Ein Ächzen ertönte, gefolgt von einem lauten krachen, als das Gebäude in sich zusammenfiel. Glühende rote und orangene Funken tanzen in der Luft, vermischten sich mit den aufsteigenden dunklen Rauchschwaden und stoben in alle Richtungen. Die Menschen schrien und schubsten sich gegenseitig um in dem verzweifelten Versuch, der nahezu unerträglichen Hitze zu entkommen.
Und wieder eine Gruppe von Sklavenhändlern aus dem Verkehr gezogen.
Die junge Frau grinste selbstzufrieden, während sie gemächlich auf der Wurzel einer nahen Mangrove saß und das Schauspiel vor ihr beobachtete. Die Als sie in der Ferne die Rufe der Marine hörte, stand sie langsam auf und streckte sich einmal, ehe sie sich die Kapuze ihres Umhangs über den Kopf zog, ohne große Anstrengung von der mehrere dutzend Meter hohen Mangrovenwurzel sprang und sich unbemerkt in Richtung von Grove 13 aufmachte. Unterwegs hielt sie noch kurz in einer Seitengasse an, um ihren Mantel und ihre Maske in der schlichten braunen Umhängetasche zu verstauen, welche sie bei sich trug.
Es war nicht so, dass sie Angst um ihre Identität hatte. Vielmehr wäre ihr Leben einfach deutlich anstrengender, wenn man ihr Gesicht kennen würde. Immerhin war sie eine gesuchte Frau. Doch mit ihrer Verkleidung war sie anonym. Man wusste nicht wer sich hinter der Teufelsmaske verbarg und das war gut so. Während sie ihre Sachen sicher verstaute, ließ sie ihre Gedanken schweifen.
Eines Tages werde ich die Maske abnehmen, doch noch ist der richtige Zeitpunkt nicht gekommen.
Sie grinste breit. Irgendwann würde sie ihre Identität der Welt offenbaren. Und wenn es soweit war, würde es Chaos geben, da war sie sich sicher. Sie freute sich jetzt schon.
Als sie fertig war, trat sie gutgelaunt aus der Gasse hinaus auf die Straße und tauchte in der Menschenmenge unter.
Schon von weitem sah sie das kleine und doch vertraute Gebäude der Bottakuri Bar. Sie würde es überall erkennen und sogar mit verbundenen Augen finden. Als sie die Tür der leeren Bar aufstieß und in Richtung der halbrunden Theke ging, drehte die Barkeeperin sich noch nicht einmal um. Erst nachdem sie Platz genommen hatte, wandte diese sich um, stellte ein Glas Cola vor den Neuankömmling und grinste vielsagend.
„Und, hattest du deinen Spaß?"
Die Barkeeperin war eine ältere Frau, welche trotz ihres Alters jung und sportlich erschien. Besonders wenn es um die Eintreibung der Schulden bei ihren (wenigen) Gästen ging, vergaß manch einer ihr eigentliches Alter. Sie hatte schulterlange schwarzen Haare und einen Pony, unter welchem braune Augen amüsiert hervor blitzten. Zwischen ihren Zähnen klemmte eine Zigarette, welche sich nach einem letzten Zug jedoch im nächsten Aschenbecher ausdrückte, ehe sie sich vorbeugte um die Antwort auf ihre Frage besser zu verstehen.
Ihr Gegenüber trank einen kurzen Schluck, bevor sie schulterzuckend in einem betont beiläufigen Tonfall antwortete.
„Du weißt doch wie diese Leute sind, Shakky. Große Klappe, aber nichts dahinter. Die meisten sind doch nur kleine Fische. Ich will meine Auseinandersetzung mit Ihnen noch nicht mal als Kampf bezeichnen. Einer von denen hat sich tatsächlich eingepisst."
Shakky schmunzelte nur. Dass der Großteil der Menschenhändler im Moment keine wirkliche Herausforderung darstellte, hatte die blondhaarige vor ihr selbst zu verantworten.
„Sie es doch positiv. Immerhin ist das doch ein Zeichen dafür, dass deine harte Arbeit Früchte trägt."
Die junge Frau gab nur einen leise einen zustimmenden Laut von sich, ehe sie sich zurücklehnte und die Augen schloss. Es war ja nicht so, dass sie diese Entwicklung nicht begrüßte, doch ihr letzter ernsthafter Kampf war schon länger her und sie wünschte sich einfach mal wieder eine Herausforderung.
Die Stimme der Barkeeperin holte sie wieder aus ihren Gedanken.
„Jetzt zieh doch nicht so ein Gesicht. Die nächste Human Auction findet bedauerlicherweise doch schon in einer Woche statt und so wie ich dich kenne wird wieder das Chaos ausbrechen."
Die junge Frau warf der schwarzhaarigen einen verschmitzten Blick zu.
„Du sagst das ja so, als ob das etwas Schlechtes wäre!"
Die Barkeeperin seufzte leicht.
