Wenn Worte nicht genügen
2. Teil
Die Jungs schauten sich einen Moment betreten an, sahen aber ein, dass sie jetzt nicht mehr unbemerkt verschwinden konnten. Mit verlegenen Gesichtern betraten sie die Lichtung.
Lilys Gesicht nahm die Röte ihrer Haare an. Mit weitaufgerissenen Augen starrte sie auf ihren Freund James und die anderen.
„Oh, soviel Publikum – wie kommen wir zu der Ehre?", schnauzte Sam sie an.
Lily zog ihren Umhang ganz hoch, so dass er fast auch ihr Gesicht bedeckte. Sam sah es und meinte: „Tja, nach ihren Gesichtern und ihren zu engen Hosen zu urteilen, haben sie uns wohl schon länger nackt gesehen."
Trotzdem griff sie nach ihrem Gewand und zog sich in aller Ruhe ihr Höschen und T-Shirt an. Lily tat es ihr hastig gleich. Als sie in ihre Jeans schlüpften hatte noch keiner der Jungs ein Wort gesprochen. „Ich warte noch immer auf eine Erklärung. Was wollt ihr hier? Hat euch eure Mutter nicht gelehrt nicht so neugierig zu sein, oder euch zumindest nicht erwischen zu lassen?"
„Ich kann nichts dafür. Sie haben mich mitgeschleppt.", murrte Severus.
„Also ein Unschuldslamm in unserer Mitte. Das nutzt dir aber jetzt auch nichts. Lily würdest du mir diese Herren bitte vorstellen. Ich wüsste gern mit wem ich es zu tun habe. James erkenne ich ja von dem Foto." Und dabei musterte sie die Jungs unverhohlen.
Lily hatte sich wieder etwas gefasst und zeigte nun der Reihe nach auf die Jungs: „Remus – Sirius – Severus."
„Tja, wenn ich jetzt sagen würde: sehr erfreut – wäre das gelogen. Ihr versteckt euch im Gestrüpp und seht dabei Dinge, die euch absolut nichts angehen. Also: wie habt ihr vor damit umzugehen? Müssen wir einen Gedächtnislöschzauber anwenden oder werdet ihr auch so eure Klappe halten?"
James stammelte: „Wo denkst du hin? nie würde ich ..."
Und Remus fiel ein: „Mit Sicherheit nicht. Und wag es ja nicht diese Bilder aus meinem Kopf zu löschen.", doch er verstummte rasch wieder und errötete. Was hatte er da eben gesagt?
Doch jetzt grinste Sam wieder und erkundigte sich: „Und was wenn doch? Bekomm ich dann Schläge? Aber ich denke so leicht kommt ihr nicht davon." Sie legte ihren Kopf schief, als ob sie nachdenken müsste, sah sich dann um, holte einen Stein aus der Nähe und berührte ihn mit ihrem Zauberstab. Der Stein begann daraufhin zu leuchten.
„Würdet ihr euch bitte setzen und mir dann eine Frage beantworten. Und bitte ohne zu lügen: dieser Stein würde es sofort merken und knallrot aufflackern."
Zögernd setzten sich die Jungs den Mädchen gegenüber.
„Was ist das überhaupt für ein Name: Sam? Das ist doch wohl der Grund weshalb James losgestürzt ist. Er hat dahinter einen Jungen vermutet.", Sirius hatte die Frage gestellt ohne nachzudenken und zuckte erst bei James strengem Blick zusammen. „Na ist doch wahr. Nach Schmerzenslauten hat sich das ja nun wirklich nicht angehört."
„Und ich dachte ich stelle hier die Fragen! Aber bitte: ich heiße Samantha, aber außer meinen Lehrern nennt mich jeder nur Sam. Zufrieden? Dann weiter im Text: Ich will von jedem einzelnen wissen, wie er das was er gesehen hat aufgenommen hat und ob er vorhat davon etwas weiter zu erzählen. Vorausgesetzt es ist dir Recht Lily?"
„Ich bin mir zwar nicht sicher, ob ich ihre Antworten hören will, aber wahrscheinlich schon. Ich fühle mich noch immer ganz nackt, obwohl ich wieder angezogen bin. Ich kann es nicht fassen, dass sie uns beobachtet haben." Und dabei sah sie vor allem James vorwurfsvoll an.
James sah so bedrückt aus, dass er Remus direkt leid tat.
