A/N: Hallo, ihr Lieben,

weiter geht's mit dem nächsten Kapitel.

Das Jahr geht allmählich zur Neige und ich möchte mich an dieser Stelle bei all jenen bedanken, die mich so tatkräftig unterstützt haben. Ihr gebt mir das Gefühl, etwas Schönes zu der Harry-Potter-Fangemeinde beizutragen!
Ich wünsche Euch allen auf diesem Wege einen schönen Silvesterabend und ein glückliches neues Jahr 2016. Auf dass alles, was Ihr Euch vornehmt, gelingt! :-)

Ein kleiner Nachtrag zum Review von MissBeeFarm:
Hermine ist das älteste Mitglied des Goldenen Trios und somit zu Beginn ihres sechsten Schuljahres bereits siebzehn Jahre alt (sie wurde am 19. September 1979 geboren). Da sie dem magischen Gesetz nach volljährig ist, finde ich das vollkommen okay. Wäre sie minderjährig, hätte ich damit auch ein Problem. ;-)

Viel Spaß beim Lesen!

LG


Kapitel 2 - Zwischen den Stühlen

„Mister Weasley", durchschnitt die strenge Stimme ihrer Lehrerin für Verwandlung das Kratzen der Federkiele und ließ Hermine zusammenzucken, „besäßen Sie die Freundlichkeit, sich wieder Ihrer Aufgabe zu widmen oder muss ich Sie wie einen Erstklässler zu mir ans Lehrerpult setzen?"

Seit einiger Zeit arbeiteten die Schüler bereits still vor sich hin; Professor McGonagall hatte der Klasse in der heutigen Doppelstunde einen Abriss über die Theorie der Verwandlung vorgetragen und ließ sie gerade ein selbst gewähltes Thema dazu bearbeiten.
Verwirrt blickte die junge Hexe von ihrer Abhandlung über Gamps Gesetz der elementaren Transfiguration auf und lehnte sich vor, um an Harry vorbeisehen zu können. Ron beugte sich mit leuchtend roten Ohren über sein Pergament und stippte den Federkiel ein wenig zu heftig in sein Tintenfass. Mit hochgezogenen Augenbrauen sah Hermine zu, wie er noch tiefer errötete und umständlich seinen Zauberstab hervorholte, um das Malheur zu beseitigen. Professor McGonagall, die ihm von ihrem Schreibtisch aus einen letzten missbilligenden Blick zuwarf, wandte sich wieder argwöhnisch dem Grüppchen von Slytherins auf der anderen Seite des Klassenzimmers zu, welches sich heute ungewöhnlich ruhig verhielt. Selbst Draco Malfoy, der des Öfteren während des Unterrichts aufzufallen pflegte, saß schweigend an seinem Platz und kritzelte lustlos auf seinem Pergament herum.

Prompt huschte Rons Blick wieder nach vorn, von wo auch schon ein unterdrücktes Kichern zu vernehmen war. Hermines Laune sank förmlich noch unter die Kerker, als sie die geröteten Wangen von Lavender Brown erkannte, die sich gar nicht mehr einkriegte.

Rons Prahlerei nach seinem vermeintlich glorreichen Sieg über McLaggen stand der ebenjenes Widerlings zu Hermines Missfallen in nichts nach. Er hatte das gesamte Mittagessen damit zugebracht, sich über Cormacs Unvermögen auszulassen, während sie damit beschäftigt war, Harrys forschenden Blicken auszuweichen, der sie bereits eine ganze Weile lang beobachtet hatte. Hermine hatte gute Lust, Ron wissen zu lassen, dass er nur aufgrund eines Verwechslungszaubers Hüter geworden war, doch sie wusste, dass sie dadurch ihre geschätzte Professorin in die Bredouille gebracht hätte. Nein, grantelte sie mürrisch vor sich hin, sollte sich dieser aufgeblasene Kröter doch in dem falschen Schein sonnen; sollte er beim kommenden Spiel gegen Slytherin versagen, wäre sein Fall dafür umso tiefer!


Das Geräusch von Schritten ließ Minerva, die soeben die Hausaufgaben für die kommende Woche fein säuberlich an die Tafel geschrieben hatte, aufblicken. Ein kleines Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, als sie zusah, wie Hermine auf sie zumarschierte und eine Rolle Pergament auf ihren Schreibtisch legte, deren Umfang wie gewöhnlich wirkte, als hätte die junge Hexe das Arbeitspensum bei Weitem überschritten. Es war keine Seltenheit, dass Hermine vor allen anderen mit ihrer Arbeit fertig war; heute jedoch sah die junge Frau alles andere als glücklich aus. Ihre schokoladenbraunen Augen starrten finster vor sich hin und sie schien tief in Gedanken versunken.
Als Hermine ohne ein Wort aus dem Klassenraum hastete, hob die Schottin nachdenklich eine Braue. Es mochte doch wohl nicht wieder ein gewisser McLaggen für Verstimmtheit gesorgt haben?

