Die Nacht war furchtbar. Zum Glück hatten bereits alle geschlafen, als sie in ihr Zimmer kam, dass sie sich noch mit den anderen drei Gryffindor Jungen teilten. Doch nach nicht einmal einer Stunde war Harry von einem Schrei geweckt worden, der ihn hatte aus dem Bett fallen lassen.
Alpträume!
Der Fluch seiner Existenz. Harry litt ebenfalls unter ihnen, genauso wie Neville manchmal. Aber so schlimm wie diese Nacht war es noch nie gewesen. Harry hatte es geschafft seinen Freund zu beruhigen, aber irgendwann waren natürlich auch die Anderen wach geworden. Neville war das alles furchtbar peinlich, aber die Gryffindors waren wirklich toll gewesen.
Geheimnisse gab es viele in Hogwarts, aber sie tatsächlich auch geheim zu halten war genauso schwierig, wie in Binns Stunden wach zu bleiben. Und so hatte sich, wie auch immer, bereits in der ganze Schule rum gesprochen, dass Neville jetzt Waise war, während sie draußen am See gewesen waren. Daher brauchte nichts erklärt werden, während sie still Neville Beistand gaben. Trotz der unerwarteten Hilfe schlief Harry in der Nacht kaum und als es endlich morgen wurde und sie im Gemeinschaftsraum Hermine trafen, wusste sie nicht wer schlimmer aussah, Neville oder Harry.
Sie sprachen nicht viel. Hermine umarmte Neville einmal, dann gingen sie hinab zum Frühstück. Natürlich starrten sie alle an, doch Harry und Hermine sahen mit so mörderischen Gesichtsausdrücken zurück, dass alle schnell den Blick abwandten. Keiner von ihnen aß viel. Nevilles Hände zitterten die ganze Zeit so sehr, dass es ihm schwer fiel seinen Toast zu halten.
„Mr Longbottom", ertönte die Stimme ihrer Hauslehrerin nach zwanzig Minuten hinter ihnen und sie zuckten zusammen. „Der Schulleiter möchte gerne mit ihnen sprechen. Er hat eine Idee was Ihre neue Familiensituation angeht."
Neville wurde leichenblass und schüttelte vehement den Kopf. McGonagall sah ihn erstaunt und verständnislos an. Harry packte ihn an den Schultern und zwang Neville ihn anzusehen.
„Was ist los, Nev?", fragte er so leise, dass nicht einmal Hermine es hören konnte. Neville sah ihn lange an, bevor er etwas zurück flüsterte, was noch unverständlicher war.
„Ich hab Angst."
Dieser Satz machte Harry nur wieder einmal klar, wie kostbar ihre Freundschaft war und wie sehr der Andere ihm vertraute, das zu zu geben. Er nickte einmal knapp und lächelte.
„Ey das wird sicher nicht so schlimm. Du weißt doch noch gar nicht, was er sagen will."
Neville sah flehentlich zu McGonagall auf.
„Kann Harry mitkommen?"
Überrascht sahen beide erst ihn, dann sich an. An dem Zögernd und dem kalten Schimmer in ihren Augen merkte Harry, dass seine Hauslehrerin ihm seinen Ausfall vom Abend zuvor noch nicht verziehen hatte. Normalerweise war er nichts als höflich und respektvoll ihr gegenüber, da auch sie ihn immer fair behandelt hatte. Deswegen war sie auch so von seinem Verhalten verletzt. Schlechtes Gewissen machte sich in Harry breit und nach einem Moment wich er ihrem starren Blick aus und wurde etwas rosa im Gesicht.
„Bitte", setzte Neville nach und McGonagall seufzte.
„Von mir aus, dann kommen Sie beide."
Sie führte sie hinaus, allerdings nicht in Richtung Schulleiterbüro, sondern zu ihrem eigenen. Dort angekommen war Dumbledore noch nicht da und sie wurden auf der kleinen Couch platziert. Neville hatte sich etwas beruhigt, war aber immer noch furchtbar aufgeregt.
„Wie geht es jetzt weiter?", fragte er nach ein paar Minuten, weil er die Stille nicht mehr aushielt.
„Nun, Kind, Professor Dumbledore wird jeden Moment eintreffen und dir von deiner neuen Familie erzählen. Und dann gehen wir von diesem Punkt an vorwärts."
Neville sah nervös den Tisch vor sich an.