Aber bevor James antwortete stand er auf und kniete sich direkt neben Lily nieder. „Schau mich an Kleines. Ja, mag sein, dass es ein Stachel von Eifersucht war, der mich hierher trieb. Aber ich konnte einfach nicht wieder zurück. Ich war wie gebannt von deinem Anblick. Du bist so wunderdschön und ich hatte mir schon so lang gewünscht dich so zu sehen. Wie gern wäre ich an Sams Stelle gewesen. Es hat mir das Herz zusammengezogen, wie ich dich so in ihren Armen sah. Ich habe befürchtet, dass du sie in Wahrheit liebst und mit mir nur ein Spiel treibst. Und war dann so erleichtert, als du sagtest du wolltest mich. Ich liebe dich. Und was ich hier gehört und gesehen habe bleibt tief in meinem Gedächtnis verschlossen. Und übrigens,", und dabei wandte er sich an Sam, „Ich freue mich Lilys beste Freundin kennen zu lernen. Ein wenig habe ich ja schon von dir gehört, aber nach Lilys Aussage hätte ich gedacht du wärst nie um eine Antwort verlegen. Ich glaubte aber eigentlich sie meinte Worte und nicht unbedingt Taten."
„Tja, so kann mann sich irren.", schmunzelte die Angesprochene, „Was meinst du Lily? Genügt dir seine Antwort?"
„Ich denke schon. Ich liebe dich James. Und ändern kann ich es sowieso nicht mehr, was du gesehen und gehört hast. Obwohl eine Lehre für die Zukunft: beste Freundinnen wollen nicht belauscht werden."
„Ich werde es mir merken. Solange ihr dabei angezogen bleibt ..." Und mit diesen Worten nahm James Lily endlich in die Arme und küsste sie.
„Tja, und wie ist das mit dir Remus?" Sams Augen schienen ihn zu durchdringen und er wäre auch ohne diesen Stein nicht fähig gewesen zu lügen.
„Ich konnte mich einfach nicht mehr bewegen. Ich weiß, dass es nicht richtig war euch zuzusehen. Aber es war einfach zu faszinierend. Und bevor James noch auf dumme Gedanken kommt: ich hatte eigentlich nur Augen für dich Sam."
Diese zog erstaunt eine Augenbraue hoch und musterte ihn nun mit leichtem Schmunzeln.
„Es stimmt aber. Du bist wunderschön. Und nie hätte ich mir träumen lassen Zeuge eines so intimen Tuns zu werden. Und dass mir meine Hosen zu eng wurden liegt wohl vor allem daran, dass ich mir vorgestellt habe deine Hände würden über meinen Körper gleiten." Remus war zwar nun selbst knallrot im Gesicht sprach aber weiter: „Ich weiß, dass mir das nicht zusteht. Aber ich konnte meine Augen einfach nicht mehr abwenden. und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich dich womöglich nie wieder sehe. Kannst du nicht Lilys Vorschlag nach Hogwarts zu wechseln annehmen? Bitte."
Jetzt sahen auch die anderen Sam neugierig an. Wie würde sie reagieren? Und Remus hatten sie diese Worte auch nicht zugetraut. Er hielt sich meist im Hintergrund und es war nicht üblich, dass er auf andere so offen und fordernd zuging.
„Interessante Frage. Ich bin mit meiner Schule eigentlich ganz zufrieden."
„Aber mit deinen Mitschülern nach deiner eigenen Aussage ja wohl nicht.", wandte jetzt Sirius ein.
„Glaubst du wirklich, dass ich hier eher fündig werde?"
„Du musst doch gar nicht länger suchen. Weckt Remus denn nicht dein Interesse?"
„Wir sind doch eigentlich nicht hier um über mich zu reden. Also nun zu dir Sirius. Wenn du schon so frech bist dann gib mit du jetzt mal Antworten.", Sam sah Sirius auffordernd an. Sie machte nicht den Anschein, als würde sie sich im Moment zu Remus äußern wollen.
Sirius seufzte gequält auf. „Wenn es denn sein muss. Also ich fand es äußerst interessant euch zuzusehen. Zwei hübsche Frauen – nackt – und ganz vertieft ineinander. Ein wunderschönes Bild. Auch wenn ich James verstehe, dass es ihn dabei störte, dass seine Freundin Lily ein Teil des Paares war. Ich war fast enttäuscht, als ich feststellte, dass euer Handeln wohl etwas einmaliges, in Sinne von eben nur einem Mal vorkommendes war und nicht auf eine sexuelle Beziehung zwischen euch zurückzuführen war. Und zu dem zweiten Punkt: es würde mir nie in den Sinn kommen jemandem anderen von dem was ich zu sehen bekam zu berichten. Darauf kannst du dich voll und ganz verlassen Lily."