Ein aufgebrachtes Schnauben riss sie aus ihren Gedanken und ihr Blick huschte durch die Reihen, nur, um zu beobachten, wie Draco Malfoy angewidert seinen Federkiel zur Seite warf.

„Gibt es ein Problem, Mr. Malfoy?", fragte sie spitz und schickte sich an, ihre Unterlagen zusammenzusammeln, ihre grünen Augen dabei stets auf den jungen Slytherin gerichtet.

„Ich fürchte, ich habe den Aufsatz, den wir bis heute abgeben sollen, nicht bei mir, Professor", erwiderte dieser mit gelangweilter Gleichgültigkeit und warf ihr einen geringschätzigen Blick zu.

„Nun, Mr. Malfoy", sagte Minerva, ohne mit der Wimper zu zucken oder ihre Tätigkeit zu unterbrechen, „dann werden Sie die Aufgabe kommendes Wochenende in meinem Büro beim Nachsitzen noch einmal wiederholen. Erwarten Sie meine Eule."

Malfoy sah aus, als wolle er gegen ihre Anordnung aufbegehren, überlegte es sich jedoch offenbar anders. Zufrieden sah sie zu, wie der junge Mann die Miene verzog, als hätte er soeben in eine Zitrone gebissen, bevor sie den nun ordentlichen Stapel Pergament mit einem Schlenker ihres Zauberstabs in ihr Büro entsandte. Niemand, aber auch niemand kam ihr ungestraft mit dem wiederholten Versäumnis von Hausaufgaben davon, und wenn es sich dabei um den Dunklen Lord höchstpersönlich handelte!


An diesem Abend machte sich Hermine seufzend auf den Weg zu Professor Slughorns privaten Räumlichkeiten. Ihr diesjähriger Lehrer für Zaubertränke hatte seine besten und liebsten Schüler wieder einmal zu einem seiner berühmten Abendessen eingeladen, wobei der wohl namhafteste unter ihnen heute fehlte. Harry hatte sich Nachsitzen bei Professor Snape eingehandelt, der sich um nichts hatte erweichen lassen, die Sitzung zu verschieben. Da Ron nicht zum „Slug-Klub" gehörte, und auch sonst von Slughorn eher wie ein laues Lüftchen behandelt wurde, blieb ihr nichts anderes übrig, als allein zu gehen. Zudem hätte sie bei den schmachtenden Blicken, die Lavender dem jüngsten Weasleysohn vorhin im Gemeinschaftsraum zugeworfen hatte, erneut an die Decke gehen können. Und der schien die Aufmerksamkeit dieses Weibsbilds auf noch in vollen Zügen zu genießen!

Missmutig strich sie ihren schwarzen Rollkragenpullover glatt, den sie für diesen Abend zusammen mit einem Paar dunkler Jeans ausgesucht hatte, und klopfte an die Tür. Einen Moment später schwang diese auf und der Gastgeber persönlich strahlte ihr entgegen.

„Miss Granger, meine Liebe, schön, Sie zu sehen!", rief er vergnügt und geleitete sie mit einem gönnerhaften Lächeln herein. An einem runden Tisch im hinteren Teil des feudal eingerichteten Raumes saßen bereits mehrere Schüler, darunter Rons Schwester Ginny und – zu Hermines Unmut – dieser eitle Gockel McLaggen, der sie prompt mit einem blasierten Grinsen und wackelnden Augenbrauen begrüßte. Mürrisch sah sie sich um und bemerkte eine beeindruckende, dunkelhäutige Frau mit kurzem, windgekämmtem schwarzem Haar und muskulösen Oberarmen, die bei den Schülern am Tisch saß. Sie trug einen moosgrünen Overall und schaffte es dennoch irgendwie, zwischen all den elegant gekleideten Menschen keinesfalls fehl am Platz zu wirken. Ginny, die rechts neben der Unbekannten saß, hing mit glasigem Blick an ihren Lippen, sodass sie keinerlei Notiz von Hermines Ankunft nahm.

