Disclaimer: Sind leider alle nicht meine, hab sie mir mal kurz von Ron Moore und David Eick ausgeborgt. Während des Schreibens dieser Story und auch danach sind keine Hotdogs (ernsthaft) verletzt worden ;).

Der Tag Danach

Einen tiefen Zug aus seiner Zigarette nehmend verließ Doktor Cottle das Quartier. Auf dem Flur erwartete ihn Bill Adama.

"Und?"

"Hoffnungslose Fälle. Alle Beide. Aber das ist auch nichts wirklich neues, vor allem nicht bei Captain Thrace. Aber ihrem Sohn hätte ich zumindest einen Ansatz von Verstand zugetraut. Na ja, der ging vielleicht bei seinem kleinen Ausflug mit dem Schleudersitz durch den Sauerstoffmangel flöten." Er nahm noch einen Zug aus der Zigarette. "Die beiden haben wirklich zweiundzwanzig Tafeln Schokolade gegessen?"

"Das hat Athena mir erzählt."

"Nicht schlecht. Ich kann Ihnen versprechen, die beiden werden nie wieder Schokolade essen, zumindest nicht in der Menge."

"Das will ich hoffen," sagte Bill. "Denn ansonsten werde ich zum Alkoholiker oder die beiden umbringen."

"Ich wär für den Alkoholiker. Das Umbringen erledigen die Zwei schon gegenseitig selber." Cottle drückte die Zigarette an der Wand aus, ohne sich um den missbilligenden Blick Adamas zu scheren." Jetzt entschuldigen Sie mich. Ich muss noch zu den Agathons. Da gibt es nämlich noch jemanden, der den Zuckerrausch bereut."

"Geht es Athena immer noch so schlecht?"

"Ach quatsch, die ist schon wieder topfit. Hat sich gestern genug ausgekotzt. Nein, es ist Helo. Hat 'ne dicke Backe, und diesmal steckt kein Lutscher drin. Würde mich wundern, wenn ich mich auf der Suche nach einem Zahnarzt machen darf. Mit diesen Fliegern hat man nichts als Ärger."

"Wem sagen Sie das," seufzte Bill.

Die beiden Männer entfernten sich langsam vom Quartier, während sich darin langsam etwas regte.

Nach mehreren vergeblichen Anläufen gelang es Lee Adama, sich von einer Seite auf die andere zu drehen.

"Oooh, is' mir schleeeeeeecht," stöhnte er und wartete auf eine Mitleidsbekundung.

Die kam aber nicht. Also begann er lauter zu jammern. "Mein Bauch tut sooo weh."

Als Antwort flog ihm eine Socke ins Gesicht.

"Halt die Klappe, Lee, ich versuch hier grade zu sterben," brummte Kara, die zusammengerollt in ihrer Koje lag.

"Das hast du schon mal versucht, und es hat nicht geklappt."

"Dann klappts jetzt. Und DU bist schuld!"

Langsam hob Lee den Kopf und kämpfte tapfer gegen seinen Magen an, der ihm unbedingt etwas von der Schokolade wiedergeben wollte.

"ICH bin schuld?"

"Ja," stöhnte Kara in ihr Kopfkissen. "Wer hat denn gesagt, dass er noch zehn Tafeln essen könnte?"

"Wer hat denn gesagt, dass sie mehr als zehn schafft?"

Lee ließ den Kopf wieder aufs Kissen fallen.

"Du hast mich rausgefordert," konterte Kara und drehte sich auf die Seite.

"Hättest ja nicht annehmen müssen."

"Du weißt, dass ich keiner Herausforderung widerstehen kann."

"Mir ist zu schlecht, um mich mit Dir zu streiten. Weißt Du was? Sharon ist schuld. Die hat uns beide herausgefordert."

"Nein, Helo. Der hat seinen Job als meine Stimme der Vernunft nicht gemacht. Ich werd ihn feuern."

Lee öffnete ein Auge. "Helo und Vernunft? Das passt nicht. Kein vernünftiger Mensch wär mit Dir befreundet."

Kara grinste ihn schief an. "Dir ist klar, dass das auch auf Dich zutrifft."

"Ich hab nie behauptet, dass ich vernünftig bin." Er rieb sich den Bauch und stöhnte wieder. "Ich esse nie wieder Schokolade. Ich esse nie wieder irgendetwas."

"Hör auf vom Essen zu reden," sagte Kara und warf die nächste Socke nach ihm.

Es dauerte einen Moment, bis Lees schokoladengefülltes Hirn den Aufschlag registrierte.

"Aua!"

Kara zog eine Augenbraue hoch. "Das war nur eine Socke!"

"Aber eine, die stinkt."

"Beschwer dich bei Racetrack. Sind ihre Socken."

Mit einiger Mühe schaffte es Lee, seinen Kopf noch einmal anzuheben. "Wieso hast du Racetracks schmutzige Socken?"