„Ich habe nicht gesagt, dass deine Aktionen etwas Schlechtes sind. Nur die Konsequenzen. Außerdem ziehst du Chaos und Probleme nahezu an. Du bist echt der Albtraum aller Piraten und Marines gleichermaßen."
„Vergiss nicht die Weltregierung, die Adeligen und die Menschenhändler", warf die blondhaarige gut gelaunt ein."
„Ja ja, zusammengefasst bist du also der Teufel höchstpersönlich."
„Nein, das war Papa. Außerdem helfe ich mehr Menschen mit meinen Aktionen, als das ich ihnen schade."
„Du solltest mal wieder raus. Weg vom Sabaody Archipel und hinaus aufs Meer. Es ist jetzt schon etwas länger her seit du das letzte Mal die Umgebung gewechselt hast. Du bist noch jung, genieß es."
Streng sah Shakky ihr Gegenüber an. Sie wusste, dass die blondhaarige junge Frau ihr gegenüber das Abenteuer suchte und konnte nicht ganz nachvollziehen, wieso sie sich selbst so einschränkte. Doch dieses Gespräch hatten die beiden schon so oft geführt, ohne dass es am Ende ein Ergebnis gab, dass die schwarzhaarige das Zählen aufgegeben hatte. Stattdessen lenkte sie das Gespräch auf ein anderes Thema.
„Weißt du eigentlich, wo Rayleigh steckt?"
Ihr gegenüber, froh über den Themenwechsel, verdrehten theatralisch die Augen.
„Der treibt sich bei den Casinos in der Nähe des Sabaody Parks herum. Ich sage dir, irgendwann wird der nochmal geschnappt, immerhin sucht die Marine ihn immer noch steckbrieflich."
Nun lachte Shakky.
„Nun lass ihn auf seine alten Tage doch sein Leben genießen. Nur weil die Marine seine Vergangenheit nicht ignorieren kann, bedeutet das nicht, dass er seinen Ruhestand irgendwo versteckt verbringen muss. Er kann auf sich selber aufpassen, genau wie du."
„Ich weiß, ich weiß", antwortete die blondhaarige mit einer wegwerfenden Handbewegung, „immerhin habe ich seine Stärke oft genug am eigenen Leib erfahren. Trotzdem gehe ich ihn vielleicht mal besuchen und sehe ob er Neuigkeiten hat. Außerdem hat er bestimmt wieder die Zeit vergessen und ich will nicht, dass er nächste Woche irgendwelche Schwierigkeiten bekommt."
„Redest du jetzt gerade von ihm oder von dir?", fragte die Barkeeperin nur belustigt.
Die junge Frau schnaubte nur, ehe sie ihr Glas austrank und aufstand. Kurz bevor sie die Bar verließ, drehte sie sich nochmal um und hob zum Abschied die Hand.
„Pass auf dich auf Shakky. Ich gehe noch kurz zu meiner Wohnung und mache mich dann auf den Weg. Wir sehen uns nächste Woche."
Die Angesprochene hob mit einem Lächeln ebenfalls die Hand.
„Pass auf dich auf und bring mir ein Souvenir mit! Und grüß Rayleigh. Sag ihm, dass er sich hier mal wieder blicken lassen soll. Ach und ehe ich es vergesse, wehe die Aktion nächste Woche artet so aus wie letztes Mal."
Die blondhaarige grinste.
„Mach ich und keine Sorge, ich passe schon auf!"
Und mit diesen Worten war sie aus der Bottakuri Bar verschwunden. Shakky schüttelte nur seufzend den Kopf.
Das sagt sie jedes Mal. Und immer passiert etwas Unerwartetes.
Hoffentlich passiert ihr nichts.
Sie liebte die junge Frau wie eine eigene Tochter, hatte geholfen sie großzuziehen und sie ins Herz geschlossen, doch manchmal fragte sie sich wirklich, was in dem Kopf der Anderen vorging. Sie war willensstark und selbstbewusst und doch manchmal auch albern und waghalsig wie ein Kleinkind. Sie schränkte sich selber ein, obwohl ihr alle Türen offen standen und obwohl Shakky stolz auf die junge Frau war, wünschte sie sich doch, dass diese anfangen würde das Leben etwas mehr zu genießen und auszunutzen. Sie wusste nicht, was die Blonde zurückhielt, doch sie hoffte inständig, dass jemand die junge Frau eines Tages von ihren Fesseln würde befreien können.
Ich hoffe euch hat das erste richtige Kapitel gefallen :)
Bald gibt es auch ein bisschen Aktion (und im Verlauf der Geschichte auch noch ein bisschen mehr :D ), ich muss bloß erst einmal eine Basis für die Handlung schaffen ;) Ich lasse es gerne etwas langsamer angehen...
Wie findet ihr eigentlich die Sichtweise aus der ich schreibe bzw. meinen Schreibstil?
Gut, akzeptabel, verbesserungswürdig? Ich würde mich über eure Meinung freuen.
Bleibt gespannt auf das was noch kommt und bis zum nächsten Mal,
Dragonwarrior4ever