Sam sah ihn eher erstaunt an, bis schließlich erneut ein Lächeln ihr Gesicht überzog. „Könntest du mir das vielleicht noch ein wenig genauer erklären? Weshalb warst du enttäuscht?"
„Weil ich es toll gefunden hätte, wenn ihr euch ganz selbstverständlich in eine Beziehung begäben hättet, die in unserer Zeit wohl mit einigen schiefen Blicken bedacht würde. Obwohl zwei Frauen ja noch eher toleriert werden als ..."
Hier stockte Sirius und sah besonders interessiert auf seine Schuhspitzen.
Alle Blicke richteten sich auf ihn, aber es war Severus, der als erster sprach, wobei er Sirius einen mehr als erstaunten Blick zuwarf. „... eher als zwei Männer. Ich bin wohl selten mit Sirius einer Meinung aber hier hat er recht. Ich sah euch eigentlich auch zu Beginn als Liebespaar, und nicht bloß ... ich weiß ja nicht wie ihr das nennen würdet ... als freundschaftliche Hilfeleistung?"
„Und ich denke ihr beide habt mehr gemeinsam als ihr je zugeben wolltet."
„Was soll das nun wieder heißen? Ich habe nichts mit diesem Slytherin gemeinsam.", empört hatte sich Sirius Luft gemacht. Was erlaubte sich diese Frau eigentlich? Kam daher und hielt ihnen Vorträge und fragte sie aus. Es reichte jetzt ja wohl.
„Klartext: Sirius, stehst du auf Frauen?"
Sirius sah sie mit vor Schreck geweiteten Augen an. Er rang mit einer Antwort, doch dann war zwar leise aber deutlich sein „nein" zu vernehmen. Remus und James sahen sich verwundert an. Weshalb war ihnen das noch nie in den Sinn gekommen? Aber jetzt fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen. Es passte, auch wenn sich Sirius ihnen nie auf mehr als freundschaftliche Art und Weise genähert hatte, er hatte auch nie wirklich von einem Mädchen geschwärmt, auch wenn er öfter mal mit einer ausgegangen war. Aber das war wohl doch nur zum Schein erfolgt.
„Und genau das meinte ich.", erklärte Sam lächelnd und sah dabei abwechselnd von Sirius zu Severus.
Jetzt war es Severus, der seine Schuhe einer genauen Betrachtung unterzog und Sirius, der ihn verwundert ansah. „Du? Du der du als einer der biestigsten Slytherins verschrien bist? Der zu der Elite der Bösen gezählt wird? Als einer der härtesten Männer unter ihnen?"
„Ach ja – und selbst? Der wunderbare Sirius, dem die Mädchen hinterher jagen. Immer so cool, so lässig. Ja du stehst ja auch ganz offensichtlich zu deinen Neigungen. Genauso wie ich. Und was glaubst du wäre in Slytherin los wenn ich mich oute? Ein schönes Leben wäre das. Dort würde das keiner verstehen. Vielleicht geht es ja auch anderen genauso wie mir, aber zugeben würde das keiner. Das gilt als unmännlich – abartig – pervers. Ich hätte keine ruhige Minute mehr und wäre nur noch dem Gespött ausgeliefert. Es reicht auch so schon." Und bei diesen Worten sah er James und Sirius durchdringend an. Diese beiden waren es ja, die ihn sowieso immer wieder triezten.
„Sind Männer denn nur Männer, wenn sie Frauen vögeln?", war Sams Frage zu vernehmen.
Einen Moment war es mucksmäuschenstill ob dieser offenherzigen Fragestellung, dann erscholl ringsum ein befreiendes Lachen.
„Es scheint so.", ertönte es gleichzeitig von Sirius und Severus. Sie sahen einander erstaunt an. Hatten sie wirklich dasselbe im selben Moment gesagt?