"Wieso hast du dir gestern ihren BH gegriffen?"

"Das war keine Antw... IHREN BH?? Ich dachte das war deiner!"

"Hatte ihn mir geborgt. Meine waren alle in der Wäsche. Dafür hab ich Racetrack versprochen, ihre Wäsche zu machen während sie Landurlaub hat."

Sie zog sich wieder die Wärmflasche auf den Bauch, die Gaeta im Auftrag von Laura Roslin vorbeigebracht hatte.

"Erinnere mich dran, mich bei der Präsidentin zu bedanken. Vielleicht schenk ich ihr was."

"Und was?"

"Keine Ahnung." Sie dachte kurz nach. "Sie mag doch Schokolade, oder?"

"Zitat: lass das denken, da kommt nichts gutes bei raus. Zitat Ende."

"Ach komm schon, Lee," sagte Kara and stützte sich mühsam auf einen Ellbogen. "Überleg doch mal. Wenn wir schon so abgehen, was meinst du denn, was Roslin anstellt?"

Für einen Moment rollte sich Lee auf den Rücken und überlegte. Dann drehte er sich wieder zu Kara.

"Meinst Du, Hotdog und Racetrack würden uns Geschenkpapier mitbringen, wenn wir sie erreichen?"

Ein boshaftes Grinsen erschien auf Karas Gesicht. Das verschwand ganz schnell, als sich die Schokolade wieder meldete und Karas Gesichtsfarbe von blass zu einem leicht grünlichen Ton wechselte.

"Ugh," stöhnte sie und griff nach dem Fläschchen, das Doktor Cottle ihr gegeben hatte. Sie nahm einen tiefen Zug und verzog das Gesicht. "Wirkt das Zeug bei dir?"

"Wenn Du meinst, dass mir allein vom Geruch noch schlechter wird... ja. Ich glaube, Doktor Cottle will uns bestrafen."

"Das würde ich ihm zutrauen."

Für einen Moment schwiegen die beiden. Dann sagte Lee: "Wir sind schon ziemliche Idioten, oder?"

"Ja," sagte Kara. "aber ich hab eine gute Entschuldigung."

"Und die wäre?'

"Ich bin blond. Was ist deine?"

Lee überlegte einen Augenblick. " Nachdem ich aus dem Blackbird aussteigen musste, hab ich einige Zeit keinen Sauerstoff gehabt. Vielleicht habe ich davon einen Hirnschaden zurückbehalten."

"Ne," sagte Kara. "Den hattest du schon vorher."

"Könnte daran liegen, dass ich zuviel Zeit mit dir verbracht habe."

"Zwing mich nicht aufzustehen und rüber zu kommen, Lee."

"Weil Du sonst wieder ein vorgesetztes Arschloch schlagen musst?"

"Nein, weil ich sonst auf den Fußboden kotze."

"Du findest mich also zum Kotzen?" Lee zog eine Augenbraue hoch.

Kara schnaubte. "Im Augenblick finde ich alles und jeden zum Kotzen."

"Kann ich verstehen, ich auch."

"Vielleicht ist das der Grund, warum uns dein Vater nicht aus der Luftschleuse geworfen hat. Der wusste, wie es uns heute gehen würde."

Sein Gesicht in den Händen versteckend, stöhnte Lee laut auf. "Ganz bestimmt nicht. Der wartet nur bis es uns wieder besser geht und er uns überm offenen Feuer rösten kann."

"Ach komm, der alte Mann hat 'ne Schwäche für uns. Warum hat er uns sonst so viel Scheiß durchgehen lassen?"

"Wegen akuter Personalknappheit. Hättest ihn mal erleben sollen, als ich das erste Mal..." Als Lee bewusst wurde, was er da grade fast gestanden hätte, brach er mitten im Satz. Leider hatte er genau dadurch Karas volle Aufmerksamkeit von ihrem verdorbenen Magen auf sich selbst gelenkt.

"Als du das erste Mal was?"

"Nicht weiter wichtig."

"Doch, sehr wichtig."

"Nein, ist es nicht."

"Doch, ist es."

"Nein!"

"Doch!"

"NEIN!"

"DOCH!"

Ein Räuspern in der Tür rettete Lee -zumindest kurzfristig- vor Karas bohrenden Fragen. Die beiden Piloten drehten die Köpfe zur Tür und sahen dort einen reichlich nervösen Gaeta stehen, dessen Kopf reichlich rot war. Er war am vorherigen Abend auf dem Korridor gewesen, den Lee und Kara in ihrem Zuckerrausch entlang gerannt waren.

"Ich... ich hoffe, ich störe nicht bei was wichtigem. Dee hat mich gebeten, Euch das hier zu geben."

Er betrat den Raum und gab beiden jeweils einen mit Büroklammern zusammengehaltenen Stapel Zettel, angestrengt darum bemüht, weder Lee noch Kara anzusehen.

"Was ist das?" fragte Lee.

