Kapitel 2

So, hier ist Kapitel Nr. 2.

Kapitel 2 - Seren

Er war allein im Haus. Er wusste es sofort, als er aus dem Kamin in Spinners End stieg. Er könnte die Anwesenheit seiner Partnerin immer fühlen, auch wenn sie lautlos in einem der anderen Räume sein würde .

Aber heute fühlte er sie nicht. Er klopfte sich den Staub von den Hosen und ließ Tasche und Mantel auf seinen Schreibtischstuhl fallen.

Ihm war kalt. Nicht wirklich körperlich, mehr innerlich.

Er mochte die Einsamkeit. Insofern genoss er die leere Stille im Raum. Andererseits wusste er nur zu gut , dass diese Leere nichts mit dem Haus zu tun hatte. Sie wohnte in ihm. Sie war auch da, wenn er sich durch Menschenmassen drängte.

Das machtlose Gefühl ihr ausgeliefert zu sein, niemals davor fliehen zu können, lies ihn frösteln.

Er lies sie in einen Sessel fallen und griff eine dampfende Kaffeetasse aus der leeren Luft. Seine Gedanken wanderten wieder zu seiner Dienstreise.

Eine interessante Frage dachte er. Wie die anderen Lehrer wohl darüber dachten.

Ein spöttische Lächeln schlich sich über sein Gesicht.. Es verschwand sofort wieder als der Gedanke, dass er Durmstrang wiedersehen würde die Oberhand gewann. Mit einem Schauer erinnerte er sich an das dunkle kalte Gemäuer in der weiten unzähmbaren Wildnis.

Unzähmbar wie die dunklen Künste Severus seufzte innerlich.

Er blickte auf. Gleich würde Rauch im Kamin aufsteigen. Er fühlte es immer, wenn sie sich nährte. Und tatsächlich loderten die grünen Flammen in der nächsten Sekunde auf und Seren stieg aus der Asche.

Sie brauchte nicht extra zum Sessel zu sehen, um zu wissen, dass Severus anwesend war. Sie lächelte ihm einen Gruß zu. Severus Augen verfolgten sie durch den Raum zur Garderobe. Ihre schwarzen glatten Haare fielen ihr bis auf die Hüften und hüllten sie ein wie ein glänzender Schleier.

Sie drehte sich zu ihm um.

„Na, wie war dein Tag?" fragte sie ihn warm.

Severus hasste diese Frage, sagte aber nichts sondern nickte nur stumm.

„Du bist ja wieder gesprächig heut.." Trotz des angedeuteten Vorwurfs hatte Serens Stimme etwas neckendes an sich.

Severus holte einmal tief Luft

„Ich werde nächstes Wochenende zwei Tage verreist sein.. Dumbledore schickt mich nach Durmstrang auf die Zauberschulenkonferenz"

Seren hielt auf ihrem Weg aus dem Zimmer innen und drehte sich überrascht um.

„Durmstrang- bist du dir sicher, dass du das tun willst?"

„Viele Wahlmöglichkeiten hat mir der Direktor nicht gelassen" entgegnete Snape mit einem leicht bitteren Unterton.

Seren starrte ihn an, nickte dann aber nur und verließ den Raum.

Severus nippte an seinem Kaffee. Seren würde mit ihm essen wollen. Er wünschte er hätte Hunger.

Er wusste, sie versuchte alles um ihn aufzuheitern. Aber er machte es ihr schwer, viel zu schwer. Er machte sich Vorwürfe deshalb, konnte es aber einfach nicht ändern. Er sah ihre warmherzige Sorge um ihn, wusste wie sehr sie ihn stützte, doch er konnte ihr nichts davon zurück geben.

Seren wirbelte zurück ins Zimmer, was ihn aus seinen Gedanken riss.

„Isst du mit mir?" Seren sah ihn fragend an.

Snape nickte. Er würde sich ein paar Bissen herunter würgen. Das war er ihr einfach schuldig.

Seren klatschte in die Hände und auf dem Tisch in der Zimmermitte erschienen verschiedene Speisen.

Während des Essens versuchte er Serens Fragen zu dem Kongress nicht allzu gleichgültig zu beantworten und rang sich hin und wieder sogar ein Lächeln ab.

„Und?" Würde es dir besser dabei gehen, wenn ich mitkommen würde?" fragte sie vorsichtig.

