecke des Fuchsbaus kroch und die Luft mit einem angenehmen würzigen Geruch erfüllte. Zwei Jahre waren vergangen, seit jenem Abend in Hogwarts. Zwei Jahre Frieden und Glück. Wobei Harry natürlich bewusst war, dass sowohl Frieden als auch Glück relative Begriffe sind. Das überraschend langweilige Training der Aurorenschule war endlich beendet. Bald würden die richtige Fälle kommen und Harry konnte es kaum noch erwarten. Zu viele Todesser waren noch auf freiem Fuß und richteten, bei dem Versuch die versprengten Überreste Voldemorts Streitkräfte neu zu formieren, Unheil an. Doch bis jetzt hatte Harry trotz langem Bettelns beim Leiter der Aurorenzentrale Gawain Robards nichts erreichen können, auf richtige Missionen geschickt zu werden. Nur ein paar Praktika bei der magischen Strafverfolgungsbehörde hatte er herausschlagen können. Wutentbrannt war er sogar einmal zu Minister Kingsley Shacklebolt selbst gegangen. Was ein unangenehmes Gespräch nach sich gezogen hat. Darauf hin hatte Harry Potter seine Bemühungen möglichst gut auf zukünftige Einsätze vorbereitet zu sein vervielfacht. Jede freie Minute hatte er alleine entweder im Archiv der Aurorenzentrale oder in den vor Muggeln geschützten unterirdischen Trainingsbunkern in Folkestone verbracht. Nunja. nicht jede freie Minute dachte er in vergnüglicher Erinnerung an die vielen Ausflüge, Dates und gemeinsamen Abende mit Ginny. Aber ab morgen, würde sich die endlosen Stunden der Plackerei endlich auszahlen.

„Harry, sag doch auch mal was!". Harry selbst war, so wurde er sich plötzlich bewusst, in Gedanken Meilenweit entfernt gewesen. Daher war er ein wenig überrascht, dass Ginny ihn nun mit dunkelrotem Gesicht anstarrte. Verwirrt starrte er einige Sekunden zurück bevor ihm der Streit wieder in Erinnerung kam.

„Ron, hör auf" sagte Harry erleichtert das ihm die Ursache für den Ärger seiner Verlobten noch einfiel.

„Ich mach doch Garnichts". Nun war es an Harry, etwas rot zu werden, verunsichert, ob er richtig geraten hatte.

Ginny die Harry noch immer ansah verdrehte darauf hin die Augen und sagte theatralisch und resignierend „Jungs" was Hermine ein leisen kichern entlockte.

George nahm das zum Anlass sich in die Unterhaltung einzuklinken „Hey, Generalisierungen sind unnötig und zeugen von mangelndem Sachverstand liebes Schwesterlein. Du willst doch nicht, dass man dich als inkompetent erachtet, oder?".

Harry war sich sicher, dass Ginny eine solche Bemerkung nicht auf sich beruhen lassen würde. Jedoch hatte die kleine Gruppe den Eingang des Fuchsbaus erreicht und nicht einmal Ginny würde es wagen, unter den strengen Augen ihrer Mutter, dieses Gespräch weiter vorzuführen.

„Harry, Ginny, seid so lieb und deckt schon mal den Tisch im Garten." meinte Mrs. Weasley, kaum das sie in der Küche ankamen. „Wir sind heute einfach zu viele um drinnen zu essen".

Und so machte sich das Pärchen einige Minuten später, stapelweise Teller, Gläser und Schüsseln vor den ausgestreckten Zauberstäben levitierend auf den Weg in den Garten.

„Ich glaube ich werde allmählich zu alt für Quidditch" stöhnte Harry, sein verschwitztes T-Shirt zurecht zupfend, als sie grade den Hühnerstall passierten.

„Ich bin kaum ein Jahr jünger als du". meinte Ginny keck. „Und ich habe mich grade erst für die nächsten drei Jahre verpflichtet. Du bist einfach nicht in Form..."

„Nicht in Form? fragte Harry mit gespieltem Entsetzen. „Ich bin so Fit wie jeder andere in meinem Alter. Warts nur ab. Heute ist dein Geburtstag. Ab morgen geht es nur noch Bergab mit dir".

„Ich bin nicht diejenige die nur noch über langweiligen Aktenbergen brütet. Pass auf, dass du am Ende nicht dick und rund wirst. Ich will keinen Ehemann der Aussieht wie Slughorn".

„Ich hänge nicht nur über Aktenbergen." meinte Harry gequält weil es der Wahrheit doch ziemlich nahe kam.

„Aber ich bin, anders als gewisse ANDERE in Topform." Sie betonte das Wort andere überdeutlich. „Ich hätte noch locker die ganze Nacht in diesem Flubberwurmthempo fliegen können. Wie willst du überhaupt Verbrecher verfolgen, wenn du nach ein paar Metern schon einen Aufputschtrank brauchst um nicht umzufallen?"

Da ist was waren dran, dachte sich Harry und nahm sich vor in Zukunft besser auf seine Körperliche Fitness zu achten. Aber zugeben würde er das nicht. „Du bist ganz schön Frech!" stellte er stattdessen mit einem Grinsen auf den Lippen, das seine Worte Lügen strafte fest.

„Es ist mein Geburtstag. Heute darf ich Frech sein".

„Nur Heute?" erwiderte er mit gespieltem Schock was auch Ginny ein grinsen entlockte.