„Aber was wenn er mich in eine Familie steckt, wie die von Harry? Wir alle wissen, dass Professor Dumbledore nicht gut darin ist Leute einzuschätzen."
McGonagalls Kinn klappte herunter. Harry musste sich stark zusammenreißen, um nicht laut los zu lachen. Er wusste, dass Neville das nur aus Nervosität gesagt hatte und sich so etwas sonst niemals wagen würde, aber auf eine traurige Art und Weise hatte er recht.
„Mr Longbottom!", fauchte McGonagall, als sie sich wieder gefangen hatte. „Ich habe seit langer Zeit keinen meiner Löwen mehr damit gedroht, aber wenn Sie weiterhin respektlos gegenüber dem Schulleiter sind, stelle ich Sie in die Ecke."
Beide Jungs verdrehten die Augen, ob der kindischen Strafe.
„Sie wissen, dass es wahr ist", begehrte Neville weiter auf. „Er hat nicht einmal nach Harry gesehen und...", weiter kam er nicht, denn Harry packte ihm am Ellenbogen und brachte so Nevilles Aufmerksamkeit auf sich. Es war ihm eigentlich egal was Neville sagte, aber McGonagall schien kurz vor dem Ausbruch zu stehen und das wollte er seinem Freund dann doch ersparen.
„Was wollen Sie damit sagen?", knurrte ihre Hauslehrerin. Anstatt Neville antwortete Harry.
„Er will damit sagen, dass Dumbledore ein alter Narr ist", sagte er kalt. Er japste, als McGonagall ihn mit einer schnellen Bewegung und nicht zu freundlich von der Couch zog. Ein starkes Gefühl seinen Hintern zu beschützen überkam ihn und stumm sah er seine Lehrerin an. Die zog nur eine Augenbraue über ihren jungen Löwen hoch und zeigte in eine Ecke des Büros.
„Du wirst da stehen, bis ich dir etwas anderes sage und ich will keinen Laut von dir hören. Ansonsten gebe ich dir etwas, wovor du deinen Hintern beschützen musst."
Errötend bemerkte Harry, dass er seine Hände tatsächlich vor seinem Po hielt und ohne Protest stellte er sich in die Ecke. Eine Minute später kam Dumbledore herein.
„Ah, Mr Longbottom...und Mr Potter. Was hast du getan um diese schreckliche Bestrafung zu verdienen?", fragte der Schulleiter amüsiert.
Harry knirschte einmal mit den Zähnen, ließ aber ein wenig seinen Kopf hängen vor Scham in solch einer Position erwischt worden zu sein.
„Mr Potter hat anscheinend gestern seinen Respekt verloren", erklärte McGonagall. „Komm rein, Albus, Tee mit Milch steht schon auf dem Tisch."
Damit kam sie in die Ecke wo Harry stand und drehte ihn zu sich um.
„Respekt wiedergefunden, Potter?", fragte sie.
„Ja, Professor", sagte er und sah sie entschuldigend an. Es tat ihm nicht leid um seinen Kommentar von eben, aber er ertrug es nicht lange, wenn sie sauer auf ihn war. Sie nickte und lächelte dann einmal, bevor er sich wieder neben Neville setzen durfte. Es klopfte ein zweites Mal und herein kam Snape. Sofort verspannten sich beide Jungen. Was zur Hölle hatte die Fledermaus hier zu suchen? Doch keiner der Erwachsenen schien es für wichtig zu halten, sie aufzuklären und der Tränkemeister setzte sich ohne ein Wort in die Runde.
„So wie es aussieht", begann Dumbledore und sah Neville freundlich an „brauchst du ein Vormund, da du immer noch fünf Jahre minderjährig bist. Gestern Abend habe ich mit ein paar Namen in meinem Kopf herum gespielt und ich glaube ich habe den perfekten Kandidaten für die Rolle eines Elternteils gefunden."
Sauron? Darth Vader? Harry fielen direkt mehrere Kandidaten ein. Neville sah so aus, als hätte er ähnliche Gedanken.
„Ich denke, dass Professor Snape als Erziehungsberechtigter für dich als ehester in Frage kommt."
Beide Jungen sahen unisono zu dem Tränkemeister. Neville wurde blass, Harry rot.
„Nein", sagte Harry sofort laut und fing sich einen gereizten Blick von McGonagall ein. „Das können Sie nicht machen. Wieso schicken Sie ihn nicht direkt zu Voldemort?"