Snape zuckte mit den Schultern. „Das ändert nichts an der Situation"

Seren lächelte verzeihend. „ Nun, wirklich wild darauf mitzukommen bin ich auch nicht."

Sie kannte Severus direkte Art und konnte damit leben. Es war ihr lieber, als wenn er ihr etwas vorspielen würde. Nie brauchte sie hinter seinen Worten nach versteckten Botschaften zu suchen. Er sagte was er meinte.

Etwas mitleidig betrachtete sie ihn. Er aß nicht mehr und blickte gedankenverloren auf seinen leeren Teller.

Mit einem Schwung ihres Zauberstabes war der Tisch wieder leer und Snape schreckte hoch.

Später saßen sie vor dem Kamin und lasen. Zumindest Seren las, während Severus seit Minuten ein und dieselbe Seite seines Buches anstarrte.

„Ich will es ihr sagen- aber wie...sie KANN es nicht verstehen." Er wollte nicht zu dieser verdammten Tagung. Er hatte Angst vor diesem Ort. Er war immer allein, aber dort würde er einsam sein.

Ein kalter Hauch schien seine Arme hoch zukriechen als er an seinen letzten Aufendhalt in dieser Schule dachte.

Es war noch zu Voldemorts Zeiten gewesen. Zum Schluss war der dunkle Lord sich seiner Sache so sicher gewesen, dass er Todessertreffen offiziell veranstaltete - in Durmstrang.

Severus hatte diesen Ort vom ersten Augenblick an gehasst. Es gab keinen wirklichen Grund für die tiefen Angst, die ihn in diesem Land befiel. Zumindest kannte er ihn nicht.

Vielleicht war es die Wildheit und Unberechenbarkeit, des Landes als auch der Menschen. Er verstand beides nicht. Er hasste es, wenn er etwas nicht verstand. Er konnte scharfsinnig denken, brillant kombinieren und kannte jeden Winkel des menschliches Verstandes. Seine Kunst lag im genauen Beobachten und genauen Handeln. Wo aber der Verstand und die Rationalität aufhörten, verließen ihn seine Künste und Erfahrungen. Er war machtlos etwas Unberechenbarem ausgeliefert.

Durmstrang war genau das gewesen. Dort wurden Künste praktiziert, die niemals in Büchern aufgeschrieben worden waren und deren Logik jenseits von Hogwarts Welt lag. Schon die Schüler des ersten Schuljahres hatten dort ausschließlich nonverbal gezaubert, und ab dem dritten Schuljahr waren den Schüler im Unterricht sogar die Zauberstäbe untersagt.

In Hogwarts wurden Technik und Logik vermittelt. Akkurate Anwendung von Sprüchen und Rezepten verbunden mit Selbstbeherrschung und Gedankenkontrolle würden einem Schüler in Hogwarts immer gute Noten bescheren.

In Durmstrang aber war ein Schüler mit nichts als Logik und Technik verloren. Keine fertigen Zaubersprüche wurden den Schülern serviert.

Tief in den Abgründen der menschlichen Psyche und in den eisigen Weiten des rauen Landes hatte schon so mancher Schüler dort sein Leben oder seinen Verstand verloren.

Snape konnte nur ahnen, wie der Unterricht aussehen mochte, um den Schülern die Dinge zu vermitteln, die er dort gesehen hatte.

Er wollte Seren nicht damit belasten. Sie würde seine Angst nicht verstehen können. Er wusste, sie würde ihm helfen wollen, wüsste sie von seinen Sorgen. Doch sie konnte es nicht. Er hasste es, wenn er die Verzweiflung auf ihrem Gesicht mit ansehen musste, wenn sie feststellte, dass sie ihm mit etwas nicht helfen konnte. Nein...durch diese Sache musste er allein durch.

Er blickte von seinem Buch auf und sah Seren an.

Sie half ihm so sehr. Sie hatte ihn nach Voldemorts Tod wieder unter die Lebenden geholt. Er hatte sie in St. Mungos kennengerlernt. Sie war dort Krankenschwester und bis heute war er sich nicht sicher, ob er in ihren Augen je den Patientenstatus verloren hatte. Sie war ihm näher als je ein Mensch ihm gewesen war. Er wusste, dass sie ihn mit all seiner Vergangenheit ohne wenn und aber akzeptierte. Aber verstehen, da war er sich sicher, würde sie ihn niemals können. Dafür fehlten ihr einfach die Erfahrungen.