„Miss Granger, darf ich vorstellen", dröhnte Slughorn und schob die junge Frau hinüber zu Tisch, „Gwenog Jones, Kapitänin und Treiberin bei den Holyhead Harpies. Miss Jones war in ihrer Schulzeit ebenfalls Mitglied meines kleinen, erlesenen Kreises", fügte er mit gewichtiger Miene hinzu, als Gwenog und Hermine einander höflich die Hände schüttelten. Dann führte er sie auch schon zu ihrem vorgesehenen Platz und schenkte ihr eine großzügige Portion Holunderblütenwein ein. Hermine war sich McLaggens provokantem Blick durchaus bewusst, doch sie weigerte sich, jegliche Miene zu verziehen. Stattdessen nahm sie einen großen Schluck aus ihrem Kelch und nahm sich vor, sobald sich die Möglichkeit dazu bot, wieder zu verschwinden.

Als kurz darauf das Essen serviert wurde, war sie froh, dass Slughorn durch seine überschwänglichen Lobpreisungen auf die begnadete Quidditch-Spielerin, gefolgt von einigen Anekdoten aus ihrer gemeinsamen Zeit in Hogwarts, die Gesprächsführung übernahm. Sie begnügte sich damit, sich von Zeit zu Zeit von dem vorzüglichen Wein nachzuschenken und der Unterhaltung zu lauschen. Gwenog erwies sich als gutmütige und temperamentvolle Frau, deren raue und tiefe Stimme einen angenehmen Kontrast zu Slughorns pathetischem Geschwafel bildete.

Als Ginny während des Desserts vor lauter Aufregung Eis in ihren Schoß kleckerte, als die Treiberin ihr eine Frage über die Quidditchmannschaft von Gryffindor stellte, bereitete es Hermine große Mühe, nicht in zügelloses Gekicher auszubrechen. Ein leichtes Pochen hinter ihren Schläfen bestärkte ihre vage Vermutung, dass sie Slughorns verlockenden Wein offenbar unterschätzt hatte.

Ein Klopfen an der Tür ließ den Gastgeber, der gerade einen seiner schlechteren Troll-Witze zum Besten gab, verstummen. Er erhob sich und eilte aus Hermines Gesichtsfeld, die gerade an einem losen Faden in der Tischdecke herumspielte und sich angestrengt zu erinnern versuchte, was sie zum Frühstück gegessen hatte. Sie hörte, wie er die Tür öffnete und lautstark jemanden hereinbat und blickte verdutzt auf, als Gwenog Jones freudestrahlend aufsprang.

„Minerva! Wie wunderbar, dass Sie es einrichten konnten, zu kommen!", rief sie erfreut, als Slughorn zusammen mit seinem verspäteten Gast an den Tisch trat.

„Wie oft habe ich denn schon das seltene Vergnügen Ihrer Gesellschaft, meine Liebe?", erwiderte Professor McGonagall mit funkelnden Augen, ein Lächeln spielte um ihre Mundwinkel, als Gwenog ihre Hände ergriff. Hermine wie auch ihre Mitschüler konnten nicht umhin, ihre Lehrerin anzustarren, die anstelle ihrer üblichen smaragdgrünen Roben ein elegantes schwarzes Abendkleid trug. Ihr dunkles Haar war aus seinem strengen Knoten befreit und locker hochgesteckt worden, wodurch sie seltsam ungezwungen wirkte. Noch nie hatte sie die gestrenge Professorin in etwas anderem als ihrer praktischen Alltagsaufmachung gesehen und sie musste zugeben, dass sie dieses ungewohnte Erscheinungsbild keineswegs störte – eher das Gegenteil war der Fall. Die junge Frau ertappte sich dabei, wie sie die Konturen des schlanken Körpers in Gedanken nachzeichnete. Abrupt wandte sie den Blick ab und konzentrierte sich auf ihren kaum berührten Nachtisch. Der Wein war ihr wahrlich zu Kopf gestiegen!

„Bitte, nehmen Sie doch Platz, Teuerste!", ereiferte sich Slughorn und sah sich nach einem freien Stuhl um, doch Professor McGonagall kam ihm zuvor. Mit einem Schnippen ihres Zauberstabs erschien ein hölzerner Stuhl mit steiler Lehne aus dem Nichts zwischen Ginny und Gwenogs leeren Platz. Erstere schien ganz und gar nicht begeistert, dass sie nun als sich die beiden Frauen und der Gastgeber niederließen, von ihrem Idol abgeschnitten war.

„Zu meinem größten Bedauern gehörte Miss Jones damals der Konkurrenz an", seufzte Slughorn theatralisch und zwinkerte seiner Kollegin zu, deren Kelch er gerade befüllte. Diese stieß ein belustigtes Schnauben aus und nahm ihren Wein entgegen.