„Vielleicht solltet ihr einmal versuchen miteinander zu reden. Ich denke das könnte euch beiden ein wenig helfen euch über euch selbst klarer zu werden." Sam sah die zwei Jungs nachdenklich an. „Und ich finde es nicht unmännlich, wenn Männer sich für Männer interessieren. Bloß schade um zwei so interessante Jungs, die der Frauenwelt verloren gehen." Ihr Blick war so schelmisch und sie zwinkerte den beiden dabei so vergnügt zu, dass diese selbst schmunzeln mussten.
„Danke für das Kompliment." meinte Sirius. Und Severus sah sie nur mit fragendem Blick an. Er bezog diese Aussage mit Sicherheit nicht auf sich. Abgesehen von einigen Slytherinmädchen, die ihn bewundernd ansahen, wenn sie einige Fiesheiten von ihm und seinen Freunden mit bekamen, war es ihm noch nie passiert, dass ihn eine Frau interessant genannt hatte.
„Was schaust du so skeptisch Severus? Du hast etwas an dir, dass dich sehr wohl interessant macht. Du strahlst eine so kühle Unnahbarkeit aus, die ich als reizvoll empfinde. In dir kann man nicht wie in einem offenen Buch lesen und möchte gern hinter deine Geheimnisse kommen."
Remus fühlte sich nicht wohl in seiner Haut. Er hing so gebannt an Sams Lippen, und er spürte die Eifersucht in sich hochsteigen, weil sie so offensichtlich mit Sirius und Severus flirtete, obwohl die beiden soeben zugegeben hatten schwul zu sein. Er hatte wirklich gehofft, sie würde sich vielleicht auch für ihn interessieren. Aber da hatte er sich scheinbar getäuscht. Doch da sprach sie ihn direkt an: „Remus, wärst du so lieb und würdest mich zum Tor begleiten. Ich sollte schon längst weg sein und kann doch nur von außerhalb apparieren. Und falls mich jetzt im Dunkeln jemand von euren Lehrern auf dem Gelände erwischt könnte das unangenehm für mich werden. Wenn du bei mir bist sehen sie vielleicht nicht so genau hin."
Remus sah verwundert auf. Es lag ihm schon die Frage auf den Lippen weshalb sie ihn dazu aufforderte sie zu begleiten.. Aber da sagte Lily: „Ach ja. Du hast ja irgendetwas von einer Strafarbeit gesagt. Aber du denkst daran. Nächsten Samstag treffen wir uns in Hogsmead, okay?" Und dabei umarmte sie ihre Freundin und gab ihr einen ganz freundschaftlichen Kuss auf die Wange.
„Ciao Sam." James streckte ihr die Hand entgegen, die sie lachend entgegennahem. „Man sieht sich."
Sirius sah sie mit prüfendem Blick an: „Du bist eine sehr seltsame Person liebe Sam. Bist du immer so unverblümt mit deinen Aussagen? Und weichst selbst Fragen aber elegant aus?" Und dabei sah er Remus an. Er hatte gespürt was in diesem vorging.
Sam sah von einem zum andern. „Tja, wenn du denkst ich dürfte selbst auch keine Antwort schuldig bleiben: Remus, ich würde dich auch gern wiedersehen. Hast du nächsten Samstag schon was vor?"
Remus traute seinen Ohren kaum. Hatte sie ihm gerade vorgeschlagen ihn zu treffen?
„Ich denke ich werde nächsten Samstag in Hogsmead verbringen. Und hoffen dich zu sehen."
„Zufrieden?", diese Frage stellte Sam Sirius.
„Vorläufig ja."
Und damit verabschiedete sich Sam endgültig und schlug gemeinsam mit Remus den Weg in Richtung des großen Tores ein. Lily hatte sich an James gedrückt und machte keine Anstalten den Ort zu verlassen. Sirius sah Severus nachdenklich an. „Ich muss noch über Sams Worte nachdenken. Aber ich glaube ich würde mich gern einmal mit dir unterhalten, demnächst."
Severus sah ihm fest in die Augen. „Okay, unter der Voraussetzung, dass du nicht schon wieder deinen Zauberstab gegen mich richtest."
Und ohne ein weiteres Wort gingen beide in Richtung Schloss. Einmütig nebeneinander her doch ohne ein weiteres Wort zu wechseln. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach und musste erst für sich mit dem gehörten zurechtkommen. An der Tür zum Zugang zu den Kerkern drehte sich Severus noch einmal um. Sirius war ebenfalls stehen geblieben. Es schien als würde jeder noch etwas sagen wollen, beide entschieden sich dann aber wortlos für ein Fortsetzen ihres Weges.