"Offenbar habt ihr gestern bei einigen Leuten eine ziemlichen... Eindruck hinterlassen und die ihre Telefonnummern. Ich... muss dann mal wieder."

Gaeta verließ das Quartier so schnell, dass er fast über seine eigenen Füße stolperte.

Lee sah Kara kurz an, die nur mit den Schultern zuckte und dann ihr Zettelpaket durchsah.

"Jesse... Brennan... Richard... Dirk... Dirk? Wer bei den Göttern nennt seinen Sohn nur Dirk?"

"Keine Ahnung." Lee las nun selbst seine Zettel. "Emma... Lexa... Shalimar, schöner Name, klingt exotisch. Serina... David... DAVID???"

Lees Kinnlade fiel fast bis auf den Boden. Sein Gesichtsausdruck verursachte bei Kara einen Lachanfall, der allerdings schnell von einem leichten Übelkeitsanfall unterbrochen wurde.

"Dee hat sich bestimmt vertan."

"Ja," sagte Kara mit ironischem Unterton. "Ganz bestimmt."

"Wirst du einen von den Männern anrufen?"

"Mal sehen," sagte Kara. "Diesen Dirk vielleicht, nur zu sehen, wie ein Dirk aussieht. Und du?"

"Ich denke, ich werde mal diese Shalimar und Serina anrufen."

"Das wird dem armen David das Herz brechen." Dann kam ihr ein anderer Gedanke. "Zwei Frauen? Wer hätte gedacht, dass Lee Adama auf flotte Dreier steht."

"Tu ich nicht."

"Tust Du dooooooch," flötete Kara.

"Nein!"

"Doch!"

"NEIN!"

"DOCH!"

"DOCH!"

"NEIN... Moment," sagte Kara. "Hast du mich grade aufs Kreuz gelegt?"

"Sieht so aus."

"Gewöhn dich nicht dran."

"Schade... ist ein ansprechender Gedanke."

"Was ist ein ansprechender Gedanke?" sagte eine Stimme in der Tür.

Diesmal standen dort Racetrack und Hotdog, die grade von ihrem Landurlaub zurückgekommen waren.

Mit großen Augen sah Kara Hotdog an. "Bist du in einen Farbtopf gefallen?"

Hotdog sah an sich runter. Er trug ein extrem buntes Hemd, das auch mit Blumen bedruckt war und eine Blumenkette "Ach Du meinst das Hemd? Hab ich gekauft, auf... wie heißt das noch mal wo wir waren?"

"Hawaii," sagte Racetrack mit verträumtem Unterton. Das Kleid, das sie trug war nicht weniger bunt als Hotdogs Hemd, und hinter ihrem Oh steckte eine große rote Blume. "Das ist soooo schön dort. Ich glaube, ich zieh da hin."

Sie ließ sich auf ihre Koje fallen. "Haben wir irgendwas Interessantes verpasst?"

Lee und Kara sahen sich kurz an und schüttelten dann die Köpfe."

"Nein."

"Gar nichts."

"Absolut nichts Interessantes"

"Nichts was man wissen müsste."

Beide sprachen gleichzeitig und durcheinander.

Racetrack und Hotdog sahen sich kurz an und kamen still überein, nicht weiter zu fragen. Sie würden es eh bald über den Flurfunk erfahren. Und so wie Kara und Lee taten, musste es etwas seeeeeehr Interessantes passiert sein.

"So," sagte Hotdog, der bereits begonnen hatte, seine Tasche auszupacken. "Ich geh mal eben zur Krankenstation. Ich Doktor Cottle versprochen, ihm ein paar Stangen Zigaretten mitzubringen. Der wird sich freuen, der Verkäufer hat mir nämlich noch ein paar spezielle Zigaretten umsonst dazu gegeben." Er nahm die drei Zigarettenstangen aus der Tasche. "Aber irgendwie sind diese Erdlinge komisch. Die tun doch ernsthaft Gras in Zigaretten und nennen die dann 'Tüten'. Verrückt, oder?"

"Lass mich das machen, ich wollte eh noch dahin. Ich brauch noch was," sagte Racetrack.

"Das kann ich Dir doch mitbringen," bot Hotdog an.

"Du willst Cottle um einen Mittel gegen Unterleibskrämpfe bitten?"

Ohne ein weiteres Wort drückte Hotdog Racetrack die Zigarettenstangen in die Hand und die Tüte mit den Tüten.

"Viel Spaß."

"Danke." Sie lächelte ihre drei Kameraden an. "Bis später."

Ein Liedchen pfeifend verließ sie den Raum, als Hotdog etwas einfiel.

"Für Euch haben wir ja auch was mitgebracht." Er wühlte in seiner Tasche rum und zog etwas raus. Grinsend drehte er sich um und präsentierte seine Mitbringsel. "Für Euch! Schokolade von der Erde."

Sekunden später rannte er um sein Leben.