„Ihr zweifelhafter Einfluss auf meine Schüler hat mir einiges an Kopfzerbrechen bereitet", bemerkte die Schottin halb ernst und hob, wie der Rest der Versammelten, ihr Glas zum Vivat. Hermine hatte bereits einige Schwierigkeiten, ihr Glas beim Trinken gerade zu halten und verfluchte sich im Stillen für ihren Leichtsinn.

„Ihre Sorge war völlig unbegründet, Minerva", warf Gwenog mit einem volltönenden Lachen ein und tätschelte die Hand ihrer ehemaligen Hauslehrerin. „Horace hier hat meine Leidenschaft für diesen Sport nie so umfassend geteilt, wie Sie, weshalb seine Bemühungen, mich von Ihrem Büro fernzuhalten, auch jedes Mal scheiterten."

Hermine, die den Wortwechsel stumm verfolgt hatte, warf einen verstohlenen Seitenblick zu Ginny und sah, wie diese die Augen verdrehte. Auch Slughorn schien zu ihrer Belustigung wenig angetan von der Tatsache, dass nicht mehr er es war, der den Mittelpunkt des Gesprächs bildete. Ihr Grinsen erlosch, als sie McLaggens beinahe schon unerhörten Blick bemerkte und eine verwegene Idee bildete sich in ihrem leicht benebelten Geist.
Harry hatte vor kurzem einen Zauberspruch erwähnt, den er in seinem abgenutzten Exemplar von „Zaubertränke für Fortgeschrittene" entdeckt hatte. Hermine hatte sich vehement dagegen ausgesprochen, irgendwelche unbekannten Zauber auszuprobieren, doch in diesem Augenblick wurde ihr die Vorstellung immer sympathischer. Und dieser Fluch schien nicht besonders gefährlich zu sein... Schulterzuckend richtete sie ihre Konzentration auf McLaggen und dachte: Langlock!

Das Gesicht des jungen Mannes versteinerte augenblicklich, als er feststellte, dass seine Zunge nun an seinem Gaumen festklebte und ihm das Sprechen fortan unmöglich machen würde.
Hermine schaffte es gerade noch, ihr prustendes Lachen zu einem Hüsteln zu korrigieren. Vielleicht würde dieser Abend doch noch ganz unterhaltsam werden!


„Übrigens, Miss Weasley, meinen Glückwunsch zu Ihrer Wiederaufnahme als Jägerin", sagte Minerva nach einer Weile und warf der jungen Hexe neben sich ein wohlwollendes Lächeln zu.

„Vielen Dank, Professor", entgegnete das Mädchen mit leicht geröteten Ohren und erntete auch von Minervas Tischnachbarin Gwenog ein anerkennendes Nicken. Als ihr Blick auf den jungen McLaggen fiel, bemerkte sie, dass er mit schwer zu deutender Miene quer über den Tisch zu Hermine starrte, die konzentriert die Tischdecke vor sich fixierte. Dieser hormongesteuerte Halbstarke konnte es einfach nicht lassen!

„Auch Ihr Bruder hat, wie ich mich selbst überzeugen konnte, eine überzeugende Vorstellung gegeben." Prompt schnellte McLaggens Kopf zu ihr herum, auf seinem Gesicht brannten Empörung und Neid.

„Machen Sie sich nichts draus, Mr. McLaggen", fuhr Minerva ungerührt fort, während der Junge auf der anderen Seite des Tisches immer verbissener dreinblickte, „vielleicht klappt es im nächsten Jahr."

„Es bedarf einiges an Hingabe, ein erstklassiger Spieler zu werden", meldete sich Gwenog mit einem wissenden Gesichtsausdruck zu Wort und lächelte dem Gryffindor aufmunternd zu. „Lassen Sie sich von Rückschlägen nur nicht entmutigen!"

Mit hochgezogenen Augenbrauen beobachtete die Schottin, wie McLaggen zähneknirschend nickte und fortan finster in seinen kristallenen Kelch stierte, während die restlichen Schüler ein Grinsen unterdrückten. Ihr Blick wanderte zu Hermine, die aussah, als sei Weihnachten soeben vorverlegt worden.