Er fühlte sich schuldig. Sie gab ihm so viel, doch er konnte ihr nichts geben. Er war froh, dass sie ein eigenes, selbstständiges Leben führte, denn er konnte ihr weder einen wirklich festen Platz in seinem Leben geben, noch konnte er sie in irgendeiner Form stützen.

Ein samtenes Lächeln schlich sich in seinen Züge. Sie hatte ihm beigebracht, was „stützen" überhaupt bedeutet. Vermutlich hatte er diesen Begriff in seinem Leben als Spion nicht gekannt. Seren hatte ihm zugehört und er hatte gelernt zu reden. Seren hatte ihm trotzdem er sie viel zurückgewiesen hatte, niemals ein schlechtes Gewissen gemacht. Sie war eine Freundin, wie er sie sich immer in Lilly gewünscht hatte.

Er stand auf und setzte sich dicht neben sie auf das Sofa.

Seren hob den Kopf und sah in verwirrt an.

„Was ist?"

„Nichts" flüsterte er und schluckte einen Klos im Hals runter. Sanft strich er ihr über den Arm.

Mit einem Ruck richtete sich Seren auf und legt das Buch beiseite.

„Was ist mit Dir, du bist heute ziemlich seltsam"

Es gab keine Worte für das, was mit ihm los war. Er lies ihren Arm los.

„Nichts, ich habe..." Severus brach den begonnenen Satz ab.

Seren lies zwei gefüllte Weingläser herausschweben und reichte eines davon Severus. Er sah sie entgeistert an. Er war nicht wirklich in Stimmung für einen romantischen Abend, angelte sich das Weinglas aber aus reinem Pflichtgefühl aus der Luft.

Seren lächelte. Severus schauderte dabei.

Er ahnte was hinter diesem Lächeln und dem Wein steckte. Und richtig...

Wenige Minuten später saß Seren dicht neben ihm und begann sein Hemd aufzuknöpfen. Sanft hielt er ihre Hand fest.

„Seren...ich bin müde, und..."

„Ich kann dich wieder wach machen..." fiel sie ihm verführerisch ins Wort.

Er sah ihr in die blitzenden Augen und wusste, dass nur eine beherzte Aktion ihn jetzt noch retten konnte.

Entschieden schob er sie zur Seite und stemmte sich vom Sofa hoch.

„Es tun mir leid" murmelte er und verließ beinahe fluchtartig das Zimmer

Seren starrte ihm nach und leerte das Weinglas in einem Zug.

Sie nahm es ihm nicht wirklich übel, auch wenn sie Mühe hatte die eigene Frustration niederzukämpfen. Er hatte eben viel um die Ohren.

Noch lange lag sie an diesem Abend wach neben ihm im Bett und lauschte seinen unruhigen Schlafgeräuschen.

Sie war sich darüber im Klaren, dass Teile von Severus ihr immer unerklärlich bleiben würden. Und sie wusste, dass er dies wusste. Nein schlimmer, er fühlte es.

Sie spürte, wie er versuchte sie nicht zu ängstigen, indem er über bestimmte Dinge nicht sprach.

Es war nicht seine Todesservergangenheit, die sie fürchtete. Lange hatten sie über jedes seiner grausigen Erlebnisse gesprochen und jeden einzigen seiner einsamen Tage hatte sie mit ihm noch einmal durchlitten.

Es waren vielmehr Dinge der Gegenwart. Sie ahnte, dass genau diese Dinge in Durmstrang erneut an die Oberfläche gespült werden würden. Sie spürte seine Angst davor.

Seine Angst seinen mühsam erkämpften inneren Frieden mit ihr wieder zu verlieren...sie zu verlieren.

Seren lächelte still. Nein, er würde sie nicht verlieren. Sie würde versuchen alles an ihm zu verstehen, was da noch kommen sollte.

Trotz dieses zuversichtlichen Gedanken schlichen sich nagende Zweifel aus ihrem Unterbewusstsein zu Tage. So sehr Severus sich auch bemühte ihr gerecht zu werden, niemals würde sie zu seiner Welt gehören... doch wer konnte das schon von sich behaupten?.

tbc

Soooo, dass nächste Kapitel heißt dann Hermine ;-)