Snape und McGonagall zuckten leicht bei dem Namen. Dumbledore ignorierte Harrys Kommentar und fasste Neville fest ins Auge.
„Du weißt, dass Professor Snape ein sehr guter Freund deines Vaters war?"
Neville nickte langsam und Harry starrte ihn entgeistert an.
„Für den Fall das etwas mit ihnen passieren sollte, war natürlich deine Großmutter ihre erste Wahl und sie hat diese Aufgabe mit Bravour gemeistert. Jedoch haben sie für den Fall, dass auch sie sich nicht mehr um dich kümmern kann, zwei Paten für dich bestimmt. Lily Potter ist leider nicht mehr in der Lage dazu, daher kommt nur der zweite Pate für dich in Frage und das ist Professor Snape."
Bei dem Namen seiner Mutter ruckte Harrys Kopf nach oben. Er hatte keine Ahnung gehabt, dass ihre Eltern sich so nahe standen, dass Lily zu Nevilles Patin bestimmt worden war.
„Ich weiß", flüsterte Neville und warf einen nervösen Blick zu Snape hinüber. Entsetzt sah Harry seinen Freund an, der ihm einen entschuldigenden Blick zuwarf.
„Ich weiß auch, dass das geheim gehalten werden sollte, weil er...weil er ein Spion war."
„Das ist richtig, Neville", sprach jetzt zum ersten Mal Snape. Die Jungen wussten nicht was beängstigender war. Wieder diese menschliche Stimme von ihm zu hören, oder dass er Neville beim Vornamen nannte.
„Jedoch bin ich mir meiner Pflichten durch aus bewusst und da der Fall nun eingetreten ist, mehr als bereit, dich in meine Obhut zu nehmen."
Harry sah rot.
„Nein!", wiederholte er, diesmal lauter „Wieso können Sie nicht einmal etwas richtig machen?", brüllte er jetzt den Schulleiter an, der ihn verblüfft ansah.
„Er hasst Neville, quält ihn seit der ersten Stunde und Sie wollen Nev ihm einfach übergeben?"
Etwas zupfte an seinem Ärmel und er sah zu seinem Freund hinab. Er hatte gar nicht gemerkt, dass er aufgesprungen war.
„Ist schon okey, Harry. Er ist mein Pate, es gibt sonst Niemanden anderen."
„Es muss Jemanden geben, außer diesem schleimigen, alten..."
„Potter", donnerte es von drei Seiten gleichzeitig. Harry ignorierte das und sah nur Neville an, der jetzt leicht lächelte.
„Wirklich?", fragte Harry erstaunt darüber, wie ruhig Neville war. Allerdings waren das zum Tode Verurteilte auch häufig.
„Ja, wirklich!", bestätigte Neville und sah dann wieder Snape an.
„Sollen wir runter gehen und alles weitere besprechen?", fragte der Tränkemeister. Neville zögerte, nickte dann aber. Gemeinsam standen sie auf und gingen hinaus. Hilflos sah Harry ihnen hinterher und ballte die Fäuste. Seine Wut war so groß, dass sie ihm Tränen in die Augen stieg. Neville war der Beste und er verdiente mehr, als die schleimige Fledermaus aus den Kerkern. Und trotzdem ging er bereitwillig mit ihm. Wahrscheinlich war es sogar seine Schuld. Neville wollte ihn nur vor weiteren Ärger bewahren und sagte deshalb ja.
Eine eisige Stille hatte sich über den Raum gelegt. Harry wollte schreien. Aber als er sich zu den beiden Lehrern umwandte, die ihn anstarrten, war seine Stimme vollkommen ruhig, aber voller Hass.
„Wenn er es wagt, Neville weh zu tun, dann werden Sie das bereuen!"
Bevor einer von ihnen etwas sagen konnte, stürmte er hinaus und knallte die Tür zu.
Der Weg in die Kerker kam Neville ewig lang vor. Snape sagte die ganze Zeit nichts, aber seine pure Anwesenheit machte ihn zu einem nervlichen Wrack. Seine Oma hatte ihm immer wieder gesagt, was für ein mutiger und guter Mann Snape war. Aber von dem Moment an, wo Neville einen Fuß in dessen Klassenraum setzte, konnte er ihm einfach nichts recht machen. Er versaute selbst die einfachsten Aufgaben, nur weil Snape ihm einen Blick zuwarf und der schien mit jedem explodiertem Kessel weniger von ihm zu halten.