Es hatte bereits vor einiger Zeit zur Sperrstunde geläutet, als Slughorn die Runde endlich auflöste. Minerva wartete geduldig bei Gwenog und Horace, während die Schüler allmählich hinaus in den Korridor diffundierten. Eine Bewegung am Tisch erregte ihre Aufmerksamkeit: es war Hermine, die sich gerade mit sichtlicher Anstrengung auf die Beine stemmte. Ihre Wangen waren gerötet, als sie einen leicht verschwommenen Blick in ihre Richtung warf. Offenbar hatte Hermine um Einiges tiefer ins Glas geblickt, als ihr guttat.

„Gute Nacht miteinander", murmelte sie undeutlich, nickte ihnen zum Abschied zu und peilte die Tür an. Mit skeptischer Miene verfolgte die Schottin, wie die junge Frau über die Türschwelle trat, als sie plötzlich zur Seite glitt. Ihre Hände streiften den Türrahmen, bekamen ihn jedoch nicht mehr zu fassen. Minerva reagierte sofort, doch Gwenog war in ihren flachen Stiefeln schneller. Mit einem Satz war sie bei Hermine und packte sie so mühelos um die Oberarme, als sei sie so leicht, wie eine Puppe.

„Na, na, Vorsicht, Mädchen", sagte sie mit tiefer Stimme und half der jungen Hexe hoch.

„V-Verzeihung", stammelte Hermine, während Gwenog sie wieder aufrecht hinstellte, „ich muss... der Wein..."

Professor McGonagall musterte die leicht schwankende Frau aufmerksam, dann trat sie kurzerhand an die Seite der Treiberin. „Danke, Gwenog. Ich geleite Miss Granger zu ihrem Schlafsaal. In ihrem Zustand sollte sie nicht nachts allein durch die Schule wandern." Sie schenkte ihrer ehemaligen Schülerin ein kleines Lächeln. „Es war schön, Sie zu sehen."
Mit einem letzten Nicken für Slughorn zog sie die Tür hinter sich und Hermine zu und Stille trat ein.


Der Schein der Fackeln zog helle Schlieren vor Hermines Augen und ihr wurde leicht schwindlig, als sie von ihrer Professorin durch die Korridore geführt wurde. Im Gewölbe der Treppen wäre sie beinahe ein weiteres Mal gestürzt, doch die Schottin hielt sie fest umklammert, während die Treppe ihre Richtung änderte und sie direkt in den siebten Stock entließ. Hermine spürte, wie sie eine Hand an ihrem Kreuz sanft vorwärts dirigierte, eine andere lag oberhalb ihres Ellbogens.

„Bitte entschuldigen Sie, Professor", brachte sie schließlich hervor, als sie das Portrait der Fetten Dame erreichten. „Für gewöhnlich kenne ich meine Grenzen." Sie ließ sich bereitwillig durch das Portraitloch bugsieren und stellte erleichtert fest, dass der Gemeinschaftsraum bereits verlassen war.

„Machen Sie sich darüber keine Sorgen, caile*", erwiderte die Hexe, ihre Stimme entsprang irgendwo über Hermines Schulter, als sie die Wendeltreppe zum Mädchenschlafsaal erklommen.

„Ich habe Cormac verhext", nuschelte Hermine kaum hörbar und hoffte inständig, dass sie nicht lallte. Eine Gänsehaut perlte ihren Hals hinab, als sich die ältere Hexe nach vorn beugte und deren warmer Atem über ihre Haut strich.

„Ich weiß, doch Ihr kleines Geheimnis ist bei mir sicher. Damit wären wir quitt", raunte die Schottin verschwörerisch in ihr Ohr und brachte sie vor der Tür oben am Treppenabsatz zum Stehen. Hermine drehte sich vorsichtig zu ihr herum, ein breites Lächeln huschte über ihr Gesicht.

„Ich danke Ihnen. Gute Nacht, Professor."

„Gute Nacht, Miss Granger."

Die ältere Hexe erwiderte das Lächeln. Einige Haarsträhnen hatten sich aus ihrer Frisur gelöst und verschmolzen mit dem dunklen Stoff ihres Kleides. Der Anblick war einfach entzückend. Die ältere Frau war gerade zwei Stufen weit gekommen, als die Worte aus Hermine hervorbrachen, ehe es verhindern konnte.

„Professor?"

„Aye, Miss Granger?"

„Sie sollten öfter ausgehen. Sie sehen wundervoll aus."

Ihre Hauslehrerin wandte sich um und sah sie an, ihr Blick traf Hermine bis ins Mark.

„Ich danke Ihnen. Caidil gu math.**"

Und mit diesen Worten war sie verschwunden.


A/N:
*
caile : gälisch für "Mädchen", "Mädel"
**
Caidil gu math : gälisch für "Schlafen Sie gut."