Wieso muss ausgerechnet er mein neues Vormund sein?, dachte Neville bitter und warf einen unsicheren Blick in Richtung des Tränkemeisters. Am Anfang hatte er noch gedacht, dass Snape an ihn einfach höhere Ansprüche hatte, als an den Rest der Klasse, weil er der Sohn von Alice und Frank Longbottom war, den berühmten Auroren, mit denen er befreundet gewesen war. Aber mit der Zeit wusste er, dass Snape ihn einfach nur hasste.
Sie erreichten das unheimliche Büro des Lehrers, der hielt jedoch nicht an, sondern ging weiter zu einem Mannshohen Portrait eines Zauberers.
„Esmalienwurzel", nannte Snape das Passwort und ging hindurch. Wie ein Schaf das zur Schlachtbank geführt wurde, folgte Neville. Doch was ihn auf der anderen Seite erwartete, ließ ihn die Kinnlade herunter klappen.
Sie befanden sich in Snapes Privatgemächern, aber was auch immer Neville erwartet hatte, das war es nicht. Hohe Decken, mit großen Fenstern, die den, in hellen Brauntönen gehaltenen Raum, mit Licht durchfluteten. Dazu ein großer Kamin und ein gemütliches Sofa, dem gegenüber ein dicker Ohrensessel stand, ließen den Raum fast...gemütlich aussehen.
Snape schmunzelte, als er den Gesichtsausdruck des Jungen sah.
„Überrascht?"
Neville vergaß seine Nervosität und nickte.
„Um ehrlich zu sein...ja, Sir.", antwortete er und sah sich weiter um.
„Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung, schlafen Vampire nicht in Särgen", sagte Snape und setzte sich in den Ohrensessel. Neville starrte ihn einen Moment an, bevor er begriff, dass der dunkle Mann einen Scherz gemacht hatte.
Snape...hat Humor...das glaubt mir Niemand!
Die Nervosität war schlagartig zurück, als der Tränkemeister ihm bedeutete sich ihm gegenüber auf die Couch zu setzen. Er folgte und spielte eine wenig mit seinen Händen herum. Snape beobachtete das eine Weile und seufzte dann.
„Ich werde dich nicht fressen, Junge", sagte er spöttisch und Neville, der seinen Fehler bemerkte, zwang sich seine Hände ruhig zu halten.
„Tut mir leid, Sir...ich weiß nur nicht ob...naja..."
„Ob du oben nicht deinem Wachhund hättest zustimmen sollen? Das glaub ich dir", beendete Snape seinen Satz. Er strich sich mit dem Finger über den Mund, während er Neville musterte.
„Ich weiß wir zwei hatten nicht den besten Start..."
Neville schnaubte einmal und Snape ließ fast so etwas wie ein Lächeln sehen.
„Ich möchte dir jedoch sagen, dass ich die Papiere zu deiner Vormundschaft noch nicht unterschrieben habe."
Merkwürdigerweise ließ dieser Satz einen kleinen Kloß in Nevilles Hals auftauchen. Er sollte sich darüber freuen, oder nicht? Wieso tat er es nicht? Wenn es eine Möglichkeit gab, Snapes Klauen zu entkommen, sollte er sie doch ergreifen. Stattdessen fühlte er sich fast ein wenig...enttäuscht? Snape hob eine Augenbraue, als er sah das Nevilles Gesicht ein wenig fiel. Damit hatte er nicht gerechnet.
„Ich werde es ohne Umschweife tun, allerdings nicht, wenn du absolut dagegen bist", beeilte er sich zu sagen. Überrascht bemerkte Neville das sich so etwas wie Hoffnung in ihm breit machte. Was war nur los mit ihm? Er hatte eindeutig Angst vor dem Mann und der hatte ihn nie gut behandelt. Andererseits hatte er sonst Niemanden anderes. Und wenn seine Eltern Snape vertraut hatte, musste er nicht das Selbe tun?
„Ich bin mir um ehrlich zu sein nicht sicher, Sir", sagte er langsam, als Snape nicht fortfuhr. Der nickte nachdenklich und faltete seine Hände im Schoss zusammen.
„Ich gebe zu, dass ich dir keinen Grund gegeben habe, anders darüber zu denken. Augusta hat dir erzählt, warum ich mich von dir fern gehalten habe?"
„Ja", nickte Neville schüchtern, dann klaubte er seinen ganzen Gryffindormut zusammen und sah Snape fest an. „Aber das ist es nicht. Ich weiß, dass Sie ihre Rolle weiterspielen mussten, um die restlichen Todesser zu täuschen, aber..."
„Aber das entschuldigt nicht, wie ich mich in der Schule dir gegenüber verhalten habe. Nein, das tut es nicht."
Klang Snape ein wenig bedauernd? Jetzt sah er in die Ferne, als würde er sich an etwas erinnerte, das lange zurück lag.
„Dein Vater war mein bester Freund. Ähnlich wie du und Mr Potter haben wie die gesamte Schulzeit miteinander verbracht. Er war so etwas wie der Bruder, den ich nie hatte. Und als Alice dazukam und dann du, war es...als wäret ihr ebenfalls meine Familie."
Jetzt sah er Neville direkt in die Augen.
„Der Krieg hat jedoch alles verändert und am Ende waren deine Eltern...nicht mehr sie selbst und ich musste Abstand von dir halten, weil es dich und Augusta in zu große Gefahr gebracht hätten. Als du dann hier angekommen bist und so ganz anders warst, als der Mann, den ich wie einen Bruder liebte...", seine Stimme verklang, bevor er einmal tief seufzte.
„Ich weiß das entschuldigt nichts, aber ich dachte deine Großmutter hätte dich dein Leben lang verweichlicht. Du warst zu still und schüchtern. Ich dachte, wenn ich dich härter dran nehmen würde, kämst du mehr aus dich heraus. Doch stattdessen bist du immer nervöser geworden und hast Angst vor mit bekommen. Ich hätte dem Allem schon viel eher ein Ende setzten müssen, aber leider bin auch ich nicht ohne Fehler."
Neville starrte seinen Lehrer ungläubig an. Hier saß er, vor dem Lehrer vor dem er immer Angst gehabt und gedacht hatte, er würde ihn hassen. Nur um heraus zu finden, dass auch er nur ein Mensch war. Ein Mensch mit Gefühlen und der sehr tief verletzt worden war. Wenn Neville sich vorstellte wie es ihm ginge, wenn mit Harry etwas passieren würde...nein, das wollte er gar nicht. Eigentlich waren Snape und er gar nicht so verschieden. Und das gerade, war fast so was wie eine Entschuldigung gewesen.
„Ist schon okey, Sir...ich war auch nicht immer...", seine Stimme erstarb, als er etwas beschämt an die vielen Streiche dachten, die er und Harry ihrem Lehrer gespielt hatten. Snape hob eine Augenbraue und schien zu ahnen was er dachte, doch er beließ es dabei.
„Was ich dir bieten möchte ist ein Neuanfang, Neville. Ich bin ein nicht gerade das was man als einen ´netten` Mann bezeichnen kann. Und auch wenn ich Lehrer bin habe ich überhaupt keine Erfahrung mit eigenen Kindern. Trotzdem werde ich mich bemühen... das heißt, wenn du es auch willst."
Neville musste fast grinsen, bei diesen Worten. Nichts anderes hatte er erwartet. Die zweite Augenbraue gesellte sich zur ersten, als er den plötzlichen Stimmungswandel bei dem Jungen sah.
„Ist das ein ja?"
„Ich glaube schon, Sir", murmelte Neville, der immer noch nicht ganz glauben konnte, was gerade passierte. Sie schwiegen, beide unsicher wie es jetzt weiter gehen sollte. Snape fing sich als Erster.
„Gut, dann gehe ich zum Schulleiter und unterschreibe die Papiere und du zeigst deinen Freunden vielleicht, dass du noch lebst. Wenn du magst können wir heute Abend vielleicht zusammen hier Abendessen."
„Ja, Sir, das wäre...nett"
Neville stand auf, doch als er gerade zur Tür wollte, hielt Snape ihm am Arm fest. Verwundert sah er auf den Mann hinab, der kurz zögerte, bevor er ein echtes Lächeln sehen ließ.
„Du bist nicht Frank und auch nicht Alice. Aber, ich möchte das du weißt, dass ich dich trotzdem für einen sehr klugen und mutigen Jungen halte, Neville. Und das ich... stolz auf dich bin."
